Okkultwahn züngelt von Asien nach dem Westen

Von Erich Ludendorff 1) (1937)

Schon vor Jahrzehnten hat Frau Blavatsky, eine der Übermittler der Okkultlehren der buddhistischen Priesterkaste im 20. Jahrhundert auf der Hochfläche von Tibet, dem »Dach der Welt«, über das »Tor der Welt« Ceylon in die »westliche Welt«, geschrieben:

»Und wenn auch die Stimme der Mysterien im Westen Jahrhunderte lang geschwiegen hat, wenn auch Eleusius, Memphis, Antium, Delphi und Creso vor langer Zeit zu den Gräbern einer Wissenschaft wurden, die einst im Westen ebenso riesengroß war, als sie es im Osten noch heute ist, so sind doch jetzt Nachfolger im Entstehen begriffen.

Das zwanzigste Jahrhundert hat seltsame Dinge für die Menschen im Vorrat, und wird vielleicht das letzte seiner Art sein.«

In der Tat gehört die Verbreitung des mittelasiatischen Okkultismus in der westlichen Welt, d. h. in Europa und in den Vereinigten Staaten, in einer bisher nicht dagewesenen Stärke zu den seltsamsten Dingen des zwanzigsten Jahrhunderts. Damit ging aber auch die Verbreitung bestimmter Geheimorden einher, die von »Mysterien« nun einmal untrennbar sind. Aber es ist heute doch noch nicht so seltsam. Die buddhistische Priesterkaste auf dem »Dach der Welt« ist die älteste der zur Zeit auf Erden bestehenden Priesterkasten. Sie wähnt sich als Trägerin des okkulten Wahnglaubens des Altertums und zugleich als übergeordnet dem jüdischen Levitentum und dem Priestertum der Christenlehre und des Mohammedanismus. Sie hat mit letzterem in ihrer Schau nicht so unrecht. Der Mosaismus hat aus Ägypten und Babylon und den dortigen »Mysterien« geschöpft und sie für sich zurechtgestutzt. Er hat aus dem Buddhismus und dem Krischnaismus mit eigenen Zutaten die Christenlehre geschaffen. Wollte es damit nicht nur das römische Reich und die anderen Völker durchdringen, sondern auch die »alten Mysterien«, von denen Frau Blavatsky spricht, stürzen und sie durch eigene ersetzen? Wir wissen, daß Moses die freimaurerischen »Mysterien« aus Ägypten mitnahm. Er soll ein in »die alten Mysterien« Eingeweihter gewesen sein. »Mysterienbünde« brauchen lenkbare Massen, diese mußten sie sich schaffen.

Über die Entnahme x-beliebiger Juden aus dem Buddhismus und sonstigen indischen Religionen zur Fabrikation der Christenlehre führe ich im besonderen an, daß meine Frau in ihrem bahnbrechenden Werke »Erlösung von Jesu Christo« gezeigt und dargetan hat, wie diese die indischen Religionsquellen dabei verschandelt haben. Das alles wollten zwar christliche Indologen und Vertreter der christlichen Priesterkaste nicht wahrhaben. Aber das steht nun einmal trotz solchem Wollen unerschütterlich fest. Die für unser Freiheitsringen gegenüber der Christenlehre so überaus wichtige kleine Schrift meiner Frau »Sieg eines Enthüllers von Bibelfälschungen« zeigt die Berechtigung, auch den Franzosen Jacolliot als einen der besten Kenner indischer Religionen zu dieser Feststellung heranzuziehen, obschon dieser wirklich nicht ihr einziger Zeuge war. Diese kleine Schrift macht Theologen – und Indologenirrtum und -trug ein Ende. Aber auch Garbe, der echt christlich jenes Wort »vom Schwindler Jacolliot« geprägt hat, um damit diesen unbequemen Zeugen zu »erledigen«, muß die Entnahme der Christenlehre aus dem Indischen zugeben. Zwar spricht er nach berühmtem, christlichem, indologischem Verfahren lieber von Parallelen zwischen den indischen und christlichen Glaubensüberzeugungen, aber er kann dabei nicht stehenbleiben, er schreibt in seinem Buche »Indien und das Christentum«:

»Erst nach jahrelanger Überlegung, bei der mir gewisse auffallende Übereinstimmungen im Neuen Testament und in alten buddhistischen Quellen immer weniger im Lichte reiner Zufälligkeiten erschienen, habe ich meine Überzeugung dahin geändert, daß aus jener Verschiedenheit in der Haltung der kanonischen und Apokryphenbücher« (für diese hatte Garbe schon früher die Entstehung aus buddhistischen Erzählungen zugegeben) »ein etwas anderer Schluß zu ziehen ist, den ich so formulieren möchte. Während in den Apokryphen-Evangelien ein unmittelbarer buddhistischer Einfluß unverkennbar ist, schimmert durch die kanonischen nur ein indirekter hindurch, und zwar in einigen Erzählungen, die buddhistischen Urprungs sind, die dann aber außerhalb des Verbreitungsgebietes des Buddhismus auf dem Wege von Mund zu Mund ihren spezifisch buddhistischen Charakter verloren haben, und schließlich von dem christlichen Geiste assimilliert worden sind.«

Richard Garbe spricht hier von Überlieferungen von Mund zu Mund. Er vermeidet, die Aufmerksamkeit auf die Bibliothek von Alexandrien und die Tatsache zu lenken, daß hellenistische Juden hier eifrig an der Arbeit waren, das alte und das neue Testament mit ihren Glaubensgenossen in Palästina gemeinsam zu fabrizieren. Was indes nun für die Apokryphen-Evangelien zutrifft, trifft eben auch für die kanonischen zu, die im übrigen nie kanonisiert sind. So die erste Verquickung der Christenlehre mit den uralten Religionen. Zu ihr gesellte sich dann in Rom: »Antium«, die Verquickung mit den alten Religionen durch den Mithras-Kult und später die Übernahme vieler buddhistischer Gebräuche in die römische Kirche. Klar ist für die tibetanische Priesterkaste deren Herrschaftsanspruch auf die Christenlehre als Tochterreligion.

Auch in den Mohammedanismus ist der mittelasiatische Okkultismus mit seinem finsteren Aberglauben von vorneherein eingedrungen. Ich habe hierauf schon früher hingewiesen. Mit der Araberherrschaft in Spanien kam er dorthin. In »Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende« wies ich nach, daß der Jesuitenorden aus arabischen Geheimorden geschöpft hat, denen ich damals noch nicht buddhistisch-okkulten Charakter zusprach. Blickt man indes näher hin, so trägt der Jesuitenorden diesen Charakter. Er hat ihn bei Eroberung der römischen Kirche, namentlich in der Unfehlbarkeit des Papstes, auch ihr aufgedrückt. Die Geschichte des Jesuitismus muß nach dieser Richtung hin noch geschrieben werden. Viele Ereignisse werden uns voraussichtlich klarer werden, wenn wir diesen Verbindungen nachgehen. Es ist ja auch kein Zufall, daß die ersten Jesuitenmissionare nach Indien, China und Japan vorstießen, in Gebiete, in denen der Buddhismus herrschte. Es ist auch kein Zufall, daß sie dort zuweilen in buddhistischer Mönchstracht erschienen!

In der protestantischen Welt gewann der Buddhismus durch die Rosenkreuzer an Boden. Dieser okkulte Orden führt seine »Mysterien« auf die Gralsburg, den Monserrat in Spanien, zurück, wo auch Ignaz von Loyola seine Exerzitien erkünstelte. Die Rosenkreuzer schöpfen aus den gleichen okkulten Quellen wie der Jesuitismus. Ihre Schriften sind voll finsteren Aberglaubens.

Mit Jesuitismus und Rosenkreuzern führten die »alten Mysterien« den Kampf gegen die »jüdisch-christlichen Mysterien«, gegen Mönchsorden und Freimaurerei. Die beiderseitigen Geheimorden und Orden aller Art zersetzten sich völlig. Der Jesuit nahm mit der Eroberung der römischen Kirche sehr viel von Rom an, die Rosenkreuzer gingen in der Freimaurerei jedenfalls teilweise auf. Es war ein stiller Kampf innerhalb der Geheimorden, einer drängte an die Spitze des anderen und schuf neue Geheimorden. Heute (1937) ist es dem Buddhismus gelungen, sich an die Spitze vieler Geheimorden zu setzen, in anderen hat der Jesuit, in weiteren der Freimaurer noch die Oberhand. Alle suchen sich die Völker für ihre Dienste nutzbar zu machen, indem sie ihre Vertreter in und an die Regierungen schieben. Wie der Buddhist es verstanden hat, in die Freimaurerei einzudringen, dafür wird der Orden der Ordnung Köthners stets das Beispiel sein, der asiatische Unterordnung von seinen Mitgliedern in noch viel höherem Maße verlangte, als es die Freimaurerei tut, und in gleichem wie der Jesuitenorden.

Schob sich so der Buddhismus in die Geheimorden ein, so faßte er, um seinen Geheimorden den nötigen Rückhalt im Volke zu sichern, auch in der Laienwelt immer mehr Fuß. Er konnte es um so leichter, als so viele Engländer in Indien in unmittelbare Berührung mit buddhistischen Geheimorden und dem Buddhismus selbst getreten waren. So gründete auch die vorgenannte Frau Blavatsky nach Weisung indischer Mahatmas die Theosophie. Rudolf Steiner förderte den Buddhismus durch die Anthroposophie, andere folgten, so gab auch Professor Hauer seiner Glaubensbewegung buddhistische Gedanken. Die Vertreter und Verbesserer des Johannes-Evangeliums stehen »auf gleicher Ebene«. Der gründliche Kenner der buddhistischen Literatur, der Engländer Edmunds, hat – nach Garbe – den buddhistischen Einfluß in Sonderheit in der wörtlichen Übernahme von Wendungen aus Pali-Quellen in das Johannes-Evangelium nachgewiesen.

Ähnlich verfährt der asiatische Okkultismus auch mit dem Mohammedanismus in der neuesten Zeit. Er schob sich mit erneuter Macht in ihn hinein und fand auch das Feld daselbst wohl vorbereitet. Ich ergänze meine früheren Mitteilungen über den Mohammedanismus nach der »Türkischen Post/Istambul« vom 26.2.1937 und stelle zunächst fest, daß die Leitung des Islams die Universität in Kairo el Azhar und die indischen Ahmadya-Zentren haben. Es heißt in der »Türkischen Post«:

»In der Nähe der Universität in Kairo liegt das Buchhändlerviertel. Von dort aus werden die islamitischen Missionsstationen fortlaufend mit Werbematerial versehen. Die Ahmadya-Führer in Lahore (Indien) verfolgen dasselbe Ziel mit nicht geringerem Eifer und Erfolg. Ihre Missionen lehren« – (nun lies, Leser) »daß der Islam nicht nur auf den Offenbarungen Mohammeds fuße, sondern als jüngste Weltreligion den Wahrheitsgehalt aller vorangegangenen Offenbarungen und Prophezeiungen in sich schließe. Er sei in Wahrheit die Religion der Menschheit.«2)

Diese Religion der Menschheit ist die gleiche Theosophie, die auch den christlichen Völkern von Indien aus verkündet wird. Wir sehen also, wie planvoll der mittelasiatische Okkultismus arbeitet.

So sorgen die »Träger der Mysterien« für die Verbreitung ihrer Lehren, die ihre Herrschaft vorbereiten sollen, und führen die Geheimbünde ihre Kämpfer gegeneinander. Wie der Mosaismus und die Freimaurerei und Rom auf die »Volksstimme« lauschen, um sie dann allmählich nach ihrem Willen wirken zu lassen, so auch der mittelasiatische Okkultismus. Er paßt sich jetzt im besonderen dem Rasseerwachen an … Wehe den rasseerwachenden Völkern, wenn sie die okkulten Gedanken nicht erkennen, die das Schmeicheln ihres Rasseerbgutes mit sich bringt.


Fußnoten:

  1. erstmals erschienen
  2. In Lagos, der Hauptstadt Nigerias, d. h. an der Westküste Afrikas auf englischem Gebiet zwischen Togo und Kamerun, befindet sich das Hauptquartier der indischen Ahmadya-Bewegung. Das allein spricht Bände! Diese Bewegung erstreckt ihre Einflüsse immer weiter nach Süden in das Innerste Afrikas, während die Missionare der el Azhar Universität mehr in Ostafrika tätig sind. Um sich ein Bild von der mohammedanischen Missionstätigkeit zu machen, sei angeführt, daß auf 1 Neger der Christ wird, 10 kommen, die Mohammedaner werden, und diese trinken keinen Alkohol, während die christlich gewordenen Neger nur zu oft völlig durch Alkohol verkommen. Wird doch durch die christliche Mission »Europäische Kultur« und mit ihr der Alkohol verbreitet! Wie wächst da der Einfluß »der alten Mysterien« in Afrika!