Von Arnold Cronberg
Vor fast 160 Jahren, 1843, gedachte Deutschland festlich des »Tausendjährigen Bestehens des Deutschen Reiches«. Ein Jahr später feierte die Königsberger Universität ihr 300jähriges »Fest der reinen Vernunft«, um den bisher größten Denker unseres Volkes zu würdigen. Als Antwort darauf kannte Rom nichts besseres als eine seiner bis heute unsterblichen Reliquien, den »Heiligen Rock Christi« im Dom zu Trier (Joh. 19, 23), auszustellen.
In dieser Zeit, am 26. August 1841, dichtete Hoffmann von Fallersleben (1798 bis 1874) »Das Lied der Deutschen« und zuvor, 1839, »Mein Vaterland« mit den schönen und wahren Vers: »Was ich bin und was ich habe, dank ich dir mein Vaterland.« In seinen »Politischen Gedichten« (Sprüche Nr. 17) von 1843 schrieb er dann als notwendiges Zeitzeugnis die heute weitgehend verdrängte Wahrheit:
»Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.«
Mit dem »Deutschen Reich«, der »reinen Vernunft« und dem »Vaterland« ist auch der »Denunziant« geschwunden. Ihn gibt es heute nicht mehr, obwohl er unter Hitler und der Gestapo, aber auch in den Jahren der »Hexenjagd« nach dem Krieg, vom Volk noch verachtet war. Und das gerade deshalb, weil diese menschliche Verkommenheit in der Diktatur gang und gebe geworden war!
Doch halt! Das Fremdwörterbuch übersetzte 1990 »denunzieren a) (abwertend), jemand (aus persönlichen niedrigen Beweggründen) anzeigen; b) etwas als negativ hinstellen, etwas brandmarken, öffentlich verdammen, verurteilen, rügen, z. B. eine Anschauung als nationalistisch, ein Buch, eine Meinung«. Es kommt also auf die hinter der Denunziation stehende Gesinnung an, wobei man den Duden fragen muß, welch (Zeit-) Geistes Kind er hier selbst werten läßt. Die wurmstichig gewordene »Faschismuskeule«?
Nun gleich, es mag durchaus berechtigte Gründe selbst für hauptberufliche Antifaschisten geben, all und jedes, heute, gestern und in aller Geschichte und gleich, ob tot oder lebendig nach heutigen Maßen anzuprangern. Zu oft aber durchwühlt man heute alles, was nicht in ihre blockierten Schädel hineinpaßt, jedoch irgendwie zu den neuen Feindbildern seit 1945 zu rechnen ist. Ja, meist hat das mit dem eigentlichen Nationalsozialismus selbst nicht das geringste zu tun. Um des Schreibers Lohn wegen, zur Gewinnung eines Persilscheines, zum Karrieresprung nach oben, oder aus Gehässigkeit, Abrichtung, Dummheit?
Sachlichkeit, Wahrheitswille, Stil verraten stets die auch Gesinnung eines Beitrages: das Verantwortungsbewußtsein oder auch den »Lumpen«, den »Nichtswürdigen«.
Das sog. »Berliner Institut für Faschismus-Forschung« (BIFFF) tritt netzweit als wissenschaftliche Gründung auf, beinhaltete doch das Wort Forschung bislang sachliche und vorurteilfreie Untersuchungen, laut Tacitus sine ira et studio – »keinem zu Lieb' und keinem zum Leide«. Ob diese Berliner Forscher, die sich namentlich nicht einmal zu erkennen geben, diesem sittlich selbstverständlichen Grundsatz folgen, wird sich im folgenden weisen. Doch schon jetzt muß vom wissenschaftlichen Standpunkt aus darauf hingewiesen werden, das Wort »Faschismus« bedeutet hier einen alten marxistisch-kommunistischen Kampf- und Denunziationsschrei, nicht unverwandt den braunen von einst. Es soll als Propaganda-Totschlagwort wirken und Stimmung machen, den »Geist« der Zeit. Faschismus bedeutet also keineswegs einen in der Sozialwissenschaft gebräuchlichen Begriff. (Näheres Hans-Helmut Knütter, Die Faschismuskeule, 1994)
Daß es sich hier nicht um diesen handelt, verrät auch der Titel der Webseite: »Nach den Nazis jetzt auch Universelles Leben. Massive Sekten-Kontakte beim HVD« (Humanistischer Verband Deutschlands) Das verunglimpfende Wort »Sekte« verletzt nämlich ebenfalls Menschen anderer Gesinnung und auch den Artikel 3 des Grundgesetzes. Im Vorspann heißt es dann ähnlich, aber auch aufklärend:
»Eltern wissen nichts vom Hintergrund des HVD-Lebenskundeunterrichtes an Berliner Schulen – SPD- und PDS-Prominenz deckt bisher den HVD – HVD-Chefideologe Hubertus Mynarek als Anhänger des Nazi-Ideologen Wilhelm Hauer und als Aushängeschild für die Sekte Universelles Leben/Heimholungswerk – Ideologie aus Biologismus und Antisemitismus – HVD wirbt für Hauers Freie Akademie – Von der Internet-Homepage des HVD kann man sich durchklicken bis zur Homepage der Scientology Church.«
Schlagwortartig wird nun dem zuvor auch von Rom verfolgten Ex-Katholiken, Religionswissenschaftler und ehemaligen Dekan, geboren 1929, angekreidet, in der wichtigsten HVD-Zeitschrift namens »diesseits« zahlreiche und umfangreiche, »aber wirre« Beiträge über seine »ökologische Religion« zu veröffentlichen, ohne Rücksicht auf Art. 4, die unverletzliche Glaubensfreiheit. Deshalb müsse er als ihr Chefdenker angesehen werden. »Diesseits« begrüßte Mynarek 1998 »überschwenglich« als neues Mitglied des HVD. Das Blatt liegt in der Senatsbibliothek aus und dürfte weder von den Berliner Senatoren noch den Abgeordneten gelesen werden. In seinem Buch »Ökologische Religion« soll der darwinistische Ex-Theologe seine Gegner als »Irrläufer der Evolution« bezeichnen und überdies die Meinung vertreten, seine Anhänger stünden »auf der Evolutionsleiter bereits eine Stufe über den Normalmenschen.« Die sich durch solchen Unfug wohl getroffen fühlenden Antifaschisten nennen diese Selbsteinschätzung, nicht unbedingt falsch, eine »Neuauflage der Herrenmenschen-Ideologie«. Und das vor allem deswegen, weil der scharfe Christengegner Mynarek sich bei seiner Suche nach einem neuen Weltbild auf »Vordenker des Nationalsozialismus« stütze. Gemeint ist hier der schon von Ludendorff scharf abgelehnte Neubuddhist und Leiter der »Deutschen Glaubensbewegung« von 1933–1936, Jakob Wilhelm Hauer, (1881–1962). Mynarek sei seit Jahren außerdem für die (antikirchlich-christlich-buddhistische) »gefährliche Sekte Universelles Leben« (UL) bei Würzburg tätig. (s. MuM 1999, S. 1102; MuM 2000, S. 333) Doch damit nicht genug, Schulkinder könnten sich über Verweise (englisch: »links«) von der HVD-Seite schnell zu den Werbeseiten zahlreicher Sekten durchklinken, darunter UL und die Scientology Church.
»Die meisten Eltern, die ihre sechs-, sieben-, achtjährigen Kinder in den Lebenskundeunterricht schicken, wissen von alledem nichts. Die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport unter Senatorin Ingrid Stahmer (SPD), schweigt bisher dazu. Prominente SPD-Politiker und HVD-Mitglieder wie Staatssekretär Gerd Wartenberg (ex-HVD-Vorsitzender) und die Abgeordnetenhaus-Mitglieder Jutta Weißenbecker (HVD-Vize), Regine Koch und Kirstin Fussan-Freese (HVD-Vorstandsmitglied) schützen den HVD seit Jahren ab, diesseits prahlt mit ihren Namen. 1998 konnte der HVD auch Prominente aus der PDS – Carola Freundl (früher Vize der PDS-Abgeordnetenhaus-Fraktion, jetzt« (1999) »Baustadtrat von Mitte) – und von Bündnis 90/Die Grünen – Frieder Otto Wolf – als Mitglieder bzw. Funktionärin gewinnen. Ob sie alle die Hintergründe des HVD kennen und bewußt dieser Organisation beigetreten sind, wissen wir nicht, aber klar ist: Kinder im Grundschulalter können nicht kritisch beurteilen, was HVD-Lehrer ihnen an menschenverachtender Propaganda aus dem HVD-Blatt diesseits« (aber doch ebenso bei den letzten Jüngern des Marx, Lenin und Stalin mit ihren 100 000 Opfern anderswo) »vorsetzen. Diese Kinder sind in Gefahr.«
Der HVD nun sei trotz der Warnungen der SPD vor »Nazi-Sekten« tief in ihr verankert. Er verdiene mit dem Unterricht an staatlichen Schulen viel Geld. Bis zu 90% der Kosten für die Lehrer (Unterrichtsstunden, Ausbildung) bezahlt Berlin, mehrere Millionen jährlich, aus Steuergeldern. Der Lebenskundeunterricht sei zu einer wesentlichen geldlichen Säule des HVD geworden. Was in ihm gelehrt wird, wissen die roten Sittenwächter der Berliner Kinder zwar nicht, sie vermuten aber: gewiß auch die Mynarek-Religion, denn es würden ja auch die Inhalte der HVD-Ideologie gelehrt.
Was die selbsternannten, um das Seelenheil der freigeistigen Kinder so besorgten »Forscher« ganz besonders erregt, ist der »Siegeszug« des HVD: Besuchten 1990 erst 2 000 Schüler in ganz Berlin das Fach Lebenskunde, – nicht zu verwechseln mit der Lebenskunde der Gotterkenntnis Ludendorff –, so waren es 1999 schon 25 000 in 250 staatlichen Schulen, davon 80% an Grundschulen und zwei Drittel in Ostberlin. Zwar sind das nur knapp 7% der Berliner Schüler insgesamt, »doch jedes Kind, das vom HVD indoktriniert – womöglich in »die Fänge der Nazis oder der Sekten« geraten sollte, müßte die Öffentlichkeit aufschrecken. Das tut es aber nicht, im Gegenteil! »Berliner Zeitung« und »Tagesspiegel« drucken große Werbebeiträge für den HVD.
Heute lehnt der HVD zwar die Sektenkontakte zur UL ab, doch selbst die elternrechts- und staatsneutralitätswidrige Bonner »Information über neue religiöse und weltanschauliche Bewegungen und sogenannte Psychogruppen« sowie die bundesweiten Warnungen vor »neuheidnischen« rechtsextremen Sekten aus der Tradition des Nazi-»Kirchenkampfes« verfingen wegen ihrer gebetsmühlenhaften Dauerberieselung und Denunziationen nicht, gewiß aber auch wegen des großen Einflusses der organisierten Humanisten. Klug schweigen die christlichen Kirchen und die CDU, warum auch immer. Auch im Jahr 2001 sind UL oder Scientologen über die Internet-Seite des HVD erreichbar, über Links, z. B. zu der für »Atheismus«, die »ihrerseits eine Linksliste zu zahlreichen rechtsextremen Sekten bereithalte«. »Der HVD macht also die Sektenpropaganda weiterhin allgemein zugänglich, vermittelt über Links.«
In dem ideologischen BIFFF-Internet-Rundumschlag fehlt keineswegs die Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft e.V. (DUR), die man laut Kammergerichtsurteil ungestraft »nazistische Tarnorganisation« und »völkisch-rassistische Sekte« beschimpfen dürfe, obwohl damit ihren Mitgliedern klammheimlich die Grundrechte aberkannt werden. Sie leite sich nämlich selbst unmittelbar aus dem Nazi-»Kirchenkampf« ab und betrachte die SS-dominierte »Deutsche Glaubensbewegung« der 30er Jahre, die von dem antisemitischen und antichristlichen Agitator Wilhelm Hauer geführt wurde, als eine ihrer Wurzeln an.
Auch die »DUR-Vordenkerin« Sigrid Hunke (*1913) bekommt selbstredend ihr braunes Fett ab. Und das, weil Mynarek sich in seinem Jugendarbeitsbuch für die DUR auf sie stützt. Denn es vertrete eine »extrem konservative Familienideologie«, und enthalte Angriffe auf den wohl denkmalgeschützten Feminismus. Es gebe auch »Kameradschaft« als schulisches Lernziel vor und bestimme »unser Volk« als »gemeinsame oder wenigsten verwandte Abstammung«. Noch schlimmer, es spricht ausdrücklich von »Volksgemeinschaft«. Mynarek lobe weiter den »Hauptsturmführer der SS und Leiter des Sicherheitsdienstes der SS« in Tübingen, den »Nazi-Hauer« – horribile dictu – als »eine der bedeutendsten Größen der Religionswissenschaft des 20. Jahrhunderts«. Auch folge er ihm in seiner Darstellung des Judentums als »artbestimmten Volksglaubens«. Es folgen weitere »Sünden« wie die von ihm in den 50er Jahren gegründete DURnahe »Freie Akademie e.V.«, in der die »alte Ideologie« gepflegt werde. Hier entdeckten die antifaschistischen Schnüffler den »früheren SS-Arzt Stengel von Rutkowski«, den »obersten Nazi-Rassisten Hans F. K. Günther« und die Werbung des »diesseits« für Mynarek als ihren »profiliertesten Autor«. Besonders wütend sind sie über dessen Hauptwerk »Ökologische Religion« mit Hauers »biologistischem Rassismus«. Der, richtiger die Natur selbst, werde »die geeignetste politische Staatsform schaffen«. Ihr Werkzeug sei der »öko-religiöse Mensch«.
Unter »Mynarek als Sekten–Mann« werden die Anerkennung der »Scientologen–Geistlichen«, deren »Ideologie, im Kern nichts anderes als Herrenmenschentum« und ebenso die HVD–Links zur »Transzendentalen Meditation« oder zum »Universellen Leben/Heimholungswerk« der Gabriele Wittek, einer »totalitären« Gruppe mit »durchaus antisemitischen Tendenzen« aufgelistet:. Der »HVD–Vorzeige–Ideologe« trat für die 1994 als Zeuge gegen Sektenaussteiger auf. Ihr »politisches« Blatt, »Das Weiße Pferd«, nannte 1997 Mynarek ein Opfer der römischen Kirche, die ihn finanziell ruiniert habe. Sein Buch »Die neue Inquisition – Sektenjagd in Deutschland« erschien ebenfalls im UL-Verlag »Das Weiße Pferd«.
Diese (neubuddhistische) UL bekämpfe das »Freimaurertum« und folge den »Protokollen der Weisen von Zion« »als angeblichen Beweis für die geplante Weltherrschaft der Illuminaten gegen die ,Arier«. Der Bundesadler sei nichts anderes als ein »,Zions-Adler«. Der B'nai B'rith-Orden zeichnete nicht nur Genscher und Kohl mit Preisen aus, er habe sogar mit der katholischen amerikanischen Bischofskonferenz eng zusammengearbeitet.
Das rote »Berliner Institut für Faschismus-Forschung« segelt unter einer irreführenden Fahne und betreibt seine »Forschung« im Rahmen eines neu angezettelten religiös-ideologischen Sektenstreites. Wie schon in den 30er Jahren ringen neubuddhistisch-okkulte Kreise (Tibet) gegen die »alten« judäo-christlich-freimaurerischen Mächte und ihre jeweiligen wissenden oder gutgläubigen Anhänger. Das geschieht durch (Sekten-) Gründungen, Verlage, Schriften, Vorträge, Schulen und – Verfilzung.
Niemand lernte auch hier aus der mörderischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Und nicht ein einziger der erwähnten Namen und Gruppen hörte auf die rettende gleichzeitige Aufklärung aus Tutzing, ja, bekämpfte sie sogar. Ihre morddroheidlichen Bindungen und ihr religiös-ideologischer sacro egoismo ließ sie zu Verrätern an ihrem Volk wie an Europa und dem Frieden werden.
Nachtrag zum Selbstverständnis des Humanistischen Verbandes: Er will dem Leben einen selbstbestimmten Sinn geben, frei von Religion und politischer Bevormundung. Diese Freiheit verdanke er der Aufklärung. Bundesweit zählt der Verband mehr als 10 000 Mitglieder. Er arbeitet eng unter dem weltweiten Dach der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union zusammen. Bei Schwangerschaftskonflikten, Sektenproblemen, schwerer Krankheit, Tod und Trauer bietet der HVD Hilfe zur Selbsthilfe an. »Wir richten weltliche Namens-, Jugend- und Trauerfeiern sowie Humanistische Hochzeiten aus. Sie drücken unsere Lebenslust aus und sind fester Bestandteil unserer Lebenskultur.« Über ihre schon frühen humanistisch-freimaurerischen Bindungen spricht man hier ebenfalls nicht.