Von Dieter Volmer-Neudorf
In seinem umfangreichen Buch: »Die geheime Geschichte der amerikanischen Kriege«, 1998, kam Mansur Khan zu dem Ergebnis: In den USA herrscht eine »Machtelite«, welche die jeweiligen Präsidenten als Ausführungsgehilfen benutzt. Die Geschichte der Vereinigten Staaten zeigt, von der Ausrottung der Indianer, der Versklavung der Schwarzen, dem 3ojährigen Europakrieg bis zum Korea- und Vietnam-, dem Golf- und Balkankrieg und nun der Einkreisung Rußlands, daß das »Big Business« fast stets hinter »Verschwörung und Krieg in der US-Außenpolitik« zu finden sind, unter unüberbietbaren Täuschungsversuchen. Diese Feststellung ist kein »Antiamerikanismus«, sondern das ganze Gegenteil.
Der jüngste Versuch des Präsidenten Bill Clinton vom Council on Foreign Relations & Trilateral Commissions (C, T) und den Bilderbergern, durch ein neues Raketenabwehrsystem bis 2005 gegen den Rest der Welt für einen »neuen Krieg der Sterne« zu rüsten, steht in einer Linie mit der Vergangenheit der USA. Der Präsident will das noch in seiner Amtszeit auf Biegen und Brechen durchsetzen. Er hat es der Rüstungslobby versprochen. Die Gefahr eines neuen weltweiten Rüstungswettlaufs kümmert ihn dabei keineswegs.
Der Vorwand ist die angebliche Bedrohung durch die »Schurkenstaaten« Nordkorea, Iran und Irak, die jedoch, selbst nach CIA-Einschätzungen, derzeit dazu nicht in der Lage sind. Nur Rußland und China könnten heute schon die USA mit ihren Raketen erreichen.
Doch selbst in den USA erwächst gegen die schon unter Reagan 1983 geplante aber gescheiterte interkontinentale SDI Raketenabwehr Widerstand. Kein Geringerer als der Waffentechniker und Mitentwickler der Trident-2-Rakete der 8o0er Jahre, Professor Theodore Postrol vom Massachsuchetts Institute of Technology bescheinigt in einem Schreibe den Versuchsergebnissen des Verteidigungsministeriums, auf denen »Star Wars II« beruht »ausgemachten Schwindel«, »gefälscht«, »Betrug«, »das System hat keine Erfolgsabsichten«. In Wahrheit besitze der »Schutzschild«, eine »Maginotlinie im Weltraum«, gegen Nuklearangriffe, mindestens einen folgenschweren Fehler. Und der wird, um das Vorhaben nicht zu gefährden, im Pentagon (magischer Fünfeckbau des Verteidigungsamtes) vertuscht. Die Chefingenieurin des beteiligten Rüstungskonzerns TRW bestätigt ebenfalls Postrol. Sein Schreiben verschwand als »top secret« in einem Panzerschrank und ihn beschimpfte man, er drohe »nationale Geheimnisse« auszuplaudern.
Der 60-Milliarden-Plan gelangte trotzdem zur »New York Times«, nicht zur Freude Clintons, der in Erklärungsnot gegen Rußland, den europäischen »Freunden« und innenpolitischen Gegner geriet. Hinzu kam, daß angeblich erfolgreiche Versuch im Oktober 1999 sich als vom »Pentagramm« nachträglich geschönt erwies. Der Probelauf im Januar 2000 schlug ebenfalls völlig fehl und den dritten muß man seit Wochen verschieben. Vermutlich wird Verteidigungsminister William (Sebastian?) Cohen vom CFR und den Trilateralen, bis zur Präsidentschaftswahl keine Zeit mehr haben, seinem Plan grünes Licht zu geben.
Amerikanische und russische Fachleute bezweifeln überdies, daß »Star Wars II« technisch überhaupt zu verwirklichen ist. Gleiche es doch dem Versuch, mit einem Gewehr anfliegende Gewehrkugeln in der Luft abzuschießen.
Bill Clinton hält jedoch weiter stur an seinem Schwur fest.
»Hinter dieser krassen ideologischen Kehrtwende des einstigen Vietnamkrieg-Gegners steckt, so ein Washingtoner Ex-Diplomat zur Woche, ein doppelter Kniefall: Vor den Militärs im Pentagon, insbesondere den mächtigen Generalstabschefs, ohne deren bedingungslose Rückendeckung Clinton den Impeachment-Skandal nicht überstanden hätte und die ihm im Herbst 1998 hinter verschlossenen Türen eine Art militärpolitischen Forderungskatalog vorgelegt hatten. Und zum anderen vor der US-Rüstungsindustrie, die auf Milliardengeschäfte spekuliert.«
Das große, für sie geradezu überlebenswichtige Geschäft wollen vor allem die vier Hauptvertreter der National Missile Defense (NMD) machen, die Waffenunternehmen, Lockheed Martin, Raytheon, Boeing und TRW. Nicht umsonst zählen die Waffenschmieden schon längst zu den eifrigsten Geldgebern der Politik. Seit 1984 steckte Washington rund 5o Milliarden Dollar in das »Star Wars I«-Vorhaben, das anfliegende feindliche Atomraketen schon in der Stratosphäre abfangen und vernichten sollte. Und mehr als 6,3 Millionen Dollar flossen seit 1996 in die Parteikassen der Demokraten, Republikaner und Wahlkampfkassen. Allein 1998 erhielten Lobbyisten 18 Millionen Dollar und die erzkonservative »Forschungseinrichtung« Center for Security, verantwortlich für die NMD-Anpreisung, also für Berichte über die Raketenbedrohung durch »Terrorstaaten« und Gefahren der »nationalen Sicherheit«. Hier sind sich auch Al Gore und George Bush auffallend, aber nicht verwunderlich einig: »Ich würde niemals etwas tun, was unsere Nation in Gefahr brächte«, heißt es in der NMD-Vorlage von Bush, eine militärisch erweiterter Abart des Clinton-Planes. Lockheed-Vize Bruce Jackson (Council on Foreign Relations?)brüstete sich sogar, er werde das militärstrategische Kapitel der republikanischen Wahlversprechungen »höchstpersönlich verfassen«. Und damit seien »alle Sorgen der Industrie vorbei«.
Clintons hastig vorangetriebenes NMD-Vorhaben beunruhigt zu Recht die ganze Welt. Europäer, Russen und Chinesen lehnen es ab. Das Geflecht internationaler Abrüstungsverträge würde geschädigt und der atomar Unverwundbare könnte schneller als bisher zur Rakete greifen, besäße er vermeintlich unangreifbare Macht. Er könnte dann machen, was er will. Die Nato-Verbündeten schwiegen bisher, nur Frankreich klagt über »furchtbare Konsequenzen« und Berlin stellte sich lange tot: Die Amis machen ja doch was sie wollen. Sollten die USA tatsächlich »Star Wars II« verwirklichen, wären sie selbst zwar vor »Schurken-Raketen« geschützt, keineswegs aber die europäischen Nato-Länder. Für sie bleibt einzig die Hoffnung, NMD ist nicht machbar.
Nur der Russe Putin fing den Irrsinn etwas ab: Laßt uns doch eine gemeinsame Raketenabwehr machen! Damit müßte er eigentlich Freunde finden. Deutschland fürchtet deshalb von Moskau gegen Washington ausgespielt zu werden. Militärisch liegen die Russen jedoch ziemlich am Boden, ihr Verteidigungshaushalt beträgt mit 10,4 Milliarden Mark gerade 2 Prozent des amerikanischen. Trotzdem bleiben sie gelassen. Sie halten das USA-Unternehmen schlicht für technisch stümperhaft, politisch aber gefährlich, wie »Die Woche« berichtet.
»Für eine erfolgreiche Abschreckung sind 1000 Gefechtsköpfe mehr als genug« (Generalmajor Alexander Piskunow). Auch andere wie Pawel Podwig von der Moskauer Forschungsstelle sind überzeugt Clintons Plan ist undurchführbar. In absehbarer Zeit ist ein zuverlässiger Schutzschild gegen strategische Atomraketen unmöglich.« Auch die klügste Abwehrtechnik ließe sich austricksen: durch billige Tarn- und Täuschungsvorgänge oder Atomexplosionen, welche die gegnerischen Radar und Infrarotsysteme blenden würden. Die neuen Topol-M-Raketen seien schon jetzt auf Ausweichmanöver eingerichtet, um Abfang-Geschossen zu entgehen.
Allen Beteiligten und Bedrohten bleibt jedoch klar, daß das »Monopol des atomaren Grauens längst durch chemische und biologische Massenvernichtungswaffen gebrochen wurde. Wenn ein irakisches Selbstmordkommando wirklich eine US-Metropole verseucht hat, ist jede NMD-Abwehr machtlos.«
Militärtechnisch ist also die selbstverschuldete Lage der Völker nicht zu lösen, weder durch blindes Gesundbeten noch verbrecherische Überrüstung oder Diplomatie.
Clintons versuchter Griff nach grenzenloser Macht ist ein klassisches Lehrbeispiel rücksichtslosester supranationaler Einweltpolitik unter dem Diktat der weißen Führungsschicht der USA. Die Völker der Welt und selbst die Amerikaner sind ihr gleich ob »Star Wars II« gelingt machtpolitisch wie wirtschaftlich wehrlos ausgeliefert. Die mehr und mehr »globalisierten Gesellschaften« können den US-Imperialismus am allerwenigsten abwehren. Dazu sind nur gesundende Völker fähig. Deshalb gibt es auch Wege, sittliche Freiheit und eigene Kultur gegen die weltbürgerliche Vermassung zu bewahren. Sie lauten: Aufklärung und Volkserhaltung gemäß der philosophischen Neuerkenntnisse.
Für Deutschlands Außenpolitik ist strenge Neutralität zur Selbsterhaltung unabdingbar. Sie wird flankiert durch eine friedenserhaltende Politik mit Rußland, China und der arabischen Welt, im Sinne einer »Balance of power« der Großmächte. Innerhalb Europas muß das Ziel der Berliner Politik sein, durch Aufklärung über die tatsächlichen geschichtegestaltenden Kräfte gegenseitige freundschaftliche Verhältnisse zu gestalten. Das blutrünstige Gegeneinanderführen der europäischen Völker durch verlogene geschichtliche Indoktrinationen, wie Jahrhunderte lang in Frankreich oder Polen, läßt sich nur auf diese Weise vermeiden. Gewiß, die EU schließt im Augenblick kriegerische Auseinandersetzungen aus, wie schnell sie aber über eine hörige Nato in diese verwickelt werden kann, beweist der Kosovokrieg. Wer bürgt denn dafür, daß morgen nicht ein der »Neuen Weltordnung« widerstrebendes Rußland aus »humanitären Gründen« »befreit« werden muß?
Trotz der wirtschaftlichen und psychologischen Abhängigkeit der BRD von den USA muß unter Ausnutzung ihrer Ideologie des »american way of life«, ihrer eigenen Einweltgegner unter den konservativen Amerikanern und den verschiedenen Volksgruppen ihr Machtmißbrauch nach innen wie nach außen aufgezeigt werden.
Innenpolitisch müssen die Deutschen als erstes über die bedrohliche »Lage der Nation« und ihre Ursachen unterrichtet werden. Alle Religionen und Ersatzreligionen stehen vor einem Scherbenhaufen. Sie sind hauptverantwortlich dafür, daß unser Volk wie viele andere Völker biologisch und seelisch zu sterben drohen. Statt sich nach den durch das Leben längst widerlegten widergöttlichen »Werten« und Leitgedanken auszurichten, fordert das Volk eine Politik der Sachfragen. Sachfragen sind allein sittliche Fragen nach Nutzen und Schaden für das Volk, das sie gewählt hat. Umsetzungen neuer Erkenntnisse statt »populistischer« Versprechungen sind gefordert.
Bei den Sachfragen steht an vorderster Front die Aufklärung über den menschenverachtenden Seelenmißbrauch. Anders kann kein Volk sinnvoll geführt werden. Diese Seelenabrichtung verhöhnt nicht nur unsere Grundrechte, sie betrügt, ist freiheitsfeindlich und heimtückisch. Fremdbestimmte Menschen gefährden die Herrschaft des Volkes und ermöglichen jede Willkür. Zu den Sachfragen gehört ebenfalls die unmittelbare Persönlichkeitswahl. Sie könnte tatsächlich »mehr Demokratie« schaffen.
Weiter muß die Gefahr der einseitig männlichen und deshalb leicht zum Machtmißbrauch entartenden Politik abgewehrt werden. Ergänzendes weiblich-mütterliches Denken und Handeln tut not.
Aufbau heißt schließlich nichts geringeres als die kulturelle Gesundung der Völker durch Belebung ihrer wertvollen seelischen Anlagen zu fördern. Kultur und Gemüt sind es, welche die allseits vermißten wahren Werte des Lebens schaffen. Und Gotterkenntnis vermittelt den ersehnten Sinn des Daseins.
Die Erzeugnisse des Verlages Hohe Warte, 82396 Pähl (Obb.), sind für diesen geistigen und kulturellen Freiheitskampf der Völker eine unersetzliche Rüstkammer fast aller Lebensgebiete. Seine Halbmonatszeitschrift »Mensch und Maß - Drängende Lebensfragen aus neuer Sicht« ist das einzige erkenntnisphilosophisch getragene Blatt, das über Aufbau und Abwehr im oben gestreiften Sinne wirkt.