Volks- und Weltreligionen

Von Dr. Heinrich Wollatz

     In der Presse wird nur von den großen Weltreligionen als den zeitgemäßen gesprochen. Tatsächlich werden die alten und letzten Stammesreligionen, die es noch gibt, rapide verdrängt. Sie spielen im Weltgetriebe keine Rolle mehr. Welche Vorstellungen von Volks- und Weltreligionen soll man sich machen? Wie kann und muß man diese Religionen betrachten und bewerten?


Ursprünge liegen in den Stammesreligionen.

     »Unsere einzige, heute auf dem Erdball verbreitete Gattung der Menschen, ,homo sapiens sapiens', stamme von einer einzigen Frau ab, die vor 100 - 150.000 Jahren gelebt haben soll. Dies wollen Anthropologen durch Untersuchungen der DNA-Erbsubstanz zahlreicher heute lebender Menschen ermittelt haben. Diese Frau, geboren in einer Gruppe von ,Neandertal-Menschen', wies offenbar eine sehr wichtige zufällige erbliche Gen-Veränderung (Mutation) auf, wie sie in der Natur immer wieder vorkommen und die Vielfalt der Pflanzen, Tiere und Menschen auf der Welt verursacht haben. Diese Frau könnte sich durch einen veränderten Kehlkopf von ihren damaligen Mitmenschen unterschieden haben, einem Kehlkopf, der ihren Nachkommen die Fähigkeit verlieh, artikuliert zu sprechen und nicht nur Brumm- und Kreischlaute hervorzubringen (dies wird wissenschaftlich nicht beweisbar sein!). Durch diese anatomische Überlegenheit und die aus ihr abgeleitete Sprache sei es den modernen Menschen gelungen, sich gegenüber den primitiver gebliebenen Vettern, den Neandertalern, durchzusetzen und sie auszurotten oder wenigstens zu überleben.« 1)

     Um das Alter des Menschen richtig einzuordnen muß man sich den Beginn der letzten Eiszeit vor 100 bis 150.000 Jahren vorstellen. Eine philosophische Deutung erklärt: »Mutterliebe und Gottesstolz sehen wir in jenen kosmischen Katastrophen (der Eiszeit) in einem Menschenpaare zum erstenmale hell erstrahlen. Der Gottestolz wollte nicht die feige Furcht und Flucht vor der Kälte, und die Mutterliebe ward hellsichtig und wußte nun mit einem Male die Gesetze des Feuers. Da war Bewußtheit geboren.«2) So deutet M. Ludendorff das Nichtbeweisbare. Zwar hat der Mensch geistig Furcht und Flucht überwunden, zur Lebenserhaltung bleiben sie weiterhin lebensnotwendig.

     Seit 100.000 Jahren müssen die Cro-Magnons3) als erste Menschen gelten - und seitdem wandeln Menschen und nicht mehr Vormenschen - wie Neandertaler(?) - über die Erde. Mit der Ausbildung ihres Großhirns sind diese Menschen fähig, das Göttliche zu erleben, um den Sinn des Lebens erfüllen zu können. Daneben hat die menschliche Irrfähigkeit des Bewußtseins von Anfang an falsche Wege der Lebenserfüllung eingeschlagen. Da das göttliche wie das künstlerische Erleben für Mitmenschen nicht prüfbar ist, liegen Irrtum und Wahrheit in der Deutung oft nahe beieinander. Cro-Magnons haben bis zum Ende der Eiszeit die ganze Erde besiedelt und alle anderen Vormenschenarten ausgelöscht.

     Die Fachleute nehmen an, daß die frühen Sippen-Wandergruppen etwa 25 bis 50 Personen, zur Hälfte Kinder, umfaßten. Diese schlugen ihre »Zelte« zeitweilig irgendwo nahe einer Wasserstelle auf, wo Wild zum Saufen kam, und wo man Fische erbeuten konnte. Im Wald ist die grüne Zone 20 m hoch, so daß man wenig Nahrhaftes aus Pflanzen erreichen konnte. In der Steppe konnte man viel leichter Wurzeln und Beeren ernten. Die Sippen-Horde mußte sich von einem für uns kaum vorstellbar großen Gebiet ernähren. Jede Horde wachte über ihr »Beutegebiet«. Wenn Sippen an Kopfzahl wuchsen und sich teilen mußten oder Naturkatastrophen eintraten, kam es mit Nachbarhorden zu Kämpfen auf Leben und Tod um den Lebensraum.

     Von den Samen (Lappen in Skandinavien) und anderen Stammesgruppen wissen wir, daß sie sich zu bestimmten Tagen im Jahr treffen. Das ist z. B. die Sommersonnenwende. Am Treffpunkt findet man ein Heiligtum, an dem Feierlichkeiten zur Ahnenverehrung veranstaltet werden. Es treten auch Gurus und Gaukler auf. Das Wiedersehen nach einem Jahr unter Verwandten und Bekannten anderer Horden wird mit »Alkohol« bzw. anderen Rauschmitteln »begossen«. Es werden sicherlich auch Rausch-Feste mit Ekstasen veranstaltet. Ansonsten dienen die Treffen als Handels- und »Hochzeits«-Markt. All dies weckt und stärkt eine Stammesbindung.

     Gurus oder Priester haben folglich nur selten im Jahr Gelegenheit zum schamanischen Wirken, es sei denn in ihrer eigenen Sippe. Wenige werden sicherlich auch mit Neuigkeiten von Horde zu Horde ziehen, um gegen Bewirtung und Kleidung ihre Kunst zu zeigen. Der sachliche Stil der nordischen Götter-, Familien- und Helden-Sagas läßt vermuten, daß in Nordwesteuropa Gurus und Schamanen bei den Treffen wenig Anklang fanden. Die Sänger der Sagas bzw. die Gurus ziehen also ein unscheinbares aber doch »volkserhaltendes« Band von Horde zu Horde. Die Stammesreligion wendet sich also an alle mit gleichen Vorfahren. Die Mitglieder werden folglich nie Fremde bekehren wollen. Diese Fremdstämmigen haben schwer verständliche Sprachen und in erster Linie andere Urahnen. Die selbstverständliche Achtung davor verbietet eine Missionierung. Jedes Mitglied einer Horde weiß unbewußt um seine Ahnen, und daß es ihm selbst nur in der Horde gut geht. Als Verstoßener ohne Sippe ist er dem Tode geweiht. Daher ist der Gemeinschaftssinn eine unverzichtbare Grundhaltung jeder Stammesreligion. Nur wenn die Horde bzw. der Stamm erfolgreich wirkt, kann der Einzelne sich wohlfühlen. Nur in diesem Rahmen kann er sich entfalten. Das prägt auch die Grundhaltung des Germanentums bis über die Christianisierung hinaus.4)


Die Entwicklung zu Volksreligionen

     Eine Besonderheit entstand in Mittel- bis Westeuropa. Der Eispanzer der letzten Eiszeit lag im Norden über Schottland, reichte dann von Norwegen über Jütland fast bis Berlin und weiter nach Nordosten. Im Süden schotteten die gletscherreichen Karpaten, Alpen und Pyrenäen das mittlere Europa ab. Östlich von Berlin lagen die kaum passierbaren Sümpfe. Es werden also von Osten und Süden kaum fremde Menschen eingedrungen sein, man konnte aber auch selbst den Raum nicht oder schwerlich verlassen. In dem Zwischenraum ist die künstlerische und technische Entwicklung fortgeschritten.

     Die ältesten Funde hoher Kultur sind die Höhlenkunstwerke, die während des Höhepunktes gegen Ende der letzten Eiszeit - mit den mächtigsten Gletschern - in West- und Südwest-Europa geschaffen wurden. Sie sind 10.000 - 30.000 Jahre alt. Diese Kunst wurde an freier Natur an Felswänden, Horn, Leder und auf Holz geübt und auch vollendet dargestellt. Die Anfänge entsprachen sicherlich dem Vorgehen der heutigen Graffity-Sprüher. Die Verwitterung hat alles an freier Luft Geschaffene längst vernichtet. Nur für bewährte Künstler hat man die Höhlen ausgeleuchtet, um dort »Kunstwerke für die Ewigkeit« zu schaffen. Wie konnte es dazu kommen?

     Die altsteinzeitlichen Kleingruppen-Kulturen konnten über die Stammesreligionen nicht hinauswachsen. Eine dichtere Besiedlung war erst mit der Garten-, Acker- und Viehwirtschaft möglich. Das begann mit der Überwindung der Altsteinzeit am Ende der Eiszeit vor reichlich 10.000 Jahren. Nach der kürzer als 2000-jährigen Mittelsteinzeit ging es fließend zur Jungsteinzeit in Nordwesteuropa über. Das lag bis zu 8.000 Jahren zurück. Man entdeckt aber immer ältere Wohnstätten, aber im Verhältnis zu den 100.000 - 150.000 Jahren des Menschheitsalters sind sie weniger als 10 v. H. der Zeit alt. Die technische Entwicklung hinkte folglich um 20.000 Jahre hinter der künstlerischen her! (Oder fehlen uns noch die entsprechenden Bodenfunde?) Aber während der gesamten Zeit waren die treibenden Kräfte die nur in Nordwesteuropa neu erworbenen Organisationsfähigkeiten. Sie sind kein Rassemerkmal im ludendorffschen Sinne, sondern eine örtliche, eiszeitbedingte Anpassung! Denn die meisten Nachkommen der ersten Menschen 100.000 Jahre davor hatten sich über die Welt verbreitet.

     In der kargen Tundra des eiszeitlichen West- und Mittel-Europas hatten die dortigen Menschen zum erstenmal die Organisation zum Überleben mit Wintervorräten entwickelt. Darüber hinaus hat die Energie des schöpferischen Kunstwillens bei Künstlern trotz der Kleingruppen dauerhafte Farben für Malerei entwickeln lassen. Die Künstler und ihre Helfer mußten aber auch ernährt und mit den benötigten Ausrüstungen versehen werden. Es muß eine stammesmäßige oder eine Art staatliches Übereinkommen gegeben haben. Geistig wurde hier also die Grundlage gelegt, um Volksreligionen entstehen zu lassen. Ursprüngliche Stämme umfassen um 500 Mitglieder, eine Anzahl, die das gegenseitige Kennen sichert, auch wenn man sich nur an Festtagen begegnet!


Volksreligionen

     Es sind Stammesreligionen, die eine größeren Zahl von Menschen einheitlicher Sprache und Sitten zusammenhalten. Diese Menschen fühlen sich gemeinsamen Vorfahren verbunden. Am Ende der letzten Eiszeit entwickelte man feste Wohnsitze. Über den Obst-, Beeren- und Kräuteranbau, wurde der Hack- und Gartenbau sowie der Pflug- und Ackerbau entwickelt und verbreitet. Zeitgleich wurden Haustiere gezähmt. Damit wandelte man die Urlandschaft aus Wald und Steppe um in eine Kulturlandschaft.

     Menschen, die diese Fähigkeiten entfalteten, waren folglich auch fähig, bei drohender Übervölkerung die Auswanderung zu organisieren.5) Die kleinen Horden und Stämme im nordischen Isolat durch Eiseinschluß hatten es trotz der Lebensbedingungen in einer Trundra verstanden, staatliche Organisation aufzubauen. Sie brauchten sich nicht mehr gegenseitig um den Lebensraum zu bekämpfen, weil sie Auswanderungen organisieren konnten. Das beweisen die weltweiten Züge der Indogermanen!

     Die Volksreligionen zeigen aber deutlich rassisch geprägte Unterschiede:
»Doch keine (Volksreligion) wies jenes schonungslose Vorwärtsdrängen im kriegerischen wie im friedlichen Sinne auf, wie es den Indoeuropäern innewohnte, jenes ,rerum novarum cupidum', das ,Begierigsein auf Neues', jenes offene Aufnehmen fremder Kulturelemente, die dann dem eigenen Volkscharakter angepaßt wurden. Wenn man das feststellt, dann ist das keine rassestolze Überheblichkeit, sondern nüchtern und durchaus selbstkritisch gemeint.«6)

     Dies entspricht der griechischen religiösen Erlebnisgruppe, die die Welt als Kosmos, als Schmuckstück erkennt, während Angehörige anderer Rassen entsprechend der Gnostik, die Erlösung aus der bösen Materie und Umwelt suchen.

     Ritterlich hatten die Gegner (Frühindiens) kämpfen wollen:
»Im regelrechten Kampf, der jetzt entbrannt ist, laßt uns kämpfen auch, allein auf ritterliche Art, wie es von alters her Gebrauch. Es kämpft mit Macht, wie er's vermag und angestrengt ein Mann, nie greift er den erschöpften Feind, nie greift er ohne Anruf an.«
 
Die Zuhörer litten mit, als sie hören, wie die wachsende Erbitterung die Krieger auf dem Kuru-Feld alle Regeln übertreten ließ. Denn achtzehn Tage lang rannten die Heere voller Wut und Verzweiflung gegeneinander, bis am Ende von vielen tausend Streitern nur noch zwei Hände voll lebten!7) So sieht die negative Seite des nordischen Rasseerbes aus. Die blonden Arier haben sich gegenseitig ausgelöscht, bis nur Menschen der einheimischen indischen Rassen-Erlebnis-Auffassung übrigblieben, die die Welt negativ sahen und sehen.

     Auswanderungen zur See und zu Lande führten Vorindogermanen, Indogermanen, Germanen und Wikinger über die ganze Welt. Vielfach wurden sie als die »Weißen Götter«, die die Kultur brachten, gewürdigt. Sie brachten ihre Volks- und Sonnenreligion mit. In den heißen Ländern entwickelten sie Bewässerungssysteme . Die vorgefundenen wenigen Alt-Einwohner wurden oder waren seßhaft und vermehrten sich schnell unter dem Schutz der neuen Herren, denn die kleinen, eingeborenen Stämme bekämpften sich nun nicht mehr auf Leben und Tod. Die weißen »Götter« zeigten, wie das Land mehr Bewohner ernähren konnte. Die kleine europide Führungsschicht war in der ersten Zeit weitgehend vorbildlich, kam sehr schnell in die Versuchung, sich zu einer abgehobenen Adelskaste mit Gottkönigen zu erheben, die riesige Tempel in der Alten und Neuen Welt errichten ließen. Damit entstanden aus ursprünglich kleinen, stammesgemäßigen Sonnenreligionen überall in den Einwanderungsgebieten der Adelsschichten Volksreligionen mit mehr oder weniger mächtigen Priesterschaften. Sie gingen alle aus Sonnenreligionen hervor. Die einzige Volksreligion, die heute noch Bedeutung hat, ist im Lande der aufgehenden Sonne der japanische Shintoismus. Er ist durch die Adelsschicht der Samurai eingeführt worden.


Der Shintoismus ist eine gemischte Volksreligion:

     »Diese Volksreligion wurde nun, dem mongolischen Erbgut Rechnung tragend, mit Hilfe der Lehre des Kung-fu-tse rassetümlich gestaltet und dadurch volkserhaltend. Die Erbreligion des nordischen Blutes (Erbgutes), das lange noch den Kern der Ritterklasse bildete, wurde nicht nur in einem Teil der Göttermythen, sondern auch in den Wesenszügen des Shinto erhalten, nämlich in der Lehre, daß die Menschen von Göttern stammen und den Weg zu den Göttern in ihrem Leben zu gehen hätten. Der Shinto ist im übrigen vor allem dadurch für das mongolische Blut (Erbgutes) rassetümlich gestaltet, daß die Verstorbenen als die nun wieder zu Göttern Gewordenen verehrt werden, wie dies der Ahnenkult des Erbgutes mit Gemütswerten verwebt, und dem Kaiser als dem Sonnensohn schon zu Lebzeiten göttliche Verehrung zuteil wird.«8)

     Der Shintoismus gilt für die heiligen Feiern, aber im täglichen Leben pflegt man buddhistisch zu leben. Trotzdem bildet diese Gemischt-Religion einen Schutz: »Sollten bibelgläubige, also entwurzelte Völker je Gewaltangriffe auf den Shintoglauben wagen, so werden sie scheitern; das Volk wird dadurch nur gefestigt.«9) Das hat sich 1945 bestätigt, indem das japanische Volk die Umerziehung der Sieger des II. Weltkrieges, die sich beim deutschen Volk seitdem so verhängnisvoll auswirkt, bei den Japanern weitgehend abglitt.

     Allen Volksreligionen ist eigen, daß sie nicht missionieren. Sie sind die Weltanschauung, die sich aus Zeit, Umwelt und Erbgut ergibt, sich mit den laufenden Veränderungen anpaßt und laufend wandelt im Gegensatz zu den dogmatischen Weltreligionen, weil sie als Gotteswort gestiftet wurden. Wenn aber dogmatische Buchformen vorliegt - wie beim Mosaismus - ist das vorbei.

     Die Römer hatten ihre Götter. Sie erkannten jede andere Religion in ihrem Weltreich an. Jeder Staatsbürger mußte nur dem Kaiser göttliche Verehrung erweisen, denn er mußte damit zeigen, daß er den römischen Staat als gemeinsames Schutzdach begrüßte. Es entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Herauslösung aus dem angestammten Volkstum zugunsten der Gleichschaltung zum römischen Staatsbürger. Damit war aber nicht der Glaube an die bzw. die Verehrung der römischen Götter gekoppelt. Eine solche Missionierung wäre ein Widersinn für die gebürtigen Römer gewesen. Jeder durfte seinem bisherigen Kult weiter frönen, möglicherweise förderte man sogar Weltreligionen«, um Volksaufstände zu verweiden. Mit der römischen Götterwelt war also kein Alleinvertretungs-, Vorherrschafts- bzw. Weltherrschaftsanspruch verbunden. Die Römer waren nicht nur duldsam, sondern erkannten in ihrer »Blauäugigkeit« nicht, welche Gefahr durch geistige Untergrabung von Weltreligionen ausging! Die wenigen Warner wurden kaum oder nicht gehört!10) Ist das die Rache für die Zerstörung der Stämme und Völker durch das römische Reich?

     Auch die Asen, die germanischen Götter, besaßen und strebten keine Weltherrschaft an. Sie mußten ständig auf der Hut vor Überfällen von Riesen sein. Mit den Riesen wurden korrekte, aber auch betrügerische Geschäfte gemacht.
Auch der jüdische Mosaismus, die israelische Volksreligion, erkennt nur Juden als Mitglieder an. Er missioniert also nicht. Als Gegenleistung haben sich, so stand es 1999 in den Tageszeitungen, die christlichen Religionen verpflichtet, in Palästina keine Juden zu missionieren, also für sich anzuwerben. Der Mosaismus ist in seinem Wesen folglich keine Weltreligion. Als Weltreligion wird er aber irrtümlich oder vorsätzlich in den Medien bezeichnet. Er verbindet diese Volksreligion aber mit Feindschaft gegen alle anderen Menschen und Völker, um seinen Anspruch auf Vor- und Weltherrschaft Geltung zu verschaffen.11) Das findet man bei anderen Volksreligionen nicht. Damit nimmt er eine eigenartige Zwischenstellung zwischen Volks- und Weltreligion ein.

     Heidnische Volksreligionen zeichnen sich durch drei Merkmale aus:12)

  1. Sie sind polytheistisch.
  2. Sie betrachten die Natur als göttliche Erscheinung.
  3. Sie verehren das weibliche Prinzip oder weibliche Götter anstelle oder neben dem männlichen göttlichen Prinzip oder den männlichen Göttern.
Demnach wäre der Hinduismus als Volksreligion anzusehen. Aber so wie der Mosaismus eine seltsame Zwischenstellung einnimmt, so ist es auch mit dem Hinduismus. Er bietet zwar eine Unzahl an Göttern, hat sich aber bereits so weit vom Volkstum entfernt, daß sein folgerichtiges Endziel im Buddhismus mündet.13)


Weltreligion

     Wenn Staatsgebilde einen gewissen Wohlstand für ihre Bürger erreichen, treten Wohltätigkeitsprediger auf. Der Einzelne ist ja nicht mehr auf die Horde, die Stammes- bzw. Volksgemeinschaft zum Überleben angewiesen. Diese predigenden Weltverbesserer wollen Mitmenschen zum »Glück« verhelfen und weisen einen Weg so, wie sie selbst meinen, für sich und alle anderen Menschen gefunden zu haben. Das Christentum geht »vom Unheilstand aller Menschen durch die Sünde« aus. Ziel ist die Erlösung im Heilsstand der Christgewordenen.14) Für andere Lehren heißt es: »Was Buddha hier verkündete, der Religionsstifter aus ältestem arischen Kriegergeschlecht, war das gerade Gegenteil der arischen Kriegerethik, der bedingungslosen Erfüllung irdischer Pflichten ... - Abwendung vom tätigen Leben, Passivität, Aufgabe jeglichen Strebens. ... Der Buddhist hingegen will der leidvollen Welt ledig werden und damit sich selbst zur Aufhebung und zum Verlöschen bringen. ...
Manche Formen dieser (hinduistischen) Religion und ihrer Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben stammen von den Ariern. Die Inhalte allerdings, die Art, wie das Kastenwesen und die Anschauungen über die Götter ausgestaltet wurden - das ist noch älteres Erbe, das ist asiatisch.«
15) Es taucht die Frage auf, wieviel nordisches Erbgut Bhudda noch in sich hatte, obwohl er aus uraltem Adel stamme.

     Diese Prediger des Heils aller Weltreligionen sehen nicht mehr, daß für das Heil des Einzelnen die Geborgenheit im Volkstum Voraussetzung ist. Die Wohlfahrt der Gemeinschaft wird durch das angestrebte Seelenheil für den einzelnen Anhänger bzw. Gläubigen zurückgestellt. Die Priester lösen ihn aus seinem Volkstum heraus und wollen sein individuelles Glück. So veranstaltete die Mun-Sekte vor einigen Jahren Massentrauungen, wobei sie über 1.000 Partner aus unterschiedlichsten Volkstümern beliebig zusammenbrachte. Alle Weltreligionen kennen keine Völker als Wert. Die Lehrbücher für evangelische Konfirmanden kennen das Wort »deutsch« nicht einmal oder nur als Aufzählung neben anderen Volkstümern. Damit stellen alle Volkstümer keinen Wert dar.

     Die meisten Stifter einer Weltreligion finden wenige Jünger und sind bald nach ihrem Tode vergessen. Die Zahl der Mitglieder macht nicht das Wesen der Weltreligion aus. Nur wenige Stifter - oder auch erfundene Stifter wie vermutlich Jesus - werden von Priesterschaften getragen. Diese können dann Weltgeltung erlangen: Hinduismus, Buddhismus, Christentum und Islam. Da sie den Schlüssel für die Erlösung des sündigen, unvollkommenen Menschen gefunden haben wollen, glauben sie, allen Menschen das Glück zu bringen, sie also zu missionieren und zu ihrer seligmachenden Auffassung bekehren zu sollen, auch wenn es gewaltsam sein muß. Selbst das gilt moralisch als gottgefälliges Werk! Die Kirchen beginnen mit der Zwangsbekehrungen um 600 bei den Schwaben, Bayern und Sachsen. Noch grausamer werden diese ab 900 bis 1200 gegen die ostdeutschen Stämme geführt. Anschließend tut sich besonders die Zwingburg in Avignon (Papstsitz 1309-76) hervor in der Ausrottung der Albigenser (1209-29) und Katharer (ab 1309). Dies geht nahtlos in die Hexenverfolgung bis über das Jahr 1800 hinaus. Das heutige Tagesgeschehen ist voll von religiösen Kämpfen der Weltreligionen.

     Ein Beispiel folgt aus jüngster Zeit über die moderne Verfolgung in Deutschland:
Die »Initiative: ,Ein Mahnmahl für die Millionen Opfer der Kirche'... führte am 6.11.1999 auf dem Marienplatz (in München) eine Demo durch und lud zu zwei Vorträgen des bekannten Professors Dr. theol. Hubertus Mynarek. ,2000 Jahre blutige Kirchengeschichte' ein. ... Die Presse blieb stumm und erklärte, es gäbe eine ,klare Anweisung, keine Meldungen zu bringen.' Einen geeigneten Saal zu mieten, war schwer. ... Der Religionswissenschaftler Mynarek... verabschiedete sich 1973 von dem ,totalitären System' seiner Kirche... wegen ,kirchlicher Herrschsucht, ihren Machtstrukturen und ihrem Profitstreben.«16)

     Damit die Menschen diese unnatürlichen, aufgezwungenen und anerzogenen Lebensweisen mit »Frömmigkeit« und Mönchtum annehmen, werden sie zu Gläubigen erzogen, das bedeutet »induziert irre«, also künstlich wahngläubig gemacht, damit sie auf bestimmten Denkräumen oder -ebenen nicht mehr frei entscheiden können. Man beachte das christliche Lied: »So nimm denn meine Hände und führe mich!... Ich kann nicht gehen, nicht einen Schritt!« Diese Hörigkeit kann um so vollkommener erreicht werden, je mehr man die zu Erziehenden von den Eltern und Spielgefährten abtrennt. Der Novize sollte ganz im Kloster leben und keine Verbindung zu Eltern und Geschwistern beibehalten. Selbst das letzte Hemd und Bild wird abgenommen. Zusätzlich gibt man den Mönchen bei der Weihung neue Namen! Bisher waren und sind die Klöster das vollkommenste System.

     Die Jugendsekten haben zeitgemäßere Formen entwickelt - die nicht so auffällig sind - , um die Anlernlinge in Gemeinschaftshäusern und -treffen zu indoktrinieren und vor Familie und Freunden zu bewachen. Dies gilt in verschieden starker Form für alle »-Ismen« der Neuzeit: Marxismus, Kommunismus, Antifa, Liberalismus, Demokratie-Verehrung, »One-world« mit »political correctness« usw.. Sie sind alle ihrem Wesen nach Weltreligionen. Um sich einzuschmeicheln, dulden sie als Regierende nur aufgesetzte Volkstümelei, aber kein echtes Volkstum. Den Weltreligionen sind gewiß die aufgeputzten Heimatabende im Fernsehen zuwider, dennoch dulden sie sie. Man gibt auch etwas Geld für Volkstanztreffen usw., um nach außen zu sagen, wir tun »viel« für Heimatkultur. Aber gewachsene Volkskultur läßt man verkümmern, und sie wird untergraben. Die Beihilfen werden sofort gestrichen, wenn gewisse Gruppen oder Personen auftreten, die die Volksseele wirkungsvoll anzusprechen vermögen.


Germanische Volksreligion der Edda

     Anstelle von »Religion« könnte man »Rückbindung an die Natur bzw. Schöpfung« setzen, aber das Begriffswort sollte kürzer sein! Zur Verdeutlichung sollte man sich einmal eine Volksreligion in ihren Wesenszügen vor Augen führen. Am naheliegendsten ist für uns Deutsche die nordische »Asen-Lehre«, wie sie in der Edda überliefert ist. Sie werden erkennen, daß hier keine allmächtigen Götter geboten werden.

     Die Edda wurde 200 Jahre nach der Zwangsbekehrung - die Isländer wurden im Jahre 1000 dazu gezwungen - von dem christlichen Mönch Snorri Sturlason niedergeschrieben. Da Kammeier, Topper, Illig und andere von der großen Fälschungsaktion der katholischen Kirche berichten, ist der Inhalt der Edda bestimmt verwässert und verdreht worden. Dennoch steht der Inhalt moralisch weit über dem der Bibel! Damit soll keineswegs verkündet werden, die Edda stelle nur hoch wohllöbliche Vorbilder dar. Manche Götter muß man durchaus hart tadeln!

     Kurt Eigl stellt nach der Edda vor: »Im Anfang gab es... nur den gähnenden Abgrund Ginnungagap. Der war erfüllt mit Finsternis... aber bevölkert mit Schöpfergeistern. ...Es begann zu wogen; ...Fluten wurden dichter und... erstarrten. ...Schicht auf Schicht legte sich das Eis über den Norden des Weltraums. ...Das war Nifelheim, düster und kalt, von Stürmen und Ungewittern heimgesucht. ...Im Süden von Ginnungagap aber bildete sich... mild und warm, hell und heiß... Muspelheim, das Reich der Flammen.«17) Ei. S. 9

     Die Welt wird erschaffen von Schöpfungsgeistern im Ginnungagap, dem gähnenden Abgrund oder Nichts. Zuerst entstehen Nifelheim, Nebelheim mit Eis und Stürmen, und Muspelheim mit Flammen und Funken.
 
Also nicht unsere nordischen Götter sind die Schöpfer der Welt, sondern etwas »Unfaßbares, Geistiges«! Über die Schöpfungsgeister werden keine Aussagen gemacht, weil man sich kein Bild von ihnen macht. Die Vorfahren achteten hier also weise die Grenzen nach Zeit, Raum und Ursache, als ob sie Kants Lehre geahnt hätten. Aus dem gähnenden Abgrund oder dem Nichts heraus werden Gebiete mit Nebel, Eis, Sturm, milder Wärme, Flammen und Funken erzeugt.

     Es gibt Anklänge an heutige Darstellungen:

Am Anfang war der Wille Gottes zur Bewußtheit. Da ward der Äther und aus ihm bewegter Urstoff im Äther. Da kreiste nach den Gesetzen des Verweilens der Urstoff unwandelbar im Äther. Da verdichteten sich Kerne des Urnebels, und es ward der Kosmos im Äther kreisender Urwelten.18)

     Die heutige Wissenschaft spricht nicht mehr von Äther, den man vor reichlich 100 Jahren als selbstverständlich voraussetzte. Nach jahrzehntelanger Leugnung nimmt man zunehmend eine superschwache Kraft an, die mit etwa 10-facher Lichtgeschwindigkeit Informationen übermittelt.19)

     Weiter mit der Edda: »Feuerfunken flogen durch die Finsternis ... mitten hinein in das starrende Eis. ... aus dem Aufruhr entstand ... das erste Wesen, der Urriese Ymir. Seine Nahrung aber war die Milch der Kuh Audhumla, die in Muspelheim geboren war. ... Audhumla begann an den salzigen Eisblöcken zu lecken. ... Am Ende des 3. Tages hatte sie einen Mann hervorgeleckt, ... das war der Riese Buri. Buri bedeutet der Zeugende, und er schuf aus sich selbst heraus einen Sohn, den er Bör nannte, den Geborenen.« Ebenso erzeugt aus sich heraus Ymir einen Sohn und eine Tochter, »die Stammeltern der Reifriesen oder Thursen. Nun werden Ehen geschlossen. Bör heiratet Ymirs Enkelin Bestla. ... Aus ihrer Ehe entsprossen die drei ersten Götter, die Brüder Odin, Wili und We. Es waren Asen, Lichtgötter.«20)

     Das erste Leben, das durch Eis und Hitze entsteht - umschrieben durch den Riesen Imir - sind Wesen, die sich selbst vermehren können. Man denke an die einzelligen Lebewesen. Erst dann folgt mit den Mehrzellern die geschlechtliche Vermehrung. Es entstehen die Riesen, die gern als Unholde, Fremdlinge dargestellt werden, aber nach der Edda nicht sind, denn einer von ihnen wird Baumeister des Schutzwalles von Asgard. Unter ihnen gibt es Edlere. Diese haben dann das Vorrecht, die Lichtgötter zu zeugen!

     Die besten unter den Riesen sind unsere Vor-Vorfahren! Der Riese Bör zeugt mit der Riesin Bestla, der Besten, den Asen-Urgott Wotan-Wili-We, also - Wotan = Wind (Leben und Odem-Hauch) - dazu Wili = Kraft - sowie We = Weihe -. Diese wohl unpersönliche Götterdreiheit »Leben-Kraft-Weihe« taucht nie wieder auf. Man vermutet, daß sie in der späteren Vorstellung von Wotan vereinigt ist.

     Wieder ist hier ein nicht gegenständliches göttliches Wesen genannt, das nur aus Vorbild-Begriffen besteht.
Ohne vollständige Ahnen-Gallerie treten die Asen-Götter auf, die in Asgard, dem Göttergarten, über den Bergen wohnen. Sie lassen von einem Riesen eine Ringburg um Asgard erbauen, um sich vor drohenden Überfällen der Riesen zu schützen. Unsere Götter werden also nicht allmächtig gesehen! Der Begriff der rohen Riesen hat weniger mit Roh- und Wildheit zu tun als mit unbewußter Ablehnung des Fremdartigen.

     Wieder ist keine durchgehende logische Kette zu erkennen: Die Göttin Gullweig vom anderen Götterstamm der Wanen - die einfach vorhanden sind - bringt den Menschen und Göttern die Gier nach Gold bei. Damit sind die Ichsucht - man denke an den unvollkommenen Selbsterhaltungswillen der Menschenseele - und die Schlechtigkeit der Menschen gemeint. Die gute Seite ist der Ansporn zur Leistung. Das Nibelungen-Lied besingt als Trauerspiel die Gier nach Macht, Gold & Geld! Für diese doch so »unmenschliche« Gabe töten die Asen die Wanin Gullweig, aber sie, die »Ichsucht«, ersteht immer wieder neu, bis sie sie gründlich verbrennen. Aus Rache ziehen die Wanen zum ersten Krieg gegen die Asen. Im Friedensschluß werden gegenseitig junge Götter als Geiseln gestellt. Danach folgen mehrere Eheschließungen zwischen Göttern der beiden Stämme. So gehen die beiden Göttergeschlechter eine unauflösbare Verbindung ein. Man rottet sich also nicht gegenseitig aus, sondern verhandelt sinnvoll miteinander, ja, vereinigt sich mit Gleichwertigen. Mit ihnen ist ein friedliches Miteinander möglich wie in weitgehend geschlossenen Volksgemeinschaften überwiegend reinrassiger Stämme und Völker überall auf der Welt! - Erinnern wir uns an das gegenteilige Beispiel aus Indien!

     Unsere Götter ordnen noch die Welt, indem sie den Naturerscheinungen Namen geben, aber über die Weltenschicksale würfeln sie!21) Mitgard, der Mittelgarten wird als Wohnplatz für die später erschaffenen Menschen und Zwerge vorgesehen. Riesen erschaffen die Zwerge. Die Asen erschaffen die blondblauäugigen Menschen.22) Über das Entstehen der anderen Menschenrassen wird nichts ausgesagt; Sie sind einfach vorhanden. Es geht also um das arteigene Fluidum der Wohnwelt im Gegensatz zu dem von Riesen, Zwergen oder fremdartigen Menschen.

     Man läßt die Riesen nicht in die eigene, artgemäß geordnete Asen-Welt, weil sie die so nicht erhalten würden und in den Augen der Götter verkommen lassen bzw. zerstören würden. Aber man verflucht die Riesen nicht, betrachtet sie auch nicht als Sklaven, so wie es in der Bibel für alle Nichtjuden & Nichtchristen gilt. Man betreibt Handel und Geschäfte mit Riesen. Der urweise Riese Mimir23) gilt als weiser denn alle Götter.

     In der tiefsten, unwirtlichen Tiefe aber hausten die Riesen. ... Die Asen tauften diesen Wohnsitz Jotunheim - nach dem Riesengeschlecht der Joten, das vor Urzeiten aus Muspelheim ausgewandert war und sich zu den Reifriesen aus Niflheim gesellt hatte. Gleich Verbannten lebten die Riesen in Jotunheim, die Asen hatten beständig Angst vor ihnen, wie denn die Riesen beständig voll Neid und Gier nach dem sonnengoldenen Asgard schielen.24) Schließlich wird der drohende Überfall der Riesen unvermeidlich.

     Die Riesen können in Nifelheim ihre Welt nach ihren Vorstellungen gestalten. Aber die Asen haben sie nicht dahin verbannt!


Stammes- oder Volksgötter können also nur ihrem Stamm oder Volk raten und helfen

     Der mit klugem und listigem Geist ausgestattete dunkle Riese »Loki« kommt aus dem Süden und bietet den Asen seine Dienste an. Einst trinkt Wotan mit ihm, dem Loki, Blutsbrüderschaft. Damit wird Loki zwangsläufig in die Asen-Götterschar aufgenommen. Immer wenn scheinbar ausweglose Ereignisse eintreten, hat Loki eine List zur Hand, auf die die Götter sich anfangs widerstrebend, aber schließlich doch einlassen. Der Erfolg tritt auch ein, weil man die fremden Riesen überlistet. Aber beim Sturm der Riesen auf die Götterburg, dem Weltuntergang, entscheidet sich Loki seinem Erbgut entsprechend für die Seite der Riesen. Fast alle Götter und Riesen kommen dabei um. Danach finden die überlebenden Asen-Nachkommen »im Grase auf Gimils Höhen« (Idafeld-Asgard-Atlantis) »goldene Tafeln, mit uralten Runen beschrieben«25) Solche Gesetzestexte wurden Mose auf dem Sinai von Gott vorgesprochen; in Atlantis waren sie in der Königsburg angebracht.

     Es muß vor jeder Blutsbrüderschaft gewarnt werden. Gerade wenn der einstige Freund sich geistig zum Unhold entwickelt - das liegt ja in der menschlichen geistigen Freiheit begründet -, darf man sich trotzdem nicht von ihm trennen. Das ist die Unmoral der Blutsbrüderschaft und fast aller Eide! Odins Blutsbürderschaft mit Loki gilt als dessen erste Schuld.26) Deswegen haben die Nornen, die Riesinnen sind, den Asen ein schreckliches Ende vorhergesagt!

     Die Weltesche »Yggdrasil« oder Ich-Eibe27), - (der Verfasser meint, diese Übersetzung ist nicht richtig: ygg = Oog, Insel wie Wangeroog und dra = engl. tree, Baum, Stamm & sil = Säule wie die Insel Sylt, die Orte Sul und Silberstedt, also die Baumsäule auf einer Insel! oder: lat. Iugum = Joch & dra = dreh, rund und Säule, also Joch auf runder Säule wie bei der Irminsul) - entspricht in ihrem Bau dem Grundverhalten der nordischen Seele und dem entsprechenden Brauchtum. Gerade in der Kunst sind Pflanzenmotive bei Germanen seit jeher beliebt. Der Zierstil steht im Gegensatz zur gigantischen Machtkunst der Gewalthaber! Man vergleiche den deutschen Jugendstil um die Jahrhundertwende mit dem kubistisch-pyramidalen Bauhaus-Stil der Einweltler, der seit 1920 nur noch gefördert wird! Bei dem Richtfest für das neue Kanzleramt in Berlin lobte der damalige Kanzler Kohl den »schönen Kubus«. Der Welten-Baum hat nach der Edda eine Reihe von Feinden, die sich von seinem Grün nähren; entsprechend gibt es Gefahren für unsere Seele.
Yggdrasil beschattet Asgard sowie die Menschenwelt Mitgard sinnvoll und wurzelt bei den Riesen in Jotunheim. Dort vor der Unterwelt spinnen drei weise Riesinnen, die Nornen, allen Menschen ihren Lebensfaden. Sie besprengen auch abends die Zweige des Weltenbaumes. Das entspricht dem, wie man den menschlichen Seelen Beistand leistet. Dort unten ist auch der Thingplatz, wo die Götter täglich zu Rate sitzen. Um dahin zu kommen, reiten die Götter über den Regenbogen.
Man erkennt eine immense Verflechtung mit den Riesen aller Arten. Sie gelten also nicht als dumm und verachtenswürdig. Man darf aber wegen des seelischen Andersseins keine näheren Bindungen auf Dauer mit ihnen eingehen.

     Mit »Jörd«, der Erdgottin zeugt Wotan den rotblonden Wetter- und Bauerngott Donar = (Thor). Wotan wird zweiter Gatte Sifs, mit der er mehrere Götter zeugt. Nur durch eine Vielzahl von Nachkommen ist die geordnete Welt von As- und Mitgard aufrecht zu erhalten. Täglich essen die Götter Äpfel für ihre ewige Jugend gegen das Altern. Aber sie bleiben sterblich! Das gilt auch für alle Riesen und den von ihnen geschaffenen Zwergen. Man vergleiche damit die anderen sterbunfähigen Stammesgötter, wie die der Griechen und Römer, ganz zu schweigen von den Göttern der Weltreligionen! Letztere sind Weltenschöpfer und damit vorweltlich-und-unsterblich.

     Zur Zeit der Sommersonnenwende wird der helle Sonnengott Baldur erschossen, er sinkt dahin. Von nun an werden die Tage kürzer bis zur Wintersonnenwende. Genau zu dem Zeitpunkt wird der Sonnengott neu geboren und das Tagesgestirn scheint täglich länger. Um dieses Geschehen rankt sich viel Brauchtum.28) Geburt und Tod gehören zum Leben dazu. Somit gibt es keine Todesfurcht in christlichem Sinne. Er wird als Geschick angenommen.29) Solch eine Volksreligion lebt aus dem naturgegebenen Jahr!

     Die Asen bitten den urweisen Riesen Mimir sowie seinen Bruder Brimir Zwerge zu erschaffen. Diese sind heimtückisch, klug, Erzsucher und Schmiede.

     Die nordischen Menschen werden nach dem Wesen von Bäumen erschaffen: Die Frau nach der Ulme, die eine weichere Wuchsform aufweist, der Mann entsprechend der Esche, die schlank aufragt. Beide haben helle Haare und Augen sowie hellrosa Haut.30) Die Asen sind also die Stammes- bzw. Volksgötter der Blonden und Blauäugigen. Daneben erzählt die Edda, daß Heimdal drei Menschenpaare segnet, so dunkelhaarige Knechte, blonde freie Bauern und der Stand der hellen Edlen, aber er erschafft die Menschenpaare nicht. Wird damit der gottgewollte Abstand zwischen den Ständen betont?

     Um allweise zu werden, opfert Wotan ein Auge; er blickt also in sich - sollte er nicht das Stirnauge wie im Indischen geopfert haben statt eines wirklichen Auges? Er erfindet die Sprache und die Runenschrift, die Sanges- und Dichtkunst und damit die Kultur! Unsere Götter bringen die arteigene Kultur auf die Welt. Soll sie getrennt sein von anderen?

     Die Götter sind vermutlich hervorgegangen aus vorbildlichen Stammesfürsten, die der Jugend als Ideal dargestellt wurden. Das gilt bestimmt für Donar und Wotan. Aber gleichzeitig haben diese Aufgaben als Naturgötter übernommen, wie man es auch bei anderen erkennt. Baldur ist Sonnen- und Edel-Gott, der das Vorbild für Anstand ist. Die Göttinnen spiegeln deutlich die Eigenart der Frauen und Mütter wider.

     »Die Volksreligion des vorchristlichen Deutschen (oder besser Germanen) ist gekennzeichnet durch eine starke Diesseitigkeit und Wirklichkeitsnähe, aber nicht im Sinne eines Materialismus, sondern einer innigen Einung von Wirklichkeitssinn und ,metaphysischem' Tiefengefühl.«31)

     Unsere Vorfahren lebten noch in einer mythischen Welt. Unsere Götter werden also in eine Schöpfung hineingestellt! Der Bibelgott aber schafft selbst eine Welt, mit deren Unvollkommenheit er nicht einverstanden ist. Ja, er bestraft noch die Menschen - wie Adam und Eva - für Unvollkommenheiten, die er gemacht hat.


Neue Volksreligionen

     Allen Weltreligionen gemeinsam ist, daß sie die Schuld an allen Ungemach auf der Welt den Völkern anlasten. Es wären die Völker, die sich nicht vertragen und die Kriege verursachen. Nie spricht man von machtgierigen Menschen und Bünden, die Völker für ihren Machtrausch mißbrauchen! Daher sind sie nicht nur den alten Stammesreligionen sondern ebenso allen neuerstandenen Volksreligionen feindlich gesonnen. In Deutschland gibt es mehr als 10 junge heidnische Bünde. Von der Ahnen- und Götterverehrung in sachlicher Form reicht es bis zu Runen-Zauber und -Yoga. Letztere bedienen sich ebenfalls dogmatischer Glaubenslehren. Entsprechende Bünde bei europiden Völkern bestehen inzwischen von Island bis Griechenland und in Übersee. Alle wenden sich nur an ihre Volksgeschwister, streben eine Volksgemeinschaft an und haben ihren Schwerpunkt in der artgemäßen Feiergestaltung entwickelt. Sie alle, ob okkult oder nicht, werden als rechtsradikal bzw. rechtextrem verdächtigt.

     Auffällig viele weitere Gruppen hängen keltisch-druidischen Kulten an. Dafür gibt es zwei Gründe: Da es so gut wie keine keltischen Belege gibt, steht jedem Kult Tür und Tor offen. Außerdem genießt man die Narrenfreiheit, weil man nicht als Neonazi verdächtigt wird.


Gotterkenntnis

     Bei allen Weltreligionen herrscht eine grundsätzliche Feindschaft gegen die Gotterkenntnis Ludendorff. Sie beruht darauf, daß die Gotterkenntnis als Philosophie das gesunde Volkstum als Voraussetzung aller Kulturentwicklung und damit als große Hilfe der Höchstentfaltung des Seelenlebens für den Einzelmenschen in jedem Volk erkannt hat. Die Weltreligionen stören sich nicht an Philosophen, die Gott leugnen bzw. den personifizierten Gott in das Jenseits von Zeit, Raum und Ursache befördern. Die Weltdeuter dürfen nur nicht die Völker und die Volksgemeinschaft als Sonderwert erkennen.

     Da die Gotterkenntnis die vorgefundenen Tatsachen anerkennt und verarbeitet, also keine Erfindung ist, gilt sie für alle Menschen und alle Völker so wie die von Kant erkannten Grenzen der Vernunft oder die Naturgesetze. Sie überträgt jedem die Aufgabe, in seinem Volk das artgemäße Brauchtum ohne starre Systeme aus der Eigenart zu entwickeln und mitzugestalten.


Aussicht

     Nur, wenn es gelingt, die Weltreligionen vom Hinduismus über Christentum, Islam, Kommunismus usw. bis zur »One-world«-Lehre zu überwinden und die Völker sich zu Volksgemeinschaften entwickeln, kann man hoffen, daß die Regierungen alle Völker als gleichwertig achten und die ihr anvertrauten Völker so schützen, daß sie zu einer eigenständigen Kulturblüte sich entfalten können.


Fußnoten:

  1. Schmökel, R., Die Indogermanen, Bergisch Gladbach 1999, S. 51
  2. Ludendorff Mathilde, Schöpfungsgeschichte, Pähl 1984, S. 147
  3. frühe Vertreter der Spezies Homo sapiens sapiens. Die Cro-Magnon-Menschen lebten während der letzten Eiszeit, die auch als Würm bezeichnet wird, im Westen und Süden Europas. Sie unterscheiden sich vom Neandertaler vor allem durch die hohe Stirn und ein ausgeprägtes Kinn. Ihr Schädel war also dolichomorph (langförmig)
  4. Grönbech, Kultur und Religion der Germanen, Hamburg vor 1940, 2. Bd.
  5. Horken, Ex nocte lux, Grabert Tübingen
  6. Schmökel, R., aaO., S. 30
  7. aaO., S. 154
  8. Ludendorff Mathilde, Die Volksseele, Pähl 1955, S. 442
  9. aaO., S. 443
  10. Gögginger, Mensching, Volks- und Weltreligionen, 1944 - Bremen 1996, Teil II, S. 24
  11. Shahak, Israel, Jüdische Geschichte, jüdische Religion, Süderbrarup 1998
  12. Jones und Pennick, Heidnisches Europa, London 1995, 07407 Ergenda 1997
  13. Göllner, Ute, Der Buddhismus - keine »sanfte« Religion, in: Mensch und Maß, v. 23.4.2000, S. 339 ff.
  14. Gögginger, Mensching, aaO., S. 23
  15. Schmökel, R., aaO., S. 161/2
  16. Cronberg, Arnold, Tempora mutantur, in: Mensch und Maß v. 9.3.2000, Folge 5
  17. Eigl, Deutsche Götter- und Heldensagen, Wien 1953, S. 9
  18. Ludendorff Mathilde, Schöpfungsgeschichte, aaO., S. 78
  19. Rader, K. H., Absage an den Weltuntergang, Paderborn 1999, S. 226/7
  20. Eigl, aaO., S. 9 f.
  21. Eigl, aaO., S. 10, 13
  22. aaO., S. 14
  23. aaO.
  24. aaO., S. 10 f.
  25. aaO., S. 40
  26. aaO., S. 11
  27. aaO., S. 15
  28. Gögginger, Mensching, aaO., S. 51 f.
  29. aaO., S. 50
  30. Eigl, aaO., S. 14 f.
  31. Gögginger, Mensching, aaO., S. 14