Heimat - ihr Wesen, ihr Wert, ihr Verlust
Von Gunther Duda
| »...grüß’ dich Deutschland aus Herzensgrund!« |
| Joseph von Eichendorff |
»Heimat ist ein Wort, das unser Herz erschaffen hat.« Mit diesen schlichten Worten öffnete Heinz Kunzendorf, der heimatlos gewordene Schlesier, die Herzen seiner Zuhörer und Leser für seinen Vortrag: »Heimat und Vaterland - Romantische Schwärmerei oder Wirklichkeit?«
Hier gab Heinz Kunzendorf schon vor Jahren die Antwort auf eine der entscheidendsten Lebensfragen der Völker von heute. Diese im Sinne des Wortes Überlebensfrage, die immer dringlicher gestellt wird, lautet: können die Völker, ihre Menschen, noch »daheim« bleiben? Wieder Heimat finden und schaffen? Und das im umfassendsten Sinne, in Zeit und Raum, in ihrer Geschichte, in ihrer arteigenen Kultur, in ihrem gotterlebenden Kern der Seele! Oder wird das alte und seelenarme, ja zu oft seelentote Bekenntnis »Ubi bene, ibi patria!« triumphieren?
Die »Entortung«, die Entwurzelung, vor der schon Schiller warnte? Der heimatlose und deshalb nirgends »daheim« seiende und überdies nur dem »größtmöglichen Glück« versklavte Kosmopolit und Weltbürger der sogenannten Spätmoderne? Wo es mir gut geht, dort ist mein »Vaterland«!
Entheimatung, in seelisch- geistiger Hinsicht, verschulden an vorderster Front die zahllosen Heils- und Erlösungslehren. Zum einen ersticken sie, weil den Werten des Gemütes fast immer wesensfremd, die eingeborenen Erlebnisweisen und Lebenskräfte des Unterbewußtseins des hierdurch volkhaft geprägten Menschen. Zum anderen gefährden ihre psychotechnischen Dressuren das den Menschen zum Menschen erhebende Gotterleben mit seinen Bewußtseinskräften des Wahrnehmens, Fühlens, Wollens, ja auch die Seelenwürde und die Gewissenswertungen.
Heimat ist ein Urwort, ist der Name für ein Urerlebnis. In den Schriftzeugnissen reicht es bis ins Gotische zurück. Das Umstandswort »heim« blieb immer lebendig. Es lebt in den Ortsnamenendungen, im »daheim«, also »zu Hause« - sein, im »heimisch«, »im Heim«, Wohnung, Dorf. Heimat hieß Wohnsitz eines Geschlechtes, Wohnplatz, Erbe. Heimat schuf die Heimatkunde, die Heimatvolkskunst, Heimatbünde, Heimatbewegungen, die Heimatstadt, den Heimathafen, auch die Heimatliebe, das Heimweh, das Heimatrecht.
Die Heimatlosigkeit dagegen, heute weltweit die üble Frucht gottferner und gottfeindlicher Heilslehren, sie entseelt, entgöttlicht die Menschen und ihre Völker.
Auf diese Frage antworten die Menschen sehr verschieden. Das ist bei Erlebniswerten nicht ungewöhnlich, weil sie gerade hier mehr als ungleich sind. Meyers Enzyklopädie gab 1974 folgende Erklärung:
Heimat ist die subjektive von einzelnen Menschen oder kollektiven Gruppen, Stämmen, Völkern, Nationen erlebte territoriale Einheit, zu der ein Gefühl besonders enger Verbundenheit besteht. Die Vorstellung von Heimat entwickelt sich als Ergebnis von ersten, persönlichkeitsbildenden Kindheits- und Jugenderfahrungen. Mitunter kommt es bei Erwachsenen jedoch zur späteren »Entdeckung« einer Wahlheimat. Heimat als besondere Struktur von Bewußtseinsinhalten ist ein wirksamer Orientierungs- und Bewertungsmaßstab für spätere soziale Erfahrungsräume und Zugehörigkeit; für Menschen aus einsamen, verkehrsabgeschnittenen Gegenden in der Regel stärker als für Menschen aus städtischer Gesellschaftsstruktur mit hohen Mobilitätsraten. Übersichtlich ländliche, klein- und mittelstädtische, kulturelle Traditionen und Geschichtsbewußtsein pflegende Lebensräume begünstigen die Entwicklung von Heimatverbundenheit. Aber auch Menschen großstädtlicher/industriegesellschaftlicher Herkunft empfinden in der Regel die spezifische Eigenart (Dialekt, kulturelles »Klima«, Wert- und Lebensformen) »ihrer« Stadt als Heimat.
In Zeiten persönlicher Krisen oder sozial verursachter Risiken, vermittelt die Heimat ein Gefühl von (zumeist nur scheinbarer) Sicherheit und Rückzugsmöglichkeiten, wodurch individuelle Stabilisierungs- und Konsolidierungsprozesse angeregt werden können. Andererseits behindert allzu ausgeprägtes Heimatbewußtsein den Blick für globale bzw. gesamtgesellschaftliche Strukturen und Wirkungszusammenhänge, ließ es borniert-lokale Beschränktheit sowie harmonisch-integrative und romantisch-verklärte Gesellschaftsbilder entstehen. Die Folgen sind entweder sozial aggressiv- emotionale Schwarz-Weiß- (Freund-Feind)- Einstellungen oder die Unfähigkeit, vorhandene soziale Widersprüche oder Konflikte überhaupt zu erkennen und aktiv bewältigen zu können.
Diese materialistisch-»linke« Wörterbuchsoziologie enthält natürlich einige wahre Beobachtungen, in ihrer Dürre und zeitangekränkelten Warnung wird sie jedoch dem Grund- und Erlebniswert Heimat wenig gerecht.
Aus jüngerer Zeit stammen Erklärungen, daß Heimat nichts anderes sei als die gebündelte Zusammengehörigkeit des Einzelnen zu seiner ständigen Umwelt. Kindheit und Jugend, die »Primärerfahrungen«, bildeten den sozialen Kern des Heimatphänomens, einen Kompensationsraum, in dem Versagungen und Unsicherheiten ausgeglichen würden.
Kosmopoliten, wie wohl Horkheimer oder Adorno lehren, Heimat sei »Entronnensein«, getragen durch die »befreite Menschheit«. »Es gibt keine Heimat mehr als eine Welt, in der keiner mehr ausgestoßen wäre, die der real befreiten Menschheit.«
Solche »Engstirnigkeit des Denkens«, die nur zur Entseelung führt, stößt selbstverständlich auf Widerspruch, heute mehr denn je. Selbst sogenannte politisch Linke stellen ihr die Heimat als »schönstes und edelstes Gefühl des Menschen« entgegen. Die »Vielfalt nationaler Traditionen als Reichtum des Menschengeschlechtes« müsse gegen den »alles gleichmachenden, alles auf die Verwertungsbedürfnisse des Kapitals gerichteten Kulturimperialismus« geschützt werden.
Das »neue Heimatverständnis« des anhebenden »Aufstandes gegen die Entortung« (Bergfleth) erkennt in der Heimat wieder ein das Innere des Menschen berührendes Erlebnis, das in seiner Gesamtheit allein aus dem persönlichen Erfahrungsbereich heraus verstanden werden kann. Das Heimaterlebnis werde zur Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Umgebung, zur »Gegenbewegung zu industriekulturellen Entfremdungsverfahren.«
»Selbstbewußt« werdende Deutsche schürfen heute fern jedem kalten Intellektualismus tiefer, wenn gelegentlich auch etwas mystisch- schwärmerisch:
Das Kinderland und die Jugendzeit sind es, die durch die Heimat inmitten ihres Entschwundenseins zu einem Licht werden, »das zauberisch in die Nacht des Erwachsenen hinüberleuchtet und ihm die Gewißheit geben, daß er nicht schlechthin heimatlos auf der Erde herumirrt. Die verlorene erste Heimat stiftet eine neue Heimat, die zwar nicht so ursprünglich und lebenskräftig wie die erste ist, aber doch ein Zuhause, das den Menschen erinnerungsmäßig mit seinem Ursprung verknüpft und ihn in den Fährnissen des Lebens verankert. Es ist gerade der Verlust der Heimat, der ihn in der Welt beheimatet«. (s. o.)
Die erste Welt liegt in der Kindheit selber: »Die jugendliche Welt des Kinderlandes, der wir mit allen Sinnen geöffnet sind, eine Welt die noch nicht normiert und gewöhnlich ist, sondern voll staunenerregender Geheimnisse und abenteuerlicher Ereignisse. Die Heimat ist insofern nicht einfach da, sondern sie muß entdeckt werden, und sie wird erfahren als eine Welt, die fortwährend neue Gestalt annimmt. Wer erinnert sich nicht an die jugendlichen Herumtreibereien in denen er seine nähere und fernere Umwelt, ihre Flora und Fauna erforschte! Mit einem Mal ist aber die Welt so groß geworden, daß die Kindheit uns fernrückt, und wir müssen uns gestehen, daß wir uns nicht mehr in der Heimat befinden, sondern in der Fremde. Hier setzt die romantische Erfahrung ein: die Erfahrung eines unstillbaren Heimwehs. Das Heimweh ist eine Verlusterfahrung, daß Heimat etwas ist, was man nicht hat, sondern was man gehabt hat. Heimat ist etwas wesentlich Verlorenes, denn sie bezieht nicht Zuhausesein... sondern Zuhausegewesensein ein. Das Heimweh ist jedoch eine Verlusterfahrung, die auf einen Wiedergewinn... ausgerichtet ist, und das scheidet sie zugleich von allen zeitgenössischen Entortungstheoremen « (=Lehrsätzen).
»Das Heimweh kommt aus der Heimatlosigkeit, aber es verharrt nicht in ihr, sondern empfindet es als schmerzliche Fremde, die auf ein Wiederfinden der Heimat drängt, eine Wiederkehr, die zugleich Erneuerung bedeutet.« (Bergfleth)
»Durch nichts anderes aber wird das Band zur Heimat und ihre Unentbehrlichkeit so beleuchtet und ans Licht gezogen, wie durch die Gemeinschaftlichkeit der Sprache.« So lehrte Jacob Grimm 1830.
Heimat umschließt die Muttersprache, die Mundart. Die Liebe zu ihr ist herzensinnig. Sie gebiert Selbstachtung und Wissen um Eigenwert. Heimatliebe fördert die Sinnerfüllung, die aus der Selbstfindung, dem götttlichen Erleben des Ichs erwächst.
Wenn die Muttersprache Heimat bedeutet, dann werden auch Volk und Volksstamm zum Zuhausesein, zum »Heimatland«. Niemals kann das die ganze Welt, die »Menschheit« sein, trotz aller großartigen Vielfalt. Und das deshalb, weil das Gemüt in der Fremde nur zu rasch verstummt. Nicht minder sind die Landschaft, die Natur, die »Mutter Erde«, Teil der Heimat und das besonderes für uns Deutsche. Heimatliebe, Naturliebe, hat zu allen Zeiten und selbst noch in der volkhaften Entwurzelung der »Grünen« zu den Eigenzügen unseres Volkscharakters gehört. Bloße Ortsansässigkeit heißt noch lange nicht, »ins Eigene der Heimat Heimgekommensein« (Heidegger).
»Nur in Deutschland konnte der Gedanke gefaßt werden, den Hölderlin im ,Hyperion‛ ausspricht, daß es eine Heimat der Natur gibt: ,Sonn und Erd und Äther mit allen lebenden Seelen, die euch umspielen, die ihr umspielt, in ewiger Liebe, nimmt die alles versuchenden Menschen, nimmt die Flüchtlinge wieder in die Götterfamilie, nimmt in die Heimat der Natur sie auf, aus der sie entwichen!’« (Bergfleth)
Wenn Liebe und Sehnsucht nach Heimat erwachen, dann nehmen sie auch die Vergangenheit auf: das Leben und Sterben der Ahnen, ihre Gräber, die Gedenktage, die Feste und ihre Kultur. Wer für die Heimat in den Kriegen lebte, kämpfte und fiel, fehlt hier nicht. In den Nachfahren lebt das Wissen der »Toten Tatenruhm« (Edda).
Ein Wort des römischen Dichters Egesippus, das ein Sänger der Heimat wie Adalbert Stifter vor seine Erzählung »Aus der Mappe meines Urgroßvaters« setzte, sagt uns, was Ahnenehrung einst war.
»Süß ist es, dort bleiben zu können, wo die Vorfahren gewohnt haben, und im Gedächnis zu bewahren, was unsere Alten uns zu sagen hatten, was sie in ernster Sitte geleistet haben.«
So stark Heimatliebe, Heimaterleben und Heimweh mit Zeit und Raum, mit Elternhaus, dem Garten, dem kleinen Dorf verwoben sind, mit den Menschen, den Sitten und Gebräuchen, zu Enge und Verblendung führen sie keineswegs. Das in der Kindheit erwachende Gemütserleben erweitert sich in der Reife und schafft durch das Heimweh nach dem einst erlebten und dann verstummten Göttlichen die seelische Heimat. Nicht selten wird deshalb von »metaphysischer Heimat« gesprochen:
»Die Deutschen suchen die Heimat, weil sie als metaphysisch Heimatlose die Heimat nötig haben. Die Sehnsucht nach Heimat besteht nicht nur mitten in der Heimatlosigkeit fort, sondern sie entspringt aus ihr. Auf dieser Ebene sind die Deutschen befugt, ein Recht auf Heimat einzufordern, das ihnen von denen bestritten wird, die metaphysisch so ortlos sind, daß sie die Unbehaustheit nicht mehr spüren. Sie sind befugt, das unverantwortliche Gerede vom Einwanderungsland und von der multikulturellen Gesellschaft zurückzuweisen. Denn sie haben ein Sensorium dafür, daß die multikulturelle Gesellschaft, die viele Quasi-Heimaten nebeneinander sehen will, alle heimatlos macht.
Was die Deutschen aus ihrer Unbehaustheit heraus eigentlich suchen, ist aber nicht das ungestörte Glück im Winkel, sondern die metaphysische Heimat, und das führt sie dazu, die Heimat in der Erdverbundenheit des Menschen zu erblicken, in der Allverlobung der Allebendigkeit, ja in der Verbrüderung mit den großen Naturgewalten.« (Bergfleth)
Heimat ist Innigkeit und Gottesnähe, ist daher Individualität und Persönlichkeit. Wer die Heimat vergißt, vergißt sich selbst und gibt sich auf. Das schreibt Gerhard Pfohl im Gedenken an H. Diwald. Eichendorffs »Heimat-Utopie« gilt hier als religiös geprägt, so daß man von seiner »Religion der Erde« spricht. Nicht umsonst bildeten sich Worte wie »Gotteserde« oder »Gottesnatur«.
Heimat der Seele in ihrem Ursprung, im Wesen der Dinge, hier ahnt man sie. Ist doch die Natur tatsächlich die Erscheinung Gottes.
»Ich liebe mein Vaterland, mein Vaterland ist mir immer über alles gegangen. Über alles, sagt Jacob Grimm. Und mir «(Gerhard Pfohl) »ergeht es wie manchem, dessen ganzes Wesen ergriffen ist, wenn das Deutschlandlied erklingt. Und wir fragen durchaus, welcher der Name des Vaterlandes ist, für das so viele unserer Kameraden kämpfend sterben mußten: sein Name ist ein Hauptwort: Deutschland, nicht dessen Schwundstufe im politisch links wie rechts leider so gewollten Präpositionalausdruck ,in diesem Lande’.«
Bald zweieinhalbtausend Jahre alt ist das Wort des Euripides aus seiner Medea:
»Es gibt kein höheres Übel, als des Vaterlands beraubt zu werden.«
Und noch früher war es als Atlas Tochter dem Odysseus mit sanft liebkosenden Worten schmeichelte, »daß er des Vaterlandes vergessen möge.« Er aber sehnte sich, »auch nur den Rauch von Ithaka zu sehn und dann zu sterben!«
Die Antike wußte um die Heimat aber auch schon von der Nichtigkeit alles Seienden. Die Bibel1) legte manchen der Grund zur modernen Heimatlosigkeit, zur Entwertung des Menschen. Nietzsche nannte den Nihilismus den »unheimlichsten aller Gäste« und Heidegger erweiterte: »Er heißt der ,unheimlichste’, weil er als der unbedingte Wille zum Willen die Heimatlosigkeit als solche will.«
»Geistige Heimat des Menschen entwickelt sich im kleinen Winkel, nicht im Großraumbüro der Internationale, wo man sich nicht im lokalen Dialekt, sondern nur mit dem Flaggenalphabet verständigen kann. Wir erkennen Vaterlandslosigkeit als Betrüblichkeit, wollen nicht die propagierte Vaterlandslosigkeit, die krank macht, weil gewisse Gesellen Heimat rauben.
,Die Liebe zur ganzen Menschheit kostet gewöhnlich nichts als eine Phrase, die Liebe zum Nächsten erfordert Opfer’ so viel lernen wir von Peter Rosegger.
Nichts anderes als Entfremdung des Menschen von sich selber ist die One-World-Bewegung von Hochgradfreimaurern und Kommunisten, von diesen hinterherhinkenden Sozialisten, Konservativen; Kirchenmännern...
Deswegen lassen sie den Menschen von ,Heimat’ zur ,Gesellschaft’ abstürzen und verwelken. Gesellschaft ist Denken in Rudeln, Handeln in Rudeln, ist Unwahrheit auch der Städte.« (Pfohl)
Die zwölf Millionen deutschen Heimatvertriebenen waren nur der erste Höhepunkt angewandten Menschen- und Völkerhasses. Sie hatten sich aber noch eine neue Heimat aufbauen können, »an der die verlorene alte in verschwiegener Weise mitgebaut hat«. Auch dieses denkwürdige Ereignis widerlegt alle Heimatverächter und Heimatzerstörer.
Gerd Pfohl nimmt in dem Werk »Die selbstbewußte Nation« kein Blatt vor den Mund:
»Die Heimatidee liegt heute im Sterben, denn sie ist in eine Vergessenheit gefallen, die ohne Beispiel in der Geschichte sein dürfte. Was infolgedessen ungeheuerliche Dimensionen annimmt, ist eine Heimatlosigkeit, die durch nichts mehr aufgefangen werden kann; denn Menschheitsschwärmerei und multikulturell- kriminelle Gesellschaft sind keine haltgebenden Ideale, sondern Indizien einer fortschreitenden Entwurzelung.
Was Heidegger bereits 1946 feststellte: ,Die Heimatlosigkeit wird ein Weltschicksal’, das tritt erst mit der gegenwärtigen Völkerwanderung voll in die Wirklichkeit, denn 1946 gab es noch Gegenkräfte, die inzwischen unter dem Gewicht des auftrumpfenden Liberalismus vollständig dahingeschwunden sind. Und diese Heimatlosigkeit erfaßt nicht nur die Asylsuchenden, sondern mehr und mehr auch die Einheimischen, die es gleichfalls nicht bei sich aushalten und Jahr für Jahr zu Millionen in die Welt ausschwärmen, unter dem übermächtigen Zwang, sich ihre Ortlosigkeit beweisen zu müssen. Wer in der Epoche universeller Mobilität irgendwo einen festen Standort hat, wird dieses Zuhause jedenfalls nicht ohne weiteres als seine Heimat betrachten, sondern eher als zeitweiligen Zufluchtsort, d. h. als vorübergehendes Asyl.
Die umtriebige Mobilisierung weist darauf hin, daß es eine Heimatlosigkeit gibt, die gar nicht an die Vertreibung gebunden ist, die viel mehr mitten in der entwerteten Heimat um sich greift... Die Asylanten erinnern die Deutschen daran, daß auch sie Heimatlose sind, die gar nicht fest auf einer Erde stehen, die zum Wirtschaftsstandort erniedrigt worden ist.«
Dieses schöne Wort stammt von dem steirischen Volkskundler Hanns Kron (1906-1985). Was aber heißt »Tiefe«? - Etwa Mystik? Schwärmerei?
Nein, das alles nicht. »Tiefe« meint hier eine menschliche Erlebnisfähigkeit, die mit dem Wort, einem Urwort Heimatliebe umschrieben wird. Es sind tiefe Quellen, die hier die Seele erfüllen und weit, weit zurückreichen. Nicht nur in die eigene Kindheit, sondern weit zurück ins Ahnenerbe des einst die Rassen prägenden Gotterlebens. Geahnt wurden diese Quellen schon immer. Davon zeugt die Sprache, die solcher Liebe, solcher Sehnsucht, solchem Heimweh Ausdruck gab und im Gemüt, im Mütterlichen ortete. Über das Heimweh nach der verklärten Kindheit in all seinen Erlebnissen und Erfahrungen, der Eltern, des Heimes, der Natur und auch schon Kultur, öffnet sich den zutiefst Erlebenden die Erfüllung des Lebenssinnes, die »Selbstfindung« in den angeborenen Gemütswerten. Das reife Icherleben weiß dann, Teil seines Volkes mit seinen seelenweckenden Kräften zu sein. Daraus erwächst die Verantwortung, für die Heimat, für das Volk, für die Muttersprache, für die Sitten, für die Natur. Geahnt, erlebt wird das Verlorene der Kindheit. Solches Heimweh führt zu »sich selbst« und - zu den »letzten Fragen« des Lebens. Deshalb nennt man es öfters auch »religiös«, obwohl keine Weltreligion Seelenheimat und »Mutter Erde« kennt, im Gegenteil. Doch man weiß kein anderes Wort dafür.
Es liegt an der Einzigart der Kinderseele, »daß gar viele Erwachsene sich bis zum Tode nach den Kinderjahren als nach dem Höhepunkt ihres Lebens zurücksehnen«. Da darum, weil dieser »Vorfeiertag des Lebens« wenn auch unterbewußt, gottnah war. Dieses Heimweh nach der »heiligen Kindheit« (M. Ludendorff) ist die Erinnerung an jene Jahre, als das Kind noch von der Seele des Volkes umtreut wurde, von ihrer Kraft das Gute, Schöne, Wahre und edle Fühlen zu wecken und zu stärken, Eigenart zu bewahren.
»Von dem Göttlichen, dem Wunsche zum Guten, zum Schönen, zum Wahren und zum gottgelenkten Fühlen ist dies erwachende Ich des Kindes noch voll umflutet.«
Es ist die Obhut dieser Seele des Volkes, die das Kind an innigem Erleben erfüllt und sie in Heimat und Sippe verwurzelt. So stark, daß diese Verwebung ein ganzes Leben gewahrt werden kann.
»Alles göttliche Leben, das wir im Kinde begrüßen, ist ein Zeugnis von dieser tiefen Verwebung mit seinem Unterbewußtsein; es ist nicht ‘überdacht’, ist nicht bewußt, wird wie selbstverständlich gelebt, doch es wird halb bewußt erlebt.« (M. Ludendorff: Des Kinder Seele und der Eltern Amt).
Die Kinderseele lebt noch nahe dem Wesen der Schöpfung, jenseits von Zeit, Raum und Ursächlichkeit. Weit geöffnet ist ihr Auge für die Wunder der Schöpfung. So lebt sie lange Zeiten in einer Märchenwelt der Träume und Einbildungskraft, aber auch in der Natur, der »Bildschrift Gottes«.
In der Kindheit wird die Heimatliebe wurzelfest. Kaum gibt es so viele gemütsweckende Kräfte als diejenigen, die von der seelischen Verwurzelung in der Heimat ausgehen.
»Ja, noch mehr, der innige seelische Zusammenhang vieler Kunstwerke mit der Heimat, wie der Künstler sie schuf, schafft auch innige Verwebung eines Volkes mit dem Lande, in dem es lebt. Es sieht die Heimat nun auch mit dem gottwachen Auge des Künstlers und sie wird ihm traute Bildschrift Gottes. Noch mehr, die Seele des einzelnen holt aus der Natur, die ja Erscheinung Gottes ist, immer wieder neues Gotterleben und verwächst, je gottwacher sie im Laufe des Lebens mit dem Heimatland. Diese innige Verwebung des Gotterlebens mit der Heimat läßt uns die Natur in der der Mensch groß geworden ist und seine Vorfahren lebten und Kulturwerke schufen, für die Volkserhaltung« (und das heißt auch Gotterhaltung) »unendlich hoch bewerten.«
Es leuchtet ein, daß die Heimatverbundenheit und Naturnähe auf dem Lande weniger gefährdet wird, als in der Großstadt. Hier wuchert die Heimatlosigkeit, selbst dann, wenn Heimatliebe auch hier gedeihen kann. Die entwicklungsbedingte Lösung aus dem Gemütserleben des Kindes wird hier künstlich gefördert. Leicht verarmt die Seele.
An vorderster Stelle der Verwurzelung in Kindheit, Sippe, Landschaft und Volk steht die Muttersprache. Sie ist wohl die stärkste Klammer zwischen dem Bewußtsein mit seinem unvollkommenen Lebenswillen und dem ererbten arteigenen Werterlebnissen und Lebenskräften der unterbewußten Seele des Volkes. Fremdsprachen zerschneiden dieses Band, weil sie Gemütserleben nicht wecken können. Die heutige fast ungehemmte Zerstörung unseres wichtigsten Kulturgutes Muttersprache führt also ebenfalls zum Seelentod, zum »Gottesmord.« Dasselbe gilt für jede Fremdreligion. Sie erstickt das »religiöse Gemütserleben«.
Die alle Gebiete des Völkerlebens befruchtende philosophische Entdeckung des eingeborenen unterbewußten Gotterlebens erklärt auch warum uns eine fremde Landschaft, eine Fremdsprache, eine Fremdkultur nur als »reizvoll« erscheint oder gar nicht anspricht, das heißt kein Miterleben des Gemütes weckt. Im Gegensatz dazu aber Anderes, auch wenn wir es nie vorher gesehen haben, uns vom ersten Augenblick zutiefst berührt.
Enge, Borniertheit, Beschränktheit oder gar Chauvinismus wurzeln keineswegs in den Tugenden des Gemütes, d. h. in den transzendenten Werten der Volksseele. Meist sind jene die Früchte der Indoktrination allein der Bewußtseinsfähigkeiten. Auch dann, wenn volkhafte angeborene Charakterschwächen in die Wachheit einfließen. Die seelische Wirklichkeit heimat- und naturverbundener Menschen ist eine andere: Dazu die Erkenntnisphilosophie:
»Nun erst wird es... erkennbar, daß das unterbewußte Miterleben eine lebendige Kraftquelle ist, die ihren Reichtum stets erneut dem Bewußtsein spendet. Wie manches Dichterwort wird es in seiner tiefen Weisheit erfassen! Da die schaffenden Künstler den seelischen Reichtum dieses Gemütserlebens ganz besonders genießen, haben sie zu allen Zeiten dem Menschen die treue Fühlung mit den Heimatsitten als lebensspendende Kraftquelle gepriesen.
Der Kenner der Gesetze (der Menschenseele) weiß aber auch, woraus die entsetzliche seelische Armut aller jener heimatlosen, wurzellosen Menschen beruht, die so merkwürdig seelentot bei allem Erleben bleiben. Sie werden entweder zu Allesbezweiflern, halten alle seelische Erschütterung und Begeisterung für ,Phrase’ und ,Verstellung’, oder aber sie bringen es zu einer Art von Kunst im Anempfinden. Sie ,leben sich in alle Kulturen ein’ ohne eine einzige wirklich zu erleben, Sie werden zu Nachahmern auf allen Gebieten, verfallen leicht dem Seelentod und morden Seelen durch ihr Wirken.« (Des Menschen Seele)
Der »Aufstand gegen die Entortung« von heute ist der »Widerstand« der Volksseele wie des Sehnens des gottahnenden Ichs. Und das gegen die Gewalt, den Terror und die Heimtücke der Seelenverkümmerung und des Seelentodes.
Das tiefste Geheimnis des Heimaterlebens in seiner Natur-, Ahnen-, Geschichts- und Kulturverbundenheit ruht im unterbewußten Erberleben des Menschen, in dessen Gottwerten und Gottkräften. Das gotterfüllte Ich ist es, das diesen Seelengehalt wach werden läßt, zu einem einzigartigen Zeugnis des Göttlichen in seiner volkhaften Mannigfaltigkeit. In Vollendung verwirklicht sich hier das, was die Philosophie als »Heimkehr der Menschenseele zu Gott« erschaute, den Gotteinklang. »Dem Ich der Menschenseele wird die Schöpfung eine dem Jenseits nahe Heimat«. (M. Ludendorff: Der Mensch das große Wagnis der Schöpfung)
Das Jenseitserleben, auch die Heimatliebe, machen somit den Menschen erst zum seelischen Menschen, weil es sein Sondergut, sein wesentliches Kennzeichen ist.
Heimatlosigkeit, wie sie Gerd Pfohl beschrieb und der »Weltbürger« sie meist verkörpert, bedeutet also Gottverlust. Und wer Heimat raubt, nimmt dem Menschen einen Teil seiner Seele, frevelt am göttlichen Lebenssinn, auch dann, wenn »neue Heimat« im eigenen Volk wieder gewonnen werden kann. In dem Spätwerk »Der Mensch das große Wagnis der Schöpfung« heißt es über die tiefe Verwobenheit der Menschenseele mit dem Raum:
»In unterschiedlichen Völkern ist in unterschiedlichem Grad den Menschen eine innige verklärte Liebe zu der Heimat, in der sie geboren sind und ihre Kindheit verbrachten, für das ganze Leben eigen. Und seltsam, diese innige Liebe sehen wir mit Gemütsbewegung verbunden. Sie erfährt also ein Mitschwingen des Erbgutes im Unterbewußtsein. Solches aber erweist uns, daß die Menschenseele seit je den Gottgleichnissen der Natur, unter denen sie geboren sind und aufwuchsen, nicht nur erschlossen sind, weil sie den Willen zum Schönen erfüllen, sondern daß überdies noch das Gefühl der Liebe sich in dem Raum tief verankert, in dem die Kindheit verbracht wird, so daß nun Gemüt und Heimatgefühl innig verwoben sind. Es wird also hier der Seele ein sinnvolles Gegengewicht ihrer Sehnsucht nach fernen Räumen geschenkt, auf daß diese nicht zu einer Gefahr der Entwurzelung aus der Heimat werden kann. Und dennoch hilft der so reich in der Natur offenbarte göttliche Wille zum Schönen, daß sie auch, wenn das Leben sie fern der Heimat entführte, den ungewohnten neuen Stätten, an denen sie lebt, das Gefühl der Liebe zuwendet.«
Hans Kopp hat in »Mensch und Maß« 1966 ebenfalls über das gemütstote Ubi bene, ibi patria philosophiert:
»So ist die Vaterlandsliebe, ist das Erleben der Volksseele im Ich ein Höhengebiet, in dem anzusiedeln jedem Kraft gibt, deren bewußte Verneinung aber ein Sperriegel legt für weitere Entfaltung.«
Am unmittelbarsten und schönsten läßt uns der Dichter miterleben, was Heimat und Heimatliebe, ja auch das Heimweh sind. Und noch mehr das Lied, wie das der Ostpreußen, der Schlesier...
| Daheim |
|---|
| Ein Weg durch Korn und roten Klee, |
| darüber der Lerche Singen, |
| das stille Dorf, der helle See, |
| süßes Wehen, frohes Klingen. |
| Es wogt das Korn im Sonnenbrand, |
| darüber die Glocken schallen. |
| Sei mir gegrüßt, mein deutsches Land, |
| du schönstes Land von allen. |
| Emil Schönaich-Carolath, 1852-1908 |
| In der Fremde |
|---|
| Oft hab’ ich dich rauh gescholten, |
| Muttersprache, so vertraut! |
| Höher hätte mir gegolten |
| südlicher Sirenenlaut. |
| Und nun irr’ ich in der Ferne |
| freudenlos von Ort zu Ort |
| und vernähm’ ach, wie so gerne |
| nur ein einzig deutsches Wort. |
| Einsam schweif’ ich in die Felder, |
| such’ ein Echo der Natur; |
| aber Bäche, Winde, Wälder |
| rauschen fremd auf dieser Flur. |
| Unverstanden, unbeachtet, |
| wie mein deutsches Lied verhallt, |
| bleibt es, wann mein Busen schmachtet |
| und in bangem Sehnen wallt. |
| August Wilhelm v. Schlegel, 1767-1845 |
| Heimweh |
|---|
| Wer in die Fremde will wandern, |
| der muß mit der Liebsten gehn, |
| es jubeln und lassen die andern |
| den Fremden alleine stehn. |
| Was wisset ihr, dunkle Wipfel, |
| von der alten - schönen Zeit? |
| Ach, die Heimat hinter den Gipfeln, |
| wie liegt sie von hier so weit. |
| Am liebsten betracht’ ich die Sterne, |
| die schienen, wie ich ging zu ihr, |
| die Nachtigall hör’ ich so gerne, |
| sie sang vor der Liebsten Tür. |
| Der Morgen, das ist meine Freude! |
| Da steig’ ich in stiller Stund |
| auf den höchsten Berg in die Weite, |
| grüß’ dich, Deutschland, aus Herzensgrund! |
| Joseph v. Eichendorff, 1788-1857 |
| Heimat |
|---|
| Ich hab’ es lange nicht gewußt, |
| was Heimat sei und Vaterland. |
| Sprachs einer mit durchglühter Brust, |
| winkt ich nur spöttisch mit der Hand. |
| Von meiner Tage Not gewürgt, |
| sprach ich mit haßverzerrtem Mund: |
| Nicht einmal hat für mich gebürgt |
| der Heimat hochgepriesner Grund. |
| Hab’ keinen Acker, und mein Feld |
| ist einer Kammer Dielenholz, |
| mir wuchs aus keiner eignen Welt |
| der Scholle harter Bauernstolz. |
| Wenn ich im Sonntagsfrieden ging |
| ins wälderfrohe Land hinein, |
| mein Herz ein böses Weh empfing |
| durch das Gefühl: es ist nicht dein. |
| Da kam des Krieges rote Flut - |
| ich hörte wie die Erde schrie: |
| »Du bist mein Fleisch, du bist mein Blut! |
| Steh auf, steh auf und banne sie!« |
| Ein Rauschen sprang in meiner Brust |
| empor und wurde wilder Brand.- |
| Auf einmal ward es mir bewußt, |
| was Heimat heißt und Vaterland. |
| Alfons Petzold, Arbeiterdichter, 1882-1923 |
Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhundert schuf Andreas Harthauser »aus der Tiefe seines Gemütes« das »Böhmerwaldlied«. Nach 1918 erhielt es in der Not der Zeit einen weiteren Vers:
| Wir wollen die Hütten grau und alt |
| an Deutsche nur vererben, |
| wir wollen im deutschen Böhmerwald |
| deutsch leben und deutsch sterben. |
| Abschied |
|---|
| Da steht im Wald geschrieben |
| ein stilles, ernstes Wort |
| vom rechten Tun und Lieben, |
| und was des Menschen Hort. |
| Ich habe treu gelesen |
| die Worte schlicht und wahr, |
| und durch mein ganzes Wesen |
| wards unaussprechlich klar. |
| Bald werd ich Dich verlassen, |
| fremd in die Fremde gehn, |
| auf buntbewegten Gassen |
| des Lebens Schauspiel sehn; |
| und mitten in dem Leben |
| wird deines Ernst Gewalt |
| mich Einsamen erheben, |
| so wird mein Herz nicht alt. |
Erlebte hier der Dichter die seelenweckende Kraft der Natur, so ein anderer den göttlichen Wesenszug der Schönheit. Felix Dahn, 1834-1912, kündete in des »Sängers-Beruf« die Heimat der Seele.
| Die lieben alten Lieder erwachen wunderbar - |
| ein Sänger bin ich wieder, der lang ein Fröhner war. |
| Mancherorts mag sich gewöhnen mein Herz als Wandergast, |
| doch nur im Reich des Schönen genießt es Heimatrast. |
| Will ich dem Winde lauschen, er ruft mir: »Sing mein Lied«! |
| Im Strome hör ichs rauschen. »Sing, was mir Gott beschied.« |
| Des Freundes goldne Güte, mir wird sie zum Gesang, |
| der Frauen stumme Blüte, mir wird sie Wort und Klang. |
| Entfaltung. |
Millionen Deutsche wie auch andere Völker haben im blutrünstigen Jahrhundert aller Zeiten für ihre Heimat gekämpft und gelitten. Sie haben den Verlust ihrer Heimat und die Niederlage und Zerstörung ihres Volkes und Landes schmerzlichst erfahren. Aber auch zuvor, in allen Zeiten, erklang stets das mütterliche Lied des Daheimseins, des Geborgenseins im eigenen Volk und der Schmerz des Heimwehs. Es erklang nicht minder in der Antwort, in der Verantwortung auf dieses Erleben, nämlich im Kampf gegen die hier bedrohten Werte. Hoffmann von Fallersleben, der Dichter des Liedes der Deutschen, wußte was das Leben erst lebenswert macht, was ihm Tiefgang schenkt, selbst dann, wenn es klarer ist, Volk statt Vaterland zu sagen:
| Treue Liebe bis zum Grab |
| schwor ich dir mit Herz und Hand: |
| Was ich bin und was ich habe, |
| dank ich dir, mein Vaterland. |
| Nicht in Worten nur und Liedern |
| ist mein Herz zum Dank bereit; |
| mit der Tat will ichs erwidern |
| dir in Not und Kampf und Streit |
| In der Fremde wie im Leide |
| rufs ich Freund und Feinden zu: |
| »Ewig sind vereint wir beide,« |
| »und mein Trost, mein Glück bist Du.« |
| Treue Liebe bis zum Grabe |
| schwör ich dir mit Herz und Hand: |
| Was ich bin und was ich habe, |
| dank ich dir, mein Vaterland. |