von Elke und Dr. Gundolf Fuchs
Daß unsere Demokratie mit »Lizenzparteien« startete, zeigte bereits, daß der Volkswille nicht echt zur Geltung kommen, sondern in gewünschte Bahnen gepreßt werden sollte. Sind Parteien, die alle eine bestimmte Grundausrichtung aufweisen, nämlich die »lizensierte«, erst einmal in den Sattel gesetzt, dann hat der Bürger auf die Politik nur noch wenig Einfluß, denn er kann bei Wahlen nur noch zwischen kleinen und höchstens mittleren, nicht aber zwischen wesentlichen Unterschieden auswählen. Kritik an dieser Scheindemokratie wird von den Nutznießern dieses demokratischen Mißstandes gern als grundgesetzwidriger »Antiparlamentarismus« angeklagt. Wenn aber in der Wiedergeburtsstunde der »Demokratie« nach einer Diktatur so entscheidend die Weichen gestellt wurden, so ist es wissenswert, wer denn diese Weichen gestellt hat. Aufschluß darüber gibt eine Fernsehsendung. Vom Sender »Phönix« wurde am 26.11.00, 2100 Uhr eine Dokumentation über die Beeinflussung deutschen Geistes- und Seelenlebens durch Meinungsformer aus den USA berichtet. Der Titel der Sendung »Germany made in USA(?) - wie US-Agenten Nachkriegsdeutschland steuerten«, war zwar in Frageform gehalten, aber der Inhalt zeigte eindeutig, daß die Frage mit Ja zu beantworten ist.
Nach der Dokumentation ging die gezielte Beeinflussung weniger von der Regierung, als von den amerikanischen Gewerkschaften und dem CIA aus. Es wurde dabei ganz offen gesagt, daß unter den »Sendboten« auch Juden waren.
Wenn man der biblischen Aufforderung folgt, den Wert einer Handlungsweise an deren Früchten zu erkennen, dann fällt das Ergebnis katastrophal aus. Abgesehen von der rassistischen NS-Ideologie, von der nur wenige Deutsche echt verführt wurden, herrschte im Alltagsleben Sauberkeit, Pflichterfüllung und weit mehr Wahrheitsliebe und Rechtsbewußtsein als heute. Auch gab es wenig Halt- und Bindungslosigkeit, die heute ungeheure Ausmaße angenommen haben und der Hauptgrund für den Rauschgiftgenuß und die sog »Null-Bock-Haltung«, aber auch für ein Ausufern des Verbrechens ist.
Was enthüllt uns nun die Sendung? Wir wissen wohl, daß man nicht alles glauben kann, was die Medien uns vorsetzen, aber angesichts der Amerikahörigkeit der Repräsentanten der Bundesrepublik ist nicht anzunehmen, daß die vorgelegten Dokumente von CIA und anderen verleumdende Fälschungen sind.
In der Sendung erfährt man ziemlich zu Anfang, daß das Amt für psychologische Kriegführung mit über 100 Millionen Dollar ausgerüstet wurde, um in Westdeutschland im Sinne der USA tätig zu sein. Der Hohe Kommissar McCloy hatte den Plan auszuführen Westdeutschland zu einem lebensfähigen Staat zu machen, ihn in das Westbündnis zu integrieren und die Teilung Deutschlands aufrechtzuerhalten. Kurz davor wurde ein Dokument eingeblendet, in dem der Sowjetunion die alleinige Schuld an der Verhinderung einer Wiedervereinigung zugeschrieben wurde.
Natürlich fehlte es auch nicht an Hervorheben guter Ziele: Einführung der Demokratie mit freier Presse und freien Parteien, aber gleich darauf wurde berichtet, daß Gruppen, die den US-Interessen feindlich gegenüberstanden, unterwandert werden sollten. Eine Zielgruppe war sogar die SPD, weil sie nicht natotreu genug war und für östliche Neutralitätsschalmeien zu zugänglich war. Diese Zielsetzung macht den Vorsatz »freie Parteien« schaffen zu wollen, doch schon unmöglich. Hört man dann aber erst, welche Mittel für diese Zielsetzung benutzt werden sollten, dann bleibt von Recht und Demokratie nichts mehr übrig. Die Andeutung, daß McCloy die Demokratie nur mit einem kleinen »d« schrieb, verniedlicht das mangelnde Demokratieverständnis nur. Es hieß nämlich, daß auf strenge Anweisung der US-Regierung an den CIA eine aus Neofaschisten rekrutierte Untergrundbewegung ins Leben zu rufen wäre, die bei einem Einmarsch der SU in Westdeutschland Sabotageakte begehen sollte. Damit aber nicht genug, es wurde auch eine Liste von SPD-Politikern aufgestellt, die im Falle eines solchen Einmarsches ermordet werden sollten. Offensichtlich enthielt die Liste solche SPD-Politiker, die, wie bereits erwähnt, zur Sowjetideologie hinneigten.
Wenn Geheimdienste politische Weichen stellen und dabei vor Mordplänen nicht zurückschrecken, mit welchem Recht können die auf diese Weise zur Macht gekommenen Politiker überhaupt noch Abscheu vor Gewaltverbrechen zelebrieren?
Gleich nach der Enthüllung der Pläne rücksichtsloser Machtpolitik wurde dann mit Genugtuung festgestellt, daß die Deutschen, insbesondere durch die Amerikahäuser dazu gebracht wurden, in den USA das Vorbild anzuerkennen und sie als Garanten für eine weltweit bessere Zukunft zu sehen. Eine erste Folge dieser Umerziehungsmaßnahmen war ganz offensichtlich, daß in den Amerikahäusern viele Bücher gestohlen wurden, die den Deutschen den »freien Geist« der USA nahebringen sollten. Ein als Emigrant von 1938 vorgestellter Herr meinte, das sei gar nicht schlimm, ja vorteilhaft, denn Bücher, die gestohlen werden, werden auch gelesen. Seine weiteren Ausführungen, daß viele dieser Bücher auf Flohmärkten wieder entdeckt und zurückgekauft wurden, paßt allerdings wenig zu der optimistischen Bewertung des Bücherdiebstahls.
Als ein Beeinflussungsmittel wurde auch die Kulturinitiative genannt. Die Amerikaner waren sehr böse, daß sie als kulturlose »Nation« ohne große Maler, Bildhauer und Musiker eingestuft, ja »verspottet« wurden. Ohne den Versuch zu machen, diese Beurteilung zu widerlegen, wurde nur herausgestellt, daß sie mit Orchestern und Dirigenten die Nazimusiker, u.a. Wilhelm Furtwängler, ersetzten, um auf diese Weise die Kultur in Deutschland zu fördern. In völliger Verkennung, was Kultur wirklich ist, hieß es, die amerikanische Zivilisation habe die Starthilfe für die deutsche Kultur geleistet. Zivilisatorische Errungenschaften können höchstens eine gute Wiedergabe von Kunstwerken, insbesondere in der Musik begünstigen, aber nie selbst Kultur schaffen. Und wenn dann noch das Wiedergewinnen der »Freiheit der Künste« in Deutschland hervorgehoben wurde, dann ist damit die viele Unkultur beschrieben, von der unser Volk seit 1945 überflutet wird. So wurde auch die Gründung des Soziologischen Instituts in Frankfurt erwähnt, in der u.a. Adorno und Horkheimer führend tätig waren. Dieses Institut wurde, wie es in der Sendung hieß, sehr berühmt und gewann großen Einfluß auf das Universitätswesen in Frankfurt. Der Zeitschrift »Krieg dem Rauschgift - gegen die musikalische Gehirnwäsche unserer Jugend«, Januar 1982, zufolge, hat Adorno seine Forschungstätigkeit auf »Wege zur schrittweisen Manipulation des öffentlichen Geschmacks« gerichtet. Da es sich bei echter Musik nicht um Geschmacksfragen, sondern um mehr oder weniger tief erlebte Transzendenz handelt, konnte die schrittweise Manipulation nur auf ein Herabziehen auf niedrige Stufe ausgerichtet sein. Adorno verkündete auch das Ziel »Formen von Musik zu entwickeln, die den Menschen in seinen tiefsten Gefühlen ansprechen.« Im Zusammenhang mit der Rockmusik kann der Begriff »tiefsten Gefühle« nicht als Ausdruck für etwas sehr Wertvolles angesehen werden, sondern es kann nur »niedrig«, auf tiefste Ebene herabgezogen bedeuten. Ein bekannter »Interpret« dieser »neuen Musik«, Mick Jagger, gestand dann auch offen ein: »Was wir machen, ist Krach. Das ist alles. Man könnte nett sein, und es Musik nennen.« Ganz hat Jagger seine Aufgabe aber offensichtlich nicht verstanden, denn für Adorno war der Krach nicht alles, sondern er wollte umgestaltend und niederziehend in die Seele der Zuhörer, insbesondere der Jugend eingreifen. Daß diese »Musik« die Aufgabe hatte, die mit ihr Beglückten halt- und hemmungslos zu machen, und dem Rauschgift verfallen zu lassen, zeigte und zeigt u.a. der hohe Grad von Rauschgiftabhängigkeit bei denen, die mit Rockmusik ihre Zuhörer in Ekstase versetzen und damit die Abwehr gegen Verwahrlosung durch »ordnende Gefühle« herabsetzen. In der genannten Zeitschrift heißt es unter »Der Schwindel mit der ,neuen Kultur' zu Beginn: »Auffällig an der kulturellen Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg ist, mit welch rasanter Geschwindigkeit sich die sog. neue Musikkultur, die auch in alle anderen Lebensbereiche übergriff, in Deutschland etablierte.« Schnelle Änderungen auf einem Lebensgebiet finden nur statt, wenn von Meinungsformern zielklar verfolgt werden.
Zurück zu dem Film: Auch ein Melvin Lasky wurde im Zusammenhang mit einem Kongreß für kulturelle Freiheit erwähnt. Lasky wandte sich mit einer im wesentlichen vom CIA und amerikanischen Gewerkschaften finanzierten Zeitung »Der Monat« an alle Wortführer der Gesellschaft in West-Deutschlands, um seine Kommunismus-Kritik zu verbreiten. Bei ihm war Kultur und Politik besonders eng miteinander verflochten, denn er sprach von der Angst, daß Moskaus Propaganda, der allein sittliche Staat zu sein, Glauben finden könnte. Auch wurde befürchtet, daß die Behauptung für wahr gehalten werden könnte: die Arbeiter in der Sowjetunion lebten im Wohlstand, die in der westlichen Welt lebten in Armut und seien von Kriegslüsternen beherrscht. M. Lasky zeigte dabei wenig Berührungsängste und zählte auf, wen er alles zu Gesprächen eingeladen hat. Es waren darunter sowohl Kommunisten wie Vertreter des ehemaligen NS-Systems. Seine Begründung klang schön: Wir wollten nicht Propaganda machen, sondern echte kulturelle, kritische, intellektuelle Auseinandersetzung. Das hat nichts mit Belehrung zu tun. Wäre das wirklich das Ziel gewesen, wogegen allerdings andere Mitteilungen in der Sendung sprechen, dann müßte man feststellen, daß die US-Propagandisten ihr Ziel nicht erreicht hätten. In Deutschland, deren Bewohner wieder frei und selbständig werden sollten, gibt es nämlich nicht einmal mehr eine freie Auseinandersetzung über nationale Gedanken, ganz zu schweigen von sachlicher Ablehnung von nationalistischen bis radikalen Gedanken. Alle Ablehnung wird auf dem verständlichen Abscheu gegen Gewalttaten aufgebaut, wobei unlautererweise nur solche mit rechtsextremistischem Hintergrund hochgespielt werden.
Interessant war die Feststellung von McCloy, daß die beiden Spielarten des Totalitarismus, Kommunismus und Nazismus gleich gefährlich seien. Das möchte man ja heute trotz der Dokumentation der unvorstellbaren Verbrechen im »Schwarzbuch des Kommunismus« als Verharmlosung der Einmaligkeit der NS-Verbrechen bestreiten.
Immer wieder wurde betont, daß in Deutschland die Demokratie unter tatkräftiger Mithilfe der USA aufgebaut wurde. Neben der »Zurückgewinnung« persönlicher freier Meinung und Ablehnung der Nazi-Ideologie sollten aber auch »preußisch-deutsche Relikte« überwunden werden. In letzter Zeit hört man schon öfter Stimmen, die angesichts der zunehmenden Verwahrlosung wieder an preußische Tugenden erinnern, um den Niedergang aufzuhalten. Diese Tugenden sollten aber nach dem Willen der US-Sendboten aus den deutschen Seelen verschwinden.
Die Beteiligung der US-Gewerkschaften an dem Umerziehungsprojekt wurde damit begründet, daß die zu 40 Prozent gewerkschaftlich organisierten deutschen Arbeitnehmer einen hohen Anteil an Kommunisten aufwiesen. Der Hauptakteuer war ein Jay Lovestone. Er war der Sohn eines polnischen Rabbiners namens Liebstein, Kommunistenführer in den USA und später (Ende der vierziger Jahre) erbittertster Feind des Kommunismus. Lovestone war eingefleischter Gewerkschaftler und Superagent des CIA mit einer »Top«-Verbindung zu Deutschland. Wörtlich wurde ein Brief des SPD-Vorstandsmitgliedes Heine, der für gewerkschaftliche Fragen zuständig war, (geschrieben am 9.11.1956, an einen Irving Brown, leitender Mitarbeiter von Lovestone) eingeblendet:
»Lieber Irving, Du erinnerst Dich, daß wir in Washington« (5.11.1956, 12.30, Zimmer 118 im HAY-ADAMS-HOTEL) »über die Zusammensetzung des DGB-Vorstandes und seine neue Arbeitsverteilung gesprochen haben. Das ist inzwischen, wie ich schon annahm, geschehen. In der Anlage sende ich Dir eine Übersicht über die Verteilung im einzelnen, die Dich vielleicht interessieren wird.« Der Sprecher der Sendung ergänzte, daß Willi Richter damals nach Absprache mit den Amerikanern neuer DGB-Vorsitzender wurde. Wieder ein Beispiel für die »freie Selbstgestaltung«, die man in Deutschland zu fördern vorgab. In Wirklichkeit erfolgte alles ziemlich genau nach »Absprache«, sprich Befehl der Besatzungsmacht.
Bei den Gewerkschaften in den USA gab es zwei miteinander konkurrierende Flügel. Der CIA nutzte deren Rivalität aus, um zwei Eisen im Feuer zu haben. Interessant war, wie die beiden Vertreter auf ein Bekanntwerden des CIA-Einflusses reagierten. Der eine, bieder europäisch aussehend, war entsetzt, als er von der Einflußnahme des CIA erfuhr, weil er glaubte, daß nur die amerikanische Gewerkschaft den deutschen Gewerkschaftlern Starthilfe leisten wollten, der genannte Melvin Lasky zu diesem Punkt befragt, antwortete u.a., daß seine Agenten in zehn Ländern gesagt hätten, woher das Geld komme, spiele keine Rolle, er möge nur nach Washington gehen und mehr holen. Über rein gewerkschaftliche Belange hinaus wurde auch allgemeine Beeinflussung in Westdeutschland betrieben. Da wurde von der Unterstützung von Verlagsunternehmen durch Abnahmegarantien für erwünschte Bücher und über die großzügige Beschaffung eines Kredits für die Großdruckerei des internationalen Universum-Verlages berichtet.
Nach all diesen Beeinflussungsmaßnahmen wird wie zum Hohn gemeldet, daß die Deutschen die USA viel zu unkritisch betrachteten, es als ein Paradies ansahen, wobei auch der Anteil der Presse an dem idealisierten Bild hervorgehoben wurde. Zu diesen Äußerungen paßt dann auch eine Darstellung über die betriebene Meinungsforschung. Einer, der die Meinungsforschung in Deutschland besonders in Gang brachte, war ein »Tanzlehrer«, Leo Crespi, der nicht nur auf dem Tanzboden, sondern auch in der Politik wußte, was es bedeutet, »zwei Schritte vor und einen zurückzugehen«. Er bekannte ganz freimütig: »Meine größte Überraschung und zugleich meine größte Genugtuung war, wie begeistert die Deutschen auf Meinungsumfragen reagierten. Sie liebten es geradezu, nach ihrer Meinung gefragt zu werden. Hier kam die mächtige amerikanische Besatzungsmacht zu dem kleinen Mann, um ihn nach seiner Meinung zu fragen«. Als Erklärung für dieses Phänomen wurde angeführt, die Begeisterung kam auf, weil man ihm, dem kleinen Mann, »jahrzehntelang vorgeschrieben hatte, was er zu denken habe.« Die Befragung wurde so geschickt durchgeführt, daß der »kleine deutsche Mann« glaubte, uns (der US-Regierung) sogar Empfehlungen geben zu können, wie wir handeln sollten.
In Wirklichkeit - das wurde in der Sendung allerdings nicht ausdrücklich betont - war das eine Aushorchaktion, um die Beeinflussungsmethoden besser abstimmen zu können. Es wurde sogar der Ausdruck geprägt, »das Fieberthermometer direkt in die deutsche Seele gesteckt« zu haben.
Bei den Meinungsumfragen war u.a. herausgekommen, daß die Mehrheit zwar dem Westen zuneigte, aber 30 Prozent der Deutschen eine Neutralität befürworteten, und zwar aus sehr wichtigen Gründen. Die Atompolitik der USA im Kalten Krieg barg ja für die Westdeutschen ganz eindeutig das Risiko in einem Atomkrieg nach Einmarsch der Sowjets vernichtet zu werden. Lächelnd brachte ein Mr. Braden dafür rückwirkend auch Verständnis auf, daß die Deutschen »lieber rot als tot« sein wollten.
Wenn ein folgsamer, das hieß proamerikanischer und sich antikommunistisch gebärdender Politiker in Deutschland Geld brauchte, bekam er es vom CIA. Angeführt wurden als Beispiel Carlo Schmidt und Willy Brandt, der erstere, weil er sich für die Ratifizierung des Schuman-Planes einsetzen sollte und es infolge der Geldmittel auch erfolgreich tun konnte. Der Schuman-Plan war der erste Schritt, deutsche Hoheitsrechte an überstaatliche Gremien abzutreten. Es wurde betont, daß die deutschen Politiker aus der Annahme von Geldern des CIA keine persönlichen Vorteile gezogen hätten, sondern die zur Verfügung gestellten Geldern nur zum beabsichtigten Zweck, z.B. für Wahlkampagnen einsetzten. Hier wurde der Name Wills Brandt genannt. Warum regt sich besonders die SPD heute so über »schwarze Konten« bei der CDU auf, die doch auch nur für den Machterhalt bei Wahlen eingesetzt wurden. Gelder von einem Geheimdienst, der zur Erreichung seiner Ziele, wie oben erwähnt, auch vor der Aufstellung von Mordplänen gegen unliebsame Politiker nicht zurückschreckt, gehören doch wohl zu den unedelsten Geldern.
Nachdem langsam die Kehrseite der propagierten Freiheit, nämlich das nur »Freisein von Zwängen« ohne sittliche Begrenzung erkennbar wurde, schwand bei einem Teil die Amerikabegeisterung und es traten die 68er Revoluzzer hervor, die wieder mehr der östlichen Ideologie zuneigten. Da aber, wie erwähnt, der eine herausragende Propagandist seine geäußerten Ansichten vom eifrigen Vorkämpfer für den Kommunismus in den USA zu dessen energischsten Gegner wandelte, konnte man auch diese »Abtrünnigen« gut zur Durchführung der Umerziehung gebrauchen. Sie sorgten nämlich dafür, daß die »preußisch-deutschen Relikte« noch stärker zerstört wurden. Im übrigen wurde der sog. Kalte Krieg auch von den USA aus immer halbherziger geführt und nach dem inneren Zerfall der Sowjetunion waren gerade die USA ängstlich darauf bedacht, dieses Riesenimperium nicht zerfallen zu lassen und eine GUS zu schaffen. Dies war zwar nach unserer Erinnerung die Abkürzung für »Gemeinschaft unabhängiger Staaten«, aber in Wirklichkeit hätte man den Namen besser mit »ß« (gleich Guß) geschrieben, um darzulegen, daß Auseinanderstrebendes schnell wieder in eine gemeinsame Form gegossen werden sollte. Es tritt ja immer mehr zutage, daß in der GUS die alten kommunistischen Seilschaften wieder an Macht gewinnen und möglicherweise den alten Zustand wiederherzustellen suchen. Der freiheitmordende Kampf in Tschetschenien beweist ja, daß sich an der Gewaltpolitik gegen freiheitliebende Völker nichts geändert hat.
Wie leicht man auch antiamerikanische Demonstranten »im rechten Augenblick« durch Machtverheiß zu guten Gefolgsleuten machen kann, das zeigt das Beispiel Schröder (einst ein gegen den Nato-Doppelbeschluß aufbegehrender Jusoführer) und Fischer (einst ein sogar gewalttätiger, nämlich steinewerfender Chaot gegen die Polizei in Frankfurt), die kurz vor ihrem Amtsantritt sich ihren »Segen« aus Amerika holen durften. Und geradezu frappierend war der Anschauungswechsel zu kriegerischen Eingriffen. Die Weltpolizistenhaltung der USA wurde im Golfkrieg Anfang der neunziger Jahre noch als unzulässige Einmischung kritisiert. Kaum an der Macht in der Bundesrepublik, verteidigten beide die von USA geforderte Einmischung in serbische Angelegenheiten als eine Notwendigkeit, und zwar mit dem Brustton der Überzeugung, wie es die angeblich für kriegerische Unternehmungen der USA viel anfälligere CDU-Regierung nie getan hat.
Zur Fernsehsendung zurückkehrend sei noch berichtet, daß abschließend die kritischen Äußerungen abgeschwächt werden sollten. Man stellte heraus, daß die Sendboten aus USA »stolz sein konnten, mitgeholfen zu haben, aus Deutschland ein starkes und demokratisches Land gemacht zu haben.« Und so wurde es dem Hörer überlassen, ob er hinter den Titel »Germany made in USA?« ein Fragezeichen setzen wolle oder nicht. Je nach dem Grad der Verehrung der USA wäre es ja ein Segen oder ein Fluch, daß das Nachkriegsdeutschland im wesentlichen in USA gemacht worden ist. Erinnern wir noch einmal an das Wort: »An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen«, dann ist die Entscheidung zwischen Segen und Fluch für rechtschaffene, beherrschte, wahrheitsliebende und nach wirklicher Menschenwürde strebende Bürger nicht schwer.