Der Erbcharakter als Geschichtegestalter
Zum 135. Geburtstag Erich Ludendorffs
Von Gunther Duda
»
ich schreibe Wahrheit der unsterblichen Volksseele.«
Erich Ludendorff, 1936
Das amerikanische Weltbild, nur »Schurkenstaaten« verhinderten Frieden und Wohlstand der Welt, ist falsch. Auch der Glaube, der persönliche »Gott« der Religionen leite das Geschick der Völker, irrt. Aber er nähert sich wenigstens der Wahrheit an. Denn der Mensch ist wie die Schöpfung, Erscheinung Gottes. Er war das Ziel des Werdens des Kosmos. Und dieses Ziel heißt Gottesbewußtheit, sei sie vorübergehend, sei sie bleibend. Diese Bewußtheit bedeutet, sich des Göttlichen bewußt zu werden, in seinen Willenskräften wie Wesenszügen. Nichts anderes geschieht durch die Vernunft, wenn sie sich die Welt der Dinge durch Denken bewußt macht. Das Wissen vom Göttlichen aber verwirklicht sich durch das Gottahnen und Gotterleben des Ichs der Seele.
Da das weltenschaffende Ziel jedoch Willensfreiheit voraussetzt, muß sich diese Freiheit auch in der Geschichte des einzelnen wie seiner Gemeinschaft so oder so auswirken. Wer klar den göttlichen Sinn des Menschenlebens erlebt, besitzt damit einen Maßstab, die Früchte der Willensfreiheit erkennen und bewerten zu können. Ihre Auswirkungen sind die Entscheide der Menschen für oder wider Gott, außer sie haben mit dem Sittengesetz oder der Moral nichts zu tun.
Solches Erkennen wurzelt in den menschlichen Seelenkräften. Das heißt zum einen in der Fähigkeit des Ichs, Göttliches bewußt zu erleben, zum anderen im Lebenswillen und den Erbwerten des Unterbewußtseins oder der Volksseele.
Die Handlungen im Leben des einzelnen wie seines Volkes sind je nach ihrem Entscheid gottnah, gottfern, ja auch gottfeindlich. Die Weltgeschichte der Neuzeit erweist schon lange ihre Gottverkümmerung. Sie kündet grell genug die »Todesnot der Gottesbewußtheit« aber ebenso die bewahrenden Gegenkräfte.
Das Wort Ludwig XVI. ist ein Schlüssel erkennender Geschichte. Im Jahre 1793, einen Tag vor seiner Ermordung, bekannte er:
»Das alles wußte ich bereits vor 11 Jahren. –
Wie kam es nur, daß ich nicht daran glaubte.«
Warum ist diese späte Einsicht ein Schlüssel zur Geschichte? Nun, setzen wir einmal den König mit einem Wähler oder Gewählten gleich, – gleichsam mit Lieschen Müller oder Otto Normalverbraucher – und lesen dann das Wort »daran« als Unterrichtung über tödliche Gefahren sowie das »Nicht-glauben-können« als unwürdige Verblendung, dann muß man zur Entschlüsselung nur noch wissen: Was war denn »das alles«, was der Herrscher schon jahrelang wußte, aber nicht wahrhaben wollte? Erst angesichts des Todesurteils des Konvents der Französischen Revolution, – er stand unter dem Terror des von den Jakobinern aufgehetzten Pöbels – erkannte der »Citoyen Louis Capet« »das alles«, doch eben zu spät.
Das »Daran« – das heißt der Sturz der europäischen Monarchien und die Vorarbeiten zur »Weltrepublik« – beweist, wie wahr die Unterrichtung Ludwigs XVI. von 1782 war. Der weitere Gang der Geschichte bestätigt sie bis heute. Aber selbst zwei Jahrhunderte später können die unmündig gehaltenen Völker ebenfalls nicht »daran glauben«, selbst nicht nach dem beispiellosen 30jährigen Krieg des 20. Jahrhunderts. Dieses Völkermorden forderte 65 Millionen Gemordete sowie weit über 2 Milliarden US-$ Kriegskosten. Nicht einmal die wachsende Beseitigung ihrer Werte, Freiheit und Eigenart läßt sie erwachen.
Mit der Revolution in Frankreich 1789, der Beseitigung der Königsherrschaft und dem »Jakobinerklub«, der radikalsten Vereinigung des Umsturzes, gewinnen wir jedoch wahres, das heißt erkennendes Geschichtswissen der verflossenen 200 Jahre.
Die Völker sind schöpfungsgewollte Lebensgemeinschaften, Organismen mit unersetzlichen Aufgaben der Daseins- und Kulturerhaltung. Ihre entwicklungsgeschichtlich bedingte Eigenart erhielten sie durch unterschiedlich erlebte transzendente Wesens- und Charakterzüge, die das Unterbewußtsein prägten. Diese seelisch-volkhaften Erb- oder Gemütswerte mit Stärken und Schwächen dienen der Erfüllung des Schöpfungszieles. Aus ihnen, aus Volk und Heimat, erwachsen die »starken Wurzeln der Kraft« der Menschenseele, wie schon Friedrich Schiller klar erkannte. Der vollkommene Selbsterhaltungs- und Gotterhaltungswille der Volksseele ist es, der eine gottnahe Geschichte gestaltet; weil der Selbsterhaltungswille der Volksseele wie in aller Natur ausschließlich auf die Erhaltung des Volkes gerichtet ist. Er ist die Weisheit der Geschichte in den Jahrtausenden. Wir erkennen ihn immer wieder aus dem Wirrsal der geschichtlichen Ereignisse. Klar ist sein Ruf zur Besonnenheit, sein Ruf zur Begeisterung.
Als weitere Kennzeichen gelebter Volksseele nennt die Gotterkenntnis die Erhabenheit über jedwede Lustgier und Leidangst, ihren selbstverständlichen Wehrwillen, aber ebenso ihre Friedfertigkeit. Hier gilt:
»Kein Volk, das die Volksseele in sich lebendig trägt, ist kriegslüstern' wie die Gewaltgierigen In der Todesgefahr (aber) ist amoralische Notwehr Pflicht.« Und das darum, weil das Weiterbestehen eines Volkes gesichert werden muß, damit »ein Gotterleben in den Menschen der Zukunft und eine Gottesbewußtheit der Vollkommenen in der Eigenart dieses Volkes gerettet wird.«
Wenn sich heute mehr denn je neue volkhafte Staaten bilden, dann wirkt hier der vollkommene Selbsterhaltungswille ihrer Volksseele. Er ist es auch, der vor Gefahren warnt, der das Forschen befruchtet, das Recht gestaltet und die Kindheit hütet. Sicherung des göttlichen Schöpfungszieles, nichts anderes will die Volksseele. Ihr dienen sogar die Gesetze der Unvollkommenheit, weil das Können des Bewußtseins sinnvoll geeignet sein kann, die Einflüsse aus dem Unterbewußtsein zu gestalten:
»Denn nicht von boshaften Teufeln', die Menschenseelen vernichten wollen,
ist ja das Können der Wachheit der Seele töricht mißbraucht.
Wenn Lust nicht lockt, wenn Leid nicht droht,
kann auch der Unvollkomene all das Können seines Bewußtseins
verwerten: Erkenntnis wird Helfer, wird Retter des Volks,
sammelt lebenswichtige Erfahrung, erforscht die Naturgesetze.
Der Mensch wird ihr Herrscher, besiegt viele Volksgefahren.
So helfen in jedem Geschlechte erneut vergängliche Unvollkommene,
werden Vollender des unermüdlichen Wirkens der Seele des Volkes,
werden Geschichtegestalter an des Volkes Zukunft,
wenn sie im Forschen zur Erkenntnis der Wahrheit schreiten,
wenn sie wahrheitsgetreu Geschichte schreiben, weise Gesetze gestalten,
wenn sie die Jugend zur Selbstbeherrschung und Selbständigkeit leiten,
wenn sie ihr wertvolles Wissen und die Erkenntniskraft entfalten.
Kultur aber segnet indessen mit unsterblichen Werken,
die alle Geschlechter zu volksrettenden Taten begeistern
und vom Tode umloht, bleibt dennoch das Volk erhalten.«
Die Philosophin widmete ihr Werk »Die Volksseele und ihre Machtgestalter« 1933: »Erich Ludendorff, dem Feldherrn«. Zu recht, wie sein Leben und Werk es erweisen. Wenn die Geschichte einst wieder ihres wahren Amtes wird walten können, dann wird das 20. Jahrhundert seinen Namen tragen. Weil er wie kein anderer »Wahrheit der unsterblichen Volksseele schrieb, den Volksgeschwistern zuliebe, die diese Volksseele noch in sich sprechen lassen und nicht nur schlafen, sondern gleich mir ringen.« Erich Ludendorff schrieb das in einer Zeit des »Morastes der seelisch zusammenbrechenden Umwelt«, nämlich 1936 als mit dem Spanienkrieg auch die ersten Schüsse des Zweiten Weltkrieges fielen.
Zeitlos gültige Sprache der Volksseele war es ebenfalls, als er hier im »Am Heiligen Quell Deutscher Kraft« über ihre rettenden »Lebensgesetze« schrieb:
»Der Mensch als Ganzes erhält (dank der Volksseele) seine ausschlaggebende Bedeutung in der Schöpfung zurück, er verschwindet nicht mehr in der Masse, aber er tritt auch nicht über das Volk, er bleibt als Persönlichkeit im Volk und ist fest in ihm verwurzelt. Er verlangt nur ungehindertes Erleben des Göttlichen von seinen Volksgeschwistern und vom Staat, und – Mann wie Frau – das Recht, die Pflicht an Volk und Staat erfüllen zu können, wie es Recht und Pflicht dieser beiden ist, durch ein unantastbares Sittengesetz, durch ein Mindestmaß an Zwang, Säumige zur Erfüllung ihrer völkischen und staatlichen Pflichten anzuhalten und jedes Mitglied des Volkes vor Schädigung an Seele, Leib und Gut und Vergewaltigung und Entrechtung durch ein anderes Mitglied, ja auch durch den Staat selbst, zu schützen; sonst verliert der Staat wertvolle Kräfte, auf die Verzicht zu leisten eine schwere Schuld des Staates bedeutet. Der Staat ist nicht Selbstzweck, Mensch und Volk sind es durch göttlichen, in Erscheinung getretenen Willen nach der Gotterkenntnis.«
Erich Ludendorff war Soldat. Schon sein Studium der Kriegsgeschichte machte ihm bewußt, wie ausschlaggebend für die Erfüllung dieses Berufes »zielbewußter Wille« und »sittliches Verantwortungsbewußtsein« sind. Sie »dürfen vor keinen Schwierigkeiten zurückschrecken«. Diese von Stolz getragene Haltung leitete ihn bis zur Stunde seines Todes und führte ihn auch 1916 in die Oberste Heeresleitung (OHL). Seit 1908 im Großen Generalstab tätig, erkannte er rasch die tödliche Schwäche der Führung des Reiches: Sei es die mangelhafte politische Unterrichtung des Generalstabes, das ständige Versagen auf dem Gebiete der Heeresverstärkung, eine Presse, die den seit 1889 geplanten Einkreisungskrieg nicht sehen wollte oder das bis heute herrschende Unverständnis: »Politik und Kriegführung müssen eins sein« förderte. Selbst der heiße und kalte Vernichtungskrieg seit 1914, der heute wähnt, sein Ziel nahezu erreicht zu haben, führte nicht zur lebensrettenden Einsicht:
»Die Politik muß der Kriegführung nicht nur im Kriege, sondern schon im Frieden durch Bereitstellen der Volkskraft für den Krieg dienen.«
Dem Chef der 2. Deutschen Abteilung im Großen Generalstab oblag die Verantwortung für die Sicherheit von Volk und Heimat. Damit trat der Major Ludendorff verantwortlich in die Weltgeschichte ein. Diese Weltgeschichte führte die Völker Europas innerhalb von drei Geschlechterfolgen zum weitgehenden Verlust ihrer Selbständigkeit und Kultur. Die letzten Weichen zu diesen Verbrechen wurden damals gestellt, denn das viel zu wenig gerüstete Deutsche Reich stand einer »ungeheuren Überlegenheit« seiner Feinde gegenüber. Frankreich zog 83% und Rußland 82% seiner Tauglichen ein, das Reich nur – 54%.
Dieser tödlichen Gefahr warf sich Ludendorff mit ganzer Willenskraft und allem Verantwortungsbewußtsein entgegen. Schon 1910 und erneut 1911 warnte er:
»Alle bereiten sich auf den großen Krieg vor, den alle über kurz oder lang erwarten. Nur Deutschland und das mit ihm verbündete Österreich nehmen an diesen Vorbereitungen nicht teil Immer aber bleibt es Pflicht jedes Staates, nicht nur den kommenden Ereignissen ruhig ins Auge zu blicken, sondern sie auch auf den Tag der Entscheidung vorzubereiten Auch Deutschland muß sich für diese Entscheidung rüsten. Ich halte sowohl einen Weiterausbau seiner Flotte, als auch eine stärkere Heranziehung seiner waffenfähigen Mannschaft für das Heer, also eine Erhöhung der Friedenspräsenz für ein Gebot der Selbsterhaltung.«
Nichts jedoch geschah! Und so mußten Anträge über Anträge und Schreiben über Schreiben an das Kriegsministerium gesandt werden. Am 25. 11. 1912 hieß es abschließend:
»Wir müssen alle Maßnahmen ergreifen, die das Land freihalten von völkerrechtswidrigem Überfall Wir müssen noch weiter gehen und unserem gesamten Heere die Stärke geben, die allein den endgültigen Erfolg in dem nächsten Krieg verbürgt Wir müssen wieder das Volk in Waffen werden, zu dem wir einst in großer Zeit durch große Männer geschaffen worden.«
Keinen Monat später, am 21.12.1912, erhielten Reichskanzler, Kriegsminister und Militärkabinett Ludendorffs berühmte »Denkschrift über den drohenden Krieg«. Nüchtern nannte sie die tatsächliche Stärke der im Kriegsfall voraussichtlich gegeneinander kämpfenden Heere; außerdem aber noch umfassende Vorschläge zur Verstärkung der Wehrkraft, damit das Deutsche Reich den ihm drohenden Selbstbehauptungskrieg bestehen konnte:
»Das Ergebnis war ein erschütterndes. Die Mittelmächte, einschließlich Rumäniens, das aber 1914 ausfiel, und ohne Italien, auf das nicht gerechnet wurde, waren um 498 Bataillone, 313 Eskadrone und 1928 Feldgeschütze den Feinden, ohne Belgien und Serbien, unterlegen. Diese Denkschrift schlug wie eine Bombe ein. Sie wies den Weg zur Rettung aus furchtbarer Gefahr, wenn Regierung und Volk einmütig zu ihr standen.«
Zwar nahmen die Parteien des Reichstages diese Vorlage schließlich an, doch statt der notwendigen Vermehrung der Mannschaften um 150 000 Mann jährlicher Rekruten, bewilligte er nur 66 500. Drei Armeekorps blieben gestrichen und fehlten zur Kriegsentscheidung. Noch tragischer für die Geschichte Europas aber wurde es, daß der Oberst Ludendorff am 27.1.1913, fünf Wochen nach seiner Denkschrift, aus dem Generalstab strafversetzt wurde. Um ihm »Disziplin beizubringen«!
»Und warum?«, so fragte er:
»Weil ich aus höchstem Verantwortungsgefühl gegenüber dem Kaiser, dem Vaterlande und dem Volke heraus für ein Heer gekämpft hatte, das fähig war dem Gegner jede Angriffslust zu nehmen und den Frieden zu erhalten.«
Dieser verhängnisvollen Sabotage des Friedens folgte die der Kriegführung. Hier lagen die Ursachen dafür, daß der General sich immer wieder »in die Politik mischen« mußte. Keineswegs »aus Ehrgeiz, sondern aus dem Verantwortungsgefühl um der knochenweichen und unfruchtbaren Politik des ersten Kanzlers Bethmann-Hollweg, die ich für den Verlauf und Ausgang des Krieges als höchst verhängnisvoll ansah, Einhalt zu tun Während das Heer mit beispiellosem Opfermut einer Welt von Feinden trotzte, ging in der Heimat der Burgfriede der politischen Parteien in die Brüche. Antimilitaristische, pazifistische und defätistische Strömungen und revolutionäre Umtriebe Hand in Hand mit den übelsten Korruptionserscheinungen führten zu schweren Erschütterungen der deutschen Volksseele.«
»Meinem heißen Streben, Versäumtes nachzuholen und zu verbessern« wurde »nichts als Schwierigkeiten und Hemmnisse entgegengestellt«.
Die Ideologie-Politik wollte nicht den Vernichtungswillen der Alliierten sehen. Denn er machte für das Reich einen ehrenhaften Frieden ohne Sieg unmöglich. Alle Warnungen angesichts der mangelhaften Munitionsversorgung der Front, der ungenügenden Abwehr der skrupellosen Feindpropaganda, der schlechten Ernährungslage des Volkes, des Versagens der Presse, des wachsenden Linksdralles der Innenpolitik und der »Vergiftung des Volkes« verpufften wirkungslos. Selbst die von Ludendorff 1918 dringend geforderte »großzügige politische Offensive« gegen die Heimatfront Englands unterblieb. Sie sollte den Frieden erzwingen und die Märzoffensive unterstützen. Nicht zu vergessen ist schließlich der schon früh einsetzende Verleumdungsfeldzug gegen die OHL, selbst durch die Reichskanzler.
Wie konnte es zu diesem Hochverrat kommen? Warum erkannte Ludendorff die tödlichen Gefahren für Volk und Reich, nicht aber die Politik? Warum fand sein Streben sogar »in der breiten Volksmasse keinen Widerhall?«
Muß man hier nicht mit Ludwig XVI. fragen: Wie kam es nur, daß man Ludendorff – damals wie später – nicht glaubte – und auch heute nicht? »Ich schreibe Wahrheit der Volksseele« – so lautet die Antwort.
Jeder Selbstbehauptungswille fordert Erkenntnis der Gefahren und Erkenntnis ihrer Ursachen. Ludendorffs kraftvoller Wille, sein sittliches Verantwortungsbewußtsein, der Lebenskampfes seines Volkes, die Erforschung der Weltgeschichte und nicht zuletzt die Gotterkenntnis ließen ihn, wie er selbst sagte, den »Schlüssel zur Weltgeschichte« finden. Dieser Schlüssel liegt: » in der gottgewollten Unvollkommenheit der Menschen, in der Unkenntnis der Menschenseele und der Volksseele, in dem Seelenmißbrauch, den alle Religionen betreiben und die überdies den einzelnen zumeist noch seinem Rasseerbgut entfremden.«
Der entmündigende wie entwürdigende Seelenmißbrauch der Völker führte in den dritten 30jährigen Krieg auf deutschem Boden. Diese selbstmörderische Massenabrichtung verantwortete ebenso den wütend bestrittenen »Dolchstoß« von 1917/18 gegen das deutsche Heer. Unter ihm verstand der General aber ebenso den Kampf gegen sein lebenslanges Ringen für Frieden, Freiheit, Kultur und Eigenart der Völker. Weitsichtig erkannte er die Beweggründe der von den Weltglaubensmächten verfolgten Ziele:
»Vereinigung aller Länder der Erde in der von ihnen beherrschten Weltrepublik und (Vereinigung) der Völker in der von ihnen geleiteten, kollektivierten Menschenherde. Sozialismus, Bolschewismus, Faschismus und ihre Wirtschaftsformen« sollten das »Weltdorf« errichten, wie der Einweltlerismus das heute verharmlosend indoktriniert.
Diesem lebenserhaltenden »Erkennen der die Völker zerstörenden Kräfte erwuchs auf der anderen Seite zufolge der Erkenntnisse meiner Frau das Wissen, daß jedes Volk sein arteigenes Gotterleben besitzt, und daß dieses die Grundlage der Lebensgestaltung des Volkes sei.«
Galt Ludendorffs Kampf bis 1918 unmittelbar dem Leben seines Volkes, so von da an der geistig-seelischen Abwehr seiner Lebensgefahren. Hinzu trat sein Einsatz für den Aufbau durch die Grundlagen der seelischen Genesung. Das Ringen des Generals letztlich für die Gottesbewußtheit des Schöpfungszieles war ebenso genial und sieghaft wie zuvor seine Kriegführung. Schon seit 1916 forderte er immer wieder eine Stärkung des »Volksgeistes« als Voraussetzung des Sieges. Schon in seinen Kriegserinnerungen 1919 warnte er vor dem »unheimlichen Einfluß der machtvollsten aller Geheimbünde«, vor der für die angelsächsische Politik arbeitenden Weltfreimaurerei. Schlag auf Schlag erschienen später die Waffen der Aufklärung über die Hintergründe des Weltkrieges, die Ziele der Bibelmächte und des Neubuddhismus. Dieses geistige Freiheitsringen krönte dann der leidenschaftliche Kampf des Tannenbergbundes 1925–1933 gegen den drohenden Weltkrieg 1932 und die Landsknechte Roms: Faschismus und Hitlerismus. Hervorgehoben sei noch die bedeutsame Aufklärung über die fortschreitende Abrichtung der Völker durch Suggestionen und Wachhypnose. Gedenken wollen wir aber auch Ludendorffs Gründung des »Deutschvolk« im März vor sieben Jahrzehnten. Er nannte diese Gründung »gegenüber dem kirchlichen, staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Terror und bei der Schwäche der Menschen für notwendig« und »eine entscheidende Tat von weltgeschichtlicher Bedeutung«. Aus ihr erwuchs nach dem Verbot von 1933 der Bund für Gotterkenntnis Ludendorff.
Es ist hier nicht nötig, auf die Volksbewegung des Tannenbergbundes, die alle Schichten erfaßte, näher einzugehen. Das entspreche Schrifttum liegt vor. Ein kurzer Abriß über den Erzieher des Volkes aber sei noch gebracht.
»Es galt«, so der General, »große erzieherische Arbeit zu leisten, die umso schwieriger wurde als den Deutschen und den Christen die Erkenntnis völlig verloren gegangen ist, daß sie Gott selbst in ihrer eigenen Seele und nicht nach Vorschriften der Kirche und an bestimmten Stunden zu erleben hätten. Sie mußten tief ihre Seelen oder, wie man fälschlich sagt, ihre Herzen öffnen, sie mußten selbst über die Wünsche zum Guten, zum Schönen und zum Wahren und über den Gottesstolz, die auch in ihnen leben, nachdenken, und dabei waren ihnen die Augen zu öffnen, daß ihr Rasseerbgut den Gott anders erlebt wie das Rasseerbgut einer anderen Rasse und daß es in dem tiefen Sinn der Schöpfung lag, das Rasseerbgut des Einzelnen und der Völker als Einzelpersönlichkeit zu erhalten, um Gott so zu erleben, wie es in dem Willen des Schöpfers lag.«
Diese knappen Sätze kennzeichnen Ludendorffs tiefes Verantwortungsbewußtsein gegenüber den Völkern und dem Schöpfungsziel. Er stand wie 1916 vor einer ungeheueren Aufgabe. Aus bisher selbständigen, kleinen Wehrverbänden, die allein die Verehrung des Feldherrn des Krieges und ungeklärtes volkhaftes Wollen einte, sollte eine deutsche Freiheitsbewegung, ja ein Volk geschaffen werden. Was im Krieg nicht befolgt wurde, das gelang jetzt, nämlich der Einsatz der »Propaganda« als wichtigste Waffe. Ihr dienten seit 1926 die »Deutsche Wochenschau« und seit 1929 »Ludendorffs Volkswarte«. Hinzu kamen zahllose Kampfschriften, Plakate, Flugblätter, Handzettel, Klebemarken, Schaukästen, Buchvertriebsstellen, »fliegende Buchhandlungen«, die »Bearbeitung« der Presse, Vortrags- und Werbereisen, Schulungstage, Rednerschulungen und in allen großen Städten »Ludendorff-Buchhandlungen«.
Neben den großen Aufklärungswerken wie »Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren«, »Weltkrieg droht auf Deutschem Boden«, »Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende« oder »Erlösung von Jesu Christo« wirkte vor allem die »Mundpropaganda« für die politische und religiöse Selbstbefreiung. Die Vortragsveranstalter erhielten Weisungen, wie diese durchzuführen seien und ebenso zur Werbung für Bücher und Zeitungen, zur »Nacharbeit« bei den oft zu Tausenden erschienenen Zuhörern und die Gewinnung von Postbeziehern. Vorgeschlagen wurde auch das »Zellensystem«, das die Kommunisten »vorbildlich« einsetzten. Ständig verwiesen »Tagesbefehle«, später »Verordnungsblätter« an Landesleiter, Gauführer und Ortsgruppen auf das notwendige »Selbststudium«, ja die »Pflicht zum Lesen« und zum Zeitungsbezug. Diese »Deutsche Abwehr« wandte sich besonders an das Landvolk und die Frau, aber ebenso an Arbeiter und Jugend. Später entstanden der »Tannenberg-Studentenbund« und die »Deutschjugend«.
Gehorchen wie Befehlen galt meist als selbstverständlich, waren ja die Tannenbergbundführer vor allem in den ersten Jahren Offiziere und Soldaten des Krieges gewesen. Dieser Freiheitskampf zeitigte für die wenigen Jahre erstaunliche, wenn letztlich doch nicht genügend Erfolge. Im Oktober und November 1928 hatte die »Deutsche Wochenschau« auf zwei Werbereisen beispielsweise 3 000 Postbezieher gewinnen können. Die kleine Schrift »Genug der Verelendung, genug der deutschen Schmach« gelangte 1931 zu 800 000 Stück ins Volk. »Ludendorffs Volkswarte« erreichte 1933 einen Absatz von 90 000, manchmal sogar von 110 000 Stück. Die Zahl der Leser war natürlich höher.
Das alles forderte vom General und der Philosophin eine unvorstellbare Arbeitskraft. Dazu traten die Druckberichtigung der zahllosen Aufsätze, ein umfangreicher Schriftwechsel, Besprechungen, Vortragsreisen und die Weitergabe von »Kampferfahrungen«. Auch die wirtschaftliche Lage der Bewegung mußte beachtet werden. Schuldenmachen war verboten, schon um unabhängig bleiben zu können. Streng achtete der Schirmherr auf die Kassenführung, weshalb auch ein Rechnungshof eingerichtet wurde. Redner hafteten selbst für das, was sie sagten. Gewaltakte durch den Bund gab es nie und das in einer Zeit, da sich viele Parteien eigene Schlägertrupps hielten. An Stelle von zerredenden »Diskussionen« sollten »deutsche Aussprachen« treten. Verbote und Gerichtsprozesse blieben selbstverständlich nicht aus und im Inneren des Bundes fehlten nie Streit, Besserwisserei und »Spaltpilze«. »Es war ein ständiges Gehen und Kommen.«
Die »Deutsche Abwehr« der Tannenbergbund-Bewegung galt allein der geistigen Auseinandersetzung, nicht etwa Einzelnen oder gar dem Staat, wie das bei den Volksfeinden mehr und mehr üblich wurde. Die »Tannenberger« sollten sich hierbei unbedingt in das Denken der Gegner und ihren Aberglauben hineinversetzen, um tatsächlich einen erfolgreichen Kampf führen zu können. Schon das schloß persönliche Racheakte aus, weil erkannt wurde, daß ja das jeweilige Weltbild meist für Denken und Handeln verantwortlich war. Deshalb wurde die Wahrheit die stärkste Waffe der Bewegung. Sie traf die Heilslehren an ihrer schwächsten Stelle, an Irrtum, Lüge und Verleumdung:
»Wir müssen verstehen, daß sie Glaube, Kultur und Wirtschaft als ihre politischen Machtmittel eingesetzt haben. Nur so werden wir alle Zusammenhänge begreifen Auf die Mitarbeit der deutschen Frau bei unserm Befreiungskampf dürfen und wollen wir nicht verzichten.« (26.9.1928)
Am13.6.1930: »Immer wieder muß ich aus Anlässen bei den Vortragsreisen entnehmen, als ob meine Frau und ich Anhänger' sammeln wollten. Wir dienen der Idee und denken nur an diese. Wir stehen über jeder Bewertung unserer Person und wollen für sie nichts erlangen. Die Tannenberger sollten sich endlich von der Herdenmenschen-Suggestion frei machen und erkennen, daß es Menschen geben kann, die nicht nach Persönlichem trachten. Wir unternehmen die Reisen nicht unserethalben, sondern lediglich dem Volke zuliebe, um die Tannenberger in der Idee zu festigen und sie an weitere Kreise zu bringen, zugleich auch um für treue Arbeit für das Volk Anerkennung zu zollen. Diese Tatsachen dürfen sie nicht verschieben.«
Am 18.9.1930: »Den ungeheuren Ernst unserer außenpolitischen Lage, den die überstaatlichen (Glaubens-)Mächte herbeiführen, habe ich in Artikeln über den kommenden Weltkrieg zusammengefaßt. Gelingt es nicht das Volk aufzuklären, so geht das Volk und wir mit ihm zu Grunde. Diese Artikel sind keine ,Wahlmache', sondern sie enthalten die bitterste Wahrheit. Ich warne, wie ich vor dem Weltkriege 1914–18 gewarnt habe.
Unser Freiheitskampf und der Kampf gegen den Weltkrieg, die ein und dasselbe sind, müssen mit höchster Kraft durchgeführt werden. Dazu sind Erfahrungen auszunutzen, die wir über unseren Kampf gewonnen haben.«
Am 22.11.1930: »Immer noch sehe ich, daß im Tannenbergbund die Klassengegensätze noch gar nicht überwunden sind. Wir haben den Bürger', den Beamten', den Offizier', den Mittelstand', den Arbeiter'. Jeder Stand ist auf seine Weise dressiert und kann sich nicht in andere Menschen hineindenken Am wenigsten wird der Arbeiter verstanden Der Arbeiter bringt viel mehr Begeisterung auf und ist viel selbstloser, wie viele andere Deutsche. Er arbeitet viel mehr mit dem Gemüt. Dafür verlangt er auch absolute Zuverlässigkeit
Ich kann nur sehr ernst darauf hinweisen, daß ohne Änderung der Stellung der deutschen Frau eine Befreiung des deutschen Volkes und ein wahrhaft völkisches Leben ausgeschlossen ist.«
Am 20.12.1930: »Unser Bund kennt keine Vorgesetzten und Untergebenen im militärischen Sinne, sondern nur Vorkämpfer, die sich in freiwilligem, auf Überzeugung gegründeten Gehorsam ein- und unterordnen. Das Recht freier Meinungsäußerung ist vorhanden, darf aber nicht in das Unrecht überheblicher Besserwisserei ausarten, muß stets achtungsvolle Form wahren, die man freien Deutschen schuldet.«
Am 6.5.1931: »Die Nationalsozialisten und der Stahlhelm haben unserer großen Freiheitsidee, der Tannenbergbundbewegung und insbesondere meiner und meiner Frau Person den Kampf angesagt. Ich bitte, diesen Kampf mit aller Schärfe aufzunehmen und den Verrat dieser sogenannten nationalen Organisationen am Freiheitswillen des Deutschen Volkes klar und deutlich in den Vorträgen zu zeigen.«
Am 7.11.1931: »Die wirtschaftliche Lage in Deutschland, der Zwang Deutschlands, im Februar 12 Milliarden kurzfristiger Kredite zurückzuzahlen, die Stärkung der Diktatur des römischen Papstes in Deutschland durch das jetzt offenkundige Zusammengehen der N.S.D.A.P. mit dem Zentrum und endlich die sich daran anschließende Diktatur der N.S.D.A.P. werden Hochspannungen in Deutschland zeitigen, denen der Tannenbergbund nur dann seiner Aufgabe entsprechend begegnen kann, wenn er in sich straff organisiert ist, jeder Tannenberger sich als Kämpfer und Werber beseelt von starkem Willen fühlt und der Kampf aus den Reihen des Tannenbergbundes durch solche Kämpfer mit zwingender Gewalt in das Volk getragen wird «
Am 18.12.1931: »Noch nie hat das deutsche Volk in so ernster Lage Weihnachten gefeiert als im Jahre 1931. Nie beging es ein so ernstes Neujahr. Das Schicksalsjahr 1932 naht mit seiner ganzen Schwere. Aber die Schwere liegt allein in den Maßnahmen, die die überstaatlichen Gewalthaber und ihre Diktatoren über uns verhängen wollen, sie liegt darin, daß sie dem Volke nicht in ihren wahren Urhebern gezeigt wird. Das Schwere verschwindet gegenüber dem geschlossenen Willen eines aufgeklärten Volkes zur Freiheit
Wie ich hoffe, habe ich durch mein Werk Weltkrieg droht' die Gefahren des Weltkrieges wenigstens im gewissen Umfange herabgemindert, so hoffe ich auch, durch Aufklärung weitere furchtbare Pläne wenigstens zum Teil zu verhindern, allerdings nur dann, wenn die freien Deutschen ihre Schuldigkeit tun«.
Am 6.2.1932: »Ich habe die nachfolgende Nummer schon geschrieben als ich von dem unerhörten Eingreifen der Polizei gegen Druckschriften des Verlages Meldung erhielt. Ich kann den Tannenbergern nur immer wieder sagen, daß die römische Diktatur weiter um sich greift
Unser Kampf muß sich scharf gegen die bevorstehenden Wahlen am 13.3. und 8.5. richten. Für uns gibt es nur Wahlenthaltung, auch wenn Tannenberger mit Millionen Deutschen im Wählen ein Heil des Volkes erblicken. Als ich vor 5 Jahren den Freimaurerkampf begann, hielten viele Tannenberger den Kampf derart, wie ich ihn führte, nicht für durchführbar. Sie kamen mit Gegenlogengründungen usw. Heute sind die Freimaurer bereits aufs tiefste getroffen, auch wenn sie natürlich noch leben. Ideen brauchen eben Zeit, um sich durchzusetzen
Unser Abwehrkampf gilt den überstaatlichen Mächten und deren Parteien, einschließlich der NSDAP und Deutschnationalen Volkspartei, sowie den Kirchenbeamten im besonderen, die unseren Kampf herausgefordert haben und entstellen Der Kampf gegen Rom muß mit dem Kampf gegen die NSDAP vereinigt werden. Der Kampf der NSDAP gegen den Jesuiten ist Trug und geeignet die norddeutschen Protestanten zu täuschen Der Kampf gegen die blutrünstigen Methoden der NSDAP muß durch Verbreitung des Flugblattes Gewalttätige Unterführer' gefördert werden.«
Am 13.12.1932: »Solange die Deutschen auf jeden theosophischen, ariosophischen, pansophischen Schwindel, auf Neugeist und Mazdaznan, auf sogenanntes armanisches, nordisches Weistum und Weihtum, oder den nordischen, kosmischen Christus hereinfallen, ist den Deutschen nicht zu helfen. Sie müssen doch in der Lage sein zu prüfen, ob das, was ihnen entgegengebracht wird, dem Selbsterhaltungswillen dienen oder ob es ihn schwächen soll Bei der Verblödung der Deutschen spielt die Astrologie ja eine ganz besondere Rolle. Jeder Anhänger der Astrologie ist aus dem Tannenbergbund zu entlassen, er hat nicht die einfachsten Begriffe deutschen Denkens in sich aufgenommen und ist deshalb nur ein Schaden für den Bund
Der Kampf gegen Geistesverblödung muß tatkräftig aufgenommen werden. Es ist heute das erkannte Streben der überstaatlichen Mächte, die Regierenden durch Erpresserstrippen oder Okkultismus usw. an sich zu ketten und im Volk durch Laienapostel', ebenfalls durch Okkultismus aller Art, den Selbsterhaltungswillen zu schwächen. Tannenberger dürfen sogenannten germanischen Glaubensgemeinschaften nicht angehören, erst recht nicht irgendeiner Gesellschaft' wie Deutscher Orden' usw. oder sonstigen Vereinen', in denen Geheimorden sichtbar wirken, wie in vielen kulturellen, namentlich sogenannten germanischen, arischen Kulturbestrebungen.«
Ich komme zum Schluß unseres Gedenkens an den 9.4.1865. Es soll nicht enden, ohne den letzten Schriftleiter von »Ludendorffs Volkswarte«, Erich Biermann, kurz zu hören. Der General berief ihn zum 2.1.1932 in diese verantwortungsvolle Aufgabe, die er zu seiner vollen Zufriedenheit erfüllte. Im Rückblick schrieb Biermann:
»Ludendorff war General der Infanterie, führte gemäß Hofrangordnung den Titel Excellenz und war so und in der dritten Person anzureden und anzuschreiben. Er verbat sich jedoch jeden großen Bahnhof' oder ähnliche Feierlichkeiten. Er verbat sich Heilrufe auf ihn in seiner Gegenwart; auch ordnete er an, daß bei Veranstaltungen des Tannenberg-Bundes Heilrufe auf ihn zu unterbleiben haben
Ludendorff wollte von mir nie in der dritten Person, sondern mit Sie' angesprochen werden. Ihm ging es um das Anhören einer unabhängigen Meinung, nicht um dessen Form.
Wie Ludendorff als Feldherr im Weltkrieg war – das erfuhr ich von einem ehemaligen Mitarbeiter in der OHL. Auch im Kampf gegen die überstaatlichen Mächte und für die deutsche Volksschöpfung war er so geblieben
Für meine erste Begegnung mit Ludendorff in Ludwigshöhe hatte ich mich – etwas gebannt – vorbereitet. Unter Bezug auf meinen Zusagebrief, in München tätig zu werden, erklärte ich dem General, daß ich so etwas noch nie gemacht hätte; ich könne (als Ingenieur) zwar konstruieren, hätte aber nicht schreiben' gelernt. Er antwortete herzlich schmunzelnd: Das habe ich früher auch nicht gekonnt und erst gelernt.' Ich mußte lachen; der Bann war gebrochen
Der General sagte mir eindringlich, er wollte für die Volkswarte' und Vor'm Volksgericht' keinen Sitzredakteur', sondern einen verantwortlichen Schriftleiter; ich hätte also auch seine Aufsätze zu korrigieren. – Sapperment! Ich soll den Feldherrn des Weltkrieges, den Weltrevolutionär korrigieren? Nein, das ging einfach nicht, wie ich später bei den so unerhört scharfen Ausführungen des Generals feststellte. Da saß jedes Wort in den kurzen Sätzen, die nicht zu verbessern waren
Bei meinem Besuch in Tutzing 1935 sah ich den General zum letzten Mal:
Man hat mich aus der Mottenkiste geholt', sagte er. Man braucht für Wehrmacht und Volk ein Aushängeschild, eine Traditionsfigur, unter deren Namen man in einen Krieg ziehen möchte. Doch das muß ich ablehnen und erneut vor einem neuen Krieg warnen.'
Dann sprach der General zusammenfassend etwa das aus, was sein Telegramm an v. Hindenburg vom 1.2.1933 enthielt, das von Hans Frank in Im Angesicht des Galgens' veröffentlicht wurde:
Sie haben durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler einem der größten Demagogen aller Zeiten unser heiliges Deutsches Vaterland ausgeliefert. Ich prophezeie Ihnen feierlich, dieser unselige Mann wird unser Reich in den Abgrund stoßen, unsere Nation in unfaßliches Elend bringen, und kommende Geschlechter werden Sie in Ihrem Grabe verfluchen, daß Sie das getan haben.'«
****
Erich Ludendorff – wir dürfen auch sagen die von ihm gelebten deutschen Erbwerte – warnte ein Leben lang und wurde nicht gehört, ja erbittert bekämpft. Warum, das wissen wir.
Hätten die Völker sein leidenschaftliches Ringen für Freiheit, Frieden und kulturelle Eigenart aller Völker beherzigt, wir müßten heute nicht auf das blutrünstigste Jahrhundert aller Zeiten und das Dahinsiechen der Völker: die »Todesnot der Gottesbewußtheit« zurückblicken.
Doch sein und der Philosophin Werk wird einmal die Zukunft gestalten! Dafür steht das unerschütterliche Vertrauen in die Gesetze der Schöpfung und – unser Volk. Trotz allem.
Wir aber tragen die Verantwortung aufzuklären! Durch kulturelles Wirken für Wahrheit, Freiheit und Eigenart!