Meditation - Form und Inhalt einer fragwürdigen Psychotechnik1)

(Fortsetzung und Schluß)

Von Uta Göllner

Die Tragik des meditativen Entzückens

Natürlich hält jeder Meditierende, je nach der Heilslehre aufgrund derer er meditiert, sein Tranceerlebnis für den Beweis seines Glaubens. Freilich kann hinterher jeder behaupten, in seinem Zustand der Wachtrance das empfunden zu haben, was er sich dazu suggeriert. Der Hinduist glaubt in der Tieftrance mit Brahman einsgeworden zu sein; der Buddhist glaubt, die absolute Leere seines Nirwana erlebt zu haben; der Christ glaubt die Liebe seines Gottes erfahren zu haben; ein Esoteriker des New-Age erlebt sich als Eins mit dem ganzen Kosmos. Jeder erlebt das, was er erleben will. Aber die Yogis aller Religionen haben eines auffallend gemeinsam: sie alle berichten von ihren Erlebnissen mit größter Verzückung.

Schon der amerikanische Psychiater James H. Leuba, dessen »Psychologie der religiösen Mystik« von 1927 bis heute als grundlegende Arbeit anerkannt ist, stellte fest: Die Ähnlichkeiten zwischen dem durch die Yogaübungen erlangten Rauschzustand und den durch Alkohol, Mescalin und Haschisch erlangten Rauschzuständen ist unübersehbar. Das Rauschbewußtsein übertrifft ja die normalen Erholungsmittel dadurch, daß es »moralische und intellektuelle Ferien« beschert. 2) »Während der frühen Stadien seines Leerungsprozesses genießt der Yogin einen Eindruck unbegrenzter Macht und die Entzückungen einer von der Kontrolle der Vernunft befreiten Einbildung. Der physische Schmerz ist beruhigt oder gänzlich beseitigt. Der moralische Schmerz verschwindet auch, die Furcht vor Krankheit und Alter, der ermüdende Kampf, die Forderungen der Gesellschaft oder des eigenen Ideals zu erfüllen; die Sünde der Falschheit, des Stolzes und Hasses verschwinden, wenn der Geist sich auf eine ,gegenstandslose Zufriedenheit' konzentriert hat. Sinnliche Verzückungen, die in der Rauschekstase sichtbar werden, scheinen bis zu einem gewissen Grade wenigstens ebenfalls ihre Freuden zu dem Erlebnis des Yogin beizutragen.« 3) In der Empfindungs- und Bewußtlosigkeit kann aber das Entzücken des Yogi nichts anderes sein, als was man mit den Worten ausdrückt: Es ist so schön, wenn der Schmerz nachläßt. -

So kommt Leuba am Ende zu dem vernichtenden Urteil, »...daß die endgültige irdische Lage des gläubigen, strengen Yogin... der heiligsten Bemühungen des Menschen nicht würdig scheint. Der abgezehrte, verwirrte Asket, auf den schwächsten Lebensfunken reduziert, aus Mangel an Energie gleich unfähig, Gutes oder Böses zu tun, ist nicht ein Halbgott, sondern eine eingeschrumpfte Karikatur dessen, was der Mensch sein sollte - so urteilt wenigstens der gesunde Menschenverstand. Seine [des Yogi] Selbsttäuschung... und... die der klassischen christlichen Mystiker stellen eins der ergreifendsten Kapitel der menschlichen Geschichte dar. So hoch zu streben und so tief zu fallen, ist wahrhaftig eine tiefe Tragödie und zugleich eine hohe Komödie.« 4)

Die halbherzigen christliche Theologen

Es wird Zeit, Kritik zu üben. Aber was tun die Sektenbeauftragten der christlichen Kirchen? Sie sehen keinen Grund, die Meditation insgesamt zu verurteilen. Es gibt für sie zwar eine »sachliche Notwendigkeit, Gefahren im Bereich des Religiösen namhaft zu machen« 5), aber im Rahmen der Religionskritik sollen keineswegs die sog. »altehrwürdigen Formen der Meditation und Rezitation zu Unrecht als Mittel der ,Gehirnwäsche' denunziert« 6) werden, so der Theologe Reinhart Hummel. Er hat deshalb die Unterscheidung zwischen »christlicher« und »versekteter« Meditation eingeführt, das soll heißen: die christliche sei etwas qualitativ ganz anderes, besseres. Trotzdem befindet man sich doch im Einvernehmen mit einschlägigen Nachschlagewerken auch der kirchlichen Beratungsstellen, wenn man die Meditation mit dem abwertenden Begriff Psychotechnik bezeichnet. Da sagt uns das »Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen« des katholischen Herder-Verlags unter dem Stichwort »Psychotechnik«: Eine große Rolle bei der seelischen Manipulation durch Erzeugung ungewöhnlicher Bewußtseinszustände anhand von Psychotechniken spielt die Meditation mit ihren unterschiedlichen Formen. Auch erwähnt dasselbe Lexikon, daß bei intensiver Meditationserfahrung die Gefahr der Abhängigkeit besteht und daß die Gesundheit und die Würde der Person unter Umständen gefährdet sein kann. 7) - Wenn es dann um nichtchristliche Meditation geht, sind die Theologen auch gerne deutlicher zu werden. So heißt es z B. im evangelischen »Handbuch religiöse Gemeinschaften« über die sog. »Transzendentale Meditation«: »Psychotische Entgleisungen und seelische Schädigungen sind [bei der Meditationstechnik der TM] fast unvermeidlich und werden faktisch auch berichtet. Die Möglichkeit negativer Auswirkungen wird durch positive Erfahrungsberichte nicht widerlegt.« 8) - Zur Bhagwan-Bewegung: »Besonders gewarnt werden müssen psychisch Instabile, und dieses um so mehr, je stärker sie für Psychosen des schizoaffektiven Typus anfällig sind. Meditations- und Psychotechniken, wie sie in den Rajneesh-Zentren und Ashrams ausgeübt werden, können Erkrankungen in diesem Bereich auslösen. Die Grenze zwischen Erleuchtungserfahrungen und psychotischen Erscheinungen ist hauchdünn, und die Lebensgeschichten indischer Gurus sind voll von Berichten über Phasen an der Grenze des Wahnsinns.« 9) Über die Kagyüdpa-Buddhisten, die dem jugendlichen Lama Karmapa anhängen: »Es darf... die Gefahr nicht übersehen werden, daß als Folge der harten Meditationstechniken psychische Krankheitszustände (z. B. Psychosen und Wahnvorstellungen) ausgelöst werden können.« 10) - Solche Hinweise auf Risiken und Nebenwirkungen findet man allerdings immer nur am Rande. Auch die Volkshochschule rät nur nebenbei Herzkranken, Asthmatikern und psychisch Gestörten davon ab, einen Yogakurs zu belegen. Und das medizinische Wörterbuch bezeichnet die Hypnose als kontraindiziert (= nicht anwendbar) bei schizophrenen Psychosen und Zwangsneurosen. 11) Auch J. H. Schultz erwähnte mal, daß sein autogenes Training verdeckte Psychosen zum Ausbruch bringen kann. Aber nach ausführlichen, befriedigenden Erklärungen dieser Risiken sucht man doch überall vergeblich.

Induziertes Irresein durch Occultlehren

Dagegen, wie eingangs erwähnt, M. Ludendorffs: Induziertes Irresein durch Occultlehren! 12) Als Nervenärztin erkannte sie an den Gläubigen der Heils- und Okkultlehren Symptome seelischer Krankheiten: unmotivierte Stimmungsschwankungen ohne äußeren Anlaß, wie beim manisch-depressiven Syndrom; Verblödung, also massiv eingeschränkte Denk- und Urteilskraft und Halluzinationen, wie bei schizoiden Wahnvorstellungen; Willenlosigkeit, katatone Erstarrung bzw. Raserei, wie bei der Schizophrenie; Zwangshandlungen wie beim Neurotiker. Die Symptome all dieser Psychosen übertragen sich nämlich - so die These - auf den zunächst noch Gesunden durch beständiges Üben und intensives Nacheifern stumpfsinnigen und sinnwidrigen Denkens und Tuns. Soweit die Zusammenfassung der Ergebnisse M. Ludendorffs. -

Wer die Geschichte der Medizin ein bißchen kennt, der weiß, daß Begriffe wie »Irresein«, »Verblödung« und »Schwachsinn«, die uns heute kraß und unsachlich erscheinen, weil sie inzwischen aus guten Gründen durch Fremdwörter ersetzt worden sind, in ihrer inhaltlichen Bedeutung unverändert geblieben sind. Als M. Ludendorff ihre Arbeit über »Induziertes Irresein durch Okkultlehren« verfaßte, galt der Begriff »Verblödung« noch als sachgerechter medizinischer Fachausdruck. Man kann deshalb dieses Wort in einem aktuell gültigen Fachwörterbuch der Psychiatrie 13) von 1997 noch heute nachschlagen und findet dort unter: »Verblödung. In der älteren Psychiatrie häufig verwandte Bezeichnung für krankheitsbedingten Verlust der Einheit der Persönlichkeit durch Einbuße intellektueller Fähigkeiten oder emotionaler Ansprechbarkeit. Als Verblödungsprozesse wurden Epilepsie, Dementia praecox (Schizophrenie), progressive Paralyse, Arteriosklerose, senile Demenz angesehen. Die Bezeichnung [Verblödung] wird jetzt noch gelegentlich als Eindeutschung für Demenz verwendet.« - Auch die Fachkollegen M. Ludendorffs, z. B. ihr bis heute als Grundlagenforscher angesehener Lehrer Kraeplin 14), haben den Begriff Verblödung selbstverständlich verwendet, während man heute synonym die Fremdwörter Demenz oder Dementia vorzieht. Auch spricht man heute eher von Intelligenzminderung, Intelligenzstörungen oder Intelligenzdefekten als von »Blödsinn«. Trotzdem haben diese Wörter heute wie damals dieselbe inhaltliche Bedeutung, ob Verblödung oder Demenz, gemeint sind: Hemmungen und Störungen des logischen Denkens, der Urteilsfähigkeit und des Gedächtnisses, die nicht etwa angeboren sind, sondern im Verlauf des Lebens (im Zuge endogener Psychosen) entstehen. Bei angeborener Intelligenzstörung sprach man in der älteren Psychiatrie dagegen von »Schwachsinnigkeit«. Kraeplin verwendete diesen Begriff, bis er selbst es vorzog, ihn durch den Sammelbegriff Oligophrenien zu ersetzen, der verschiedenen Grade von verminderter Intelligenz zusammenfaßt. Dennoch blieb aber z. B. für eine Oligophrenie/Schwachsinnigkeit schwersten Grades der Begriff »Idiotie« erhalten. Während noch M. Ludendorff von »religiösem Wahn« sprechen konnte, muß man heute unter dem Wort Theomanie nachschlagen. Aber immerhin findet man den Begriff »Induziertes Irresein« noch heute in jedem medizinischen Wörterbuch. Es handelt sich nämlich nicht um eine Sprachschöpfung M. Ludendorffs, sondern um ein medizinisches Phänomen, das von Kraeplin beschrieben und begrifflich geprägt wurde. Selbst das Wort »Irresein« war ja bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein gebräuchlicher Oberbegriff für alle psychischen Krankheiten. 15) Inzwischen muß man von »Psychosen« sprechen, wenn man nicht würdeverletzend sein will. Dennoch hat sich das Wort Irresein bis heute in dem feststehenden Fachausdruck »induziertes Irresein« erhalten, der sogar immer noch häufiger verwendet wird als seine moderneren Synonyme folie á deux, symbiotische Psychose oder Induktionspsychose. - Insgesamt soll hier also gesagt sein: Es ist historisch bedingt, wenn die Ausdrucksweise in dem Buch uns heute befremdet. Soetwas sagt noch nichts über die inhaltliche »Aktualität« einer Arbeit aus, denn schließlich genießen auch die Arbeiten eines Kraeplin bis heute Anerkennung. Was einem Laien gegenwärtig an der Wortwahl älterer Fachliteratur stören mag, ist in Wirklichkeit die zeitgenössisch fachgerechte Begrifflichkeit. Wie sehr M. Ludendorff um fachgerechtes Arbeiten bemüht war, entnimmt man einer Fußnote, in der sie zum Begriff »Paranoiker« anmerkt: »Die lateinischen Namen der verschiedenen Krankheiten müssen der Richtigkeit der Darstellung wegen beibehalten werden.« 16) - Nicht zuletzt müssen wir uns an diesem fachlichen Bemühen ein Beispiel nehmen und hier ebenfalls die heute gültigen lateinischen Fachbegriffe verwenden, wenn wir uns nun mit den gesundheitlichen Risiken der Meditation befassen.

Zen-Koller, yogische Krankheit und die Not der Sufis

Daß die meditativen Übungen körperliche und seelische Krankheiten verursachen können, wußten übrigens sogar die Yogis selbst - lange vor M. Ludendorff. Sogar den Yogis wird es manchmal zu bunt: So beschreiben Überlieferungen der Yogis Phänomene, die sie jeweils als »yogische Krankheit«, »Zen-Krankheit« oder »Zen-Koller« bezeichnen. Vom Stifter des Zen, dem hl. Bodhidharma, dem Vorbild aller Zen-Buddhisten, ist überliefert, er habe 9 Jahre vor einer Felswand meditiert bis ihm die Beine abgefault sind. Diesem Vorbild nacheifernd, haben die japanischen Zen-Buddhisten, die ihre Übungen offenbar mit besonderer Intensität und Härte gegen sich selbst betreiben, bis heute besonders viele Opfer zu beklagen. 17) Auch die islamischen Sufis berichten, daß es bei ihren Übungen zu schweren seelischen und körperlichen Störungen kommen kann. Was die Meister, Gurus und Lamas über die Risiken und Nebenwirkungen ihres Tuns wissen, sollte doch nachdenklich stimmen.

Transpersonale Psychologie

Heutzutage gibt uns die Forschung allerdings viele Erkenntnisse an die Hand, die bekräftigen, wie zutreffend die Ergebnisse M. Ludendorffs sind. Da beschwert sich der Theologe und Jesuit Josef Sudbrack in seinem Buch »Meditative Erfahrung«: In der klassischen klinischen Psychiatrie und Psychoanalyse »wurden (und werden) solche Erfahrungen in die Sparte ,Geisteskrankheit' eingeordnet. (...) Verständlich ist, daß bis heute mancher Psychiater entsprechende Phänomene unter mentale Krankheit einordnet, wie es z. B. J. H. Leuba in seiner Arbeit ,Die Psychologie der religiösen Mystik' in immer noch maßgeblicher Weise getan hat. Doch sachlich ist dies (...) nicht mehr zu vertreten...« 18), meint Sudbrack behaupten zu können. Er verweist - um seinen Standpunkt zu bekräftigen - auf die Autoren der sog. »Transpersonalen Psychologie«.

Aber da hat sich Sudbrack nicht gut informiert. Die »Transpersonale Psychologie« wurde im Zuge der New-Age-Bewegung in den USA der 1960er Jahre entwickelt. Einige ihrer Vertreter sind ehemalige New-Age-Autoren. Sie wollen nun mit wissenschaftlichen Studien und exakten Meßdaten beweisen, daß die Meditation eine spirituelle, bewußtseinserweiternde Bereicherung des Lebens sei. Dafür betreiben sie exakte Forschung, die auch Beachtung unter weltanschaulich neutralen Wissenschaftlern findet. Aber ausgewertet und gedeutet werden die Ergebnisse und Daten von der Transpersonalen Psychologie dann wieder ganz im Sinne des New-Age. Bemerkenswert, ja geradezu sensationell ist nun, daß selbst diese New-Age-Psychologen, die wo sie nur können eine Bresche für die Meditation schlagen, folgendes zugeben: Der von ihnen sogenannte »spirituelle Weg« birgt Gefahren! Die Transpersonale Psychologie gesteht offen, daß beim Meditieren etwas schiefegehen kann. So hat die Gesellschaft in Kalifornien ein »Emergency Network«, eine Not- und Beratungsstelle eingerichtet, die rund um die Uhr und via Internet erreichbar ist für Menschen, die durch Meditation in seelische Krisen geraten sind. Und was da so alles nachweislich passieren kann, beschreibt der Psychiater Christian Scharfetter, der Transpersonalen Psychologie nahestehend, in seinem Buch »Der spirituelle Weg und seine Gefahren« 19):

Für verletzliche, schwache Persönlichkeiten drohen Hörigkeit gegenüber dem Leiter oder der Gruppe, Übertragungsneurosen und -psychosen, Selbstaufgabe, Angst, Depression und Verlust des Wirklichkeitssinnes. Persönlichkeitsverlust droht Menschen die unter Streß zu Atemnot, Kopf- oder Bauchschmerz neigen. Es kann zu Halluzinationen, Ohnmachtsanfälle, Panikattacken, Selbstmordversuch kommen. Labilen Menschen droht der Ausbruch einer Psychose. Narzißtische Menschen neigen durch die Tranceerlebnisse zu Größenwahn und Allmachtsphantasien. Auch manisch-depressive Stimmungsschwankungen oder hysterische Zustände können ausgelöst werden. Also wirklich:

Nichts für schwache Nerven!

Die New-Age-Psychologen müssen sich ja nun fragen lassen: Wie viele Menschen sind schließlich verletzlich oder labil oder von schwacher Persönlichkeit? Wie viele Menschen sind irgendwo ängstlich, depressiv oder narzißtisch veranlagt? Und wieviel Labilität darf´s sein? Wieviel Narzißmus darf einer haben, um beim Meditieren ohne Wahnvorstellungen davonzukommen? Wie oft am Tag, wie lange und wie tief in Trance darf eine labile Persönlichkeit meditieren, ohne neurotisch zu werden? Solche Fragen sind nun wirklich naheliegend, und man braucht kein Fachmann zu sein um zu wissen: Auch die transpersonalen Psychologen können diese Fragen mit Sicherheit nicht beantworten! Die neurotischen und psychotischen Nebenwirkungen können also faktisch Jeden treffen, und gleichzeitig kann auch kein Arzt für Jemanden ausschließen, daß sie ihn nicht treffen. Denn wir dürfen ironisch weiter fragen: Wie mißt man denn die Labilität, den Narzißmus und die Persönlichkeitsschwäche eines Menschen? In Kilogramm oder in Litern? Welcher Arzt oder gar Psychiater könnte von sich behaupten, für die Psyche eines Patienten garantieren zu können, daß er von den genannten Gefahren, den nicht eben harmlosen Nebenwirkungen spiritueller Übungen, verschont bleibt? Es ist unverantwortlich und läßt tief blicken, wenn die Transpersonale Psychologie zuerst aller Menschheit die Meditation anpreist und dann ein Notfall- und Krisenberatungszentrum einrichten muß, welches übrigens sehr zahlreich in Anspruch genommen wird.

Fazit: Selbst das New Age hat inzwischen mitbekommen, daß durch religiöse Praktiken wie Yogameditation Psychosen induziert werden, und zwar nicht nur in Ausnahmefällen. Das New Age hat sich selbst entlarvt und - M. Ludendorff wissenschaftlich bestätigt! Man dankt!

Meditation und Hirnstoffwechsel

Auch die Hirnforschung hilft uns weiter. Seit den 1970er Jahren ist wissenschaftlich nachgewiesen, daß Tranceerfahrungen das Ergebnis eines »natürlichen« hirnphysiologischen Vorgangs sind. In der Trance findet ein körperlicher Umschaltmechanismus statt. Es werden z. B. körpereigene Morphine und Opiate ausgeschüttet, die sog. Endorphine 20). Durch diese wird die Herzschlagrate gesenkt, die Atmung verlangsamt (nicht zuletzt deshalb wird Asthmatikern und Herzkranken wohl davon abgeraten Yoga zu betreiben), die Körpertemperatur erhöht sich und die Blutgefäße erweitern sich. Bei besonders suggestiblen Menschen sinkt dazu die Menge der Hormone Adrenalin und Noradrenalin, demzufolge verschwinden Streßsymptome, die Muskeln entspannen sich. 21) Die Wirkung der Endorphine ist nämlich beruhigend, melancholie- und angstlösend, stimmungshebend weil schmerz- und empfindungsdämpfend, man fühlt sich matt, aber wohlgelaunt.

Wissenschaftler benennen nun ausdrücklich als Techniken, die zur Ausschüttung dieser Endorphine und anderer für uns interessanter Botenstoffe führen: Autogenes Training, Yoga, Meditation, aktives Imaginieren, Achtsamkeitsübungen (= Eigenbeobachtung), ekstatischen Tanz, Extrembelastungen, Reizüberflutung oder Reizentzug. Also, alles was die Yogis, Mystiker und Selbsthypnotiseure sich antun. Mit Hilfe meditativer Techniken werden also die körpereigenen Morphine stimuliert, wird ein opiumähnlicher Benebelungszustand erreicht und es heißt dazu ausdrücklich von wissenschaftlicher Seite: »Wenn man immer häufiger diesen Rausch des Wohlbefindens anstrebt, so ist dieses übersteigerte Verlangen durchaus mit Drogensucht vergleichbar.« 22) Das wiederum heißt: Die geistig-religiösen Übungen können den Hirnstoffwechsel dauerhaft verändern, so daß im Falle der Morphine und Opiate eine Abhängigkeit von den körpereigenen Drogen entsteht - zu der es bei einer normalen Intensität der Beschäftigung, des Tuns oder der Erfahrung nicht kommt.

Zufällig ist es nun so, daß bei den psychischen Krankheiten, die als Gefahren der Meditation benannt wurden, genau dieselben Botenstoffe betroffen sind, die bei der Meditation angesprochen werden: außer den Endorphinen, wird bei bestimmten Meditationstechniken z. B. Dopamin ausgeschüttet. Dopamin ist der Botenstoff, der bei der Schizophrenie in zu hoher Konzentration ausgeschüttet wird, was die Visionen und Wahnvorstellungen bedingt. Nun kann man - wie bei den Endorphinen - umgekehrt vermuten, daß die Intensität der Übungen auch bezüglich des Dopamins den Hirnstoffwechsel langfristig verändert. Damit wäre - mit M. Ludendorff u. a. Psychiatern - vorstellbar, wie das »Induzierte Irresein« physiologisch zu erklären ist: durch Übungen trainiert man seinen Hirnstoffwechsel um, und zwar auf einen Hirnstoffwechsel, der wie der eines schizoid Gestörten arbeitet, indem er zuviel Dopamin ausschüttet. Ein zweites Beispiel: Bei bestimmten Meditationsübungen wird Acetylcholin zurückgehalten. Acetylcholin ist der Botenstoff, der unser Denk- und Erinnerungsvermögen, unsere Lernfähigkeit und unser Verstehen steuert. Acetylcholin ist der Botenstoff, an dem es bei einer Demenz (Verblödung), die mit bestimmten Psychosen einhergeht, im Hirnstoffwechselprozess mangelt. Wenn also ein zunächst normal-intelligenter Mensch durch intensives Praktizieren der entsprechenden Meditationsübungen seinen Hirnstoffwechsel langfristig darauf umpolt, zunehmend weniger Acetylcholin zu produzieren, muß sich dies schließlich als »Verblödung« auswirken. --- (Kommentare von fachkundiger Seite hierzu erbeten!) an: Schriftleitung Verlag Hohe Warte

Fazit: Wer meditative Techniken betreibt, muß darüber aufgeklärt werden, welches Risiko er bei zunehmender Intensität eingeht. Und daß dieses Risiko besteht, hat bisher kaum jemand so deutlich beim Namen genannt wie M. Ludendorff. Wer der Philosophin und Nervenärztin kein Vertrauen schenkt, der vertraut vielleicht auf die Aussagen der Yogis, der New-Age-Psychiater oder doch immerhin der Hirnforschung, um ganz sicher zu gehen, daß es wirklich stimmt: Induziertes Irresein durch Okkultlehren!

Zur Beantwortung einer Frage:

Kann durch oder während der Meditation ein geniales Ich-Erleben im Sinne M. Ludendorffs eintreten?

Das geniale Ich-Erleben im Sinne der Gotterkenntnis (L) ist ein Erleben des menschlichen Bewußtseins. Dieses Erleben ist eine besondere Art und Weise des Bewußtseins, auf Wahrnehmung und Denken zu antworten. Bewußte Wahrnehmungs- und Denkprozesse sind unverzichtbare Voraussetzungen. Die Antwort der Seele ist ein Fühlen und Wollen, welches vom »Ich« herrührt. Das Ich-Bewußtsein haben wir nur im Wachzustand. Das geniale Erleben des Ichs - Wünschen und Wollen zum Guten, Wahren und Schönen, göttlich gerichtetes Lieben und Hassen, Elternliebe, ernste Verantwortung, Würde, sittliche Freiheit - braucht natürlich Willenskraft und Denk- und Urteilskraft.

Und diese beiden Kräfte können wir nur ausrichten aufgrund unserer Wahrnehmung. Im Zustand der Bewußtlosigkeit (Tiefschlaf, Ohnmacht oder Koma) oder in den verschiedenen Zuständen der Bewußtseinseintrübung (Benommenheit, Wachtrance bzw. Halbschlaf, Tieftrance bzw. Hypnose), bei allen Arten der Bewußtseinsverengung, hat der Mensch eine unvollkommene, eingeschränkte oder falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit. Auch seine Denkfunktion ist eingedämpft oder ausgeschaltet. Darum ist auch die spätere Erinnerung über diesen Zustand lückenhaft oder fehlt ganz. Zusätzlich sind diese Zustände begleitet von Willensschwäche oder Willenlosigkeit. Das heißt, die seelischen Voraussetzungen des genialen Ich-Erlebens im Sinne der Gotterkenntnis sind in der meditativen Trance also gar nicht gegeben oder jedenfalls sehr beschränkt: Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Wollen.

Nur bei vollem Bewußtsein verfügen wir über eine ungetrübte Wahrnehmung von Bildern, Musik, Natur - über eine klare Denkfähigkeit zum Verstehen, Erinnern, Assoziieren - über eine moralische Urteilskraft über wahr oder falsch, gut oder verwerflich, schön oder abstoßend - und über die nötige Willenskraft zu wählen, uns danach zu richten und entsprechend zu gestalten. In jeder Art von Dämmerzustand, in Halbschlaf, Lethargie oder Trance stehen uns diese Seelenfähigkeiten gar nicht, wenig oder gar verfälscht zur Verfügung.

Zudem ist das Wesen des göttlich gerichteten Fühlens und Wollens die Freiheit. Es ist unmittelbar und spontan. Es gibt kein Mittel es zu erzeugen. Absurd und unmöglich ist es, ein geniales Erleben durch Mittel und Techniken - wie Meditation - herbeiführen zu wollen. Vielmehr gilt das sogar umgekehrte: Weil Freiheit so vollkommen des Wesen des Göttlichen ist, muß der Versuch, es durch Mittel zum Zweck, durch Methoden zu erlangen, immer fehlschlagen.

Wenn ein Yogi sein Tranceerleben als »schön« und »angenehm« empfindet, vielleicht gar als »göttlich« schildert, kann dies - auch wenn der Yogi noch so verzückt davon ist - kein geniales Erleben im Sinne der Erkenntnisse M. Ludendorffs sein. Denn er hat sich zum Zweck in die Trance versetzt; er befindet sich dabei nicht bei vollem Bewußtsein befindet und er kann in diesem Zustand weder klar urteilen noch sich willentlich ausrichten. Sein Trance-Erleben beruht auf Wahrnehmungstäuschungen, die der Yogi nur passiv an sich vorbeiziehen lassen kann, wahllos über sich ergehen lassen muß. Außerdem widerspricht eine Täuschung ja auch der Wahrheit, und die Täuschung wird in manchen Yoga-Systemen voll absichtlich angestrebt, d. h. da wird im Grunde Gott in der Unwahrheit gesucht - was schon von vornherein als widergöttlich bezeichnet werden muß.

Die Frage, ob Meditation zu »Genialität« führen kann ist klar, zweifelsfrei und grundsätzlich zu verneinen. Wir lehnen die Meditation aus seelengesundheitlichen und philosophischen Gründen ab. Seelenmissbrauchende Induktionen von Psychosen und Neurosen - Psychotechniken wie Meditation - beschränken Denk-, Urteils- und Willenskraft und berauben den Menschen seiner Freiheit zu der Möglichkeit, seine genialen Ichkräfte jederzeit und frei entfalten zu können. So wird der Mensch seiner Würde beraubt und dagegen wenden wir uns vehement!

Mit Mathilde Ludendorff für die Menschenwürde!


Fußnoten:

  1. vgl. Art. »Meditation/Mystik«, in: Lexikon der Religionen. Phänomene, Geschichte, Ideen, Freiburg/Basel/Wien (Herder) 2. Aufl. 1995, 397
  2. vgl. James H. Leuba, Die Psychologie der religi&oml;sen Mystik (Reihe: Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens), München 1927, 36
  3. vgl. James H. Leuba, Die Psychologie der religiösen Mystik (Reihe: Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens), München 1927, 37.
  4. James H. Leuba, Die Psychologie der religiösen Mystik, a. a. O., 38/39.
  5. Reinhart Hummel, Sektenabhängigkeit - ein suchtartiges Verhalten?, in: »Sucht«, Sammelband der Vorträge des Studium Generale der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im Wintersemester 1997/98, Heidelberg 1999, 81.
  6. ebd., 84.
  7. Hans Gasper, Joachim Müller, Friederike Valentin: Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen. Fakten, Hintergründe, Klärungen, Freiburg/Basel/Wien 5. Aufl. 1990.
  8. a. a. O., 659/660.
  9. Handbuch Religiöse Gemeinschaften, hrsg. Von Horst Reller, Manfred Kießig, Helmut Tschoerner (i.A. des Lutherischen Kirchenamtes), Gütersloh 4. Aufl. 1993, 706.
  10. Handbuch Religiöse Gemeinschaften, a. a. O., 772.
  11. Dorsch Psychologisches Wörterbuch, Art. »Hypnose«
  12. M. Ludendorff, Induziertes Irresein durch Occultlehren, (zuerst 1933) Pähl 1970.
  13. Uwe Henrik Peters, Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie, (Weltbild Verlag) Augsburg 1997: »Verblödung«
  14. ebd. Stichwort »affektive Verblödung (Kraeplin)« und »läppische Verblödung (Kraeplin)«
  15. Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie, a. a. O.: »Irresein«
  16. M. Ludendorff, Induziertes Irresein durch Occultlehren, (zuerst 1933) Pähl 1970, 6
  17. vgl. Dr. Bruno Rhyner, Zen-Krankheit (nach REPS 1980:20), in: Christian Scharfetter, Der spirituelle Weg und seine Gefahren, a. a. O., 91-98.
  18. Josef Sudbrack, Meditative Erfahrung - Quellgrund der Religionen?, Mainz/Stuttgart 1994, 62.
  19. Christian Scharfetter, Der spirituelle Weg und seine Gefahren, 2. Aufl. Stuttgart 1992.
  20. Synonym auch: Ecephaline oder Edomorphine. - vgl. Josef Zehentbauer, Körpereigene Drogen. Die ungenutzten Fähigkeiten unseres Gehirns, München/Zürich 1992, 75ff.
  21. vgl. Zeitschrift »FOCUS« (36) 1997, Artikel »Hypnose. Heilsame Reise ins Unterbewußtsein«: Walter Bongartz von der Universität Konstanz, Präsident der »International Society of Hypnosis«, hat in mehreren Studien festgestellt, daß sich nach der Trance die für die Abwehr wichtigen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) an die Wände der Blutgefäße anlagern: »Für die Leukozyten bedeutet das vermutlich eine Verschnaufpause, in der sie biochemisch für kommende Immunabwehraufgaben fit gemacht werden«.
  22. vgl. Josef Zehentbauer, Körpereigene Drogen, a. a. O.,86, 90 ff.