Zwischen globaler Massengesellschaft und Vielfalt der Völker

Von Karl Münch

Einleitung

Seit einigen Jahren ist unser Sprachschatz um ein Wort reicher, das bis dahin niemand so richtig kannte und auch keiner ernst nahm: Die Rede ist von der »Globalisierung«. Heute muß diese Vokabel als erklärende Ursache für fast alle Mißstände und ungeliebten Entwicklungen herhalten. Dies betrifft vor allem Verwerfungen auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit wird so als Folge des hohen internationalen Konkurrenzdrucks gedeutet; deutsche Unternehmen haben diesem Druck zu folgen, um weiter im Geschäft bleiben zu können. Arbeitnehmer sollen als Preis für die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze Opfer bringen. Mag man diesen Gedanken noch halbwegs folgen, so wundert sich der Betrachter jedoch über die Ideologisierung, die vor allem mit der »Green card«-Debatte in dieses Thema hineingetragen wurde.

Und spätestens bei der Frage, ob Deutschland ein Einwanderungsland und das Heil daher in der multikulturellen Gesellschaft zu suchen sei, wird deutlich, wie wenig das Gespräch von Fakten getragen ist, sondern von einem rein ideologischen Standpunkt aus geführt wird. Denn die Globalisierung wird nicht nur wirtschaftliche Folgen haben, sondern sich auch in kultureller Hinsicht auswirken. Man will die »offene Gesellschaft«, was nichts anderes bedeutet, als die bisherige Einheit zwischen der Abstammungsgemeinschaft unseres Volkes und dem deutschen Volk als Staatsvolk des Grundgesetzes aufzulösen.

Dabei läßt sich zunehmend beobachten, daß die angestrebten Veränderungen hin zu einer multikulturellen Gesellschaft nicht allein in Deutschland greifen, sondern daß inzwischen alle Völker und Nationen Westeuropas betroffen sind. In Amerika dagegen ist die multikulturelle Gesellschaft schon seit langem Wirklichkeit. In dem den US-Amerikanern eigenen Sendungsbewußtsein verkünden sie ihr gesellschaftliches Modell als die einzig wahre Verwirklichung der Werte von »Freiheit« und »Demokratie«. Toleranz gegenüber anderen Kulturen und geschichtlich gewachsenen Strukturen wird dabei in der Regel nicht gewährt.

Es geht also letztlich um die Frage, wie sich die Zukunft der Völker gestalten wird: entweder die globale »Eine-Welt-Gesellschaft« mit der »Einen-Welt-Kultur« oder aber in sich freie und homogene Völker mit dem Reichtum einer geschichtlich gewachsenen und in den seelischen Erbwerten verwurzelten Kultur. Dieser Vortrag will die Ursachen und Zusammenhänge beider Modelle durchleuchten und die Konsequenzen ausloten.

Geschichtliche Zusammenhänge

Entwicklungsgeschichtlich und historisch ist die Existenz von Völkern eine Tatsache. Aus philosophischer Sicht bilden sie den Abschluß des Werdens und die Erfüllung des göttlichen Willens zur Bewußtheit. Die unterschiedlichen Erlebensweisen des Göttlichen haben das seelische Erbgut im Unterbewußtsein geprägt. Als Gemüt schwingt es heute bei jedem Ahnen und Erleben des Göttlichen mit und bereichert durch seine Färbung die Vielfalt der Kulturen auf dieser Welt.

Erst als der lustversklavte, weil unvollkommene Selbsterhaltungswille des Bewußtseins mehr und mehr sich der Vernunft und ihres Erfahrungsschatzes zu bedienen gelernt hatte, wuchs auch der Wunsch, das Verlangen dieses törichten Willens durch Machtentfaltung zu befriedigen. Nicht zuletzt die Unterwerfung und Versklavung anderer Völker diente diesem Ziel. Schon die frühesten antiken Großreiche im Orient perfektionierten diese Quelle des Lustgewinns. Einher mit diesem Frühimperialismus ging die Herausbildung vernunftmäßiger Rechtfertigungen für die eigene Lusthäufung. Nicht der Mensch in seinem törichten Willen zwang die unterlegenen Völker in den Frondienst, sondern Götter befahlen ihren Gläubigen diese Taten. Sei es zu ihrer »höheren Ehre« das besiegte Volk in die Sklaverei zu führen oder durch Zwangsbekehrungen den eigenen Göttern die Zahl der Gläubigen zu vermehren. So nimmt es nicht Wunder, daß wir im Land zwischen Euphrat und Tigris und am Nil die ersten »multikulturellen Gesellschaften« der Weltgeschichte finden. Ungezählt sind die Stämme und Völker, die in ihnen aufgingen und damit für immer verschwanden.

Auch das römische Imperium hat über Jahrhunderte nach diesem Prinzip gehandelt. Allein der germanische Norden blieb durch die Großtat des Arminius vor diesem Schicksal verschont. Überhaupt kannte der germanische Raum keine geschichtliche Entwicklung, die auf dem Imperialismus der antiken Völker Vorderasiens aufbaut, allenfalls in abgeschwächter Form. Die im seelischen Erbgut des germanischen Menschen begründete hohe Ausprägung der Individualität führte dazu, daß sich die Staatenbildung erst verhältnismäßig spät entwickelte. Sippe und Stammesverband waren die prägenden Strukturen, die persönliche Freiheit und Entfaltung des einzelnen am ehesten gewährleisteten. Erst als zur Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends die Völker des Nordens auf das orientalische Christentum trafen, begann ein »Glaubensumbruch«, der die bisherige Wertordnung grundlegend veränderte. Infolgedessen begannen auch die germanischen Völker, Reiche und Staaten zu bilden. Jedoch scheiterte ihr Versuch, staatliche Organisation mit dem alten Verständnis von Individualität und Persönlichkeit zu verbinden. Erinnert sei an den Versuch Theoderichs im Reich der Goten die römische Gesellschaft und die Schicht der gotischen Einwanderer nebeneinander existieren zu lassen. Wenn man so will: der erste Versuch, eine multikulturelle Gesellschaft ohne Sieger und Verlierer zu schaffen. Bekanntlich endete dieses Experiment in einem Blutbad und mit dem Untergang des ostgotischen Volkes.

Über die Jahrhunderte war im Christentum als Ableger der jüdischen Stammesreligion eine Weltreligion entstanden, deren Lehre darauf zielte, als einzig wahrer Glaube von allen Menschen angenommen zu werden. Sie unterscheidet nicht nach Völkern, sondern kennt allein die Gemeinschaft der Gläubigen und die Ungläubigen. Das Ziel der christlichen Kirchen besteht bekanntlich in der Bekehrung und Mission und folgerichtig in der Errichtung einer Theokratie, dem Weltgottesstaat. In diesem soll es nur die eine Gemeinschaft der Gläubigen geben. Verschiedene Völker und Kulturen haben in ihm keinen Platz und keine Bedeutung. Das »Heilige römische Reich Deutscher Nation« war durch die mittelalterlichen Jahrhunderte jener weltliche Arm, der die Schaffung dieses Gottesstaates erkämpfen sollte. Sein Haupt, der Kaiser, galt als weltliches Schwert des Stellvertreters Christi auf Erden. Der das Mittelalter bestimmende Machtkampf zwischen Kaisertum und Papsttum ist letztlich Ausdruck jenes Ringens, mit dem die Glaubensmacht Rom versuchte, den Gottesstaat Wirklichkeit werden zu lassen. Die weltlichen Herrscher waren nicht Kaiser oder Könige ihres Landes, sondern Kaiser des »Heiligen römischen Reiches«. Schon dieser Titel verrät, daß es hier um die Schaffung eines Imperiums nach antikem Vorbild ging. Deutsches Königtum, wie es noch Heinrich I. gelebt hatte, konnte hier nicht entstehen.

Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus im Jahre 1492 brach ein neues Zeitalter an. Das katholische Spanien, für das Kolumbus die neue Welt in Besitz genommen hatte, schuf sich ein Reich, »in dem die Sonne nicht untergeht«. Immer folgten den Conquistadores die katholischen Missionare nach. Auch hier gab es keine Rücksichtnahme auf Sitten und Gebräuche der indianischen Ureinwohner. Sie wurden zwangsbekehrt oder niedergemetzelt. Später, als sich der Zustrom von Europäern nach Nordamerika zu bilden begann, waren es auch hier wieder puritanische Eiferer der christlichen Lehre, die rücksichtslos das Land für sich in Besitz nahmen und die Ureinwohner verdrängten. In eben der gleichen Verkennung menschlicher Werte wurden dann Millionen von afrikanischen Sklaven in die neue Welt verschleppt. Besonders in Süd- und Mittelamerika kam es infolge dieser Bevölkerungsverschiebungen zu einer Auflösung aller ethnischen Gruppen und Abgrenzungen. In Norden Amerikas blieben Schwarz und Weiß dagegen zunächst für sich. Doch mit der späteren Aufhebung der Sklaverei nahm auch diese Trennung ab. So hatte sich durch die Jahrhunderte in der neuen Welt eine Form des Zusammenlebens entwickelt, bei der ethnische Grenzen völlig aufgelöst wurden. Sozusagen ein Gegenmodell zur europäischen Tradition, bei der die Nationalstaaten weitgehend identisch mit Volks- und Sprachgrenzen sind.

Während das christliche Modell infolge der Aufklärung mit seiner Form des Gottesstaates als Zusammenfassung aller Völker bei gleichzeitiger Nivellierung ethnischer Unterschiede allmählich an Strahlkraft zu verlieren begann, gewann eine andere Glaubenslehre zunehmend mehr an Bedeutung. Als geheimer Hiramkult hat auch die Freimaurerei ihre Ursprünge in den Legenden der jüdischen Stammesreligion. Auch sie lehrt, ähnlich dem Christentum, die Errichtung einer einheitlichen Herrschaft über die Welt. Der Tempel, an dessen Bau jeder Maurer wirkt, soll alle Menschen umfassen, ohne Rücksicht auf Herkunft und Abstammung. Man spricht hier verklärend von »Humanität«, Gleichheit oder Brüderlichkeit. Daß auch dieses Ziel, ähnlich dem christlichen Gottesstaat, auf eine Auflösung sämtlicher kultureller und ethnischer Unterschiede hinausläuft, wird meist verkannt.

Schon die Loslösung der Neu-England-Staaten vom britischen Mutterreich und die infolge der Unabhängigkeitskriege errichteten Vereinigten Staaten von Amerika trugen deutliche Züge dieses neuen Geistes. Die amerikanische Verfassung ist durchtränkt von freimaurerischen Werten und Tugenden. So republikanisch-liberal man sich auch gab, für die indianischen Ureinwohner und die verschleppten schwarzafrikanischen Sklaven blieb in den verkündeten Idealen und Menschen- und Freiheitsrechten kein Platz. In einer merkwürdigen Allianz aus Drei-punkt-Liberalismus und fundamentalchristlichem Auserwähltheitswahn wurde die angestammte Bevölkerung fast gänzlich ausgerottet und ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Die zwangsverschleppten Schwarzen wurden noch nahezu ein Jahrhundert in qualvoller Leibeigenschaft gehalten, gegen deren Grausamkeit sich europäische Verhältnisse vergleichsweise harmlos ausnehmen.

In Europa gestaltete diese neue Ideologie erstmals Geschichte, ja Weltgeschichte, als sie im Jahre 1789 mit der französischen Revolution den europäischen Monarchien den Krieg erklärte. Während sich die Pariser Revolutionäre die Parole von »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« auf die Fahnen schrieben und in diesem Namen die Guillotinen jeden dahinmordeten, der verdächtig war, diesem neuen Katechismus nicht vorbehaltlos gegenüber zu stehen, entwickelten die vom Geist des Freimaurertums durchdrungenen Staaten Europas ein eigenes System zur Errichtung ihrer ideologischen Herrschaft. Es bestand zum einen aus der gezielten Förderung eines Nationalismus, der sich an die nicht souveränen Völker des Kontinents wandte und diese gegen die aus christlichem Universalanspruch entstandenen Grenz- und Herrschaftsverhältnisse aufbrachte, wie etwa im Fall des Habsburgerreiches. Gleichzeitig leitete er aber auch eine Phase der Unterjochung ein, indem die europäischen Mächte begannen, den Rest der Welt – insbesondere Afrika und Asien – auf imperialistische Weise unter sich aufzuteilen. Die Kolonialisierung weiter Teile der Welt als Kind des imperialistischen Nationalismus hatte für die unterjochten Kolonialvölker nichts mit »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« zu tun. Sie waren menschliches Material im Spiel der europäischen Mächte, das man nutzte und benutzte, um die eigene Herrschaftspolitik in den entfernten Winkeln der Erde durchzusetzen. Ob man sie in Stellvertreterkriegen gegeneinander hetzte oder mit ihnen Armeen aufstellte, in denen die Kolonialherren allein das befehlende Offizierskorps stellten: geblutet haben die Kolonialvölker vor allem für fremde Interessen.

Als man sich nach der erfolgten Aufteilung der Welt schließlich in Europa anschickte, den Endkampf um die Errichtung einer weltrepublikanischen Ordnung direkt auszutragen, wurden zwar die letzten Bastionen eines anti-universalistischen Systems hinweggefegt, aber gleichzeitig führte die Schwächung der Siegernationen des Ersten Weltkrieges zum Zerfall ihrer Kolonialreiche, der sich nach dem zweiten europäischen Völkermorden als unaufhaltsam erweisen sollte. Die europäischen Throne waren beseitigt bzw. entmachtet, aber das Streben der Kolonien nach Unabhängigkeit war nicht mehr aufzuhalten. Gleichwohl brachte die frisch erworbene politische Unabhängigkeit den einstigen Kolonien kein Glück. Ihre Strukturen fußten ausschließlich in den willkürlich geschaffenen Rahmenbedingungen der einstigen Kolonialherren. Grenzziehungen waren nicht nach ethnischen Grundsätzen erfolgt, sondern spiegelten nach wie vor rein territoriale Machtinteressen wieder. Die von den Kolonialherren hinterlassenen ökonomischen Strukturen orientierten sich nicht an den überkommenen und der jeweiligen Eigenart von Bevölkerung und Umwelt entsprechenden Wirtschaftsmodellen, sondern waren allein auf rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen ausgerichtet. Den einstigen Kolonien gelang es nicht, sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen. Und so blutete sich die politische Freiheit an der fehlenden wirtschaftlichen Unabhängigkeit aus. Da gleichzeitig auch die kulturelle Identität durch die Kolonialherren aus Herrschaftsgründen gründlich zerschlagen worden war, blieb den jungen Staaten nichts, was ihnen ein Überleben möglich gemacht hätte.

Die Folgen ihrer einstigen Kolonialpolitik bekamen die ehemaligen Mutterländer nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu spüren. Vor allem England erlebte einen Zustrom von Menschen aus den Kolonialvölkern, die nun bei dem einstigen Herren ihr Glück suchten. So haben England, Belgien, Frankreich, Spanien und die Niederlande als einstige Kolonialmächte heute alle damit zu kämpfen, daß sie durch den Zustrom von Menschen aus ihren einstigen überseeischen Gebieten belastet werden.

Andererseits wäre es jedoch verfehlt, die heutige Entwicklung in Europa allein dem Zeitalter des Kolonialismus zuzuschreiben.

Die globale Massengesellschaft

Während in Europa die geschichtliche Entwicklung zunächst die nationalstaatlichen Strukturen beseitigen mußte, stand bereits bei der Geburt der Vereinigten Staaten von Amerika das gesellschaftliche Modell der globalen Massengesellschaft Pate. So sind heute nicht die indianischen Ureinwohner das bestimmende Volk auf dem amerikanischen Kontinent. Die weißen Einwanderer stellen mit etwa 74% den größten Bevölkerungsanteil, gefolgt von den Nachfahren der verschleppten afrikanischen Sklaven (13%). Mit 10% sind die sog. Hispanics vertreten, also jenes Bevölkerungserbe, daß die spanische Eroberungszeit hinterlassen hat. Mit nicht einmal 3% bilden die Indianer allenfalls noch eine Splittergruppe.

Doch wer glaubt, daß diese »multikulturelle Gesellschaft« friedlich entstanden ist, den belehrt die amerikanische Geschichte eines besseren. Erinnert sei hier an die herausragenden Darstellungen von Joachim Fernau, »Halleluja – Die Geschichte der USA«1), und Karlheinz Deschner, »Der Moloch – Eine kritische Geschichte der USA«2). Beide haben die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieses Landes ziehende Diskrepanz zwischen moralisch-sittlichem Anspruch und rauher Wirklichkeit treffend herausgearbeitet. Beide Arbeiten zeigen, daß die Entstehung des amerikanischen Gesellschaftsmodells im wesentlichen auf Unterdrückung und Härte beruht. Unterdrückt und ausgebeutet wurde das Heer der verschleppten Sklaven und die billigen Arbeitskräfte aus Fernost. Mit gnadenloser Härte bekämpft wurden die indianischen Ureinwohner, die der Raumsucht der europäischen Einwanderer zum Opfer fielen.

Und so ist das, was man glanzvoll als das gelungene Beispiel für den »melting pot« feiert, keineswegs das Land, in dem die verschiedenen Ethnien friedlich miteinander leben. Amerika ist heute das Land großer sozialer Härten. In den Städten ghettoisieren sich Schwarze, Hispanics und Asiaten zu eigenen Subzentren, deren Betreten für den jeweils Andersfarbigen nicht ungefährlich ist. Wer hat nicht schon von den Chinatowns, von Brooklyn, Harlem usw. gehört? Sie sind so autarke Gebilde, daß selbst die staatliche Gewalt ihre Schwierigkeiten hat, sich dort Geltung zu verschaffen. Das ist die amerikanische Wirklichkeit von »Freiheit und Demokratie«.

Die Erbauer dieses Herrschafts- und Ausbeutungsmodells haben jedoch übersehen, daß die angelsächsische Vorherrschaft selbst in den USA nicht gottgegeben ist. Heute steht die weiße Bevölkerungsschicht dank ihrer eigenen Einwanderungs- und Bevölkerungspolitik unter dem Druck, ihren beherrschenden Status in der US-Gesellschaft zu verlieren. So meldete das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« in seiner Ausgabe vom 10. Juli 2000 über den »Exodus der Weißen«:

»Weiße stellen in Kürze im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien nicht mehr die Mehrheit der 34 Millionen Einwohner. In etwa einem Jahr, so erwarten die Demographen, werden Schwarze, Asiaten und vor allem die so genannten Hispanics (…) mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Noch vor 30 Jahren waren 80 Prozent der Bewohner des Sonnenstaates weißer Hautfarbe. Seither sind Millionen von Immigranten ins Land gekommen, hauptsächlich Asiaten und Latinos. … Zudem haben die hellhäutigen Kalifornier eine geringere Geburtenrate. Die Nachfahren europäischer Siedler werden nach der Erwartung der Demographen noch bis 2025 die größte Gruppe stellen, 2040 aber werden die Hispanics die absolute Mehrheit erringen … Besonders weit ist der demographische Wandel in Los Angeles vorangeschritten. Die Millionenstadt hat die größte Population von Koreanern außerhalb Koreas und beherbergt auch die größte persische Kolonie jenseits der Grenzen des Iran.«

Was sich in Amerika als möglich abzeichnet, sollte in Europa nicht minder wahrscheinlich sein. Werfen wir einen Blick nach Spanien, das noch vor 30 Jahren Deutschland, Frankreich oder Lateinamerika mit Arbeitskräften versorgt hatte. Heute ist es mit seiner rasant wachsenden Wirtschaft zu einem Einwanderungsland geworden. Allein in Andalusien wurden im letzten Jahr über 15 000 illegale Zuwanderer aufgegriffen, die die Meerenge von Gibraltar bei Nacht und Nebel überquerten. Darüber hinaus leben Zehntausende von Ausländern in Spanien, die keine Papiere besitzen.

Was diese nackten Zahlen für tatsächlichen Sprengstoff bergen, schildert ein Bericht über die Entwicklung des Stadtteils El Raval in Barcelona. Einst ein Arbeiterviertel, »… weil es billig war und zentral, ließ sich im Viertel der dunklen Gassen nieder, wer von außerhalb kam. Und wer das Licht scheute. In den letzten 20, 30 Jahren wurde der Ruf des Viertels schlechter. Die Bewohner waren nicht mehr unter sich. Davor aber haben die Leute gesagt, ,Carmen heiratet', und jeder wußte, daß Carmen die Tochter von Juan war.

,Früher haben wir die Türen offen stehen lassen, heute müssen wir sie absperren' – so redet Josep, und er redet wie ein Alter. Dabei ist Josep gerade 34 Jahre alt. Wer zu ihm will, läuft an der marmornen Außenwand des neu aufgebauten Opernhauses entlang, vorbei an einem pakistanischen Telefon?Shop, an einem marokkanischen Textilgeschäft, an einer islamischen Metzgerei, wo die gehäuteten Kuhschädel am Boden liegen. Anfang der siebziger Jahre kamen die Ausländer. Vorübergehend nur wollten sie bleiben. Dann holten die Marokkaner ihre Frauen nach, die philippinischen Hausmädchen ihre Männer. Von den 30.000 Marokkanern in Barcelona leben 10.000 in El Raval …

Wenn seine Töchter mal in die Schule kommen, glaubt Mohammed Halhoul, werden sie keine spanischen Klassenkameraden mehr haben. Im Laden seines Vaters stopft er Decken in eine Tüte, es ist kalt geworden über Nacht. Schon jetzt sagen manche über das Colegio publico, ,das ist die Schule der Marokkaner' – wobei ,Marokkaner' – als Sammelbegriff für Pakistanis, Inder, Filipinos herhalten muß.

Kasem, Ativ, Yao, Muzamel, Saida, heißen die Kinder an dieser Schule. Eltern haben Unterricht in ihrer Landessprache gefordert, aber Mathematik auf Arabisch oder Urdu wird es nicht geben, sagt Direktor José Mora. Von 50 Prozent nichtspanischen Schülern spricht er, da untertreibt er, von 25 Namen auf der Klassenliste sind fünf spanisch. Drei Mädchen in gelben, roten, grünen Saris kommen die Treppen herunter, ein Pulk schwarzhaariger Jungs.«3)

Ein weiteres Beispiel bietet die belgische Hauptstadt Brüssel. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 5. Juni 2000 hat Dirk Schümer eine eindrucksvolle Beschreibung der Probleme dieser Stadt gegeben.

»… Kein anderer Ort des Kontinents wurde mehr von der Europäischen Union geprägt, kein anderer auch hat mehr unter ihrer Zerstörungswut gelitten.

So bildet die entweder blockierte oder verödete Gesetzes-Straße (Rue de la Loi, an der die Institutionen Belgiens und Europas wie an einem Lineal gekantet liegen) das europäische Schicksal treffender ab als jeder Kulturevent. Denn Brüssel ist eine besetzte Stadt. Zu den mehr als dreißigtausend echten Eurokraten aus der Verwaltung der EU kommen die zahllosen Lobbyisten, Zuarbeiter, Beobachter, die sich nach und nach der Stadt bemächtigt haben. Nach den Asbesthochhäusern und den gesichtslosen Bürozeilen der Anfangsjahre entstehen jetzt, da immer mehr Geld im Topf ist, schickere Ausprägungen rundum verglaster Postmoderne. Wie ein stahlblauer Riesenriegel sperrt das neue Europaparlament im Osten die Sichtachsen ab …

Die Belgier, unter allen Mitgliedsländern am wenigsten national geformt, hatten ihre Metropole der EWG förmlich aufgedrängt – am Schnittpunkt der romanischen und der germanischen Kultur, zwischen den Polen der Union gelegen und seit Jahrhunderten an Besatzer gewöhnt. Seither wurde Brüsseler Bodenbesitz zu einer goldenen Investition, denn die wachsenden Behörden verschlangen Baugrund, Büroraum, Repräsentation und Wohnfläche mit gargantueskem Appetit.

Doch die Stadt verlor dabei ihre Bewohner. Heute pendeln über dreihunderttausend Belgier zwischen ihren Häusern auf dem zersiedelten Land und der aufgegebenen Metropole. Oft hört man Geschichten von den letzten Belgiern einer Straße, die ihre Wohnung nach langem Widerstand aufgeben und verbittert fortziehen. Doch in die Metropole des verwalteten Europa zogen keine neuen Europäer. Zu den kleinen, abgeschotteten Kolonien von Teilzeit-Europäern aus Diplomatie und Geschäft kamen Hunderttausende von Türken, Marokkanern und Kongolesen, die blieben. Sie sollten im boomenden Belgien die Drecksarbeit erledigen und in den maroden Spekulationsvierteln noch ein paar Jahre für hohe Mieten sorgen. Per Einwanderung – und nicht durch immer strengere Sprachgesetzgebung – wird sich die Grundaggression zwischen den Benutzern der niederländischen und der französischen Sprache irgendwann von selbst erledigen. Heute bereits kommt man wenn schon nicht mit dem Pidgin-Englisch4) der Bürokratie mit Arabisch in weiten Teilen der Stadt gut zurecht. Und im Matonge-Viertel der Kongolesen kommt zehn Minuten Fußweg von Europas Behördenzentrale in abgewrackten Bars bei afrikanischer Musik tatsächlich so etwas wie Gemütlichkeit auf. Mit um die vierzig Prozent Immigranten inmitten einer ,einheimischen' Population der ihrerseits vor einer Generation zugewanderten Flamen, Italiener, Polen, Wallonen zeichnet Brüssel das Schicksal der europäischen Metropolen vor.

Die jungen arbeitslosen Marokkaner und Türken, … wären die letzten Bewohner von Europas Innenstadt, gäbe es da nicht die Marolliens, die das Wuchern von Antiquitätenläden und Neubauten immer noch nicht aus ihrem Kernviertel im Schatten des Justizpalastes vertrieben hat. An diesen endlosen, regnerischen Wochenenden hocken sie aufgereiht an den braunen Kneipentischen ihres Viertels und erzählen sich Geschichten, die kein Fremder verstehen kann, in der einzig angemessenen Sprache des zerrissenen Belgiens: einem wundersamen Singsang aus Flämisch, Mittellatein, Jiddisch und festlich eingefügten französischen Lehnwörtern. Der Boom des modernen Brüssel und die europäische Glorie ist an diesen Menschen vorbeigezogen. Doch der sterbende Urbanjargon, in dem sie mit einander verkehren, bietet schon wieder einen Vorgeschmack auf die kulturelle Vermischung der Zukunft …

So versuchen die Menschen seit über hundert Jahren die Stürme, die dauerhaft über ihre Stadt hinwegrasen, zu überstehen und allen Widrigkeiten zum Trotz ihre zähe Lebendigkeit vorzuführen. Brüssel, wenn es seine Verwalter verlassen haben, lebt. Es ist die Stadt, die nicht politische Zentrale sein soll und die dennoch der Zukunft des Kontinents bereits ein Gesicht – ein mal zernarbtes, mal orientalisches, mal monströses, doch immer ein würdiges Gesicht – gegeben hat. Brüssel ist die Hauptstadt Europas.«

In unserem Land betrug 1999 der Ausländeranteil etwa 8,9%. Ein Bild aus deutschen Großstädten braucht an dieser Stelle nicht gezeichnet zu werden. Es ist den Lesern aus eigener Erfahrung nur zu gut bekannt und unterscheidet sich von den hier gegebenen Beispielen aus Spanien und Belgien nur unwesentlich. Dabei wird deutlich, daß die »globale Massengesellschaft« längst kein rein deutsches Problem mehr ist. Sie ist mittlerweile zu einer Frage für alle Völker Europas geworden.

Völkervielfalt

Angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen in der deutschen Politik, in der europäischen Politik, aber auch in der internationalen Politik, mag man die bange Frage stellen, ob überhaupt noch eine Alternative zu dem eingeschlagenen Weg denkbar ist. Oder ist der Rubikon in dieser Frage bereits überschritten? Vieles mag dafür sprechen. Die einst von de Gaulle erhobene Forderung nach einem »Europa der Vaterländer« ist der rauhen Wirklichkeit einer EU-Bürokratie gewichen, die machtvoll ihren Anspruch auf die Schaffung eines europäischen Bundesstaates erhebt. Die auf dem EU-Gipfel in Nizza verabschiedete EU-Grundrechtecharta sollte keinen Zweifel mehr daran lassen, daß dieser Staat kommen wird und sich damit die Träume der in der westlichen Welt vorherrschenden Glaubensmächte erfüllen werden.

Müssen wir deshalb resignieren? Mitnichten! Durch die Erkenntnis der Philosophie Mathilde Ludendorffs sind uns die Gesetze der Menschenseele und der Volksseele vertraut. Ihre Gesetze lehren uns, daß immer dann und dort, wo göttliche Werte und aus ihnen gestaltetes Leben bedroht sind, sich Gegenkräfte formieren. Erlebter Gottesstolz und das Gefühl der Verantwortung sind die Erwiderungen, mit denen sich das Göttliche in der Todesnot seine Streiter schafft. Dies ist heute nicht anders als seit den Anfängen der Geschichte. Dabei dürfen wir nicht außer acht lassen, daß dieser Kampf in den seltensten Fällen ein machtpolitischer Kampf gewesen ist. Freiheit und Unnahbarkeit des Göttlichen führen zu den verschlungensten Wegen, auf denen sich Göttliches Leben erhält. Unsere Ahnen etwa mochten der Verchristung machtpolitisch nicht Einhalt gebieten können. Zu groß war die Zahl der Missionare, zu schwach die eigene Erkenntnis. Doch sicherte sich die erbeigene Art des Gotterlebens ihr Fortbestehen durch Umdichtungen der fremden Lehre, durch deren Verwebung mit den Erbwerten des Unterbewußtseins im künstlerischen Gestalten. Und als zu Beginn des letzten Jahrhunderts Weltkrieg und herrschender Materialismus abermals Göttliches Leben tödlich bedrohten, fand sich die eine Menschenseele, in der aus dem Ahnen die klare, rettende Erkenntnis über Sinn und Gesetzmäßigkeiten des Lebens von Menschen und Völkern geboren wurde.

Wenn wir uns heute umblicken, so sind es wieder einmal nicht die vermeintlich großen »politischen« Fragen der Gegenwart, an denen sich die Zukunft entscheiden wird. Angesichts der politischen und propagandistischen Übermacht, mit der die westliche Welt für ihren Traum von der globalen Massengesellschaft, den einen »melting pot« eintritt, wird die Abwendung der Todesnot für das Göttliche nicht die direkte Konfrontation erbringen. Es sind die geschundenen Völker dieser Erde, die die Fanale setzen und uns zeigen, wie in einem Meer des Widergöttlichen Sittlichkeit und Moral ihr Leuchten in die Welt hinaustragen.

Schauen wir z. B. auf die australischen Ureinwohner, die im vergangenen Jahr anläßlich der Olympischen Sommerspiele in Sydney die Welt auf ihr trauriges Schicksal aufmerksam machten. Von ihrem Land durch die englischen Kolonialherren vertrieben, ihrer traditionellen Lebensweise beraubt, ihre Kinder noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein den Eltern entrissen und in Waisenheimen in jeglicher Hinsicht entfremdet aufgewachsen, fordern die Aborigines heute ihre Rechte ein. Im Jahr 2000 erklärte ihre Organisation:

»Wir, die Völker Australiens, so vielerlei Ursprungs wir sind, verpflichten uns gemeinsam in einem Geist der Versöhnung voranzuschreiten. Wir bewerten den einzigartigen Status der Eingeboren und Berge- und Meerengeninselbewohner als den der ursprünglichen Eigentümer und Wächter von Ländern und Wassern. Wir anerkennen, daß dieses Land und seine Wasser als Kolonien ohne Vertrag oder Zustimmung besiedelt wurden. Die Menschenrechte aller Australier beteuernd, respektieren und anerkennen wir das Beibehalten der geltenden Gesetze, Überzeugungen und Traditionen. Durch das Verstehen der geistigen Beziehung zwischen dem Land und seinen Ureinwohnern teilen wir unsere Zukunft und unser Leben in Harmonie. Unsere Nation muß den Mut haben, die Wahrheit anzuerkennen, um die Wunden ihrer Vergangenheit zu heilen, so daß wir uns weiter zusammen in Frieden bewegen können.

Versöhnung muß in den Herzen und im Verstand aller Australier leben. Viele Schritte sind ergriffen worden, viele Schritte bleiben, wie wir unsere gemeinsame Geschichte zu teilen lernen.

Wenn wir den Weg der Gesundung gehen wollen, so muß sich ein Teil der Nation entschuldigen und seine Trauer und aufrichtiges Bedauern über die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit ausdrücken, während der andere Teil die Entschuldigungen akzeptiert und verzeiht. Wir wünschen eine Zukunft, in der alle Australier ihre Rechte genießen, ihre Verantwortungen akzeptieren und die Gelegenheit haben, ihr volles Potential zu erreichen. Und so sichern wir uns zu, mit Ungerechtigkeit aufzuhören, Nachteile zu überwinden und das Recht der Eingeboren und der Berg- und Meerengeninselbewohner zu Selbstbestimmung innerhalb des Lebens der Nation zu akzeptieren. Unsere Hoffnung ist ein vereintes Australien, das unser Land respektiert, das Erbe der Eingeborenen und Berg- und Meerengeninselbewohner schätzt und Gerechtigkeit und Billigkeit gegen alle schafft.«

Auch in Nordamerika wird die Stimme der indianischen Ureinwohner lauter und vernehmbarer. Die Erfahrung hat sie gelehrt, was es heißt, schutz- und rechtlos den weißen Herren ausgeliefert zu sein. Dies läßt sie wachsamer gegen die Sirenengesänge der Globalisierungsfanaktiker sein, als uns Europäer. So erklärte jüngst (31. März 2001) das Oberhaupt der »Versammlung der ursprünglichen Völker« (First Nations) in Kanada:

»… Es hat auf diesem Einheimischen-Gipfel ein gemeinsames Thema gegeben, ein Thema ergreifend ausgedrückt durch Nobel Laureate Rigoberta Menchu Tum, und von vielen vielen anderen: Die einheimischen Völker werden nie zustimmen, ihre Rechte aufzugeben, die internationalen Gesetzen unterstehen. Wir haben Völkermord überlebt, Auslöschungen, Enteignungsarmut und jede Art von Entbehrung. Uns ist gesagt worden, daß wir keine Rechte haben. In jedem Land dieser Hemisphäre sind wir denselben Dingen gegenübergestanden – zu einem größeren Grad oder geringeren Grad, doch wir haben eine gemeinsame Erfahrung. Aber wir wissen, was unsere Rechte sind. Ja, wir wollen von der neuen Wirtschaftsordnung profitieren, aber wir haben starken Zweifel daran, daß die Globalisierung unserem Volk nützt, ohne daß unsere Rechte auf unser Land und unsere Ressourcen anerkannt und respektiert werden.

Das ist die wesentliche Nachricht, die wir den Premierminister bitten werden dem Gipfel in Quebec zu übermitteln. Wir möchten mit in die Entwicklung einbezogen werden und vom Reichtum unserer Länder profitieren.«

Diese Beispiele zeigen, daß der Widerstand gegen das, was die Ein-Welt-Fanatiker als globale Massengesellschaft propagieren, sich bereits formiert hat. Not und geschichtliche Erfahrung waren die Lehrmeister dieser Völker. Von ihnen können wir lernen, was es heißt, das Selbstbestimmungsrecht auch in einer Umwelt zu behaupten, die dem Bestreben nach Wahrung der eigenen Identität entgegensteht.

Philosophische Klärung

Wir wissen, daß es der Selbst- und Gotterhaltungswille ihrer Volksseele ist, der die Führer der Ureinwohner so sprechen ließ. Ihrem Ringen gilt nicht nur unser Mitgefühl aufgrund des erlittenen geschichtlichen Schicksals. Nein, wir begrüßen aus vollem Herzen die Gottkräfte, die durch das Aussprechen ihrer Wahrheiten gestärkt werden. Sie sind das einzig wirksame Mittel, das dem Globalisierungswahnsinn entgegengehalten werden kann. Mögen diese Stimmen auch wie ein einsames Rufen in der Wüste klingen, entscheidend ist allein die Tatsache, daß sie erhoben worden sind. Mathilde Ludendorff stellt hierzu fest: »So bedeuten denn allein die Erkenntnisse über die Art und Weise, wie das Erbgut vom Unterbewußtsein aus auf das Bewußtsein wirkt, Rettung der Völker. Und es erhebt die völkische Idee zu dem Ideal der Zukunft aller Völker der Erde!« Und wir wissen auch, »…daß es wahrlich nicht genügt, selbst zum völkischen Ideal hinzufinden, nein, daß der selbstverständliche, der unerläßliche zweite Schritt der wäre, einen nahen Zusammenschluß aller Völker zu suchen und zu finden, die einander die Möglichkeit zum unsterblichen Leben ebenso wenig wie Freiheit, ebenso wenig wie endlich die völkische Eigenart bedrohen, mißachten oder rauben möchten!

Und wenn nun endlich die Gotterkenntnis in ,Das Gottlied der Völker' noch erweisen konnte, daß die Erfüllung des Schöpfungszieles, des Gottesbewußtseins in Menschengeschlechtern der Erde, in der Mannigfaltigkeit des Erbgutes der Völker und somit auch in der Mannigfaltigkeit ihrer Kulturen ein köstliches Gut sieht, das die Erhaltung jedes Volkes auch aus diesem Grunde begrüßt, dann dächte ich, sollte doch die unselige Wirrnis nun schwinden können! Die große Rettung des Lebens aller Völker: die Befreiung von unsittlichen Kriegen, die nicht um der Verteidigung des Lebens willen geführt werden, und die Befreiung von jedem Gewalteingriff in andere Völker sollten nun möglich sein.

Heute schon läßt sich voraussehen, daß die Verständigung der Völker der Erde eben deshalb erstrebt und dadurch erleichtert wird, daß die Völker die Reinheit der völkischen Idee erkennen und die heiligen Gesetze der Seele, die die Gotterkenntnis enthüllte, aufnehmen und nach ihnen das Völkerleben gestalten!«5)

Nicht die Regierungsebenen und die Politik werden zu dieser Verständigung kommen. Sie stehen im Bann der Welt-Glaubensmächte. Der entscheidende Dialog wird zwischen jenen Nicht-Regierungsorganisationen geführt werden, wie sie etwa die »First Nations«-Bewegung in Nordamerika oder die Vertretung der Aborigines in Australien repräsentieren. Die modernen Kommunikationsmittel eröffnen ungeahnte Möglichkeiten. Die Chancen, heute zu einer solchen Verständigung zu kommen, die die Vielfalt der Völker sichert, sind trotz des widrigen Anscheins größer denn je.


Fußnoten:

  1. München, Berlin 1977
  2. 2. Aufl., München 1995
  3. Dietrich, Angelika, Utopia in engen Gassen, in: Merian »Barcelona«, März 2000, S. 60
  4. Mischsprache aus einem sehr vereinfachten Englisch und einer oder mehreren anderen Sprachen
  5. Ludendorff, Mathilde, Gotterkenntnis rettet die Völker und ihre Eigenart, in: »Vom wahren Leben«, Pähl 1972