Eine neue Satanismus-Welle

Im Mitgefühl für ihre Opfer

Von Dr. Gunther Duda

Unkenntnis

      Die wenigsten Zeitgenossen wissen was Satanismus ist. Diese schwarze Religion um den hebräischen Satan, Feind oder Teufel, böser Geist, Ankläger (Hiob) und im Christentum »Gegengott«, macht seit Jahrzehnten nun sogar öffentlich von sich reden. Meist sind es derzeit nur Jugendliche, die in ihrer Leere und verführt durch induziert-irre Erwachsene, wegen ihrer kranken Vorstellungen und Praktiken bekannt werden. Satanismus gilt als Verehrung und Verherrlichung des »widergöttlichen Prinzips«. Alchemie, Magie (schwarze, weiße, sexuelle), Symbolik, Blutaberglaube und schwarze oder Teufelsmessen1), die unappetitliche Umkehr der christlichen, werden hier eifrig getätigt. Dieser Dämonenkult wurde schon im 12. Jahrhundert v. d. Ztr. nachgewiesen. Unter Ludwig XIV. von Frankreich (1643-1715) kam es zu einem neuen Höhepunkt dieses Wahnes. Er beeinflußte im 19. Jahrhundert die Schriftsteller, diente aber auch der Kirche zur Verfolgung ketzerischer Bewegungen. Diese abartige Teufelei üben seit Jahrhunderten vor allem die geheimen Männer- und Frauenbünde als Herrschaftsmittel, z. B. der »Orden der Ordnung« des »Mahatma Br. Köthner« der 30er Jahre, die »Fratenitas saturni« oder der »Ordo Templi Orientis« (OTO) des Aleister Crowley (1875-1947).2) Heute verpestet sie, wie gesagt, auch verkommene Jugendliche.

Die Wahnideen3)

      Der Freiheitskampf des Hauses Ludendorff gegen die religiösen Imperialismen und ihre weltlichen Werkzeuge mußte auch über den Satanismus aufklären. In dem Beitrag "Der ‚Orden‘ und der Satanismus« in »Ludendorffs Volkswarte« vom 19. 2. 1933 schrieb Mathilde Ludendorff:

      »Da der Mensch Böses tun kann, so verfielen die Menschen, die einen persönlichen Gott außerhalb der Welt annahmen, auf den Wahn des Teufelsglaubens, der ihnen die Unvollkommenheit des Menschen erklärbar machte, denn von Gott konnte die Sünde nicht stammen. Geisteskranke verkündeten, überzeugt von ihren Halluzinationen, die Erscheinung und die Worte eines Teufels, ja neben ihm noch unzählige Dämonen (und auch himmlische Wesen, die Engel). So wurde der Teufelsglaube, der also der Vernunft wahrscheinlich war, den Wahnideen Geisteskranker entnommen und zur religiösen Überzeugung.

      Dieser Teufelsglaube führte dann zum Höllenwahn und richtete in den Christenvölkern das ungeheuerste Unheil der Verängstigung ohne Ende an. Auch führte er zu dem Wahn, es gäbe von Teufeln besessene Menschen und dies wiederum führte zu blutrünstigen Verbrechen an denen, die man mit dem Teufel im Bunde wähnte.

      Aber all dieses Unheil verschwindet, so groß es sein mag, neben dem anderen, grauenvollen Irrtum, der eigentlich aus dem erstgenannten Irrtum folgerichtiger abgeleitet ist als die kirchliche Teufelslehre und sagt: Der Teufel wäre nicht, wenn er nicht von Gott das Leben empfing, er ist ein Teil Gottes. So entstand die grauenvolle Lehre der Satanisten, Jahweh ist El Elion und El Schaddai4) zugleich, ist der Gott des Guten und des Bösen. Jahweh ist der Januskopf mit den zwei Gesichtern. Der Satan ist der Schatten des Lichtgottes, ist der ‚Schattenaspekt‘ des Gottes. Beides, Lichtaspekt und Schattenaspekt, gehören zusammen.

      Daraus wiederum ergab sich... die höchst praktische Lehre: Jahweh ist gegenüber den gläubigen Juden El Elion. Er segnet sie, gewährt ihnen Reichtum und Herrschaft über alle Völker. Aber er ist gegenüber den Gojim El Schaddai, der Satan. Das Bündnis Abrahams mit El Schaddai sicherte ihm den Sieg über alle Gojim.

      Aus solch entsetzlicher Gottlehre stammt dann der weitere grauenvolle Wahn: Zum Lichtgott, zur weißen Magie, kann der Schüler der Weisheit nur dringen, wenn er sich die satanischen Kräfte, die schwarze Magie, zuvor sichert. Wie nun diese Wege beschaffen waren, wie sich die schwarze Magie betätigen sollte, das war der Phantasie der gnostischen Geheimorden überlassen, die sich auf das grauenvollste entfaltete. Das Liebesmahl, die Messen dieser verderbten Geheimsitten, haben sich in geheimen Männerbünden der Christenvölker durch alle Jahrhunderte bis zur Stunde erhalten können...«.

»Warum?«

      Diese Frage, eingemeißelt auf dem Grabstein des am 27. 7. 1984 geborenen und am 7. 3. 1998 ermordeten Markus Wachtel ist bis heute unbeantwortet geblieben. Sein Leichnam war schrecklich zerstückelt und sein Grab vor kurzem geschändet worden. Am 14. 10. 1999 entdeckten nämlich Friedhofsbesucher in Peine seine ausgehobene Gruft und den eingetreten Sargdeckel. Der Kopf des toten Buben fehlte; er war geköpft worden.

      Fast zur selben Zeit, am Wochenende zuvor, hoben bisher Unbekannte auf dem Friedhof Frankfurt-Hoechst ebenfalls ein Grab aus. Sie wurden aber offensichtlich gestört und mußten fliehen. Auch hier lag der Leichnam eines 13jährigen, der zur selben Zeit wie Markus ermordet wurde. Dem Schüler Tristan Bübach hatte man die Kehle durchschnitten und den Körper ebenfalls zerstückelt.

      Das waren keineswegs die einzigen Fälle die ruchbar wurden. Im Dezember 1995 gruben Unbekannte in Berlin-Charlottenburg den Sarg eines kurz zuvor beerdigten Siebenjährigen aus, der bei einem Verkehrsunfall getötet worden war. Sie stahlen den Leichnam und bahrten ihn in einer Art Mausoleum auf. Ein Jahr später verwüstete man in Dortmund das Grab von Zwillingen, die kurz nach der Geburt starben. Auf den Grabstein war die Kultzahl 666 gesprüht worden. Satanisten verehren sie als Sinnbild ihres Gottes.

      Über diese Totenschändungsrituale wird eifrig gerätselt, sie werden aber auch von den Behörden »heruntergespielt« 5) Schwere Friedhofsverwüstungen in Bayern, Sachsen und Brandenburg verharmlosen sie als Rowdytum. Man denkt an Nekrophilie (sexuelle Leichenschändung), vor allem aber an den Satanismus, weil hier Grabschändungen üblich seien. Der Berliner Religionswissenschaftler Hartmut Zinser, Sachverständiger der Enquetekommission6) der Regierung und Okkultismusfachmann erklärt: »Satanisten brauchen dieses Utensil und ein prominenter Kopf würde diesen Reiz zusätzlich aufladen.«

      Thomas Gandow, Sektenbeauftragter der evangelischen Kirche in Berlin, weiß ebenfalls daß Okkultisten seit je Leichenteilen eine »besondere Kraft« zuschreiben. Totenschädel hole man längst nicht mehr nur zu den seltenen rituellen Handlungen hervor. »Den stellen die sich einfach in die Bude.« 7) Entsprechende Videos verstärken diesen üblen Fetischismus. »Die Filme werden immer härter, und die Satanisten greifen auch zu immer härteren Praktiken.« Das Ausgraben sogenannter prominenter Leichen könnte dabei einen vorläufigen Höhepunkt darstellen.

      Aber auch schwarze Messen selbst sollen Leichenteile benötigen. Der Psychologe der hessischen Polizei, Klaus Thiessen, schließt ebenfalls einen okkulten Hintergrund der Grabschändungen nicht aus. Ein berühmter oder zumindest pressebekannter Leichnam könnte einen »gesteigerten Kick« (etwa rauschartiger Zustand) bei Anhängern satanistischer Jugendkulte auslösen. Sicher werden Leichenschändungen auch des Geldes wegen häufiger, das Grabräuber durch den Verkauf von Totenschädeln von den geheimen Kreisen erhalten. Sogar Bestellungen sind hier wahrscheinlich.

      Das Ruhrgebiet soll Mittelpunkt satanistischer Verbrechen sein, was auf einen organisierten Hintergrund verweist. Nirgendwo sonst, bestätigt der Bochumer Geistliche Alfred Labusch, Leiter der dortigen Initiative Sekteninfo, sei das (sub-) kulturelle Umfeld derart verfestigt: Einschlägige Diskotheken, Plattenläden, Clubs und Buchhandlungen beliefern einen wachsenden Kundenkreis mit satanistischer Untergrundliteratur, Opferschalen aus Totenköpfen, schwarzen Roben mit Teufelssymbolen oder besonderen Kultmessern. »Schädel werden in dieser Szene als kultische Gegenstände gebraucht.« (Quelle: Die Woche vom 22. 10. 1999)

      Der Satanismus lebt also weitgehend ungestört im Dunklen, nur hier und da werden seine Spuren durch Morde oder Leichenfrevel sichtbar. Dieser Teufelswahn liefert dem Fernsehen immer wieder grauenhafte Vorlagen z.B. zu dem Film (und Buch) »Rosemaries Baby«, ohne daß aber das Umfeld ausgeleuchtet wird.8) Im Gegenteil! Bewußt und unbewußt fördern die Medien diese Verbrechen. Oft werden die Täter sogar vermarktet. So stellte das Fernsehen auf einem Friedhof eine schwarze Messe nach und vermittelte einem Brandenburger Gabschänder einen lehrreichen Besuch in der Verwahrkammer der Berliner Charité. Die Veralltäglichung, das heißt die Gewöhnung an diese Verbrechen, wiederum als Herrschaftsmittel, stumpfen nicht nur die Empörung und Wachsamkeit der Menschen und Behörden ab, sie leisten ihnen Vorschub. Wer an die zahllosen Mädchenmorde in Belgien und den dort herrschenden Filz bis in die Spitzen des Staates hinein denkt, den nicht einmal Massenaufmärsche der Bürger beseitigen konnten, der weiß von der Macht dieses oft mit den geheimen Bünden verquickten geisteskranken Untergrund.

»Brüder, seid wachsam«

      Mord, Grabschändung, Köpfen, Zahlen-, Farb-, Symbol-, Skelett- und Schädelkult sowie Tarnen, Leugnen und Lächerlichmachen kennzeichnen den Satanismus von gestern und heute. Dasselbe gilt für die Wahnvorstellungen und Rituale zahlloser Geheimorden. Als ein furchtbares Beispiel aus dem 18. Jahrhundert steht hier der endlich aufgeklärte Kultmord an W. A. Mozart vor nun 208 Jahren. Er wurde gemordet; durch ein Kultgift. Ein profanes Grab für ihn gab es nicht; das auf St. Marx in Wien ist ein Scheingrab. Sein Leichnam, kurz nach seinem Tod noch in Br. Schikaneders Theater gesehen, verschwand im Dunklen, wohl in einer Hochgradloge. Ob man ihn auch zerstückelte, weiß man nicht, doch geköpft wurde er, sicher zu irgendeinem Kult. Warum sonst die jahrhundertealte »Schädelfrage«, wie bei Joseph Haydn, Friedrich Schiller9) und zahllos anderen Persönlichkeiten.10) Und selbstverständlich fehlen bei Mozart nicht die Zahlenkabbalistik, die Vertuschungsversuche, die Verspottung, die scheinwissenschaftliche Verwirrung und die Abwehr. Angesichts meiner unwiderlegten Pathographie: »W. A. Mozart. ‚Den Göttern gegeben‘ - Ein Bauopfertod«, Verlag Hohe Warte, Pähl 1994, konnten die Wiener Freimaurerei nur abwiegeln: Br. H. Bankl, der »Wächter« warnte in der »Humanität«: »Brüder, seid wachsam!« 11)

      Dieser Vergleich des Mozart-Schicksals mit dem oben Ausgeführten besagt selbstverständlich keineswegs, daß er ein Opfer eines Satanismus des 18. Jahrhunderts, des »Jahrhunderts der Geheimorden«, geworden war. Er zeigt lediglich die ídeologisch-kultische Verwandtschaft auf. Es geht um den Wahn, der keine Grenzen zu kennen scheint. Deshalb muß ihm die Wahrheit gegenüber gestellt werden.

Erkenntnis

      In der ebenfalls seit 1933 an verantwortungslos unterdrückten Schrift: »Induziertes Irresein durch Occultlehren – Geheime Wissenschaften« von 1933/197012) betonte M. Ludendorff wie wesentlich die Erkenntnis der Seelengesetze und die Erkenntnis des Wesens des Sinns der Unvollkommenheit des Menschen für die Rettung der Völker vor jedem Okkultwahn ist. Wollen Staat und Kirchen tatsächlich den Satanismus und andere Wahnlehren bekämpfen, dann müßten sie diese seit fast acht Jahrzehnten veröffentlichten Erkenntnisse mit allen Mitteln verbreiten. Geschieht das nicht, dann machen sie sich unterlassener Hilfeleistung schuldig. Gerade die »linken Kräfte«, die teilweise weniger religiös und okkult beeinflußt zu sein scheinen, müssen hier handeln. Die nach wie vor verleumdete Wahrheit lautet:

      »Der Inhalt meiner philosophischen Werke hat zum ersten Male die Wahnlehren, daß es Teufel, dämonische, chaotische Kräfte im Weltall gäbe, restlos widerlegt. Er zeigt, daß aus einem tiefen göttlichen Sinn heraus, der Mensch seine angeborene Unvollkommenheit aus freier Wahl belassen, oder durch göttliches Wollen überwinden oder endlich dazu verwerten kann, sich zu einem schlecht gesinnten und schlecht handelnden Menschen zu machen, daß es aber im Weltall keine ‚magischen, dämonischen Kräfte’ gibt die ihn dazu veranlassen könnten. Gesetze der Seele, die ich in meinen Werken ‚Des Menschen Seele‘ und ‚Selbstschöpfung‘ niederlegte, stellen all dem Teufels- und Magiespuk die herrliche Tatsächlichkeit gegenüber, daß das Weltall frei von Teufeln, Dämonen, Engeln, schwarz- und weiß magischen Kräften ist. Sie machen all dem Unfug ein Ende, den die Machtgierigen in allen Völkern zu allen Zeiten mit solchen Wahnlehren anrichten. Sie zeigen aber auch die gesunde Abwehr der Seele gegen Suggestionen und die herrlichen Wege der Selbstentfaltung. Sie werden Menschenverblödung in kommenden Zeiten erschweren.«

      Der Grabstein des gemordeten 13jährigen Schülers Markus Wachtel in Peine fragt noch immer »Warum?«. Die bittere Antwort darauf lautet: Hier mordete religiöser Wahn!

      Rechtzeitige Aufklärung über diese suggestiv-hypnotisch ausgelöste Geisteskrankheit hätte das Verbrechen verhindern können.


Fußnoten:

  1. Sie ist »eine ganz besondere Abart der gnostischen Messe, bei der u.a. eine konsekrierte Hostie mit dem Staub aus den Schädeln von Magiern gemischt und hierdurch Christus geschändet werden soll. Die sexuellen Orgien treten hier mehr als bei anderen Abarten zurück. Da diese ‚schwarze Messe‘ von ‚einem geweihten abtrünnigen Priester celebriert werden muß‘, so ist sie in den satanistischen Riten der ‚Ketzer‘ seltener geübt und wird hier nur zum ‚Studium empfohlen.‘« (1933)
  2. Knaut, Horst: Das Testament des Bösen, 1979
  3. Nach Kraepelin sind Wahnideen krankhaft verfälschte Vorstellungen, die der Berichtigung durch Beweisgründe nicht zugänglich sind.
  4. El, der Mächtige, ist Name Gottes; E eljon ist der erhabene (höchste Gott (Philo-Lexikon, Handbuch des jüdischen Wissens. Philoverlag Berlin 1937). Miers leitet Schaddai von hebräisch shaddad=beschädigen ab. In 1., 2. und 3. Mos., Ruth und Hiob, der Name des zerstörerischen Prinzips, entsprechend Shiva der Hindus. (Lexikon d. Geheimwissens, 1970)
  5. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
  6. Sie mußte zum Satanismus sogar eine Akte anlegen
  7. Als »memento mori« war das auch im 16./17. Jahrhundert üblich
  8. Erinnert sei an den »Satan« Charles Manson und seine 666-Kultopfer 1969 in den USA mit »Sex, Religion, LSD« und Abhacken von Köpfen. (s. Knaut)
  9. H. Fikentscher: »Der heutige Stand der Forschung über Friedrich Schillers sterbliche Reste«, 1990, mit Nachweis der Enthauptung. W. Daniel Wilson sprach in der Rheinischen Post vom 4.2.1999, daß Goethe eine amtliche »Akte Schiller« anlegen ließ.
  10. Ich listete weitere 20 zu klärende Fälle in meinem letzten Mozartbuch auf.
  11. Siehe auch »Mensch und Maß« 1997, Folge 23, S. 1073
  12. Verlag Hohe Warte, 82396 Pähl, Versandbuchhandlung Stiller, Stafstedt