»Ehrwürdige Betrüger benutzen Gott als Schleier zur Verhüllung ihrer Leidenschaften.«
Friedrich der Große, 1766
Es ist kein Zufall, wenn in einem Jahr gleich drei Abwehrschriften christlicher Anmaßung und Verfolgung erschienen sind, nämlich die hier besprochene2), dann Kreuzschmerzen – Standpunkte und Bekenntnisse von Heiden und Ketzern3) sowie Ketzerfeldzug in Deutschland - Christliche Unduldsamkeit...4) Möge ihr Standort jeweils auch ein wesentlich anderer sein, gemeinsam ist ihnen die Verteidigung der Geistesfreiheit und die Abwehr der Verleumdungen. Beides wurde angesichts der globalen Großoffensive der Bibelmächte mehr denn je notwendig.
Die kenntnisreiche, notwendige aber auch kritisch zu lesende Untersuchung des ehemaligen Dekans der theologischen Fakultät in Wien geht von der gegenwärtigen Krise der Kirchen aus. Hier schrillen angesichts der drohenden »höchsten Gefahr ihrer Existenz und Existenzberechtigung« die Alarmglocken. Auch wenn die christliche Beamtenschaft ständig suggestiv predigt, einziger Platzhalter der Religion und Moral zu sein, sie spürt, »daß gegenwärtig ein radikaler Wandel stattfindet«. Vor allem seien es die »dramatische Schwächung und Schrumpfung der beiden sogenannten Volkskirchen in der säkularisierten Gesellschaft«, die einen »radikalen Wandel ankündigt«. »Säkularisierung (Verweltlichung, Entkirchlichung) ist ein ungemein komplexer Begriff und Prozeß. Er beinhaltet heute auch... einen Bewußtseinsfortschritt in vielen Menschen, nämlich das Wachsen der Erkenntnis, daß das eigene individuelle Leben, aber auch das gesellschaftliche sowie Kultur, Politik und Wirtschaft sich von jeder institutionell-religiösen, also kirchlichen Prägung und Bevormundung befreien und freihalten müssen.«5)
Es sei die »neue Religiosität und deren Dynamik und Energie«, die keineswegs wie geunkt, »das Ende der Religion« brachten oder »den in religiöser Hinsicht dahinsiechenden, spirituell unattraktiven Amtskirchen zu gute« kommen, »sondern in Gruppierungen fließen, die dogmatisch nicht gebunden, institutionell nicht hierarchisiert, nicht geistig erstarrt und verbürokratisiert sind.«
»Land unter!« für die Kirchen? Der entbrannte Kampf gegen die »neuen religiösen Bewegungen« spricht dafür. Und deshalb wurde wieder eine Inquisition notwendig, nicht anders als einst als man »Hexen«, Ketzer und Schismatiker, sozialreligiöse Reformer und Revolutionäre abwehre mußte. Verharmlosend nennt man die neuen Inquisitoren »Sektenexperten«, »Sektenbeauftragte« oder »Sektenpfarrer«, genauso wie man in Rom das Sanctum Officium nach 1965 in eine scheinbar ungefährliche Glaubenskongregation umtaufte. Ein würdiger Nachfahre der Ketzerjäger verflossener Zeiten war der wohlleibige Pfarrer Haack, der sein denunziatorisches Gift auch gegen die Gotterkenntnis spritzte. Nicht grundlos befand K. Jaspers: »Kirche steht ständig auf dem Sprunge, von neuem die Scheiterhaufen für Ketzer zu entflammen.«
Fehlendes Wissen und Blauäugigkeit aber auch Feigheit und Bequemlichkeit sind es, welche die Religionen immer noch auf ihrem selbst errichteten Thron sitzen lassen. Ähnlich wie die Handbücher Deschners oder Wolfs christlich-kirchliche Untaten brandmarken, so auch Mynareks Buch über die »Sektenjagd« der Jahrhunderte, auch und gerade gegen Frauen und Juden. Heute gilt sie vorrangig den »neuen Religionen«. Die aber sind gar nicht neu, sondern meist Brückenköpfe des mittelasiatisch-buddhistischen Okkultismus mit ihrer "Hypnose"-Religion. »Priesterkasten gegeneinander«, nannte Erich Ludendorff diesen weltweiten Sektenkampf6) schon 1936.
Triebkraft der »neuen Inquisition« ist immer noch der antipluralistische Totalitätsanspruch des »heiligen Apostolischen Stuhles und des römischen Pontifex, der den Vorrang über den ganzen Erdkreis innehat«, selbst über die anderen Bibelkirchen. »So ist die Kirche eine Herde unter einem obersten Hirten«. Der Befreiungstheologe Leonardo Boff, der menschenunwürdig vor dem heutigen Inquisitionsamt der Kurie zu Kreuze kroch, ohne daß ihm das half, bekannte nach einem letzten Aufflammen seines Stolzes:
»Die subjektive Erfahrung, die ich in diesem 20jährigen Ringen mit der Lehrautorität gemacht habe, ist diese: Sie ist grausam und unbarmherzig. Sie vergißt nichts. Sie verzeiht nicht, sie verlangt alles. Jede erforderliche Zeit und alle nötigen Mittel werden eingesetzt, um das Ziel zu erreichen: nämlich die Gleichschaltung der theologischen Intelligenz... Ich habe das Gefühl, vor eine Maurer gelangt zu sein. Ich komme nicht mehr weiter.« Er wolle nicht »die eigene Identität opfern... Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen: Das Recht, die Würde und die Freiheit des Menschen. Wer sich ständig beugt, wird letztendlich krumm, und damit entmenschlicht... Bevor ich ganz verbittere, wechsle ich lieber den Weg.«
Um ihre Untergangsängste zu beruhigen, müssen die Kirchen gegen die religiösen Nebenbuhler also wieder ihr altbewährtes »Schwert der Inquisition« einsetzen, natürlich zeitgemäß:
»Dieses Schwert sollen die Inquisitoren, die Sektenjäger, führen, evangelische und katholische Theologen also, die sich die Devise ‚right or wrong, my church‘ absolut verpflichtet fühlen und als wichtigstes und höchstes Ziel die Desauvierung der sog. Sekten um jeden Preis auf ihre Fahnen geschrieben haben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist den Sektenjägern ... fast jedes Mittel recht.« Es seien infame, raffinierte, brutale und diskriminierende Mittel und Methoden, z. B. die Anwendung der »Sektenkeule«, Verunglimpfung, Verspottung, Verächtlichmachung, Vorwürfe, die Jugendlichen zu schädigen oder die Beeinflussung von Staat, Eltern- und Bürgerinitiativen für diese kirchliche Verfolgung. Hinzu komme die massive Beeinflussung der Medien, die Mär vom ungeheuren Reichtum der »Sekten«, das hysterische an die Wandmalen von Massen(selbst)morden, Rufmord, Berufsverbot, Existenzvernichtung und Psychoterror.
Unter Denken und Handeln der evangelischen Sektenbeauftragten widmet Mynarek Martin Luther - »Prototyp des Sektenjägers und Inquisitors?« - fast fünfzig Seiten seines Buches. Er hier einen dem – aber nur ihm - weitgehend unbekannten Reformator und betont:
»Nie hat wohl in der Geschichte der Religionen ein ‚frommer Mann‘ der Obrigkeit ein derart gutes Gewissen beim Morden (z.B. der Bauern) gegeben wie Martin Luther. Er, Luther, müsse ‚die weltliche Obrigkeit unterrichten, wie sie hierin mit gutem Gewissen (ver)fahren soll‘. Und er unterrichtet sie! Er unterbaut ihre Herrschaft metaphysisch-religiös, indem er den ‚Fürsten und Herrn‘ zu ‚Gottes Amtmann und Diener von dessen Zorn‘ ernennt, ‚dem das Schwert über solche Buben befohlen ist und der sich ebenso hoch vor Gott versündigt, wenn er nicht straft und ehrt und sein Amt nicht vollführt, wie wenn einer mordete, dem das Schwert nicht befohlen ist.‘... ‚Solche wunderliche Zeiten sind jetzt, daß ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann (und zwar) besser als andere mit Beten...‘ «7)
Nicht weniger treffend behandelt dann der Verfasser das »Gottes- und Menschenbild« der »Beauftragten«, ihre »Staatsideologie, Identitätskonfusion und Existenzangst«. Die römische Seite, wenn auch nur kurz, fehlt nicht.. Abschließend, wie schon angeführt, werden die wichtigsten Mittel der jüngsten »Hexenjagd« dargestellt.
Mynareks Untersuchung ist ein Standardwerk zum Thema und deshalb für das Ringen der Völker um sittliche Freiheit dringend zu empfehlen. In seiner Anprangerung ist ihm voll zuzustimmen, doch dort, wo sein neues Weltbild mitwirkt, fehlt ihm bedauerlicherweise und wie üblich bei Kritikern der Kirchen der Maßstab für Mensch, Volk und Gott. Deshalb erkennt er nicht die Gefahren der »neuen Religiosität«, die meist nur Scheinfreiheit und seelische Abrichtung bietet.8) Wiederum war es das Haus Ludendorff das Europas Völker seit den dreißiger Jahren vor der hier drohenden seelischen Umnachtung gewarnt hatte. Durch Aufklärung und geistige Auseinandersetzung, nicht durch nutzlose inquisitorische Maßnahmen! Bezeichnenderweise folgte ihm JHWH nicht.
Es geht um die sittliche Freiheit und göttliche Sinnerfüllung des Menschen! Beide werden von den alten wie den neuen Religionen und ihrer ungeheuren Gotteslästerung bedroht. So sei abschließend dem von JHWH wie Buddha verfemten Erich Ludendorff das Wort aus seinem Aufsatz: »Okkukultwahn züngelt von Asien nach dem Westen« (1937) gegeben, ein Wort, das nicht nur am Gang der Weltgeschichte die Ziele »Tibets«, sondern nicht minder die geschichtliche Scharfsicht des Generals erweist:
»Die buddhistische Priesterkaste auf dem ‚Dach der Welt‘ ist die älteste der zur Zeit auf Erden bestehenden Priesterkasten. Sie wähnt sich als Trägerin des okkulten Wahnglaubens des Altertums und zugleich als übergeordnet dem mosaischen Levitentum und dem Priestertum der Christenlehre und des Mohammedanismus. Sie hat mit letzterem in ihrer Schau nicht so unrecht. Das (Thora)-Judentum hat aus Ägypten und Babylonien und den dortigen ‚Mysterien‘ geschöpft und sie für sich zurechtgestutzt. Es hat aus dem Buddhismus und dem Krischnaismus mit jüdischen Zutaten die Christenlehre fabriziert. Wollte es damit nicht nur das römische Reich zerstören, nicht nur Völker unterwerfen, sondern auch die ‚alten Mysterien‘, von denen Frau Blavatsky spricht, stürzen und sie durch mosaisch zurechtgemachte ersetzen? Wir wissen, daß Juden die freimaurerischen ‚Mysterien‘ aus Ägypten mitnahmen, Moses soll ein in ’den alten Mysterien‘ Eingeweihter gewesen sein. ‚Mysterienbünde‘ brauchen lenkbare Massen.«