Von Gudrun Matthies
Viele Wege führen bekanntlich nach Rom; und Wege nach Europa gibt es in reichlichem Maß. Aber jene, die neuerdings »vielfältig« genannt werden, erweisen sich für europäische Verhältnisse auch als schwierig angesichts der Zuwanderung und der erwarteten »Grenzenlosigkeit«.
Wer sich um Geschichte und Politik in unserem Land Gedanken macht und das Zeitgeschehen verfolgt, fragt sich, welchen Weg Deutschland gehen wird, sollte die »Europäisierung« durchgesetzt werden. Einheitliches zeigt sich eher selten, die Wahlen sorgen zwar für gewisse Aufmerksamkeit; aber Ergebnisse lassen auf sich warten, solange Politik sich zu behaupten sucht. Oft werden Pläne hinderlich, wenn Fremde ins Land strömen und sich für die Einheimischen gleichsam die Sicht verengt.
Ähnliches gilt auch für die Folgen jener Umerziehung, die seither das gesellschaftliche Leben begleiten. »Gesellschaften« und nie mit ihnen verbundene Interessen-Vielfalt überdecken Eigenart und Zusammenhang zwischen den Generationen, die der Begriff Globalisierung zu umfassen sucht. Als ungünstige Folge drückt z. B. Arbeitslosigkeit ihre Zeichen in die Gemeinschaft der Menschen. Das Unternehmertum büßt etwa Beweglichkeit ein und sucht außerhalb des Landes Boden zu gewinnen. Arbeitslosigkeit stellt als gleichsam ständige Größe des gesellschaftlichen Lebens eine gewagte Hürde für den inneren Frieden des Landes dar.
Bekanntlich hat der Begriff Gesellschaft den des Volkes abgelöst bzw. verdrängt. Gesellschaften stellen eigentlich bestimmte Mengen dar, wie das bei Versammlungen und Demonstrationen vorkommt. Völker aber zeigen immerhin gewisse Größe, falls z. B. Einigkeit oder Leistung Aufmerksamkeit erzeugt. Insofern täuscht der Begriff Gesellschaft über das, was einmal gefragt gewesen ist, nämlich Volksbewußtsein, Heimatliebe, Geborgenheit und Gemeinschaftssinn.
Bis 1914 läßt sich das Bürgertum als gebildete Gesellschaftsform begreifen, was in der Erziehung wie in der Bürgerelite nachzuweisen ist. Verändert hat sich diese Welt 1968 mit dem unbedingten Republikanismus und dessen marxistischen Utopien (Die Welt, 20.7.2000), als Gutes, Wahres und Schönes weniger, aber das Vordringen von Trivialität mehr Beachtung gefunden hat.
Der Begriff Gesellschaft erleichtert gleichsam den Vorgang der Umvolkung und ebnet den Weg in die Europäisierung. Alsdann wird sich ein Staat herausbilden, der vom »portugiesischen Atlantik bis an die Grenzen der Ukraine, vom Nordkap bis vor die Tore Syriens mit über zwanzig Sprachen, einer parlamentarischen Kontrolle entzogenen Räte-Nomenklatura in Brüssel- und einem Straßburger Parlament mit sogenannten Volksvertretern« reicht, die ein Volk vertreten, das es nicht gibt (1, S. 311), nämlich ein europäisches Volk. Man fragt sich, ob die Völker überhaupt »globalisiert« werden wollen!
Die Frage berührt vieles, auch den Kern der Umerziehung von einst. Indem die Europäer, auch Deutschland während der vergangenen Jahrzehnte den Euro-Zug wählten, um am Ball zu bleiben, der das Länder-Spiel beherrscht, versäumten es die Deutschen, den Blick zurück auf das eigene Land zu werfen. Die Abkehr vom Gewohnten weckt zwar Neugier und vermag vom Selbstverständlichen abzulenken. Seither ist nun formales Wissen gefragter als den seelischen Erfordernissen der Jungen auf die Sprünge zu helfen. Nutzen und Zweck sind ja Stufen, die nicht übersprungen werden sollten, denn der Unterbau, wo Geist und Seele ihren Sitz haben, braucht vor allem Bewegung und Zuwendung, um geistige und Seelische Entwicklung zu fördern und zu gewährleisten.
Das Thema wirft überdies Fragen auf, die vornehmlich mit Geschichte und auch mit der Gegenwart verknüpft sind. Was immer in Bewegung kommt, fließt aus dem Geschehen der Vergangenheit, kennzeichnet in etwa die Gegenwart, läßt aber Zukünftiges offen. Was den Augenblick verstellt, ist heute die Trennung des Menschen von seiner seelischen Heimat; sie ist ihm kaum gegenwärtig. Ihm fehlt zumeist das Wissen um jenes seelische Land, welches den Menschen gemütsmäßig erfaßt, das ihm Grund und Halt bietet.
»Bei allen dem Staatsvolk unverständlichen Tun und Lassen der Bundesregierung, was die Aufgabe staatlicher Souveränitäten, die Unterwanderung mit Völkern aus aller Herren Länder, die unermeßlichen Zahlungen an Wiedergutmachungen, die einem Friedensvertrag vorbehalten sind, die Anhäufung von längst nicht mehr tilgbaren Schulden oder das fast tatenlose Zuschauen beim Überhandnehmen der Kriminalität betrifft, soll man sich daran erinnern, daß wir kein souveräner Staat sind. Waren einst Disziplin, Ordnung und Sauberkeit wesentliche Eigenschaften des Volkes, die Deutschland groß und stark gemacht haben, so ist die Liberalisierung der Kriminalität ein zuverlässiges Mittel, um Unordnung bis zum Chaos zu bewirken. Man hat mit der bedingungslosen Kapitulation gezielt einen Rechtszustand geschaffen, der uns zum Kolonialvolk deklassiert. Wir sollen in einem rechtlosen Zustand verharren, der uns weiterhin von den Kolonialherren USA abhängig macht.
Es wird uns daher ein Rechtsstaat einer souveränen Bundesrepublik vorgegaukelt, den es in Wahrheit nicht gibt.« (Deutschland in Geschichte und Gegenwart, S. 6)
Die deutsche Frage wird immer wieder gestellt werden. Deren Ursprung erklärt sich nicht nur aus der geographischen Lage, sondern der Ursprung beruht in den von dort ausgehenden Kraftfeldern des Geistes, des Gemütes ebenso wie der Werk- und Tatkraft, die auf Ausdauer baut, ja gleichsam angelegt ist. Wie und ob diese Felder »entsorgt« werden, wird die Zukunft erweisen. Ein Jahrzehnte währender Einfluß per Umerziehung läßt Fragen offen, die zwar mit Politik verwachsen, aber an der Bevölkerung mehr oder weniger vorbeigleiten.
Der erstrebten Globalisierung wird eifrig der Huf gemacht, besonders in Verbindung mit der Zeit des »Dritten Reiches«. Merkmale und Werte, die deutsches Wesen kennzeichnen, wie Zuverlässigkeit, Treue und Verantwortungsfreude haben stets Achtung eingebracht. Weil aber diese Werte während der NS-Zeit strapaziert worden sind, haben sie wohl mittlerweile an Zuspruch etwas eingebüßt. Dafür trat die modische Selbstverwirklichung auf den Plan, allerdings ohne den krassen Egoismus als bedenklich für die Gemeinschaft der Menschen zu empfinden. Wie Globalisierung die Arbeitslosigkeit erhöht, wird kaum durchschaut, auch nicht die Automation in der Arbeitswelt, die Arbeitsplätze einzusparen sucht. Globalisierung ist für die Unternehmer das Mittel, im Wettbewerb zu bestehen, d. h. Auslandsinvestition ist wichtig, um Märkte zu gewinnen, damit sich die Kosten für die Arbeit verringern lassen. Für die Regierungen gibt es keine andere Wahl, »als ihre Währungen mit einem hohen Zinsniveau zu verteidigen, was die Kapitalerträge steigert und die Wirtschaftstätigkeit im gleichen Maße verringert. Die Auswirkungen lassen auf der sozialen, aber auch auf der politischen Ebene nicht auf sich warten.« (1, S. 339)
Heute schon hat eine zunehmende Geschichtslosigkeit im Denken und Handeln tiefe Risse in die kulturelle Ebene geschlagen. bin französischer Philosoph und Soziologe kommt zu dem Schluß, daß im Jahre 2040 den etwa 30 Millionen Deutschen 14 Millionen Ausländer gegenüberstehen worden. Das werde Europa grundlegend verändern, »und zwar nicht zum Besseren hin«. (1, S. 238)
Eine Ursache dieser eingreifenden Veränderung ist der beispiellose Geburtenrückgang. Hinzu kommt die Masseneinwanderung. Beides hat sich nicht von ungefähr entwickelt! Aus einem Leserbrief der FAZ vom 5.9.97 geht hervor, daß die Bundesrepublik zwischen 1985 und 1994 etwa 50 % bis fast 80 % aller Asylbewerber in der Europäischen Union aufgenommen hat, während die klassischen Einwanderungsländer für die USA etwa 130.000, für Kanada etwa 38.000 und für Australien etwa 4.000 gemeldet haben.
Der Standort Deutschland scheint sich zu einem multikulturellen Siedlungsgebiet zwischen Rhein und Oder zu wandeln. Deutsche sind aber nicht nur das Volk, von dem die Staatsgewalt ausgeht, sondern das Volk will eigentlich auch ein Volk bleiben, dessen Jugend in der Liebe zu Volk und Heimat zu erziehen wäre, wie es im Artikel 12 der Verfassung des Landes Baden-Württemberg nachzulesen ist.
Zwischen dem unterschiedlichen Volkstum der Länder in Europa und der »Europäischen Vielfalt« gibt es genügend Merkmale, die einerseits die Völker prägen und die andererseits diese zum Näherrücken motivieren. Gemeint ist der »soziale Wandel«, einer Ideologie vergleichbar, die »auf die Beseitigung all dessen abzielt, was sich nicht auf den Markt bezieht.« (1, S. 343)
Das gilt für die Wesensmerkmale der Europäer, die sich im »sozialen Wandel« eben nicht vermarkten lassen; ein Klettertier kann auch nicht z. B. als Wasserläufer in Erscheinung treten.
Grenzenlosigkeit durch künstliche Verklammerung von Völkern und Staaten zwecks politischer Gemeinschaftlichkeit birgt ggf. politischen Zündstoff, weil die Völker mehr ihren eigenen Gegebenheiten vertrauen und diese schätzen. Dank ihrer Werke arteigener Kunst singen sie nämlich unhörbar das Lied von der Unterschiedlichkeit der Rassen. Die Seelengesetze belehren darüberhinaus, wie und daß die eingeborene Unvollkommenheit der Menschenseele über die Fähigkeiten des Bewußtseins überall auf der Erde einen ähnlichen Mantel um die Völker legt. Dieser Umstand stützt die Berechtigung, mehr im Sinne internationaler statt nationaler Angelegenheiten zu denken. Der Rahmen politischer Felder erweitert sich damit ständig, unter Umständen zu Lasten von Überschaubarkeit. Eine derartige Offenheit bzw. Großzügigkeit steht letztlich dem Wohle einer Volksgemeinschaft entgegen und ihre Erhaltung könnte fraglich werden.
In dem philosophischen Werk »Die Volksseele und ihre Machtgestalter« von Mathilde Ludendorff vergleicht die Verfasserin das Mitschwingen des Rasseerbgutes im Unterbewußtsein mit dem Resonanzboden einer Violine, das sich kraftvoll nur in der Ausschließlichkeit zeigt. Also Einflüsse von außen, von Unbekanntem, von wenig Vertrautem verriegeln ggf. seelische Offenheit. Resonanz wird dann weniger erzeugt oder sie wirkt schwammig, d. h. der allgemeine menschliche Kontakt büßt Spontaneität ein. Ursprüngliches aus Geist und Seele tritt dann weniger unmittelbar in Erscheinung. Kraftvolle Ausschließlichkeit entfaltet sich in jeder erblühten Gemeinschaft, deren Wesen sich aus Überlieferung, Kultur und Sprache geformt hat. In gemischten Völkern vermehrt sich allerdings die Zahl derer, die unter Umständen seelisch verkümmert sind.
Unsere heutige Welt spiegelt z. B. manch Negatives am Kunst- und Theaterhimmel.
Unwirklich erscheint manch Dargebotenes im Bühnen- oder Filmspiel. Ein fader Geschmack ist oft beigemischt. Anregendes, ja Begeisterndes wird kaum geboten. Wesentlich sind Begriffe wie »Freiheit«, »Liberalismus« und »Demokratie«, die geachtet und gewahrt werden.
Die Gesellschaft ist im Grunde eine tatsächliche Vielfalt sich widerstreitender Interessen. Nationale Völker aber bilden natürliche Einheiten gleicher Herkunft; sie sind seelische Einheiten der Menschheit, während Gesellschaften sozusagen mit ihren wechselnden Interessen nationale Anliegen übersehen. Nationen bilden und schließen den fortlaufenden Zusammenhang zwischen den Generationen. (3, DGG 98/4)
Immer wieder übt wärmendes Licht seelischer Wachheit und Spontaneität auf Mit- und Umwelt jenen Reiz aus, der Aufmerksamkeit hervorruft, ja auch ansteckend wirkt, ein Beweis für seelische Übereinstimmung unter Gleichgesinnten. Die wachsende Zahl der Fremden in unserem Land verändert teils das Verhalten der Einheimischen, es vergrößert sich die Scheu vor Unbekanntem, denn Unklarheit oder Zwiespalt bieten kaum Ersatz für verdrängtes Gemütserleben. Insofern stellen die Eingewanderten zumindest für die eigene Volksgemeinschaft innerseelisch ein Signal dar.
Was hilft es, wenn der Einzelne unbeeinflußbar für Politik ist und z. B. Geschichte ihm wenig vermittelt worden ist, während andererseits die »unsterbliche Volksseele in ihrem Sein und Nichtsein so abhängig von ... Gewalten ist? Ist nicht die Volksseele der Wurzel des Baumes vergleichbar, ist sie es nicht, die unsichtbar und unscheinbar die einzelne Menschenseele betreut und behütet und ihr die Voraussetzungen schafft, im Kampf um das Dasein des Volkes widerstandsfähig zu sein?« (3, S. 512)
Vermischung verändert bekanntlich das Erbgut. In der Tier- und Pflanzenhaltung wird darauf peinlich geachtet, wenn es sich um die Erhaltung bestimmter Eigenschaften oder gewünschter Erträge handelt, die sich ein Züchter erhofft. Entweder wird eine besondere Art oder ein gewisses Zuchtergebnis erwartet.
Das Werk »Die Volksseele und ihre Machtgestalter« bringt unmißverständlich zum Ausdruck, daß und wie Fremdkultur für ein Volk nachteilig sein kann. Eine Vermischung der Völker werde in den seltensten Fällen gewaltsam herbeigeführt, schreibt Mathilde Ludendorff (2, S. 512); aber seitdem Fremde in unser Land strömen, wird offensichtlich mit Vermischung gerechnet, allerdings ohne eine mögliche Gefährdung der Volkserhaltung zu bedenken. Eine solche würde nämlich schleichend vor sich gehen, nur wenige Menschen würden bemerken, wie Fremdes sich allmählich ausbreitet. Unsere Sprache füllt sich mit Fremdworten, die Schreibweise verkümmert durch angebliche Vereinfachung und im Kulturellen klingt Fremdes auf.
Das Werk »Die Volksseele und ihre Machtgestalter« behandelt die Gefahren, die die Grundgesetze des Seins der Völker unterwühlen und damit auch seelischen Schaden hervorrufen können. Solche Gefahren sind möglich, weil ein Volk ebenso wie der einzelne Mensch nicht abgestorben zu sein braucht, wenn er seelisch schon tot ist ... »Es blinzeln die plappernden Toten, wie Nietzsche sagte, und fragen: ,was ist Seele?' Ja, sie blinzeln auch, wenn sie fragen, was ist Gesinnung?« (2, S. 514)
Gesinnung zählt heute zu den Begriffen, die mitunter Zwiespalt säen, vor allem, falls einmal mehr die Vergangenheit berufen wird. Das kommt fast einem Vergehen gleich wie wenn die »deutsche Schuld« gepflegt, also auch verwaltet werden müßte. Gesinnung zahlt sich »offenbar geschäftlich« aus, d. h. was international beobachtet oder kontrolliert wird (Medien, Bildung, Kultur), beugt sich den Anliegen, die nicht selten internationale Färbung vorweisen. Vergessen wir nicht, daß unser Land noch immer kein souveräner Staat ist.
Nichts gegen die sogenannte europäische Vielfalt. Sie hat es Jahrhunderte hindurch gegeben, und zwar in mehr oder weniger friedvollem Nebeneinander der Staaten, der Länder und Völker. Was Unruhe oder Krieg auslöst, wurzelt zumeist in religiösem Konflikt, in Grenzfragen oder in gewissem Herrschaftsstreben. Das alles sind Ursachen, die auch der menschlichen Unvollkommenheit zuzuschreiben sind. Der Mensch bemerkt meist zu spät, statt Gleichheit Tatsächlichkeit walten zu lassen, also z. B. völkische Eigenart nicht etwa als »Vorurteil« oder »Anmaßung« anzusehen.
Völkische Eigenart, das Sondergut jedes einzelnen Volkes, hat zur Vielfältigkeit der Bewohner auf Erden geführt, ebenso wie seit Beginn der Entwicklung von »Gleichheit« unter ihnen nur mehr im biologischen oder historischen Sinne gesprochen werden kann. Gelingt es, über Bildung und Wissen den modernen Gleichheitslehren mit Tatsachen zu begegnen, wäre das fortschrittlicher im Sinne der Zivilisation; Handel und Wandel könnten alsdann auf den »Beweis« der Gleichheit verzichten. Damit würde sich vielleicht die Beeinflußbarkeit der Völker verringern lassen und Willensbildung wäre demnach weniger manipulierbar.
Wahlkraft und Willensbildung dienen den Völkern immer auch als Instrumente, um das für die jeweilige Erhaltung Wesentliche herauszugreifen. Aber das Band zwischen Herkunft und Weltanschauung in den Völkern hat sich gelockert. Viele Menschen halten deshalb die Befürwortung einer Religion für angemessen, allerdings ohne zu erkennen, daß diese kaum im Sinne der Volkserhaltung sondern vielmehr gemäß übernationaler Ziele wirkt. Eine materialistisch gerichtete Vordergründigkeit im Denken unterstützt die Vorgehensweise.
Religiöses auf der Grundlage eines Fremdglaubens wird lediglich von außen her dem Bewußtsein mitgeteilt. Es kann es derart beeinflussen, daß seine Fähigkeiten allmählich reagieren oder künstlich krank gemacht werden. Eine Fremdlehre dringt ja nicht in das Unterbewußtsein vor oder wirkt auf das Überbewußtsein ein.
Umso größer aber ist der Schaden für das Bewußtsein, wenn auch religiöse Erziehung meist nur geringfügig Bleibendes hinterläßt, je nach Aufnahmebereitschaft des Bewußtseins. Das wissen wir aus den zahllosen Bekehrungen und dem Eifer, der sie vorangetrieben hat. Ob dabei Erfolg oder nur Wirkung für den Augenblick erzielt worden ist, erklärt sich aus dem jahrhundertelangen mit oft tragischem Verlauf verbundenen Ringen.
Dennoch, in den Köpfen vieler Menschen und Völker lebt der Begriff um Geistesfreiheit. Ob mittelbar oder unmittelbar - die Idee der Freiheit lebt, wenn auch mitunter nur in wenigen Herzen ... In dem Werk »Die Volksseele und ihre Machtgestalter« erläutert Mathilde Ludendorff diesen Tatbestand u. a. anhand der Begriffe »Schacht- und Lichtlehre«. Völker der »Lichtlehre« hätten eine andere Zeit auf diesem Stern herbeiführen können. Aber infolge ihrer Bekehrung zu den »Schachtlehren« fielen sie auf deren Voraussagen herein. Diese verkündeten nämlich Gewißheit, die sie vorgaben zu besitzen. Was fehlte, war die Wahlkraft im Sinne der Volksseele.
Haben sich in früherer Vergangenheit Stämme zu Völkern entwickelt, so konnte sich deren Rassepersönlichkeit stärker entfalten. Ihr liegt nämlich eine geschlossene Einheit der Seele zugrunde, die in einem Volk ihre deutlichste Ausprägung erfährt. »Diese Rassepersönlichkeit nennen wir als seelische Einheit ,Volksseele',« sagt Mathilde Ludendorff.
In den meisten Menschen herrscht mehr oder weniger ein Wust von Wissen, mit dem sie von allem wirklich Wesentlichen abgelenkt werden können. Gedächtnisstoff belastet einerseits, andererseits werden geschichtliche Ereignisse übergangen, die Wesentliches für die Volkserhaltung bieten.
Der Verlust von Einheit im Geistig-Seelischen hat auch das deutsche Volk von wesentlichen Fragen entfernt. Geblieben ist eine Verarmung des Gedächtnisses, z. T. im Dienste der Religionen. Seit langem fehlt ein gründliches Wissen über das Schicksal unseres Volkes während der letzten Jahrhunderte wie jene Einsicht in die Lebensnotwendigkeit und Voraussetzung für die Erhaltung der Völker überhaupt.
Im Volksmund spricht manchmal die »innere Stimme«. Gewiß bewirkt dabei die Volksseele etwas, wenn die innere Stimme über Mahnendes oder Achtendes sinnt. Meist bleibt es dabei. Doch vom Ahnen oder von einem instinktiven Gefühl redet der Mensch schon hin und wieder. Kaum aber kann er daraus auf Einflüsse der Volksseele schließen. Das Wirken der Volksseele kann nämlich niemals Bewußtsein genannt werden. Es macht sich darin mehr eine Art überzeitliche Erscheinung bemerkbar, die unwillkürlich auftritt, sobald etwas in der Luft liegt, wie der Volksmund sagt, eine Eigenart, die allen Menschen und Völkern bekannt ist. Die Volksseele regt sich, falls arteigenes Erleben das Bewußtsein beflügelt wie z. B. bei großen Feiern, Ehrungen oder außerordentlichen Anlässen. Ist zudem noch Unvergeßlichkeit im Spiele, kann da hinein auch der Gotterhaltungswille wirken.
Volkserhaltung und europäische Vielfalt sind unendlich reich an Inhalten und Merkmalen wie an Besonderheiten. Das alles unter einen Hut zu bringen, wie es die geplante Grenzenlosigkeit in Europa vorsieht, wirft nicht nur Fragen auf sondern zwingt das erprobte und verteidigte Gleichgewicht der Kräfte in eine neue Bewährungsprobe. Nicht nur die Berührung mit Fremdem, auch erwartete Verträglichkeit und schlichte Duldung von Menschen und Völkern bezüglich des Andersartigen im Gegensatz zu vertraut Gewohntem verlangt Haltung und Zuversicht seitens der Verantwortlichen, die solchen Umbau den Europäern auferlegen.
Allmählich wird deutlich, was umerziehende Maßnahmen verursachen und mit sich gebracht haben: Dem behutsamen Lösen von volkseigener Besonderheit folgt Anpassung an nachbarlich-staatliches Leben ... Das alles hängt auch mit dem Begriff »Selbstverwirklichung« zusammen, und zwar zulasten von Wesensmerkmalen wie z. B. Disziplin, Ordnung und Sauberkeit. Eine zunehmende Geschichtslosigkeit im Denken hat jene hastigen Neuerungen noch begünstigt (Die Welt v. 20.7.2000) und die Abkehr von Pflicht und Schuldigkeit erleichtert, zumindest seither geduldet. Volkseigenart und europäische Vielfalt auf eine Ebene zu bannen, wird Verzicht oder Verlust von Gewohntem zur Folge haben. Diesbezügliche europäische Machenschaften »mit ihrem unbedingten Republikanismus und ihren marxistischen Utopien« (Die Welt v. 20.7.2000) haben den Gedanken des Volkstums abgewertet. Gutes, Wahres und Schönes, Sinnbilder unserer Kultur, gerieten in die Mühle der Vorkämpfer für einweltlerische Ideen.
Trotz aller Seiten unseres Alltags- wie des geistigen Lebens gilt es der Wahrheit die Ehre zu geben: Der Philosophie Mathilde Ludendorffs ist es gelungen, Grund und Richtung im Denken zu durchleuchten und dem Weltsinn auf die Spur zu kommen. Das Ergebnis heißt schlicht Erkenntnis um Sein und Wesen der Welt. Mit absoluter Klarheit erbringt ihre philosophische Sicht den Nachweis über die Lebensgesetze im allgemeinen wie über das Todesmus im besonderen.
Die Tatsache, daß neben einzelligen unsterblichen Lebewesen vielzellige Wesen entstanden sind, die nicht nur einem Unfalltode ausgesetzt sind, sondern gar keine Fähigkeit zur Unsterblichkeit besitzen, führt zu den Gesetzen des Werdens und Vergehens, ja zu dem tiefen, göttlichen Sinn des Lebens der Menschen überhaupt und zu dem Sinn des Todesmus selbst. Mathilde Ludendorffs entscheidende Erkenntnis ist, daß das Todesmus immerhin die Voraussetzung dafür bieten kann, daß sich einmal das Göttliche im Menschen erleben läßt. Jedoch kann solches Geschehen allerdings nicht mit der gewöhnlichen Enge der persönlichen Eigenart »auf Ewigkeit hin Stätte des Erlebens sein.« (2, S. 162)
Lebensgesetze werden im allgemeinen weder bezweifelt noch verkannt. Sich ihnen zu beugen verlangt Achtung gegenüber den Naturgesetzen wie Einsicht in nicht unbedingt Veränderbares. Gesetze dienen als Grundlage für die Beurteilung des Handelns wie als Maßstab gegenüber ihrer Verletzung bzw. Mißachtung. Das sind Preise, die uns die Freiheit unseres Willens, aber auch die mit ihrem Wagnis verbundene Eigenheit in eine Entscheidung auferlegt. Lehre, Erfahrung und Wissen gelten dabei als Helfer, ggf. auch als Richter in eigener Sache. Mathilde Ludendorff mißt der Willensbildung in der Jugend große Bedeutung zu, die vor allem anhand der Geschichte des Volkes einsichtig werden kann. »Wo in der Geschichte versucht wurde, das eigene Volk in einem Völkerverband zu gemeinsamer Geschichte aufgehen zu lassen, ... da führte solches Tun zu ,Weltreichen', ... an der die Völker zugrunde gehen, weil sie die heiligen Lebensgesetze ihrer Volksseele mit Füßen treten.« (2, S. 432)
Diese Möglichkeit sollte ernst genommen werden, denn die Zivilisation, »die sie Forschung der Welt der Erscheinungen und der Anwendung der Forschungsergebnisse in Erscheinung umfaßt«, gilt im Grunde als Verführer zu Gleichheitslehren (2, S. 432).
Bekanntlich sind alle Ergebnisse der Naturwissenschaft übervölkisch; »aber tief weben auch die Volksseele und das Gotterleben hinein.« (2, S. 433)
Insofern geht es einer in alle Zelt verbreiteten Religion zunächst darum, den gesunden Abwehrwillen der Selbsterhaltung zu beeinflussen. Mittels Seelenmißbrauch auf der einen und Entwurzelung aus dem Volkstum auf der anderen Seite hat sich mittelbar Verunsicherung eingestellt. Wir erleben heute, daß Völkisches weder Inhalt noch Gesprächsstoff in der Gesellschaft darstellt. Gegenüber der erwünschten »One world« sind diese aus dem Verkehr gezogen. »Gesellschaft« bedeutet ja lediglich Gegenwart, »ein Volk dagegen hat Vergangenheit und ist auf die Zukunft ausgerichtet wie ein biologisches System«. (3, S. 18, DGG)
Eine Abwehr gegen Schäden der Religion ist nach Meinung Mathilde Ludendorffs vor allem Sache jedes einzelnen Menschen wie seiner eigenen Kraft. Infolge der menschlichen Unvollkommenheit gelingt das nicht in jedem Fall. Insofern zieht die Erkenntnis Mathilde Ludendorffs genau dort den Schlußstrich, wo Widerrede oder Meinung hinfällig werden, denn wir sehen den einen Menschen durch den Fremdglauben »zerstört«, andere dagegen gleichgültig und schließlich dritte zu Heuchlern werden. Endlich werden vierte künstlich krank gemacht, während eine ganz kleine Gruppe einigermaßen durch die »Umdichtung in scheinbarem Einklang mit dem Fremdglauben steht.« (2, S. 476)
Der Weg in eine europäische Vielfalt führt auf verschiedene Höhen, auch gewiß vorbei an Tiefen, die gesichert sein sollten. Das alles zu vereinheitlichen, wie es die europäische Union versucht, kann vielleicht technisch-materiell gelingen; geistig-ideell wird es mehr oder weniger Nachteile vornehmlich für die Mitte Europas zur Folge haben. Sich anzugleichen, heißt ja zumeist Opfer auf sich zu nehmen, die immer der Wesensart zugemutet werden müssen. Die Muttersprache z. B. per Weltsprache abzulösen oder wichtige Inseln des religiösen Gemütserlebens zu besetzen, um Weltläufigkeit hürdenfrei zu machen, wird den Volksgemeinschaften in den jeweiligen Ländern Europas dennoch gewisse Last bedeuten.
Ernst Moritz Arndt wußte um den Wert von Kultur und Sprache, wenn er sagt: »Will also ein Volk nicht verlieren, wodurch es Volk ist, will es seine Art mit allen Eigentümlichkeiten bewahren, so hat es auf nichts so sehr zu wachen, als daß ihm seine Sprache nicht verdorben und zerstört werde.«
Der Weg in eine sogenannte europäische Vielfalt sollte vor allem der Eigenart der Völker gerecht werden. Kriegerische Mittel verfehlen heute vielfach Zweck und Ziel. Gegenüber Hindernissen und mangelndem politischem Mut sollte vielmehr nationale Geduld aufgebracht oder politische Überlegenheit eingesetzt werden. Darin beruht jene staatliche Kunst, Ordnung in friedlichem Wollen zu gewährleisten.