Ostpreußen vom Ausland her gesehen

Von Frithjof Hallman

      Es dürfte zu den großen Ausnahmen und Seltenheiten der Geschichte zählen, daß ein altes europäisches Kulturland wie das deutsche Ostpreußen so eklatant von der gesamten Weltöffentlichkeit vernachlässigt worden ist. Daher ist es sowohl erstaunlich wie auch begrüßenswert, daß es doch ganz vereinzelte Stimmen gibt, die sich mit diesem betrüblichen Thema zu befassen wagen. Zwei hier unten wiedergegebene ausländische Stimmen, eine amerikanische und eine schwedische, bilden hierbei eine seltene Ausnahme.

      Als 1991 das sowjetische Oblast Kaliningrad (d. h. der Bereich der früheren deutschen Provinz Ostpreußen) endlich seine Grenzen öffnete, berichtete im März 1977 ein Korrespondent der größten Zeitschrift der Welt, »National Geographic Magazine« in Washington, »waren unter den ersten Omnibuslasten von Besuchern ,Nostalgie-Touristen‘ aus Deutschland, alte Königsberger, welche die Landschaften ihrer Kindheit besuchten. Unter der neuen Ordnung waren sie und ihre deutschen D-Markscheine beide dort willkommen.« Es war seltsam, daß so ein großes über die ganze Welt verbreitetes Journal einen so ausführlichen Bildbericht über jenen im Vergleich zu den gigantischen Ausmaßen des Sowjetreiches kleine Gebiet brachte und betonte, daß immer noch »Gerüchte über eine Germanisierung« weiterlebten, obwohl das Gebiet heute nur noch »etwa 5.000 ethnische, nach einigen Schätzungen so viel wie 20.000 Deutsche zählt«, von denen jedoch viele Nachkommen der Wolgadeutschen seien. »Die Russen und anderen, die nach dem Zweiten Weltkriege zu einem neuen Leben herkamen«, betont das Journal, »zogen in einen Kern einer Nation, in deren Heime und Höfe, in die Möbel, zu den Töpfen und Bratpfannen anderer Menschen aus ihren eigenen verbrannten Dörfern, aus dem Gulag, aus Erdlöchern ein, und hatten nichts dagegen einzuwenden, die Deutschen zu ersetzen, während viele erstaunt waren über die Wassertoiletten und zweistöckigen Bauernhäuser, und ihre Schafe und ihr Vieh in das erste Stockwerk steckten. Wenn dann ein Ort unbewohnbar wurde, zogen sie in einen anderen und Hunderte von Dörfern wurden übergeben, während das Land verfiel.

      Aber die Siedler«, wird dann abschließend betont, »überlebten, pflückten Beeren, lernten Kartoffel in der verbrannten Erde zu pflanzen und zogen neue Generationen auf.« Von den über 200 deutsch-russischen Familien, die so aus Kasachstan und Kirgistan z. B. in die Umgebung von Chermyakhowsk, das früheren Insterburg, kamen, wußten, wie es hier noch heißt, »viele nicht, daß dies ursprünglich deutsches Land gewesen war.«

      Wie im Falle des Verfassers des obengenannten Reiseberichtes über Kaliningrad (das alte Königsberg, das seit 1946 von Stalin nach einem seiner Mitarbeiter, Michael Kalinin, getauft wurde, der gnadenlos seine eigene Ehefrau in einem sowjetischen Zwangsarbeitslager umkommen ließ) liegt in diesem Zusammenhang ein weiterer ausführlicherer Bericht eines schwedischen Besuchers im alten Ostpreußen vor, Per Landins »Das Schloß, daß verschwand« (Bruno Östlings Verlag Symposion, Stockholm, 1999), das es aufgrund seines reichen Inhalts verdient hätte, auch einer deutschsprachigen Leserschaft vorgestellt zu werden.

      Landin, Mitarbeiter der größten Tageszeitung Schwedens, der »Dagens Nyheter«, schrieb seine Darstellung aufgrund eigener Reisen durch die verschiedenen Teile jenes Gebietes und hat, nach einer eingehenden Lektüre der einschlägigen Werke seit dem Kriegsende (u. a. von Otto Laschs, Wölli Scharloffs und Fritz Gauses Schriften) versucht, ein so objektives Bild wie möglich über jenes Gebiet zu bieten. Da der Verfasser durch akademische Studien der deutschen Sprache mächtig ist, und sich offenbar ebenfalls im Russischen verständlich machen konnte, war es ihm möglich, sich ein eingehendes Bild von den Verhältnisse zu bilden, das wir unseren Lesern hier nicht vorenthalten möchten. Einige Zitate mögen dazu beitragen, seine Schilderung so authentisch wie möglich in aller Kürze wiederzugeben.

      Um sich an Ort und Stelle, nach der damaligen Vernichtung Königsbergs, überhaupt orientieren zu können, bediente Landin sich eines alten deutschen Reiseführers von 1927. Hier war u. a. von einem mächtigen Schloß aus dem Mittelalter die Rede, von zahlreichen inzwischen verschwundenen Brücken über die Pregel und von »Linden, die ihre Zweige in das spiegelblanke Wasser tauchten«, wobei es jedoch heute »wirkt, als wäre es hoffnungslos, mit Hilfe der Phantasie oder mathematischer Gesetze den Versuch zu machen, sich zu denken, wie der mittelalterliche Stadtkern einst ausgesehen hat«. Ein paar weitere Zitate mögen die Eindrücke des heutigen Besuchers näher darstellen.

      »Je mehr ich versuchte, an die alten Patrizierhäuser in der Kniephöfchen Langgasse und die Emailleschilder der alten Handelshäuser zu denken, desto größer wurde der Abstand zwischen der Vergangenheit und der Zukunft.« Für ihn war die ziegelrote Ruine des siebenhundertjährigen Domes, mit Wildweiden überwachsen, das einzige von dem mittelalterlichen Idyll, das jetzt noch dastand, »eine Reliquie des einst bewohnten Königsbergs«. Ja, diese zerschundene Domkirche, hinter der sich das Grab eines der mächtigsten Denker des Abendlandes, Immanuel Kant, befand, erinnerte Landin geradezu an einen »Meteoriten eines anderen Planeten«, so öde kam ihm jetzt alles hier vor.

      Bei einigem guten Willen hätten jedoch die neuen sowjetischen Machthaber, meint Landin, »etliche Gebäude, bei kleinem Unterhalt, hier stehen lassen können, aber, die effektivste Weise, Menschen sich anpassen zu lassen, besteht ja darin, ihr Zeitgefühl zu untergraben. Man wollte zeigen, daß die Vergangenheit abgeschafft worden war«, da, nach der offiziellen sowjetischen Geschichtsschreibung Königsberg nie existiert habe und die Geschichte jener Stadt und des umliegenden Ostpreußen erst mit 1945 begonnen habe. Daher habe es auch gegolten, die Viertelmillion Deutsche loszuwerden, die übriggeblieben war, wonach man »Hunderttausende von Russen zwangsweise aus den volksleeren Teilen Rußlands - Tataren von der Wolga und Fischer vom Kaspischen Meer, um die Barlast der Geschichte loszuwerden, hierher verpflanzte«. Per Landin erinnert hier aber auch daran, daß es in bezug auf die Ausrottung ostpreußischer Ortschaften und Gutshäuser bei einigem guten Willen anders hätte sein können, wie wir dies von der »Bewahrung alter Stadtkerne« und der Restaurierung alter deutscher Gebäude in anderen Teilen von Preußens und Schlesiens unter polnischer Oberhoheit her kennen.

      Nun zogen regelmäßig ganze Schwärme von deutschen Touristen mit alten Karten ausgerüstet umher und suchten vergebens nach Spuren des alten Kniephofs, des Tivoli, des Bauerschen Gartens und des Börsengartens, die alle von britischen Bomben und sowjetischen Geschützensalven und Baggern ausradiert worden waren. Diese deutschen Nostalgie-Touristen, sagt der Verfasser, »erinnerten sich an Sonntagsausflüge am Oberteich, nach Cranz und Rauschen, an Menschen die erschossen wurden, Kinder, die hungerten, Frauen, die vergewaltigt wurden, und die Konfirmationskirche, die zu einem Weizenmagazin oder Puppentheater verwendet wurden«. Daß der Verfasser bei seiner Lektüre von Hans Graf von Lehndorffs ergreifendem »Ostpreußischen Tagebuche - Aufzeichnungen eines Arztes 1945-1947« einen tiefen Einblick in die unbeschreibliche Not der Ostpreußen gewonnen hatte, läßt sich schon aus den genannten Zeilen ersehen, da es ja in Lehndorffs, hier als Augenzeugen jenes geradezu apokalyptischen und an Dantes Inferno erinnernden Zeilen, »wie ein Schreien, das unaufhörlich zum Himmel aufsteigt«, widerhallte. Hier hatte Lehndorff, als Arzt, immer wieder von Dystrophitern, Verhungerten, gesprochen, die überall in Massengräbern verscharrt wurden. »Menschen, die oft gerade noch lebten, Skelette mit maskenhaften Gesichtern«, wie der Graf dies, mit Königsberg als Beispiel, darstellte und die Frage aufwarf: »Wie viele von euch werden nun unter denen sein, die täglich hinausgekarrt werden durch dies finstere Hintertor, die paar Schritte bis zur Ruine der Altrossgärter Kirche, wo seit Juni nun schon fünftausend Inassen dieses Hauses in Massengräbern beerdigt worden sind« und dieser davon berichtet, daß »seit einiger Zelt hier und da Menschenfleisch gegessen wird«, während Ärzte »zur Begutachtung von Fleischstücken herangeholt wurden.«

      Der schwedische Ostpreußenreisende Per Landin hat in der genannten Schrift nicht nur seinen Aufenthalt in Königsberg, sondern ebenfalls eine Reihe von anderen Eindrücken seiner Besuche dargestellt, von Nidden, wo es wirkte, »als wenn hier alles 50 Jahre stillgestanden hatte und in elementarer Jungfräulichkeit, unberührt von zwei Weltkriegen, mit tausendjährigen Geheimnissen unter dem Sande, geruht hätte«. »Diese Landschaft«, heißt es hier ferner, »zählt, einst die Sahara Europas genannt, zu dem Bemerkenswertesten in unserem Teile der Welt«, während einst ein Wilhelm von Humboldt seinerseits von ihr fasziniert gewesen sei. Bei Rauschen, wo Thomas Mann mit der Familie 1929 weilte, ist aber heute, wie Landin unterstreicht, »das Kurische Haff, in das der alte deutsche Fluß Memel mündet, braun und nach einem russischen Raubbau von 50 Jahren verschmutzt.«

      Eine weitere Station von Landins Reisen in diesem Gebiete war Pillau (das heutige Baltisk), über das etwa eine Million Deutsche 1945 flohen - »die größte Evakuierung der Geschichte, aus Ostspreußsen, eine deutsche Tragödie«, wonach ein Besuch des Memellandes, von Nemmerdorf, der Masuren und Danzig (Gdansk) folgten.

      »Ich wollte die Reste der alten deutschen Stadt Memel studieren«, sagt Landin, »die anfangs Ostpreußens ältesten Stadt, ein Kulturstreifen mit einer farbreichen baltischen Geschichte, war«. Hier in Memel besuchte er einen alten deutschen Friedhof, »zerstört von Haß und Plünderungen«, wobei »die deutschen Namen weggeschliffen und durch kyrillische ersetzt worden waren und an vielen Stellen die neuen Bewohner ihre Toten oberhalb der alten Gräber bestattet hatten und einige Steine zerschlagen waren«, dem er die Frage hinzufügt: »Wie kann man so etwas tun? Ich könnte vor Wut ersticken über eine Respektlosigkeit, diese unmenschliche Rachegier, diesen Versuch buchstäblich die Erinnerung der Toten der verlierenden Macht auszuradieren.« In Verbindung mit dem Besuch von Gotenhafen (Gdynia) weist Landin dann auf eine weitere sowjetische Missetat höchsten Ranges hin, welche weitgehend, wie alles was Ostpreußen anbelangt, in Schweden verschwiegen wurde, »die größte Seekatastrophe der Geschichte«, die Versenkung der 26.000 tonnigen »Wilhelm Gustloff«, gefolgt vom Untergang der »Steuben« und der »Goya«, mit 6.836 Menschen, die mit Flüchtlingen und Verwundeten Soldaten in der Tiefe der Ostsee versanken. Danzig selbst aufsuchend betont der Verfasser dann, daß dies einst »die größte Stadt Nordeuropas« unter der Hanse war, die 1919 mit der deutschsprechenden Bevölkerung unter die Kontrolle des Völkerbundes kam, während Ostpreußen vom Reich durch einen polnischen Korridor abgeschnitten wurde, eine Freveltat für die der greise britische Regierungschef David Lloyd George in seinen Erinnerungen die Weltgeschichte für seine Unterschrift unter das Versailler Diktat um Entschuldigung bat, da seines Erachtens von diesem Gebiet aus ein neuer blutiger Weltkrieg ausgehen würde, was ja dann auch der Fall wurde.

      Von Nemmersdorf (Majakowskoje) sprechend, betont Landin dann, auf seinem Wege in die Masuren dort halt machend, daß von denen, die hier einst gelebt, niemand überlebte und das Gebiet 1947 »so gut wie menschenleer war«. »Und hier waren«, heißt es dann, »Frauen auf den Scheunentoren des ,Roten Krugs‘ festgenagelt, nackt und gekreuzigt«, in den Häusern die Menschen bestialisch ermordet, mit Säuglingen mit zerschmetterten Schädeln, wobei alle Mädchen zwischen 8 und 12 Jahren vergewaltigt worden waren, welches an die persönlichen Erlebnisbilder eines der Okkupanten, von Alexander Solschenizyn, in »Ostpreußische Nächte« gemahnt, heute weitgehend in Ost wie West totgeschwiegen. Erstaunlicherweise weist jedoch Landin hierbei auf Ilja Ehrenburg hin, dessen in Millionen gedruckten Flugblätter die Soldaten der Roten Armee aufgerufen hatten, alle Deutschen zu ermorden, da, wie Landin sagt, nach Ansicht Ehrenburgs »die Deutschen keine Menschen waren«, wobei Ehrenburg betonte: »Nicht reden, sondern töten« und es seiner Ansicht nach »nichts Spassigeres« als »Deutsche Leichen« gab und Ehrenburg hier an die Missetaten eines Bela Khun in Ungarn und von Kurt Eisner in Bayern erinnern kann.

      Daß die offiziöse »Sowjetenzykolpädie«, die Landin unter den russischen Dokumenten in bezug auf Ostpreußen herausgreift, kein Wort von dem Massaker und den Missetaten der Roten Armee in Nemmersdorf das »in einem Malstrom der Angstschreie unterging«, verlautbaren ließ, läßt sich verstehen. Aber auch »neutrale schwedische Beobachter, die nach Nemmersdorf kamen«, schwiegen damals, als die Regierung in unserem Lande genug damit zu tun hatte, alles deutsche Leben auf schwedischem Boden wegzufegen und mit amerikanischem Leben ersetzten, aber alle gingen nicht so weit wie der Korrespondent der »Dagens Nyheter« (der größten Tageszeitung Schwedens) der nicht wußte, ob er sich freuen oder beklagen sollte über die Qual des Anblicks der an Hunger sterbenden deutschen Kinder. »Die Politik folgte in den Spuren der Schwerter und des Geldes« und: »Bei der Wiedereroberung von Nemmersorf im Oktober 1944 fanden sie die Leichen vieler deutscher Kinder, brutal von russischen Soldaten ermordet«, wie es ein abgedrucktes Bild in Landins Buch bezeugt. Daß das u. a. in Nemmersdorf Geschehene jedoch »eine Folge von Hitlers brutaler Okkupationspolitik war«, betont der Verfasser dann, könne man verstehen, aber beinahe drei Millionen (ebenso viele wie die gesamte Bevölkerung Skandinaviens) Deutsche, die vertrieben wurden, mußten mit Ihrem Leben zahlen.

      Bevor der schwedische Verfasser Per Landin seine Reise nach Schlesien fortsetzte und nach Breslau (Wroclaw) kam, »eine Stadt, bei der man die Erinnerung amputiert hat«, wie es in Bezug auf Ostpreußen der Fall ist, besuchte er abschließend noch zwei masurische Denkmäler. Hohenstein (Obsztyneck), wo 1934 das »Reichsehrenmal Tannenberg« als Grab des greisen Feldherrn Paul von Hindenburg lag und dessen mächtige Steinwälle dann zum Wiederaufbau Warschaus verwendet wurden, sowie Rastenburg (Ketszyn), Hitlers Hauptquartier in Ostpreußen, die »Wolfschanze«, von wo aus er über drei Jahre lang den Feldzug im Osten führte und wohin heute jährlich eine Viertelmillion Touristen kommen.

      Neben Thomas Mann, dem wiederholt nach Nidden zur Erholung reisenden Verfasser, erwähnt Landin hier ebenfalls Agnes Miegel, deren Gedichte heute in der Königsberger Domruine auf Russisch zitiert werden und die, wie der Verfasser betont, »mehrere Jahre lang eine Chronik in der ,Ostpreußischen Zeitung‘ schrieb und 1927 von der ,New York Times‘, einem der größten Blätter der Welt, als die größte deutsche Dichterin unserer Zeit genannt wurde und die von Seiten der vertriebenen Ostpreußen bereits nach dem Kriegsschluß den Rang als die unsterbliche Mutter Ostpreußens erhalten hatte«, deren Haus in der Königsberger Hornstraße eine Gedächtnistafel aufweist, besuchte Landin schließlich noch die Schloßruine von Lubowitz, heute eine Ruine, des Dichters Joseph von Eichendorff, der wie Agnes Miegel bei den Russen, heute bei den Polen beliebt sei.

      Von den deutschen Heimatvertriebenen in ihrer Gesamtheit sprechend, unterstreicht Per Landin dann: »Es ist heute nicht leicht zu verstehen, warum das Wort ,Vertriebene‘ nach Willy Brandts Kniefall nicht mehr in westdeutschen (und natürlich noch weniger in ostdeutschen) Schulbüchern vorkommen sollte. Von politischer Seite her hielt man dies aus nationalistischen Gründen für ungeeignet: dies führte jedoch mit sich, daß man in der Bundesrepublik einen wichtigen Teil der deutschen Geschichte der Gegenwart verdrängte und verbarg. Anstatt den Schulkindern zu erzählen, daß vierzehn Millionen Deutsche - ein jeder fünfte Deutsche - am Kriegsende und danach - mit Gewalt in einer der umfassendsten ethnischen ,Reinigungsaktionen‘ der Geschichte vertrieben worden war, versuchte man der Schuljugend zu erzählen, daß es sich um eine Umsiedelung, eine freiwillige Umplazierung eines Volkes handelte.«

      Seinen in vielem zu begrüßenden Reisebericht, der eine deutsche Fassung durchaus verdient hätte, abschließend zitiert Per Landin ein Wort Albert Schweitzers, der 1954 den Nobelpreis des Friedens erhielt, über die ethnische Reinigung Ostpreußens: »Man vergeht sich auf das Gröbste gegen historisch gegebene Gerechtigkeit und jegliches menschliche Recht, wenn man einem Volkstum das Recht zu dem Land raubt, das es bewohnt. Daß die Siegernächte nach dem Zweiten Weltkriege sich dazu entschlossen, Hunderttausende von Menschen mit diesem Schicksal zu treffen, zeigt, wie wenig sie ihrer Aufgabe bewußt waren, das Leben auf eine günstige und einigermaßen gerechte Weise zu ordnen.«