Von Dieter Wächter
Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ist nicht nur die meist geänderte1), sondern gewiß auch die am häufigsten mißachtete »Verfassung« in Europa. Wer erinnert sich nicht an einen bayerischen Innenminister, der hochnäsig erklärte, man könne doch nicht ständig mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen. Leider ist der Deutsche immer noch der »tumbe Michel«, dem nach Röm. 13, 1-3 die Obrigkeit als »von Gott gegeben« eingeimpft wurde. Und so wird er es wohl wiederum ergeben hinnehmen, daß eine der drei »extrem reaktionären« Bewegungen innerhalb der Romkirche, nämlich die ultrakonservative »Focolare Movimento«2), durch den Bundespräsidenten den höchsten deutschen Orden erhält.
Hier würde sich aber nicht nur eine »Quadratur des Kreises«, sondern eine ernste Verletzung unseres Grundgesetzes ergeben. Quadratur des Kreises heißt die Erwartung, der Inhaber eines Staatsamtes könnte Weltanschauung, Ziel, Weg und enge persönliche Freundschaften seiner »staatstragenden Volkspartei« vergessen und würde, »über den Parteien« stehend, z. B. zu einem unabhängigen Präsidenten oder Kanzler aller Bürger. Auf daß Staat und Volk nicht »Eigentum« einer Partei, wie gehabt, werden.
Unantastbare Grundlage eines sittlichen Rechtsstaates ist seine Verfassung, deren Aufgabe bei uns aber immer noch das nicht vom Volk abgesegnete Grundgesetz übernehmen muß. Hier heißt es unter »Grundrechte« in Artikel 3: »Niemand darf wegen... seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden.« Und laut Artikel 140 gilt Artikel 137 der Verfassung des Deutschen Reiches von 1919: »Es besteht keine Staatskirche.« Regierung und Staat müssen sich somit weltanschaulich-religiös völlig neutral verhalten.
Am 7.9.1951 stiftete der damalige Bundespräsident Theodor Heuß den nur vom Staatsoberhaupt zu verleihenden Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, das Bundesverdienstkreuz. Es gilt als Auszeichnung für Leistungen im Bereich der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Arbeit zum Wiederaufbau des Vaterlandes. Der V. d. B. D. umfaßt acht Stufen und eine Medaille. Wie internationalen üblich ist er in drei Klassen unterteilt: Verdienstkreuz, Großes Verdienstkreuz und Großkreuz. Letzteres steht nur Staatsoberhäuptern und von Amts wegen dem Bundespräsidenten zu.
Mit dem Großen Bundesverdienstkreuz soll nun demnächst auch die achtzigjährige Gründerin und Präsidentin der weltweiten Focolarini-Bewegung mit Sitz in Rom, Chiara Lubich, geehrt werden. Bundespräsident Johannes Rau will damit »ihre Verdienste um die Christen in Deutschland« würdigen. Diese römische »Erneuerungsbewegung« wurde 1943 von der 25-jährigen Volksschullehrerin in Triest ins Leben gerufen. Universelle Liebe und Einheit aller Menschen als wesentliche Inhalte des Evangeliums sollen verwirklicht werden.
Diese Laien-Bewegung arbeitete schon 1995 in 1.500 Diözesen in 180 Ländern. Heute gebietet sie weltweit über mehrere Millionen Anhänger, zählt über 80.000 feste Mitglieder und Hunderte von befreundeten Bischöfen. Papst Johannes Paul II. hütet diese » disziplinierte und militante Truppe« des »blinden Gehorsams« als seine »persönliche Armada« und fördert sie wo nur möglich. Sie kann völlig undemokratisch für ihre Weltmachtziele frei schalten und walten, wird nicht überwacht und braucht auch niemandem Rechenschaft abzulegen. Der mystisch fühlende Hohepriester in seiner Hingabe an die »Jungfrau Maria« glaubt fest, daß diese »Kirche in der Kirche« deren Werk ist.
»Das weibliche Element in Focolare korrespondiert... aufs beste mit Johannes Pauls romantischer Sicht des weiblichen Geschlechtes als des ‚Herzstücks der Menschheit’, das gleichwohl weder Zugang zum Priesteramt noch zu den Machtpositionen der Kirchenhierarchie erhalten soll« .
Mit einer Neubewertung der Rolle der Frau hat das alles aber nichts zu tun. Die Kultfigur der neuen römischen Sekte verstand sich auch selbst nie als Frau. Sie rang ihrem Beschützer jedoch die Bestimmung ab, daß die Präsidentschaft stets in weiblichen Händen liegen muß.
Diese neue reaktionäre »Katholische Aktion« besitzt seit 1957 in den jeweiligen Staaten eine eigene Zeitung mit dem einweltlerischen Namen »Citta Nuova«, deutsch »Neue Stadt« (»Gottes«), und in Loppiano bei Florenz einen Rundfunksender sowie eine internationale Schule, »eine Art offenes Gefängnis«. Seit den sechziger Jahren gründete die Sekte sogar eigene Siedlungen, Dörfer und Städte, je nachdem Landflächen und Gelder gestiftet und vermacht wurden. Inzwischen gibt es über zwanzig solcher Niederlassungen, in Italien, der Schweiz, Spanien, Deutschland, Kroatien, den USA, Mexiko, Brasilien, Argentinien, auf den Philippinnen, Australien, Afrika. Ihre »Zellen« arbeiten heute in über 200 Staaten und längst auch im zu missionierenden Mitteldeutschland und Osteuropa.
Die Bewegung, so evangelienfolgsam sie auch sonst ist, Mt. 19, 24, das Kamel-Nadelöhrgleichnis, verdrängt auch sie. Ihr Reichtum steckt in Gebäuden und Grundstücken, vor allem in den 36 »Mariapolis-Zentren« (1988). Sie sind groß genug, um die zahlreichen Veranstaltungen der »Zonen« mit hundert und mehr Menschen auszurichten und zu versorgen. Im Jahre 1991 rief Lubich das größte finanzielle Unternehmen von Focolare unter dem Stichwort »Kommunionswirtschaft« ins Leben.
Selbstredend wächst auch der weltweite Einfluß auf die Politik. Massenbewegungen wie die »Neue Menschheit« oder »Jugend für eine geeinte Welt« indoktrinieren auf Großveranstaltungen, aber auch in kleinen Zirkeln die Utopie einer »Neuen Weltordnung«. Auch hier zur »Rettung der Welt!«. Bekannt sind Verbindungen zu dem frommen belgischen Königspaar Fabiola und Baudouin, zu Andreotti, zum italienischen Parlament, zu den UNO-Einrichtungen, zur EU und nun zu »Bruder Johannes« im heidnischen Berlin.
Ähnlich wie die beiden anderen »Geheimorganisationen«3) - ihre Gesamtmitgliedschaft wird auf 30 Millionen Menschen geschätzt - ist die Focolare Movimento streng hierarchisch gegliedert. Sie arbeitet verschwiegen und verdeckt und ist ihrer »charismatischen« Gründerin sowie ihrer religiösen Ideologie völlig hörig. Über die 66 weltweiten »Zonen« gebieten jeweils ein männlicher und weiblicher capozona oder Vorsteher. Dem »Koordinierendem Rat« gehören neben Lubich und ihrem Stellvertreter, einem geweihten Priester, männliche und weibliche Räte an. Die oberste Stufe der etwa 5.000 in Gemeinschaft lebenden Führer muß Armut, Gehorsam und Keuschheit geloben. Eigentum, Freundschaft und Freiheit kennt man hier selbstredend nicht, dagegen wie bei den Jesuiten Bespitzelungen, deren Ergebnisse aktenmäßig geführt und ständig auf den neuesten Stand gebracht werden. Abtrünnige erhalten auf ihrer Kartei ein großes »M«, das für »morti« - die Toten steht.
Übelster Seelenmißbrauch im Namen »Gottes« kittet wie in anderen Groß- und Kleinsekten4) die hörig gemachten Mitglieder zusammen und schottet sie von der Umwelt ab. Gordon Urquhart (geb. 1949, beigetreten 1967, ausgetreten 1976), ehemaliger Leiter der Focolarini in England und Hauptschriftleiter ihrer Zeitschrift »New City«, berichtet in seinem Buch »Im Namen des Papstes - Die verschwiegenen Truppen des Vatikans«5), 1995, über diese »totalitäre« Menschendressur bis hin zum künstlichen Irresein. Angeworben wurde er als Katholik wie in anderen Sekten durch die herrlichsten Verheißungen eines vollendeten Lebens in einer »geeinten Welt« der Liebe, Freiwilligkeit, Spontaneität und des Verstehens, des sich »mit den anderen eins machen«. Das alles »inszenierte« man aber nur, um auf ihn Eindruck zu machen.
»Die Schilderungen des Lebens in der Focolare-Gemeinschaft nahm ich für bare Münze: Man ging während man in der Gemeinschaft lebte, weiter seinem Beruf nach und führte ein normales Leben. Ich konnte also Filmemacher werden und zugleich an diesem warmherzigen Gemeinschaftsleben teilhaben.
Die Bewegung beanspruchte mehr und mehr meine freie Zeit; alles was ich bis dahin für wichtig hielt, trat in den Hintergrund. Wir lebten gleichsam auf einer höheren spirituellen6) Ebene, genährt von der Erleuchtung, die Gott uns unmittelbar über Chiara Lubich zuteil werden ließ. Solange ich mit den focolarini zusammen war, fühlte ich mich ‚high‘7), berauscht vom ‚Licht’. Wenn ich nicht bei ihnen war, verfiel ich in Depressionen, die mir früher fremd gewesen waren.
Das sei das Normalste der Welt, versicherte man mir; nichts sei mit der direkten Gotteserfahrung vergleichbar, zu der die Bewegung ihren Mitgliedern verhelfe - der Präsenz Jesu, in der ‚Mitte der focolari, ein nur Mitgliedern der Bewegung zugängliches Erlebnis.«
Bald wurde alles außerhalb der Sekte wertlos. Bewußt sollten alle bisherigen Bindungen, gleich ob künstlerische, wissenschaftliche oder menschliche aufgegebene werden. »Die Bewegung hatte sich völlig meines Verstandes und meines Herzens bemächtigt... Ich hatte aufgehört, wie andere Menschen zu denken und zu fühlen.« Lubich verkündete: »Jesus will die völlige Leere unserer Gehirne, damit er uns erleuchten, uns die Wahrheit lehren kann«. Die Sekte wurde ihm mehr und mehr seine »neue Familie«. »Was mir damals noch nicht klar sein konnte, war, daß ich nicht nur alles aufgegeben hatte, was mir lieb und teuer war, sondern auch mich selbst, meine Persönlichkeit... Das Ergebnis dieser ‚Entpersönlichung’ ist der kollektive Größenwahn« und »der Dünkel der Auserwähltheit« mit der Geringschätzung anderer Christen. Wer denkt hier nicht an die »Totenmaske« des »Kind Gottes« im Werk M. Ludendorffs »Selbstschöpfung« (1983).
Es begann wie üblich mit einem überrumpelnden wachhypnotischen »Bekehrungserlebnis«, » einem Ereignis, das plötzlich kommt und dramatisch verläuft«. Die Dauerabrichtung in der Gruppe durch Meditationen, Gebete, Gespräche, Gesang, Vorträge und Massenveranstaltungen sind auch hier »Techniken der Gehirnwäsche«. Zu ihnen rechnet ein führender katholischer Psychiater auch den Einsatz von »Slang-Ausdrücken« oder sprachliche Neubildungen, die den zu Bekehrenden zunächst verwirren und ihn empfänglich für neue, unüberprüfbare Vorstellungen machen. Es ist eine rauschhafte und einschmeichelnde »Insider-Sprache« mit Neuigkeiten aus dem Innenleben der Bewegung. Die besingt man schwärmerisch, obwohl sie mehr nach Wunschdenken bieten als sachliche Inhalte.
Ständig muß auch gelächelt und Freude gemimt werden. Um das Verhalten der einzelnen zu einer »einheitlichen Seele der Bewegung« zu machen, setzt sie sogar Medikamente und Drogen ein. Die »radikale Absage an fremde Wissensquellen« und die Abneigung zu den Intellektuellen fehlte selbstverständlich auch hier nicht.
»Chiara stehe im Mittelpunkt dieser Seele. Einheit bedeutet daher, immer das mitzuerleben, was sie durchlebe. Dies erfordere, daß man sich die Gedanken, die Chiara gerade beschäftigen, ins Bewußtsein rufen und im täglichen Leben in die Praxis umsetzen müsse, Dieser Gedanke solle mit dem Begriff ‚neue Wirklichkeit’ gekennzeichnet werden; er werde uns jeweils brieflich oder telefonisch aus der Zentrale der Bewegung in Rom mitgeteilt und müsse dann unser Denken und unsere Gespräche – auch mit Außenstehenden – beherrschen, bis ein neuer Gedanke, die nächste ‚neue Wirklichkeit’, bekanntgegeben werde.« Dafür wurde regelrechte Telefonkonferenzen, die »Tele-Evangelisation« eingesetzt.
Chiara Lubich weiß wie alle Religionen und Orden auch das »Mysterium des Leidens«, des »verlassenen Jesus«, zur Seelenschädigung zu nutzen. Ihrem Gefolge, auch Kindern, suggerierte die »gottgleiche« Kultfigur immer wieder:
»Ich werde nach Leiden dürsten, nach Angst, Verzweiflung, Melancholie, Trennung, Verlassenheit, Seelenqual: nach allem, was ihn, den großen Leidenden, ausmacht... Laßt uns alles im Leben vergessen: Büro, Arbeit, Kollegen, Verantwortung, Hunger, Durst, Schlag, sogar unsere eigene Seele... Und nur noch ihn besitzen.«
Auch ihre »Lichtvisionen«, das heißt ihre optischen Trugwahrnehmungen vermittelte sie »als die Präsenz von ‚Jesus inmitten‘«:
»Ich habe den Eindruck, es war Jesus inmitten, das Licht, es war Jesus, das Licht. Es war weder mein Verstand noch der ihre; aber sie schuf Einheit und erlaubte mir damit, Dinge auszudrücken und zu sagen, die so hoch und so schön waren (ich sage das, weil es Dinge Gottes sind), daß wir sagten: Das ist das Ideal... In mir sind alle Gnaden für diejenigen, die sich in Einheit zusammenschließen wünschen... Es kommt nicht darauf an, ob du an Gott glaubst; es genügt, an Chiara zu glauben.«
Dieser Personenkult um die Volksschullehrerin erinnert an den bekannten Größenwahn der Cäsaren, Sektengründer, Priester und ideologischen Staatslenkern.
Urquhart berichtet über seine doch noch erfolgte Selbstbefreiung:
»Die Jahre bei Focolare waren wahrscheinlich die unglücklichsten meines Lebens, obwohl uns gelehrt wurde, Leiden sei ein Teil unserer Existenz und der ‚alleingelassene Jesus’ sei der Schlüssel zur ‚Einheit’. Die Entscheidung, Focolare zu verlassen, war weder überlegt noch bewußt. Die ‚Heilige Reise‘, die Focolare verheißt, ist kein Trip zur Selbsterfahrung und Selbstentdeckung, sondern zur Selbstzerstörung. Im Zustand der Entfremdung von den eigenen Gefühlen werden persönliche Entscheidungen unmöglich. Ich bin zur Trennung von Focolare durch meinen Selbsterhaltungstrieb gezwungen worden. Es ist unmöglich die Bewegung zu analysieren, solange man ihr angehört. Erst durch den Weggang hat sich mir die wahre Natur der Bewegung enthüllt, ihre Engstirnigkeit, ihre Geschlossenheit, ihre Heuchelei. Noch sechs Monate vor meinem Ausscheiden konnte ich mir einen Bruch nicht vorstellen... Das Selbstbewußtsein meiner Jugendjahre war ausgehöhlt und durch Selbstzweifel und Ängste ersetzt worden. Es dauerte Jahre, bis ich mir beweisen konnte, daß ich fähig war, mir einen Teil meiner Wünsche zu erfüllen... Es hat Jahre gedauert, bis ich mich aus der mentalen Zwangsjacke der Bewegung befreien konnte.«
Die von der Focolare-Bewegung am 8. Mai 2000 - am Tage der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht 1945, in Augsburg, dem Ort der Luther-Reformation - freudig verkündete Verleihung des Großen Bundesverdienstordens an Chiara Lubich für ihre »Verdienste um die Christen in Deutschland« erweist einmal mehr den menschenentwürdigenden religiösen Imperialismus Roms.
Deutschland will heute eine religiöse Geheimorganisation mit verborgenem Aufnahmeritual, Gehirnwäsche und Psychoterror auszeichnen, die zu völliger Einschüchterung und Abhängigkeit ihrer Mitglieder führt. Deutschland, das nur noch ein Drittel römischgläubig ist, soll eine mächtige und machtbewußte Vereinigung ehren, die an der Auflösung des eigenen Volkes wie der anderen Völker arbeitet. Ein linkssozialistisch geführtes Deutschland würdigt durch seine höchste Auszeichnung eine kirchenpolitisch weit rechts stehende und reaktionär-ultrakonservative »Kirche innerhalb der katholischen Kirche«. Das für soziale Gerechtigkeit eintretende Staatsoberhaupt Deutschlands ehrt einen Menschen, der als »Frau von Welt« lebt, eine eigene Villa in Rocco di Papa bewohnt und gleich vielen anderen Zeitgrößen die vornehmsten Gegenden der Schweiz, des Klimas wegen, bevorzugt. »Sie besitzt modische Garderobe mit Kleidern, die vom Modezentrum ‚Lilies of the Field’ in Loppiano eigens für sie angefertigt werden und reist mit einem großen Wagen mit eigenem Lenker.«
Zur Abrundung und als weiteres Zeitdokument sei noch erwähnt, daß Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), soweit bekannt, der Anthroposophie Rudolf Steiners nahestehend, ebenfalls einen religiösen Großsektenführer einlud: Den Dalai Lama. Er sprach mit dem Minister am 14. Mai 2000 in München in der Rudi-Sedlmayer-Halle vor 6.000 Zuhörern neunzig Minuten lang über »Frieden und soziale Gerechtigkeit«. Eine offensichtlich tibetische Folklore-Gruppe tanzte vor der Werbeveranstaltung.
Die Stadt München unter Bürgermeister Christian Uhde (SPD) lud den Dalai Lama dann am 15. Mai ins Rathaus ein, wo er sich in das Goldene Buch eintrug und nach alter, aber fragwürdige Übung durch Kinder begrüßt wurde. Ehrengäste waren weiter die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, der griechisch-orthodoxe Erzpriester und Abt Odilo Lechner. »Religionen vereint« titelte die Zeitung.
Diese Veranstaltung Schilys erregte jedoch das Mißfallen der Landtagsabgeordneten der SPD. Monica Lochner-Fischer erklärte, die Partei dürfe sich, ihrer Ansicht nach, »zu keiner religiösen Richtung bekennen«. Sie sieht im Priesterkönig ein Chamäleon. Stünde er doch für eine Tradition von »Gewalt, Unterdrückung und Frauenfeindlichkeit«.
Ob die beiden gläubigen Politiker die wichtigen Buchveröffentlichungen Gordon Urquharts »Im Namen des Papstes«, 1995, und Victor und Victoria Trimondis »Der Schatten des Dalai Lamas«, 1999, gekannt haben?
Auch Politiker tragen Verantwortung, sich weiterzubilden!