Von Dr. Gunther Duda
Anlaß für diesen Beitrag zur Hochschultagung 2000 war ein Aufsatz in der »Deutschen Volkshochschule«. Hermin Leupold schrieb in Folge 116, 1999 u. a.:
»Soweit es« (im philosophischen Werk Mathilde Ludendorffs) »um die Religionen und ihre Kulturbeiträge geht, ist dieser Teil der Philosophie... auch Religionsphilosophie... Mathilde Ludendorff hat das Wort Religionsphilosophie immer im richtigen Sinne als für ein Teilgebiet der Philosophie verwendet.«
Etwas später schrieb er:
»Sie will auch allem echten Erleben, das in den großen Religionen unter diesem Wort« (Gott) »zu gültigen Werken geführt hat (z.B. Dombau, Mystiker und ihre Schriften, Bachchoräle, usw.) volle Würdigung als diesem Wesen der Erscheinung zugehörig zuerkennen. Hier also ist ein Stück Religionsphilosophie sichtbar.«
Im folgenden soll, verbunden mit anderen Begriffsklärungen zu diesen Ausführungen Stellung genommen werden.
W. Brugger, S. J., Philosophisches Wörterbuch,
(1962):
Religionsphilosophie ist die philosophische Untersuchung der Religion schlechthin.
J. Hoffmeister: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, (1955):
Religionsphilosophie ist die Wissenschaft vom Wesen der Religion, ihrem Ursprung, ihrem Wahrheitsgehalt und Wert, ihren Beziehungen zu Philosophie, Psychologie usf., sowie von den Methoden der Religionswissenschaft. Sie entsteht entweder aus der Religion, die als solche Philosophisches in sich enthält. Ihre Aufgabe lautet, den dogmatisch festgelegten Schatz an Glaubenssätzen einer positiven Religion philosophisch zu begründen und zu einem geschlossenen System einer religiösen Weltanschauung zu erweitern. Die Religionsphilosophie kann aber auch einer bestimmten, zunächst ohne Rücksicht auf die Religion begründeten Philosophie entstammen, die in ihrem System die Grundfragen der Religion als solche behandelt. Oder sie untersucht eine bestimmte Religion vom Standpunkt dieser Philosophie aus und behandelt sie mit ihren Denkmitteln (z. B. rationalistische, idealistische, realistische, neukantisch-kritische, phänomenologische Religionsphilosophie).
Kröners Philosophisches Wörterbuch, (1965):
Religionsphilosophie ist die philosophische Betrachtung des Phänomens Religion, im einzelnen die Erkenntnistheorie, Logik und Metaphysik der Religion. Im 19. Jahrhundert, besonders seit Schopenhauer und Feuerbach, wurde sie zur Religionskritik. Im 20. Jahrhundert zog sie sich wieder mehr von der Gültigkeitsfrage der Religion auf deren Wesensfrage zurück, abgesehen von den konfessionellen Religionsphilosophien, die die Alleingültigkeit ihrer Konfession vertreten.
Kröners Wörterbuch der Religionen (1962):
Religionsphilosophie ist als Wissenschaft die spekulative (rein gedanklich, jenseits der Erfahrung zu einer Erkenntnis gelangen zu wollen) Lehre von Wesen, Werden und Wahrheit der Religion, zumal nach Seiten der Frage ihrer Berechtigung innerhalb des gesamten menschlichen Geisteslebens. Sie ist eine normative (Regeln aufstellende) Wissenschaft, aber nicht an eine spezielle Religion gebunden.
Nach Titius ( 1935) hat die Religionsphilosophie drei Aufgaben:
1. die Kritik aller Philosophie, die sich selbst zum endlichen Richter aller menschlichen Dinge aufwerfen will und damit zur Konkurrenz oder zum Ersatz der Religion wird;
2. eine Kritik aller religiösen Anschauungen und Gebote am Maßstab autonomen Geisteslebens;
3. eine Verknüpfung religiöser Idee mit allen leitenden Ideen des menschlichen Geisteslebens.
Weischedel, Wilhelm in »Der Gott der Philosophen«, (1983):
Der Ausdruck Religionsphilosophie tritt in verschiedenen, einander zum Teil widersprechenden Bedeutungen auf; diese lassen sich auf zwei Grundauffassungen zurückführen. Nach der einen ist Religionsphilosophie eine Hilfsdisziplin der Theologie der Offenbarung, nach der anderen kommt ihr eine eigenständige philosophische Aufgabe zu, nämlich die Auslegung des religiösen Verhaltens.
In einer Fußnote heißt es dann:
»In einer 3. Grundbedeutung kommt die Religionsphilosophie in unmittelbare Nähe zur Philosophischen Theologie. Die Entwürfe solcher Religionsphilosophien können daher... als Zeugnis für eine genuine (echte) Philosophische Theologie benutzt werden.« Hierher gehören vor allem Schleiermachers »Reden über die Religion« sowie Hegels »Vorlesungen über die Philosophie der Religion«. In gewisser Weise kann man auch die Religionskritik, wie sie etwa von Feuerbach getrieben wird,
als eine - vierte - Form von Religionsphilosophie bezeichnen.«
Emil Brunners protestantische Religionsphilosophie (1927)
unterscheidet eine eigentliche und eine uneigentliche Religionsphilosophie.
Erstere hat ihren Ort in der Philosophie überhaupt. Ihr wesentliches Anliegen wird als »Frage nach dem Sinngrund« bezeichnet, das heißt sie will »Sinn und Recht der Religion innerhalb des philosophisch erkannten Sinngrundes« aufweisen. Die uneigentliche Religionsphilosophie ist hier nichts anderes als ein »Teil der christlichen Theologie überhaupt«. Ihr Ursprung ist nicht das Philosophieren, sondern eindeutig der Glaube. Hier spielt die Religionsphilosophie die Rolle einer Magd.
Karl Rahner (1941):
»Religionsphilosophie ist das vom Menschen her erreichbare Wissen um das rechte Verhältnis des Menschen zu Gott, zum Absoluten.« »Die Konstituierung der Religionsphilosophie geschieht in der Metaphysik, ja sie ist richtig betrachtet diese selber«. Die Metaphysik ist »in sich schon Religionsphilosophie«. Sie wird hier auch »metaphysische Anthropologie«, zu »einer Analytik des Menschen als das Subjekt, an das sich eine Offenbarung Gottes richtet und das aus seinem Wesen heraus auf eine Aufnahme einer solchen möglichen Offenbarung von vornherein ausgerichtet ist.«
Heinrich Fries erklärte (1949):
»Katholische Religionsphilosophie ist zuerst und zunächst Philosophie, und zwar Philosophie im eigentlichen und strengen Sinn«. Das zeige sich u. a. darin, daß sie sich der Religion im allgemeinen und umfassenden Sinn, der Religion als einer Grundbefindlichkeit und Grundtatsache des menschlichen Seins... zuwendet.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831):
Die Religionsphilosophie war bei ihm Gegenstand seiner »Vorlesungen über die Philosophie der Religion« und keineswegs »Philosophische Theologie«, also Philosophische Lehre von Gott. Diese sei »nur als die Lehre von der Religion zu fassen.« »Die Religion... hat zum Inhalt ihrer selbst diesen einen Gegenstand: Gott.« Damit beziehe sich die Religionsphilosophie aber nur mittelbar auf Gott und gehöre als Untersuchung des religiösen Bewußtseins des Menschen offenbar eher in den Bereich der Philosophischen Anthropologie als in den der Metaphysik. (Weischedel, S. 285)
Doch Hegel will nicht die Religion nur als etwas Subjektives fassen und so die subjektive Seite eigentlich zur einzigen machen. Wäre »Gott« doch dann »selbst nur etwas Subjektives.« »Wenn in der Tat Religion nur als ein Verhältnis von uns aus zu Gott verstanden werden sollte, so würde nicht ein selbständiges Sein Gottes zugelassen; Gott wäre nur in der Religion ein von uns Gesetztes, Erzeugtes.« Hegel erstrebt dagegen eine Lehre von Gott an. Das auch deshalb, um zeitgenössische Strömungen, es sei unmöglich Gott zu erkennen, zurückzuweisen. »Er behauptet, der Zweck' seiner Vorlesungen liege darin, Gott zu erkennen'; wir haben in der Religionsphilosophie zu unserem Gegenstand Gott selbst.« (Rahner I 57, Vorl.) Er sagte auch, die Religionsphilosophie, die ja Wissen von Gott ist, habe zum Gegenstande, »die absolute Wahrheit selbst«. (Rahner I 1, Weischedel, S. 294) »... die Philosophie.. ist die höchste Weise, die absolute Idee zu erfassen« (300, L II 484).
Philolexikon (1937):
Im Mosaismus heißt Religionsphilosophie Versuch, Religion und Philosophie in Einklang zu bringen mit dem Bestreben, den ethischen Gehalt des Judentums hervorzuheben und das Zeremonialgesetz zu rechtfertigen.
Meyers Enzyklopädisches Lexikon (1977):
Wie die Wortbestimmung von Philosophie ist die der Religionsphilosophie und ihres Gegenstandsbereiches abhängig von den jeweiligen religionswissenschaftlichen, wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Standorten und läßt sich deshalb nicht einheitlich und generalisierend durchführen. In Abgrenzung zu den verschiedenen Gebieten der Religionswissenschaft und Theologie kann die Religionsphilosophie als philosophische Disziplin, deren Gegenstand die Begriffs- und Wesensbestimmung der Religion ist, im weiteren Sinne verstanden werden. Im engeren Sinne gilt Religionsphilosophie als philosophisch ausschließlich mit rationalen bzw. wissenschaftlichen Methoden operierende Reflexion (Betrachtung) der Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen von Aussagen der (positiven) Religion(en) und über die Religion(en) einschließlich der kritischen Auseinandersetzung. Dabei stehen die Aussagen über die Beziehungen Vernunft und Offenbarung, Glaube und Wissen, Gott - Welt, Gott - Mensch, das Gute, das Böse, das religiöse Selbstbewußtsein, das Heilige, Gesellschaft und Staat im Mittelpunkt des philosophischen Interesses.
Soweit mein Überblick. Er zeigt wie vielfältig und uneinheitlich das Wort Religionsphilosophie verwendet wurde und doch stets »Gott« betrifft.
Man muß sich bewußt sein: Die Vernunft selbst ist unfähig, Bezeichnungen wie Gott, Philosophie, Metaphysik, Weltanschauung oder Offenbarung wesensmäßig restlos zu bestimmen. Das liegt in der »Natur der Dinge«. Bei Religion, Glaube, Theologie, Mystik, Esoterik, Ekstase und Vision wird das dagegen einfacher.
Diese unterschiedliche Bedeutung gleicher Worte hat eine einzige Ursache. Sie alle kreisen um Gott. Und solange hier nicht Erkenntnis gewonnen ist, solange ist Übereinstimmung nicht möglich, ja wird nie vollkommen verwirklicht werden. Weil je nach Grad der Selbstschöpfung der einzelne Gott unterschiedlich erlebt, erkennt, verkennt.
Erst Gotterkenntnis klärt, ob die bisher verwendeten Bezeichnungen ihrem Gehalt nach der Tatsächlichkeit entsprechen und gültig bleiben, z. B. Philosophie und Kultur, oder, weil falsch, z. B. Religion für Gotterkenntnis, verworfen werden müßte.
Die Erkenntnis wandelt oder erweitert bzw. vertieft auch manche bisherigen Wortbedeutungen, z. B. die von »Weltanschauung«, Metaphysik oder »Wesenheit« (s. Gl 222) des Mystikers. Der gläubig »erfahrene mystische Ruf« eines persönlichen Gottes als »Offenbarung« könnte von nun an von der echten Offenbarung eines Wesenszuges des Absoluten unterschieden werden. Andererseits verwendete M. Ludendorff selbst undogmatisch, aber meist nur Außenstehenden gegenüber erkenntnis-philosophisch überholte, aber lange eingebürgerte Bezeichnungen wie Religion, religiös, Glaube oder eben auch religionsphilosophisch.
Gott, altnordisch gud, gotisch gup, galt ursprünglich als sächlich, »das Gott«, und dann unter christlichen Einfluß als männlich: Herr-Gott.
Unter den vielen Erklärungsversuchen sei einer der glaubwürdigsten derjenige, der die indogerm. Wurzel im altindischen hu: Götter »anrufen«, sieht. Demnach wäre Gott sprachlich »das Wesen, das angerufen oder dem geopfert wird«. (J. Hoffmeister)
Das Philosophische Wörterbuch (Kröner) erläutert Gott als obersten, stets mehr oder weniger als Persönlichkeit gefaßten Gegenstand des religiösen Glaubens, geglaubt als ein Wesen mit »übernatürlichen«, d. h. außergewöhnlichen Eigenschaften und Kräften, im höchsten Sinne ein Wesen mit allen Eigenschaften der Vollkommenheit, der Inbegriff der Vollkommenheit. Dieser Gottesvorstellung folgen die meisten Gläubigen. Weischedel listet fast neun Seiten Stichwörter zu Gott auf, von christlichen und philosophischen bis zu Abgrund, Absolutes, allerrealstes Wesen, Seinsgrund, Stille oder Gotteserfahrung sowie christliche und natürliche Gotteserkenntnis.
Das Philosophische Wörterbuch versteht darunter ein Fürwahrhalten, das nicht durch die notwendige lückenlose Bezeugung des Fürwahrgehaltenen seitens der Wahrnehmung und des Denkens erhärtet ist, also keine objektiv gesicherte Geltung beanspruchen kann. Glaube sei stets Wagnis und im Grunde immer »blinder Glaube«. Ein Glaube, der gute Gründe und objektive Sicherheit hat, ist kein echter Glaube. Wer weiß, kann nicht glauben.
Glaube wird durch Zutrauen, Vertrauen und Zuversicht auf das Göttliche getragen, die aber im deutschen Denken »nur dadurch möglich sind, daß im Glaubenden selbst Göttliches ist, welches in dem, woran er glaubt, sich selbst, seine eigene Natur wiederfindet«. Glaube sei das »Ahnden, das Erkennen des Göttlichen... Der Glaube an das Göttliche stammt also aus der Göttlichkeit der eigenen Natur« (Hegel, Theol. Jugd.-Schr. 313).
Im Jahr 1517 löste die Bezeichnung Religion den bisher geltenden deutschen Begriff Glaube ab.
Kluge-Götze wird dem seelischen Gehalt des »Glaubens« gerechter. Er sagt, »als Faktitiv (abgeleitetes Verb, das ein Bewirken zum Ausdruck bringt) zu l i e b hat glauben die Grundbedeutung sich etwas lieb, vertraut machen'; über gutheißen' wird die endgültige Bedeutung erreicht. Die Fügung, glauben an Gott, führte Luther ein.«
Noch 1927 bezeichnete die Philosophin ebenfalls die uns eingeborene jenseitige Erlebnisweise als »deutschen Gottglauben«. Beide Ludendorffs nannten 1930 die »Deutschvolk«-Mitglieder »deutsch-gottgläubig«. Mit dem weiteren Eindringen in die neuerschienenen Werke sprach der General dann meist von »Gotterkennen«. Sein Vermächtnis vom 16. 11. 1936 mahnte dann doch wieder von den Völkern die »Einheit von Rasseerbgut und Glauben« an. Nur sie kann verhindern, daß Menschen und Völker innerseelisch gespalten und zerrissen werden. Vorausgesetzt »weise und unantastbare Sittengesetze leiten sie«. Glaube steht hier wie anderswo für die Grundfragen der Religion.
Seit Sokrates (469-399) gilt sie als Liebe zur Weisheit, bei Herakleitos (544-483) als Forschen nach der Natur der Dinge und bei Platon (427-347) als Erkenntnis des Ewigen und Unvergänglichen. Auch Hegel lehrte, die Philosophie, also nicht bloß die Religionsphilosophie, »hat den Zweck , Gott zu erkennen«. (Rahner I 29, Weischedel, 287) »So ist Gott der eine und einzige Gegenstand der Philosophie; mit ihm sich zu beschäftigen, in ihm alles zu erkennen, auf ihn alles zurückzuführen, so wie aus ihm alles Besondere abzuleiten und alles allein« zu »rechtfertigen, insofern es aus ihm entspringt, sich in seinem Zusammenhange mit ihm erhält, von seinem Strahle lebt und seine Seele hat«, ist ihre Aufgabe. »Die Philosophie ist daher Theologie« (Transz.-phil. z. Diskussion).
Weischedel urteilt:
»Die Frage nach Gott bildet... mit wenigen Ausnahmen, die gesamte Geschichte der Philosophie hindurch den höchsten Gegenstand des Denkens.«
»So ist Gott der eine und einzige Gegenstand der Philosophie.«
M. Ludendorff bezeichnet Philosophie als das »Werk des Forschers, der des Lebens göttlichen Sinn und seine Gesetze umsinnt und den Willen zur Wahrheit erfüllt«. Sie forschte auf dem »Gebiet der Erkenntnis des Gott ahnenden Ichs«.
Hoffmeister nennt sie »die einheitliche Gesamtauffassung der Welt einschließlich des menschlichen Seins und Sicherverhaltens. Sie ist also Weltordnung aus einer Idee heraus«. Zugleich aber spricht er nur demjenigen Weltanschauung zu, der die Welt nicht nur anschaut, sondern auch nach dieser Anschauung zu leben, zu handeln und zu werten weiß. Sie kennzeichnet den aus einer Idee handelnden Menschen der praktischen Bewährung. Wie »Schauen« im Unterschied zum bloßen Sehen ein schöpferisches Aneignen der Welt ist, so ist auch Welt selbst nur durch den gestaltenden Menschen zu erfassen.
M. Ludendorff, bewußt die Worte wechselnd, verwendet Weltanschauung auch als Name für das Rasseerbgut mit seinem unterbewußten Gotterleben. Sie diente ihr weiter als Name für das von der Gotterkenntnis getragene Weltbild. Um den entwurzelten Deutschen diesen ihnen fremden Begriff der Weltanschauung zu erläutern, lehrte Erich Ludendorff, daß sie hier Weltanschauung mit Staatsauffassung wie die kapitalistische, sozialistische, kommunistische und natürlich auch faschistische sowie die derzeitige egalitaristische verwechselten. Eine Weltanschauung liegt erst dann vor, »wenn Antworten auf die letzten Fragen über den Sinn des Menschenlebens, des Todesmuß, der Unvollkommenheit des Menschen, der Rassen und Völker gegeben sind«. (II, 236) Der Ausdruck Weltanschauung tauchte erstmals um 1800 bei den Romantikern auf.
Das Wort kommt von griechisch: meta ta physika her, nach oder hinter dem Physischen. Sie gilt als philosophische Grundwissenschaft, die das jenseits der sinnlich erfahrbaren, natürlichen Welt Liegende, die letzten Gründe und den Zusammenhang des Seins untersucht. In der Metaphysik, ausgehend von der »Ersten Philosophie«, Aristoteles (384-322) »Königin der Wissenschaft«, gelangte das Philosophieren, in sein reines Wesen. Das metaphysische Fragen ist die innerste Weise, in der sich Philosophieren vollzieht. Philosophieren ist also seiner Fragerichtung nach Metaphysik und als solche »Suche nach dem Ganzen«.
Für Descartes (1596-1650) lagen die »Wurzeln des Baumes der Philosophie« in der Metaphysik. Sie erstrebt die »allumfassende Welterkenntnis« und birgt die Philosophie in sich. Metaphysik zerfällt in den Schulen in die Lehren vom Seienden selbst (Ontologie), vom Wesen der Welt (Kosmologie), vom Menschen (philosophische Anthropologie, Existenzphilosophie) und von der Existenz und dem Wesen Gottes (Theologie).
Nach Nietzsche bedeutet Offenbarung, »daß plötzlich mit unsäglicher Sicherheit und Feinheit etwas sichtbar, hörbar wird, etwas das einen im tiefsten erschüttert und umwirft.« Die Griechen sprachen von apokálypsis, »Enthüllung« und die Lateiner von revelatio, »Entschleierung« einer Wahrheit, eines Göttlichen, ein Sichöffnen oder Selbstbekunden Gottes. Eine Offenbarung könne nur erlebt und nur mit dem Herzen, nicht aber mit der Vernunft entgegengenommen werden. Den Religionen gilt sie als Entscheidendes. Im Christentum ist Jesus die Offenbarung Gott JHWHs; Jesus verkündet sein Wesen und verwirklicht seinen Willen. Die Thora sieht in den Visionen ihrer Propheten die Offenbarung des göttlichen Heilsplanes. Die Griechen glaubten durch Ekstase (Mysterien) verborgene Gründe des Seins (aletheia) entdecken und die in der Natur wie im Menschen wirkenden göttlichen Kräfte und Mächte erkennen zu können (J. Hoffmeister).
Auch die Gotterkenntnis Ludendorff spricht von »Gottoffenbarung«, »Offenbarung göttlicher Wesenszüge«, vom »Aufleuchten göttlicher Einsicht«, von »Gottschau«, »Gottenthüllung«, »göttlichem Erleben des Wesens der Schöpfung«, Einswerden mit dem Göttlichen, von »Überbewußtsein«, »Überkosmischen«... Das erste Nachkriegswerk trägt den Titel »In den Gefilden der Gottoffenbarung«. Die Philosophin kündet ebenfalls von der »Erkenntnis vom tiefsten Gehalt dieses Weltalls« oder »von seinem Wesen und dessen als Kraft' dem Menschen eben noch wahrnehmbaren Willensenthüllungen«. Sie weiß nicht minder von der »Wucht eines nie vorher erlebten Wachseins«, eines »Erlebens, das die Seele zutiefst erschüttert« und von »einstürmenden Intuitionen«.
Echte Offenbarungen, nicht aber solche der Ekstase, entstammen der Intuition oder Schau, einem »Vermögen des Überbewußtseins«. (Ludendorff: Des Menschen Seele, S. 190)
Im grundsätzlichen Gegensatz zu den »religiösen Offenbarungen« eines persönlichen Gottes als »Kundgebung einer lebendigen Macht«, die erst »ein lebensvolles Ich-Du-Verhältnis begründet und erhält«, - als »eigentlichstes Wesen der Religion« - gibt Mathilde Ludendorff jedoch »hellichte Erkenntnis der Wirklichkeit«. Und das jenseits aller krankhaften Bewußtseinszustände des Scheingotterlebens, seien es Ekstase, Trance, Verzückung, Entrücktheit, des Außersichseins oder der Visionen (Gesichte), den optischen Trugwahrnehmungen. In der Philosophie der Gotterkenntnis finden sich nirgends die üblichen Grenzüberschreitungen der Vernunft in das Reich wahrer Jenseitsschau, der Intuitionen. Diese wird im Schrifttum richtig als unmittelbares, nicht diskursives und nicht auf Reflexion beruhendes Erkennen oder als Eingebung bestimmt. Denn hier waltet und bestätigt sich das zweite Erkenntnisvermögen der Menschenseele, das Gotterkennen des Ichs:
»Gott ist die tiefste, allerdings sinnvoll verhüllte Wirklichkeit dieses Weltalls, ist sein Wesen!« (In den Gefilden der Gottoffenbarung)
Man erinnere sich nur einmal an die Intuitionen der Philosophin, die zum Werden ihrer Werke »Triumph des Unsterblichkeitwillens« oder »Schöpfungsgeschichte« führten. Dann ahnt, ja erkennt das Ich die unüberbrückbare Kluft zwischen dem »göttlichen Erleben des Wesens der Schöpfung« und der »unio mystica«. Beispielsweise das Abwegige, Ungewohnte, ja Befremdende und deshalb als das »Ganz andere« bezeichnete »Aufgehen des eigenen Bewußtseins und die Versenkung in die Tiefe des eigenen Seins«. (s. Rudolf Otto über Mystik in »Das Heilige«)
So umstritten die sprachliche (etymologische) Bedeutung dieses Wortes für »Gottesverehrung« ist, so unterschiedlich ist ihr Gehalt. Das lateinische religio, »Gottesfurcht, Glaube«, leitete der Römer Cicero (106-43) in »De natura deorum« gemäß seiner »Religion der Observanz« (Regeln, Gesetze beachten) von relegere, »wieder lesen, durchgehen« ab. Das Wesen der Religion liegt nach ihm in der »beharrlichen Beobachtung« der kultischen Pflichten. Lactantius (250/260-317), der »Cicero christianus«, führte das Wort Religion auf religare »Gott durch ein Band der Frömmigkeit verbunden sein« zurück. Er las es als »gewissenhafte Beachtung«, »zurückbinden«, »Gewissenscheu«. Hier erschließe sich, so das Wörterbuch der Religionen, der »innere Bereich menschlicher Gefühlsbedingtheit«. Und hier ergänzten sich diese beiden Ableitungen sogar, weil sie auf die Doppelseitigkeit des Charakters der Religion hinweisen, auf ihren objektiven wie ihren subjektiven. Brugger, S. J., erläuterte Religion als »ein immer wieder Sichhinwenden zu« oder »ein gewissenhaftes Beachten von etwas«. Das Philososche Wörterbuch sieht hier eine »vom Glauben an die Existenz eines Gottes, einer Gottheit bestimmte Weltanschauung und Lebensführung; das Gefühl der Verbundenheit gegenüber einer geheimnisvollen, haltgebenden und verehrungswürdigen Macht«.
Das Handbuch »Die Religion in Geschichte und Gegenwart« (2. Aufl.) lehrt, »Religion ist Deutung eines Erlebnisses..., sie gehört zu den Kulturgütern...«. Auch in der 3. Auflage heißt es: »Wir definieren... Religion als erlebnishafte Begegnung mit heiliger Wirklichkeit und als antwortendes Handeln des vom Heiligen existentiell bestimmten Menschen.« (1961)
Hegel versteht unter Religion »die Beziehung des Subjekts, des subjektiven Bewußtseins auf Gott.« »Die Religion... hat zum Inhalt ihrer selbst diesen einen Gegenstand: Gott«. Es sei jedoch »einseitig..., die R. nur als Subjektives zu fassen und so die subjektive Seite eigentlich nur einzig zur einzigen zu machen«. Denn unter diesem Gesichtspunkt wäre »Gott... selbst nur etwas Subjektives«. »Wenn in der Tat unter der R., nur ein Verhältnis von uns aus zu Gott verstanden werden sollte, dann würde nicht ein selbständiges Sein Gottes zugelassen; Gott wäre nur in der Religion, ein von uns Gesetzes, Erzeugtes.«
Vor 200 Jahren übersetzte J. Bayers Lat.-Deutsches Wörterbuch religio mit »Gottesfurcht, Glaube, Religion«.
Der Gehalt dieses Wortes ist ebenso vielfältig wie das von Gott. Auch hier bei der »Lehre von Gott«, der »Wissenschaft von Gott«, dem »Gottkünden« oder der »Verherrlichung von Gott« waren die Griechen die Namensgeber. Platon gilt als erster, der das Wort gebrauchte und war wohl auch sein Schöpfer. Es bedeutete »das Reden, Lehren und Dichten über die Götter«. Der Begriff, ursprünglich: Wort, Rede, Sprache, dann übertragen: Begriff, Vernunft, Sinn bedeutend, bezeichnet aber nicht den Gegenstand der Theologie, sondern die Weise, in der sie betrieben wird. Für Platon und Aristoteles beinhaltete es eine Weise des Lautwerdens; sein Wesen sei »Offenbarmachen«.
»Die Philosophische Theologe hat es, als Theologie primär nicht, wie die Religionsphilosophie, mit dem religiösen Verhalten des Menschen zu tun, sondern mit dem, worauf sich dieses Verhalten richtet: mit Gott.«
(wird fortgesetzt)