Religiöser Seelenmißbrauch als Mittel erneuter Rekatholisierung der Völker

Zum 125. Geburtstag der Philosophin Mathilde Ludendorff am 4. Oktober 2002

Von Heinz Erdt

Kontemplation – Mystik – Spiritualität

Die Unruhe und Hast unserer Zeit lassen viele Menschen nach Stille und Erfülltheit suchen. Sie ahnen, daß ihr Kampf ums Dasein in einer erfolgs- und leistungsüberbetonten Welt nicht der wahre Sinn ihres Lebens sein kann. Es fehlt ihnen etwas. Hier nun setzen die Religionen, insbesondere die kontemplativen Gemeinschaften mit ihren mittelalterlichen Heilslehren an. Es sind die Benediktinerinnen und Karmelitinnen aber ebenso andere biblische Klostergemeinschaften, die glauben, den Menschen zur Selbstbesinnung und Sinnsuche verhelfen und sie begleiten zu können. Sie seien auch fast die einzigen, die einen leicht ansteigenden Nachwuchs zu verzeichnen haben. Beispielsweise konnte der Orden der Karmelitinnen im bayerischen Wemding im Oktober 2000 ein 1990 verlassenes Kapuzinerkloster des 17. Jahrhunderts neu einweihen. Es ist neben dem wiederbelebten Zisterzienserinnenkloster Helfta, ausgerechnet bei Eisleben, der Stadt in der Martin Luther geboren und gestorben ist, die einzige christliche Neugründung seit Jahrzehnten. »Der liegende Betonkubus bestimmt mit sinnfälliger Ausstrahlung die Umwelt, ohne sie zu dominieren.« Damit errichtete Rom ein weiteres Bollwerk »konzentrierter Askese und asketischer Konzentration«! Er verkörpere selbst architektonisch den spezifischen Charakter der Karmelitinnen, ein Gesamtkunstwerk, das seine »ganz eigene Spiritualität kongenial umsetze.«

Die derzeit dreizehn »Schwestern« im Alter zwischen 27 und 60 Jahren bieten Männern und Frauen gut besuchte »Einkehrtage« an und hoffen auf neue Novizinnen. Nicht minder soll hier dem vom Zeitgeist angekränkelten kirchlich-religiösen Leben begegnet werden: seiner »Leistungsfrömmigkeit«, seinem »Fundamentalismus«, den »Privatoffenbarungen«, aber auch der »pastoralen Hektik« (RM). Und das durch unmittelbare Ergriffenheit der einzelnen mittels in Jesu erlangter Gnade, der »Christusmystik«.

Die Karmelitinnen

Die Karmeliter verehren als Ordensgründer den alttestamentarischen Propheten Elija, hebräisch »Jahwe ist Gott«, um 870 v. Ztr. (2. Kön. 2). Im Frühjudentum gewann er als ein Vorläufer des Messias besondere Bedeutung (1. Kön. 17–19). Er trat für das alte soziale Recht (1. Kön. 21) und die Alleinverehrung des Jahwe ein. Elija hätte sich schließlich auf den Berg Karmel, einem etwa 20 km langen und 550 m hohen bewaldeten Gebirgszug westlich des heutigen Haifa zurückgezogen, um dort weltabgeschieden zu leben, ehelos, arm, versunken im Gebet. Tatsächlich soll der Orden aber aus einer von dem Kreuzfahrer Berthold von Kalabrien um 1155 auf dem Karmel gegründeten Einsiedelei hervorgegangen sein, deren Mitglieder seit 1238 wieder nach Europa zurückkehrten. Ihre Ordensregeln bestätigte 1226 Papst Honorius III.

Die Umgestaltung zum Bettelorden erfolgte 1245 durch den hl. Simon Stock. Die beiden Orden der Karmelitinnen mit strenger Klausur gehen bis in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 2000 bestanden in Deutschland 23 selbständige Klöster mit rund 50 betrachtenden Novizinnen; 1971 zählte man 38 und 1980 sogar 99. In den knapp 2800 klösterlichen Niederlassungen von tätigen Schwesterngemeinschaften in der Bundesrepublik Deutschland lebten Ende 2001 nur noch 79 Novizinnen, 1971 waren es noch 376. Seit dem 17. Jahrhundert stellen sie den bekannten Karmelitergeist als Einreibung gegen Schmerzen her.

Noch heute bestimmt die wichtigste Weisung ihrer Ordensregeln das Leben der Nonnen: »Tag und Nacht im Gesetz des Herrn betrachten und im Gebet wachen.« Gemeint sei damit nicht weniger als ein Leben in ständigem Gebet, ein »radikal spiritueller Weg«. Den geschützten Raum dafür bilden die Mauern der Klausur, der nicht verlassen wird, ohne darüber die Verbindung zu den Mitmenschen zu vernachlässigen. Besitz- und Ehelosigkeit gehören ebenfalls zu diesem Leben. »Wir halten die Regeln aber nicht um des Verzichtens willen ein, sondern um innere Freiheit zu erreichen.« Meditation, Gebetszeiten, geistliche Lektüre, das Abendmahl, Stille und Besinnung bestimmen den Tagesablauf der Klöster. Während der Arbeit wird nur wenig gesprochen und nach dem letzten Chorgebet am Abend herrscht bis zum folgenden Tag strenges Stillschweigen. Trotzdem lebe man auch für die Menschen, die zu ihnen kommen und Trost und Rat suchen.

Ziel dieser neuen, die Schwachpunkte der Gegenwart nutzenden christlich-mystischen Restauration ist die Formung des Bewußtseins. Einer ähnlichen Indoktrination, nämlich dem Exerzitienbuch des Ignatius von Loyola, verdankte schon das nachreformatorische Rom seine Erneuerung. Es gehe nicht mehr um Leistung, sondern allein darum, Jahwe, den alten Gott der Bibel, in den Herzen der Menschen wieder wirksam werden zu lassen. Insofern sei Kontemplation aber nicht machbar, sondern letztlich sein Geschenk. Es bedeute, der Liebe Jahwes alles zuzutrauen. Die vorbildliche Theresa von Avila, (1515–1582), die karmelitische Ordensreformerin und größte christliche Mystikerin, erfüllte »absolutes Vertrauen auf ihn und seine Wegführung«. Und das unter Absehung aller Gedanken und Schlußfolgerungen hinsichtlich des Heils, die der Mensch anstelle. Wie andere große Mystiker ihrer Zeit lebte sie als Gegenpol zur Kirche eine erfüllte und stark ausstrahlende religiöse Innerlichkeit. Der Schlüssel, um über »Gott« und »Wahrheit« reden zu können, war für sie die Demut.

Mittel und Wege dieser religiösen Beeinflussung des Bewußtseins und seiner Fähigkeiten sind also Spiritualität (Geistigkeit), Mystik und Kontemplation nach der karmelitischen Ausprägung. Und gerade diese Versunkenheit in Werk und Wort der Evangelien Jahwes (oder auch anderer Scheingottheiten) und unter Ausschaltung allen eigenen Wollens sei für den modernen Menschen große Mode geworden sein.

Obwohl ein solches Leben heute auf wenig Verständnis stoßen sollte, scheinen die Karmelitinnen gerade mit diesem asketisch-kontemplativen Ansatz das Bedürfnis unserer Zeit erfüllen zu können. Manche Ordensgemeinschaften würden nämlich selbst auf Laien eine starke Anziehungskraft ausüben. »Es ist schon aufschlußreich, wie viele Menschen heutzutage für ein paar Wochen in das Gästehaus eines Klosters ziehen, weil sie einen Ort der Stille suchen. Wer sich jedoch auf Dauer an einen betrachtenden Orden binden will, brauche dazu den ernsthaften Willen, in Beziehung mit Gott zu leben.« (RM)

»Inneres Beten«

Im Mittelpunkt der karmelitischen Spiritualität steht das »innere Gebet«. Damit sei aber nicht ein inneres Sprechen, ein Formulieren in Gedanken gemeint, sondern ein Sich-Sammeln, in dem einen Gefühl der Hingabe an Jahwe, zuletzt ein Eingehen in ihn, in dem das Ego mystisch überwunden wird. Diese innere, das heißt bewußtseinverändernde, Versenkung wird als Kontemplation bezeichnet. »Vom Konsum zur Kontemplation« lautet daher das Schlagwort für eine Erneuerung dieser Spiritualität in unserer Zeit, in der auch viele Menschen außerhalb der Kirche ihren Durst danach zu stillen trachteten.

Kontemplation bedeutet innere Versenkung, schweigend im Gebet zu verharren, um so das Evangelium neu zu verstehen und von daher zu Mitgefühl, Vergebung und Heilung fähig zu werden.

Es seien vor allem die großen spanischen Mystiker, die heute auf eine breite Anteilnahme stoßen. Das zeige sich auch im Buchmarkt. Bei Herder etwa erschien vor zwei Jahren eine Neuübersetzung des Spätwerkes des Kirchenlehrers Johannes vom Kreuz (1542–1591): »Die lebendige Liebesflamme«, ein Buch von »tiefer mystischer Erfahrung«. Immer wieder greift auch der Theologe und Exerzitienleiter Peter Dyckhoff auf die »Schätze der spanischen Mystik« zurück, etwa in seinen Büchern »Aus der Quelle schöpfen – Das innerliche Gebet nach Theresa von Avila« und »Entschließe dich – Drei Wochen Exerzitien im Alltag«, Texte zur geistigen Übung, die auf der Gebetsschule des hl. Petrus von Alcántara (1499–1562) gründen.

Auch mit der christlich-jüdischen, von Rom heilig gesprochenen Philosophin und Karmelitin Edith Stein wird geworben. Statt der Hingabe nur an das Reich der Werte, verweist sie ebenfalls auf die Hingabe an die »göttliche Person und das Reich der Gnade«, als »Reich erfahrbarer Wirklichkeit«. Sie sei im besten Sinn des Wortes Mystikerin und »Lehrerin für unsere Zeit« der Sinnkrise und des falschen Mystizismus.

Edith Stein, die vor nun 60 Jahren im KZ Auschwitz umkam, habe nicht aufgehört Philosophin zu sein, als sie 1933 Karmelitin wurde. Sie hat ihr Gebetsleben nicht erst im Karmel begonnen. Man berichtete, daß sie stundenlang kniend betete, in der Benediktinerabtei Beuron, wo sie die geistliche Begleitung fand. Sie habe vielmehr die Philosophie auf die Spitze getrieben und mit ihrer Hilfe versucht, »das Paradoxon des menschgewordenen Gottes, der am Kreuz alle Göttlichkeit an uns verlor, dem menschlichen Verstand einsichtig zu machen, und sie hat dies mit ihrer ganzen Existenz gelebt«. (RM)

Wissen sie nicht, was sie tun?

Was bedeuten nun die hier zur Veranschaulichung angeführten psychischen Verfahren? In den Geisteswissenschaften und Religionen heißen sie Askese, Betrachtung, inneres Beten, Exerzitien, Meditation, Nachsinnen, Kontemplation, Konzentration, Sammlung, Schau, Versenkung oder religiöse Übungen. Sie verkörpern nichts weniger als Psychotechniken, die meist der Verbreitung religiöser Heilslehren, der politischen »Gehirnwäsche« oder dem »Persönlichkeitstraining« dienen. Sie führen und begleiten angeblich zur Ergriffenheit, Selbstbesinnung, Mystik, (vermeintlich unmittelbares Erleben »Gottes« usw.), Spiritualität (Überzeugung, die Seele habe ihren Ursprung in der höchsten geistigen Welt) oder zur Theosophie (»Gottesweisheit«). Nicht selten lösen diese Übungen »geistigexistenzielle« Veränderungen der Wachheit, der Willenskräfte, des Erlebens und des Verhaltens oder gar krankhafte Störungen der Bewußtseinsfähigkeiten bis zum induzierten Irresein aus. Seelenkundlich und philosophisch gesehen, erzeugen diese »Verinnerlichungen« von Scheinwahrheiten nichts anderes als Scheingotterleben.

Künstlich, das heißt suggestiv-hypnotisch ausgelöste und als mystische Erlebnisse ausgegebene Veränderungen des Bewußtseins, oft mit Realitätsverlust, Willensschwäche, Denk- und Gefühlsabweichungen, Trugwahrnehmungen (Wahnvorstellungen, Visionen und Halluzinationen), Verstimmungen oder seelisch bedingte Körperveränderungen wie Wundmale, Krämpfe oder Lähmungen sind selbstverständlich von einem gesunden Erleben der Stille, dem inneren Sammeln, beispielsweise angesichts einer herrlichen Landschaft oder eines schönen Kunstwerkes, scharf zu trennen. Wahnerlebnisse entstammen keineswegs überbewußtem Erleben, das heißt, wie Mathilde Ludendorff überzeugend nachgewiesen hat, der Fähigkeit des Ichs, Wesenszüge Gottes zu erleben und zu erfüllen. Mag sein, daß manch ein seelisch durchdrungenes Wort einem frühen Mystiker zugesprochen wurde, erst das prägende Erleben verrät jedoch seine wahre Quelle, ganz abgesehen davon, daß jedes Wort, weil dem Diesseits entnommen, vom Wahn überschattet sein kann.

Es ist eine furchtbare Irreführung durch Geistliche und selbst philosophische Wörterbücher, Kontemplation nur als Schau oder Verinnerlichung anerzogener Heilslehren durch Versenkung in die Seele zu erläutern. Sie erwähnen keineswegs die abartigen seelischen Erlebnisse und unterscheiden sie nicht vom echten, dem überbewußten Gotterleben. Auch unter Mystik verstehen sie fälschlich Erkenntnis des sogenannten Übersinnlichen (Unsinnigen), sei es durch »innere Schau, kultische Handlungen« oder »gefühlsmäßiges Erleben des Göttlichen«, Askese, Kontemplation und Meditation. Versenken der Seele in sich selbst führe zur unmittelbaren Verschmelzung des Selbst mit dem persönlichen Gott und der Welt. Zwar darf man Mystik (noch) eine Grundform des herrschenden religiösen Lebens und höchste Stufe der Frömmigkeit nennen, die Behauptung jedoch, die christliche Versenkung könnte die Trennung zwischen menschlichem Ich und göttlichen Sein im Erlebnis der Vereinigung (Unio mystica) oder der geistigen Schau aufheben, ist grundfalsch. Hier ist es auch gleichgültig, ob es der Jahwe der Bibel, der Allah des Sufismus, das All-Eine des Brahmaismus oder das Nirwana des Buddhismus ist, die im Menscheninneren als erfahrbare Scheinwirklichkeit gedächtnisgleich, aber abnorm erlebt werden können, echtes transzendentes Erleben ist das eben nicht. Auch die Wege und Mittel solche Vereinigung zu erzeugen, z. B. durch Rauschmittel, ekstatische Tänze, eintöniges Singen und Beten, Askese, Fasten, Ehelosigkeit, Armut oder Schlafentzug ändern an dieser Feststellung nichts. Immer sind sie, bewußt oder unbewußt, Betrug am Menschen und noch schlimmer: Gotteslästerung.

Es ist aber nicht allein die verheißene falsche Sinnvermittlung, welche die vertrauensvollen Gläubigen täuscht, verführt werden sie ebenso durch ansprechende Kulturworte wie Gott, Wahrheit, Freiheit, Gottvertrauen, Innerlichkeit oder Stille. Sie erfahren auch nichts von der hier betriebenen Mißachtung der Frau, der Erotik, der Schöpfung und ebenso wenig von dem ichsüchtigen Verrat an Sippe und Gemeinschaft. Und so wenig sie über Gott tatsächlich erfahren, so wenig hören sie vom Mißbrauch, der mit ihnen getrieben wird.

Gotterkenntnis

Gott, das Wesen der Schöpfung, kann nur durch das Erleben seiner Wesenszüge erlebt werden. Doch dieses Gottahnen und Gotterleben bleibt ein spontanes, ursachloses, völlig freies Seelengeschehen. Alle Mühen darum, alles Beten, alle frommen Kulthandlungen verhindern es sogar. Eine »Christusmystik« oder das innere Erfahren einer anderen persönlichen Gottheit verraten bloß das Scheingotterleben und die Gottferne.

Schon in ihrem Erstwerk »Triumph des Unsterblichkeitwillens« befand die Philosophin Mathilde Ludendorff:

»Obgleich es natürlich unmöglich ist, etwas zu schildern, das nur durch das Erleben wahrgenommen werden kann, so möchte ich doch zum wenigsten die beiden verschiedenen Möglichkeiten andeuten. Solange der Mensch sich selbst noch nicht zur Vollkommenheit umschuf, somit sein ‚Jenseitserleben' mit ‚Diesseitserleben' wechselt, kennzeichnet sich die Erhebung in das Reich der Genialität erst durch eine erhabene, seelische Erregung, die unmöglich geschildert werden kann. Krankhafte Zustände werden von den Menschen mit solchem Erleben verwechselt! Handelt es sich nicht um solches, sondern um gesundes, natürliches Erleben, so löst es entweder geniales Leid oder geniale Freude aus – es wird dann eine ‚Gemütserschütterung' erlebt –, oder aber es ist eine Erregung ohne die geringste Andeutung von Lust und Leid, also ein Erleben, ein Ergriffensein, wie es der Vernunft kaum vorstellbar ist und wie es das Diesseitsdasein nicht kennt. Wir nennen diesen Zustand ‚die Versenkung in das Göttliche, die Kontemplation'. Sie gleicht in nichts dem gewöhnlichen Zustand der Ruhe. Der schaffende Künstler läßt gewöhnlich ein vollendetes Kunstwerk nicht aus der Erschütterung erstehen, sondern entweder nur aus einer Versenkung oder aus einer Erschütterung, wenn sich dieses zuvor zur Versenkung geklärt hat.

Das Erleben selbst duldet gewöhnlich nur die erste Schau des Werkes, das Schaffen ist dann meistens ein Erinnern an das Erleben. In diesen Werken ist entweder die vom Leid oder der Freude durchglühte Erschütterung des Gotterlebens oder aber die empfindungsfreie Versenkung in Erscheinung getreten. Am deutlichsten wird dieser Unterschied in den Werken der Musik. Beethovens Werke sind häufiger empfindungsdurchglüht als kontemplativ, und so wird sie auch der Hörer am tiefsten erleben, wenn er das gleiche Empfinden in sich aufflammen läßt. Bachs Werke sind häufiger die empfindungsfreie Versenkung und werden denn auch kontemplativ am tiefsten erfaßt …

Das, was hier über das geniale Erleben gesagt wurde, kann nichts anderes sein als eine schwache Andeutung; voll beschreiben und hierdurch begreifen läßt es sich nicht. Das geniale Erlebnis ist eine gänzlich anders geartete höhere Stufe des Bewußtseins, die sich ein Mensch, der sie nicht erlebt hat, ebenso wenig vorstellen kann wie ein Tier die Bewußtseinsstufe des Diesseitserlebens. Mit dieser Unfähigkeit hängt natürlich auch die Urteilslosigkeit aller Menschen, die nie die Genialität oder – wie wir im Bilde auch sagten – das ‚Jenseits' erlebten, über den Wert eines Kunstwerkes zusammen, das uns ja zum Jenseitserleben führen kann.«

Sie müßten es wissen!

Sie müßten wissen, was sie tun, die Religionen aller Schattierungen. Und das, weil die Wahrheit über Gott als Wesen der Schöpfung und der Menschenseele seit acht Jahrzehnten in den Werken der Gotterkenntnis bekannt ist, von ihnen aber rücksichtslos unterdrückt und – wie zu allen Zeiten – verfolgt wird. Nur die ernste Tatsache, daß sie selbst nicht nur Täter, sondern ebenso Opfer des alten Gottabirrens sind, mildert ihre ungeheure Schuld und Verantwortung, den Menschen wie sich selbst gegenüber. Denn die Selbstschöpfung zum seelischen Tod ist nur zu oft die Antwort auf den Mißbrauch göttlicher Wesenszüge, z. B. durch die »Braut Gottes«, den »Mißbrauch mit dem heiligen Willen zur endgültigen Wahlverschmelzung des Ichs mit Gott«, wie ihn das Werk »Selbstschöpfung« Mathilde Ludendorffs seit 1923 erschütternd schildert.