Vor 63 Jahren veröffentlichten Erich und Mathilde Ludendorff die Schrift: »Das große Entsetzen - Die Bibel nicht Gottes Wort«:
»Das alte Testament, das unantastbare Gotteswort der Christenvölker, (ist) nichts anderes als mündliche Überlieferung der Rabbiner, für welche die Esrakonsonanten1) für die Zeit ihres Bestehens (von 450 vor Christus bis in das 1. Jahrhundert nach Christus) dank ihrer vielmillionenfachen Deutbarkeit kaum je ein Gedächtnisanhalt sein konnten. Bei der Niederschrift des griechischen Testamentes (außer Pentateuch, die fünf Bücher Moses, eine Arbeit aus nachchristlicher Zeit), wanderten indische, persische und andere Geistesgüter aus griechischen Texten in Alexandrien in starker jüdischer Verzerrung unter diese jüdische mündliche Überlieferung«.
Wenn heute der Archäologe Seev Herzog, Professor an der Universität Tel Aviv, kurz und bündig feststellt: Die Kinder Israels waren niemals Sklaven in Ägypten, wanderten nicht jahrelang durch die Sinai-Wüste und eroberten das Land Kanaan nicht mit Gewalt, dann kann das nur gläubige Juden und Christen erschüttern. Schon nach der Entstehungsgeschichte des angeblichen »Wort Gottes« war nichts anderes zu erwarten, ganz abgesehen von dem Urteil der Wissenschaft und Philosophie.
»Die biblische Epoche«, so Herzog weiter, »hat nie stattgefunden. Nach 70 Jahren Grabungen kommen Archäologen zu dem Schluß: Es stimmt alles nicht.«
Die meisten der israelischen Archäologen stimmen heute darin überein, daß ein Massenexodus der Juden aus Ägypten nicht den geschichtlichen Fakten entspricht. Auch daß Josua und seine Soldaten die Stadt Jericho nicht in einem einzigen Kampf eroberten, bei dem die Stadtmauern nach dem Schall der Trompeten zusammenbrachen, sondern daß die Einnahme Jerichos längere Zeit dauerte, ist inzwischen allgemein angenommen.
Aber auch Theologen, z. B. Françoise Smyth, Dekanin der Fakultät für protestantische Theologie in Paris, stellt übereinstimmend mit der Arbeit Albert de Purys fest:
»Die jüngste Geschichtsforschung hat die klassische Vorstellung von der Vertreibung aus Ägypten, von der Eroberung Kanaans, von der israelischen nationalen Einheit vor dem Exil und von den genauen Grenzen« (1. Moses 15, 18) »als nicht historisch verifizierbar erkannt. Die biblische Geschichten geben nicht über das, was sie erzählen, sondern über jene, von denen sie erzählt werden, Auskunft: über die am Ende des Exils (6. Jahrhundert v. Chr.) zu einem sowohl monotheistischen wie auch ethnozentrisch gelangten Theologem.«
Albert de Pury, der Genfer protestantische Alttestamentler, faßte in seiner Doktorarbeit »Promesse divine et légene culturelle dans le cycle de Jacobi« (Paris, 2. Aufl. 1975) die Forschungsergebnisse der bedeutendsten Historiker und zeitgenössischen Exegeten (Bibelauslegern) weiterführend fest:
»Das biblische Thema von der Schenkung des Landes nimmt seinen Ausgang in der ‚patriarchalischen Verheißung‘, d. h. in jener göttlichen Verheißung, die, gemäß der Erzählung der Genesis, dem Patriarchen Abraham gemacht wird. Die Berichte im 1. Buch Mose behandeln wiederholt und in verschiedenen Formen, daß Gott den Patriarchen und ihren Abkömmlingen den Besitz des Landes, in dem sie sich gerade befanden, verhieß. Diese Verheißung, ausgesprochen in Sichem, (1. Mose 12,7), in Bethel (1. Mose 13, 14-16) und in Mamre (in der Nähe Hebrons, 1. Mose 15, 18-212) und 17,4-8) also den allerheiligten Orten von Samaria und Judäa, scheint sich vor allem auf das Gebiet des heutigen Westjordanlandes zu beziehen.
Die biblischen Erzählungen stellen uns die Geschichte der Ursprünge Israels als eine Folge von deutlich abgegrenzten Zeitabschnitten dar. Alle Erinnerungen, Geschichten, Legenden, Märchen oder Gedichte, die ihnen mündlich überliefert, zu Ohren gekommen sind, führen sie in einen genauen genealogischen und chronologischen Rahmen ein. Dieser historische Rahmen ist, darüber herrscht bei fast allen modernen Exegeten Übereinstimmung, weitgehend fiktiv. Die Arbeiten von Albrecht Alt und Martin Noth haben insbesondere gezeigt, daß die Einteilung in aufeinanderfolgende Epochen – Patriarchen, Sklaverei in Ägypten, Eroberung Kanaans – künstlich ist.
Die meisten Exegeten halten die patriarchalische Verheißung in ihrer klassischen Form (s. o.) für eine Legitimierung post eventum (nach dem Erfolg) der israelischen Eroberung Palästinas bzw., um noch genauer zu sein, der Ausweitung der israelischen Souveränität unter der Herrschaft Davids. Mit anderen Worten: Die Verheißung wäre in die biblischen Berichte von den Patriarchen aufgenommen worden, um aus dieser ‚altehrwürdigen Überlieferung‘ einen Vorboten und eine Ankündigung des davidianischen und salomonischen Goldenen Zeitalters zu machen.
Die denkbaren realen Ursprünge der patriarchalischen Verheißung seien hier wie folgt skizziert;
1. Die Verheißung des Landes, verstanden als eine Verheißung der Seßhaftwerdung, ist zuerst Gruppen von Nomaden, die dem Regime der Wanderschäferei unterworfen waren und denen es darum ging, sich irgendwo in bewohnbaren Gegenden niederzulassen, gemacht worden. In dieser Form hat die Verheißung Teil des religiösen und erzählerischen Kulturerbes verschiedener Stammesgruppen werden können.3)
2. Die nomadische Verheißung hatte nicht etwa die politische und militärische Eroberung einer Region oder eines ganzen Landes zum Ziel, sondern die Seßhaftwerdung in einem begrenzen Gebiet.
3. Ursprünglich war die patriarchalische Verheißung, von der uns das 1. Buch Mose berichtet, nicht von Jahwe (dem Gott, der mit der ‚Gruppe des Exodus‘ nach Palästina gekommen war) gemacht worden, sondern vom kanaanischen Gott Elin in einer seiner örtlichen Erscheinungformen. Einzig der örtliche Gott, der Besitzer des Gebietes, konnte Nomaden die Seßhaftwerdung auf seinem Land bieten.
4. Später, als sich die seßhaft gewordenen nomadischen Sippen mit anderen Stämmen zum Volk ‚Israel‘ zusammengeschlossen haben, erhielten die alten Verheißungen eine neue Dimension. Das Ziel der Seßhaftwerdung war erreicht und die Verheißung bekam nun eine politische, militärische und ‚nationale‘ Bedeutung. Auf diese Weise neu interpretiert, ist die Verheißung als Vorausnahme der endgültigen Eroberung Palästinas, als Ankündigung der Legitimierung des Reiches Davids verstanden worden.«
Die nomadische Weissagung der Seßhaftwerdung einer schafhütenden Sippe geht zweifellos auf einen Ursprung ante eventum, das heißt auf den vor der Verwirklichung zurück. Sie gilt aber keineswegs für die Staatsgründung. Da die »israelischen« Stämme sich erst nach der Niederlassung in Palästina vereinigten, muß JHWHs Versprechen einer politischen Einheit post eventum, also erst danach stattgefunden haben.
»Und so ist die Verheißung aus 1. Mose 15,18-21, die die Souveränität des auserwählten Volkes über alle ‚von dem Strom Ägyptens an (dem Wadi ‚Arisch) bis an den großen Strom Euphrat‘ gelegenen Regionen und über alle dort lebenden Völker offenbar eine von den Eroberungen Davids inspirierte Weissagung, eine vaticinium ex eventu (Vorhersage nach der Eroberung).
Die textkritischen Forschungen haben erbracht, daß die Erweiterung der ‚nomadischen‘ Verheißung vor der ersten Niederschrift der patriarchalischen Schriften stattgefunden haben muß. Der ‚Jahwist4), der als erster großer Erzähler (bzw. Herausgeber der Erzählungen) des Alten Testamentes gelten muß, hat zur Zeit Salomons (um -990 geb.) gelebt. Demzufolge war er Zeitgenosse und Zeuge dieser wenigen Jahrzehnte, in denen die patriarchalische Verheißung, im Lichte Davids neu interpretiert, über alle Hoffnung hinaus verwirklicht erschien.«
In 1. Mose 12 beruft JHWH den Abraham: »Segnen will ich, die dich segnen, und wer dir flucht, den will ich verfluchen; und mit deinem Namen werden sich Segen wünschen alle Geschlechter der Erde.« Danach muß die Segnung Israels die Segnung »aller Geschlechter auf Erden« zur Folge haben. »Die Geschlechter auf Erden sind zunächst alle Völkerschaften, die sich mit Israel Palästina und das Westjordanland teilen.
Wir sind also nicht in der Lage zu sagen, daß sich Gott zu diesem oder jenem geschichtlichen Zeitpunkt vor einer historischen Persönlichkeit namens Abraham präsentiert und ihm den Titel über die Inbesitznahme des Landes Kanaan übertragen hätte. Vom juristischen Standpunkt aus haben wir keinerlei von ‚Gott‘ unterzeichnete Schenkungsurkunde in den Händen, und wir haben sogar allen Grund zur Annahme, daß zum Beispiel die Szenen in 1. Mose 12, 1-8 und 13, 14-18 keine historischen Tatbestände widerspiegeln.«5)
De Pury fragt deshalb, kann heute, wie es ja geschieht6), die genannte Verheißung »aktualisiert« werden? Er antwortet:
»Wenn die ‚Verheißung aktualisieren’ bedeutet, sich ihrer als eines Besitztitels zu bedienen oder sie in den Dienst einer politischen Forderung zu stellen, dann mit Sicherheit nicht. Kein Politiker hat das Recht, sich auf die Gültigkeit einer Verheißung zu berufen. Keinesfalls ist jenen Christen zuzustimmen, die die Verheißungen des Alten Testamentes als eine Legitimierung für aktuelle Gebietsforderungen des Staates Israel anerkennen.«7) (Études théologogiques et religieuses Nr. 3, Montpellier 1976)
Rabbi Elmar Berger stellte in einem Vortrag: Prophecy, Zionism and the state of Israel an der Universität von Leiden fest:
»Es ist, für wen auch immer, unstatthaft, zu behaupten, daß die derzeitige Existenz des Staates Israel die Erfüllung einer biblischen Prophezeiung sei und dementsprechend auch, daß alle Handlungen der Israelis, ihren Staat zu errichten und ihn zu erhalten, von vorn herein von Gott gebilligt seien. Die aktuelle Politik Israels hat die geistige Bedeutung Israels zerstört oder mindesten geschwächt.
Ich möchte zwei grundsätzliche Elemente der prophetischen Überlieferung untersuchen:
a) Wenn die Propheten zunächst die Wiedererrichtung Zions8) beschworen, bedeutete das, daß das Land aus sich selbst heraus bereits einen heiligen Charakter hatte? Das absolute und unbestreitbare Zentrum der prophetischen Vorstellung von der Erlösung war die Wiederherstellung des Bundes mit Gott, da dieser Bund vom König und dessen Volk gebrochen worden war.
Micha (der Prophet, 740-686 v. Ztr.) in 3, 1-12 9) sagt in aller Deutlichkeit (nach der Zürcher Bibel): ‚Hört doch, ihr Häupter Jakobs und ihr Fürsten des Hauses Israel: Solltet ihr nicht das Recht kennen? Die das Gute hassen und das Böse lieben, die den Leuten die Haut vom Leibe reißen und das Fleisch von den Knochen, die das Fleisch meines Volkes fressen, ihnen die Haut abziehen und die Knochen zerschlagen, die sie zerlegen wie Fleisch im Topfe, wie Fleischstücke im Kessel – dann zumal werden sie dem Herrn schreien, aber er wird sie nicht erhören; er wird sein Angesicht vor ihnen verbergen, zu jener Zeit, weil sie so schlecht gehandelt haben.
So spricht der Herr wider die Propheten, die mein Volk irreführen, die Heil verkünden, wenn ihre Zähne etwas zu beißen haben, aber dem den Krieg erklären, der ihnen nichts ins Maul steckt. Darum wird die Nacht über euch kommen, daß ihr keine Gesichte mehr schaut, und Finsternis, und daß ihr nicht wahrsagen könnt. Die Sonne wird diesen Propheten untergehen, und der Tag wird ihnen schwarz werden ... Ich aber bin erfüllt mit Kraft, mit dem Geiste des Herrn, mit Recht und mit Stärke, Jakob seinen Frevel, Israel seine Sünden vorzuhalten.
Höret doch dieses, ihr Häupter des Hauses Jakob, ihr Fürsten des Hauses Israel, die ihr das Recht verabscheut und alles Gerade krumm macht, die ihr Zion mit Blut baut und Jerusalem mit Unrecht! Seine Häupter sprechen Recht um Bestechung, seine Priester geben Weisung um Lohn, und seine Propheten wahrsagen um Geld – und dabei verlassen sie sich auf den Herrn und sprechen: ‚Ist nicht der Herr in unsrer Mitte? Es kann kein Unglück über uns kommen.‘ Darum... wird Zion um euretwillen zum Feld umgepflügt, Jerusalem wird zum Trümmerhaufen und der Tempelberg zu einer Höhe wilden Gestrüpps."
Zion ist nur heilig, wenn das Gesetz Gottes darüber herrscht, und das heißt nicht, daß jedes in Jerusalem verabschiedete Gesetz ein heiliges Gesetz ist.
b) Es ist nicht nur das Land, das von der Befolgung und der Treue zum Bund abhängt: Das nach Zion zurückgebrachte Volk untersteht den gleichen Forderungen der Gesetzbarkeit, der Rechtschaffenheit der Treue zum Bund Gottes.«
Demnach konnte Zion durch blutige Gewalt nicht wieder gestellt werden. Micha, der offensichtlich seine Fürsten sehr gut kannte, beweist, so man seinem Weltbild folgt, daß die Heiligkeit des Landes weder etwas mit dem Boden noch mit dem Volk etwas zu tun hatte. »Einzig heilig und Zions würdig ist der göttliche Bund, der sich im Verhalten seines Volkes äußert.«
Rabbi Berger scheut sich nicht mittels dieses Propheten, ein "Mann JHWHs« und »Verkünder seines Willen«, scharf über das heutige Israel zu urteilen:
»Der derzeitige Staat Israel hat aber keinerlei Recht, sich auf die Erfüllung des göttlichen Plans für eine messianische Zeit zu berufen. Es ist die reinste Blut- und Boden-Demagogie. Weder dieses Volk, noch dieses Land sind heilig, sie verdienen keinerlei geistiges Privileg dieser Welt. Der zionistische Totalitarismus, der sich – und sei es mit Macht und Gewalt – das gesamte jüdische Volk zu unterwerfen bestrebt ist, macht aus ihm ein Volk unter allen anderen und wie alle anderen.«
Roger Garaudy folgert aus diesem Urteil in "Mythos und Politik- Verheißung oder erobertes Land«10), der Mörder Jitzhak Rabins war weder ein Krimineller noch ein Irrer, sondern war als Rabbinersohn »ein reines Produkt zionistischer Erziehung«11) Er sah im Fernsehen den Bericht über die Gruppe »Ejal« (Krieger Israels), deren Mitglieder am Grabe des Begründers des politischen Zionismus, Theodor Herzl, schwören, »jeden hinzurichten, der den Arabern das ‚verheißene Land‘ von Judäa und Samaria (das derzeitige Westjordanland) überläßt«.
Der Mord an Präsident Rabin – wie auch der von Goldstein begangene – liege in der Logik der Mythologie der zionistischen Fundamentalisten: »Der Befehl zu töten«, sagt Jigal Amir, »kommt von Gott«, wie zu Zeiten Josuas.12) Amir sei kein Außenseiter der israelischen Gesellschaft. Am Tage der Ermordung Jitzhak Rabins tanzten13) Siedler von Kirjat Arba und Hebron um das zum Ruhme Baruch Goldsteins errichteten Mausoleum und rezitierten Psalmen Davids.14) »Jitzhak Rabin wurde nach Tausenden von Palästinensern, Opfer des Mythos vom ‚verheißenen Land‘.«
Denkt man zum Beispiel an Israel Shahaks Buch : »Jüdische Geschichte - Jüdische Religion.- der Einfluß von 3000 Jahren«, Lühe-Verlag 1999, an die selbstkritischen jüdischen Beiträge im "Washington Report« und hier an Rabbi Berger, dann muß man feststellen, daß im religiösen Judentum ebenfalls um die Freiheit von Volk und Staat gerungen wird. Es wäre von welthistorischer Bedeutung, wenn endlich erkannt werden würde, daß Erich Ludendorff schon 1930 dem Leiter der KNA’ Anim Gruppe erklärte, daß er und der Tannenbergbund den Freiheitskampf auch für das jüdische Volk »schon begonnen« habe:
»Errichten Sie in Ihrem Volk eine gleiche Bewegung und werden Sie ihr Führer, und ich bin gern bereit, als Führer aufgeklärter Deutscher, mit Ihnen als Führer aufgeklärter Juden Schulter an Schulter für die Wahrheit, Freiheit, Ehre, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt zu kämpfen, und ich werde mich mit meiner ganzen Person auch für Ihren heroischen Kampf einsetzen.«15)
Aus dieser »Frontlage« ergibt sich zwangsläufig: Jeder der diesen jüdischen Freiheitskampf gegen den fundamentalistischen Jahweismus bekämpft und Erich Ludendorffs Aufklärung der 30er Jahre als Judenhaß denunziert, erhält, ja fördert den jahweistischen Einfluß auf das jüdische Volk wie auf die Welt. Und er gefährdet die Gottesbewußtheit als Ziel der Schöpfung.
Sein oder Nichtsein – Gotterkenntnis oder JHWH-Herrschaft – das ist die Frage an die Zukunft!