Die wahre Antwort[1] auf kirchliche Unterdrückung
Von Arnold Cronberg
Als am 25.11.1929 Erich Ludendorff in seinem Freiheitsringen auch gegen den Jesuitenorden in München eine Vortragveranstaltung abhielt, sprengte sie der Jesuit Rupert Meyer mit wildem Gejohle und schweren Schmähungen verhetzter Kongregationisten und Kolpinggesellen[2]. Anschließend kam es in den hörigen Blättern zu einer kaum zu überbietenden Hetze[3]. Ihr schloß sich sogar der Ministerpräsident Held an. Er galt als Fraktionsführer der Bayerischen Volkspartei schon 1922 als »Sympathisant« der nationalen Bewegung. Und rasch, am 4.1.1925, empfing Held den soeben aus der Festungshaft entlassenen Hitler und erlaubte ihm am 27.2.1925, nach seinem Pakt mit der Romkirche, seine neue NSDAP zu gründen.
Sieben Jahrzehnte später, am 8.11.1999, gab es in München wiederum eine antichristliche Versammlung. Zu ihr rief die »Initiative: ,Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche‘« aus Würzburg ein. Zuvor führte sie am 6.11.1999 auf dem Marienplatz eine »Demo« durch und lud zu zwei Vorträgen des bekannten Professors Dr. theol. Hubertus Mynarek ein. »2000 Jahre blutige Kirchengeschichte« und »Die Greueltaten Mose im NeuenTestament« ein[4]. Diesmal wagten die Kirchen aber nicht mehr die von jung und alt Mann wie Frau und Mann, aber weniger von Nationalen und Konservativen gut besuchte Veranstaltung zu sprengen, ja, nicht einmal zu stören. Auch die Presse blieb stumm. Als die »Initiative News Actual« (dpa) am 8.11.99 von ihrem Anliegen unterrichten wollte, erklärte man ihr, es gäbe eine »klare Anweisung, keine Meldungen über sie zubringen«. Außerdem berichtete die »Initiative«, wie schwer es war, einen geeigneten Saal anzumieten. In Würzburg scheiterte dies völlig.
| Der Religionswissenschaftler Mynarek, einst Dekan der katholisch-theologischen Fakultät in Wien, verabschiedete sich 1973 von dem »totalitären System« seiner Kirche. In einem offenen Brief an den Papst, begründete er diesen folgenschweren Schritt mit der »kirchlicher Herrschsucht, ihren Machtstrukturen und ihrem Profitstreben«. Er wollte nicht wie so viele andere »pervertiert« werden, wenn er bliebe. Für ihn ist der kirchliche Einfluß heute fast größer als im Mittelalter, jedoch verborgener. |
Mahnmal für die Opfer der Kirche
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Die »Spitzengeheimorganisation« Roms stellt derzeit das »Opus Dei« dar, das in alle wichtigen Stellen und Ämter »ihre Leute hineinsetzt«, in die Medien, vom »Der Spiegel« bis zum »Focus«, die Banken, das Finanzwesen, die Rundfunkräte, die Fernsehausschüsse oder die Politik. Zahlreiche Priester arbeiten unmittelbar in den staatlichen Behörden, selbst als Ministerpräsidenten. |
Wie im »III. Reich«! »Die Inquisition lebt auch heute«. Mynarek erlebte sie am eigenen Leib. Sein Buch »Herren und Knechte der Kirche« darf er bis heute bei Strafe von 500.000 Mark Strafe oder 6 Monaten Haft, nicht verbreiten. »Kein Politiker wagt es in unserem prostitutiven Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland etwas gegen die Kirche zu tun«. Der glaubenskritische Gerhard zwischen Atheismus und Agnostizismus geortet, wurde »schon zahm« und für Helmut Kohl gibt es, wie er vor einer evangelischen Synode bekannte, ohne »den Glauben an die Kirche keine Moral«. Mit diesem »Zeugnis der Unmenschlichkeit« beleidige er ein Drittel der Deutschen.
Der frühere Münchner Oberhirte, Kardinal Döpfner, warnte den Abtrünnigen durch einen fränkischen Chefredakteur davor, das erwähnte Buch herauszubringen. Dieser sagte ihm tatsächlich: »Scheiterhaufen brennen nicht mehr, das können wir aus von uns unabhängigen Gründen nicht mehr tun, aber wir können Menschen immer noch finanziell vernichten«. Nach 14 Verfahren in 6 Jahren gegen das Buch verlor er sein Haus und mußte 360.000 Mark Schmerzensgeld zahlen. Weil er die »Götter« beleidigte, Bischöfe und Kardinäle[5].
Dieser Haß des Katholiken Hitler stamme aus kirchlichen Quellen, vom Beginn der Kirchengeschichte an bis zum heutigen Tag. »In der Sache der Juden tue ich doch nur das, was ihr Christen immer gemacht habt,« so der »gottgesandte Führer« einmal zu Bischof Berning. »Es gibt in Ton und Handeln und Rede nichts, was nicht seine Vorstufe, seinen Präzedenzfall in den Kirchen gehabt hätte.« Kirchenväter, Päpste, »die Kirche als solche und nicht die dummen, kleinen Christen« und nicht anders Martin Luther beweisen das. Ihre Beschimpfungen und Untaten gegen die »hassenswerten- und fluchwürdigen« Juden (der hl. Leo I. 422-432) sollen hier nicht wiedergegeben werden. Bis in die neueste Zeit haben sie z. B. hundert Antijudendokumente (Bullen, Enzykliken usw.) herausgegeben. Die von Christen erdachten sadistischen Folterwerkzeuge gegen Juden aber auch Frauen könnten nicht mit denen von SS, Gestapo und NKWD mithalten. Mynarek wirft den Juden ber vor, nicht gewagt zu haben, die Quellen aus denen Hitler schöpfte, zu nennen.
Weiter behandelte der Redner die christlichen Pogrome, ihre grauenhaften; an Abertausenden im Namen Gottes verübten Metzeleien, die Hexenverfolgung, die Zwangstaufen jüdischer Kinder oder den jahrhundertelange Streit, ob die Frau eine Seele besitze. Juden und Frauen galten nicht als Menschen: Sie besaßen keine Menschenrechte. Ja, noch heute fehlt der Frau die »ganze menschlich-männliche Seele«, weswegen man sie nicht zum Priesteramt zuläßt.
Auch Luthers Wirken wird von Mynarek zerpflückt: Seine gewalttätige Sprache, seine Lehre von dem gütigen, dem Menschen zugewandte Seite und die von ihm abgewandte des grausamen und furchtbaren Tyrannen.
»Gott ist erschrecklicher und greulicher als der Teufel ... Denn Gott ist ein Feuer das verzehret, frisset und eifert, das ist, er bringet euch um wie das Feuer ein Haus verzehrt, zu Asche und Staub macht ... Er ist untragbar für die menschliche Natur«.
Deswegen gibt es zwei Theologien, eine wunderbare für das Volk, das Wort am Sonntag, mit dem schönen, tröstenden »Jesulein«. »Es gibt eine Theologie für die Theologen, die sie nicht von der Kanzel sagen dürfen und eine Theologie für die Laien.« Und es kommt gar nicht auf die Sünden an, sondern allein auf den Glauben. »Glaubt fest und dann sündige tapfer!« Folgerichtig haben »große, bekannte, prominente Theologen bis zu Dorothea Sölle« erklärt, über den Pfarrer Geier, der jüngst seine Frau umbrachte, »dürfen wir eigentlich nicht den Stab brechen. Er hat doch nur der Rechtfertigungslehre Luthers vertraut.«
Luther verkündete ja auch, »der freie Wille des Menschen ist nur ein leeres Wort. Der Mensch hat überhaupt keinen Willen. Gottes Macht ist derart groß und derart unendlich und derart übermächtig, daß daneben sich der freie Wille des Menschen gar nicht halten kann. Und deswegen bringt er sein berühmtes Reitpferdmodell. Er sagt, der Mensch hat keinen freien Willen, er wird entweder von Gott oder vom Teufel geritten. Ein Drittes gibt es nicht... So mächtig ist Gott.«
»Folglich kann es nur der Glaube sein, der hilft. Denn durch gute Taten
kann man sich nicht retten. Die Souveränität, die Allmacht Gottes,
ist so gewaltig,, daß er sich doch nicht abhängig machen kann von
den kleinen guten oder bösen Taten. Und deswegen bestimmt er, - jetzt kommt
das, was die Kirchen den Leuten vorenthält - auch die katholische:
Gott hat seit Ewigkeit einen Teil der Menschheit ohne Rücksicht auf deren gute
Taten oder Verdienste den Himmel und einen anderen für die
Hölle vorbestimmt.«
So lautet in beiden Kirchen die »inhumane Geheimlehre«. Natürlich erwartet dann den Juden die Hölle. Und läßt er sich nicht taufen, »ist er des Teufels oder ein Teufel und dann soll er entsprechend bestraft werden.«
Luthers Schriften »Von den Juden und ihren Lügen«, »Brief wider die Sabbather an einen guten Freund« und »Vom Schem ha-meforasch« (echter, unverstellter Name JHWHs), »sie atmen einen derart abartigen Ungeist, daß sich alles in einem sträubt, aus diesen Pamphleten zu zitieren«.
Um nicht vor Gott schuldig zu werden, so der Reformator, sollten die Christen alles tun, um von der »teuflischen Last der Juden entladen zu werden«. Dieser Aufruf an die »Fürsten und Herren« schließt mit dem Satz: »Ich will hiermit mein Gewissen gereinigt und entschuldigt haben, als der ich treulich habe angezeigt und gewarnt.
Das ist das Gottes- und Menschenbild des großen Reformators!« (H. M.)
Von dieser »Geheimlehre« der evangelischen Kirche habe nie jemand gehört, doch auch die heute im Staat tätigen Priester seien darin unterwiesen worden.
Mynareks Anklagen gleichen einer geballten Ladung: Vom Machtpomp des Polenpapstes, der ebenfalls nicht die »Auferstehung« möglichst bald erleben will, von der Hitler-Totenmesse des Breslauer Kardinal Bertram 1945, dem »biologischen Wunder der 2000jährigen Kirche«, sich stets rechtzeitig von den Herrschenden abgesetzt zu haben, dem »Haß der Kirche gegen alle Abweichler, Abtrünnige, Agnostiker, Atheisten, Ketzer, Hexen, Frauen und Juden« bis hin zur Feststellung, auch die Kirchen sind Sekten, Großsekten,[6] fehlt kaum eine. Es fehlt nicht das alte zynische Wort: »Das Volk braucht den Glauben, sonst hat es keine Moral. Wir ( die Oberen) haben Moral auch ohne Glauben!« Von Peter Lippert, S. J., (1879-1936), stammt der Satz: »Die Kirche muß immer herrschen, sie kann nicht leben ohne zu herrschen.« Und Karl Jaspers befand:
»Scheiterhaufen brennen nicht mehr, aber in der Natur der christlichen Kirchenreligionen liegt es, daß Scheiterhaufen jederzeit aufflammen können.«
In der Aussprache beantwortete der Redner noch die Frage, was er denn »Positives« zu bieten habe, was er erreichen wolle? Für ihn ist »der Kirchenaustritt ein Zeichen des freien Willens und der Humanität.[7] Denn, würden Menschen nicht aus der katholischen oder evangelischen Kirche austreten, dann müßte man glauben, daß jeder Mensch ein Sklave ist, daß jeder Mensch, in dem Systems, in dem er nun einmal ist, bleibt, daß er nicht raus kommt, daß er nicht die Kraft und die geistige Energie hat, um raus zu kommen, um sich neuen und besseren und edleren und höheren Aufgaben zu widmen.«
In seinem Buch »Ökologische Religion« »...versucht er zu zeigen, daß in jedem Menschen eine natürliche, ganz naturale, innere Religiosität strömt. Frei nach dem Mystiker Angelus Silesius: ‚Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für‘. Und ich sag Ihnen, die Kirche hat grade diese frei strömende, innere, edlere Religiosität getötet, kanalisiert, verkrustet, erstarrt. Es ist so wie auch Schiller sagt: ‚Welche Religion bekennst du, keine. Aus welchem Grund? Aus Religion.‘ Das heißt diese tiefe innere Religion läßt ihn von jeder Institution Abschied nehmen. Karl Jaspers sagt mit Recht, die Kirche ist die Institution des Massenmenschen, die Organisation des Massenmenschen. Wenn du religiös, wahrhaft religiös sein willst, mußt du individuell religiös sein. Das heißt du mußt dir deinen eigenen religiösen Weg (suchen). Erst dann, ich bin nicht gegen Gemeinschaft, das ist nicht religiöser Egoismus und Einzelweg, denn wenn du diesen Weg der ethisch-religiösen Wiedergeburt gegangen bist... dann findet sich auch Gemeinschaft... Dann bildet sich Solidarität zwischen denen, die ihren eigenen Weg der religiösen Reifung gegangen sind. Also, ich bin keineswegs ein Tranzendenzleugner... Ich kann mich wirklich auf Laotses Wort berufen: ‚Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr.‘«
Die mutige Veranstaltung für ein Mahnmal der Opfer des Christentum schloß mit Antwort auf Fragen der Zuhörer. Beispielsweise, daß in ihm »das meiste heidnisch ist und notwendige Anpassung an das einfache Volk war...«
Der als »liberal« geltende Bischof Lehmann erklärte Anfang November 1999 im »Focus«:
»Wenn Religiosität nicht mehr von einer größeren Institution, die auch ein Stück weit von der Öffentlichkeit begleitet wird, direkt oder indirekt sozial kontrolliert wird, - das ist die neue Inquisition - kann auch sie in Dumpfheit absinken, d.h. er verlangt, daß Religiosität sich nicht selber entwickeln darf, sie soll sich von der größeren Institution umklammert fühlen und sie soll sozial kontrolliert werden. Sehen Sie, das ist der Geist, daß wenn Kirche die Macht hätte, wie Jaspers zu Recht sagt, dann würden die Scheiterhaufen wieder brennen.«
Auch der Theologe Drewernann fragte einst in seinem Buch »Der Krieg und das Christentum«: »‚Warum ist denn das Christentum die kriegerischte aller Religionen, warum ist es denn die blutrünstigste von allen Religionen?‘ Drewermann hat in seinem Buch über hundert Stellen herausgesucht im Alten Testament, wo Jahve den Völkermord befiehlt.«
Mit Recht erkannte auch Hubertus Mynarek, daß »Religiosität« allein im Menschen strömt. Oder philosophisch-seelenkundlich gesagt, jeder Mensch kann in seinem Ich - im freien Entscheid - die Transzendenz, das »Jenseits«, das Wesen aller Erscheinung¸ also Gott, einzigartig erleben. Aber offensichtlich ist der Weg zu Angelus Silesius (1624-1677) kürzer als zur Gotterkenntnis Mathilde Ludendorffs im 20. Jahrhundert.