Der Islam

Von Dorothee Warnecke

Die geschichtliche islamische Entwicklung

      Warum und wozu sich mit dem Islam beschäftigen? Nun, es handelt sich beim Islam schließlich um eine der größten Weltreligionen mit Volkscharakter. Mit 850 Millionen Anhängern (also 1/5 der Weltbevölkerung; ausgegangen von 4,124 Milliarden) - wovon 2 Millionen allein in Deutschland leben (das sind knapp 3% unserer Bevölkerung), mit 1.200 Moscheen in unserem Lande - geht es um eine Größenordnung, die es gebietet, sich mit dem Erscheinungsbild des Islam, seinem Inhalt und Wesen vertraut zu machen.

      Unsere Regierungen wollen die Integration all dieser und anderer volksfremder Menschen. Sie bieten die doppelte Staatsbürgerschaft ohne Not wie Sauerbier feil, ungeachtet der praxisnahen Schwierigkeiten auf dem Balkan, wo nach Ansicht von Peter Scholl-Latour ein Krieg der Konfessionen im Gange ist, für den auf allen Seiten die »Fundamentalisten« die Verantwortung tragen (1). Die Bedrohung des Christentums durch den Islam mit »Feuer und Schwert« bis einst vor die Tore Wiens (1536), die Schlacht auf dem Amselfeld (1389) im Kosovo, wo nach Ansicht der Serben die Europäer es ihnen schlecht danken, daß sie »... als Schild der Christenheit jahrhundertelang dem Sturm des erobernden Islam zumindest ihr Beharrungsvermögen und die Treue zum Kreuz entgegengesetzt haben« (2, S. 145), oder die der jüngsten Vergangenheit zugehörigen revolutionären Aufstände und schrecklichen Bilder im Fernsehen aus dem Iran werfen kein freundliches Bild auf den Islam. Die selbstgewählte Absonderung der in unserem Lande lebenden Muslime (z. B. in Berlin-Kreuzberg), ihre uns fremde, nicht anpassungswillige Lebensweise samt äußerem Erscheinungsbild, sind uns unverständlich. Warum die Muslime selbst die Konzentrierung in ganzen Stadtteilen nicht als Getto empfinden, ja, warum dies für sie sogar eine Lebensnotwendigkeit ist, soll dieser Beitrag u. a. verständlich machen.

Das Entstehungsbild des Islam

      Der Islam ist auf der Arabischen Halbinsel im Gebiet des heutigen Saudi-Arabien entstanden. Das Arabien des 6. Jahrhunderts n. d. Zw. war religiös zersplittert. An der byzantinischen Grenze lebten Stämme des Juden- und Christentums, die in zahlreiche Sekten geschieden waren. Im Süden war der Einfluß des christlichen Abessiniens 1) vorherrschend, im Zentrum Arabiens bestimmten heidnische, uralte und örtlich gebundene Kulte (die ihre Sinnbilder in Steinfetische hatten) das religiöse Leben. Der Islam ist mit dem Judentum aufs engste verknüpft. Auch die Juden trugen Steinfetische in ihrer Bundeslade mit sich, die sie dann in späterer Zeit in einem Behälter auf dem heiligen Berg in Jerusalem niedersetzten (2, S. 7). Allen Semiten gemeinsam ist der Begriff für eine allumfassende und überragende Obergottheit. Das Wort heißt »El«. Es ist enthalten in »Ba-el« der Phönizier, in »El-ohim« der Juden, im Namen des Volkes »Ishra-el« (Gott streitet), im Namen »Isma-el« (Gott hilft), in »Samu-el«, in »eli-as« und »Eli-sa« , im Notruf Christi am Kreuz: »Eli, Eli hama asabtani«, aber auch im Wort »Allah" ist es enthalten (2, S. 7).

      Doch zurück zum Islam. Die zentrale arabische Kultstätte war in der Stadt Mekka. »Dort feierten sie in einer Zeit, als die Araber noch in Sonnenjahren rechneten - erst später bildete sich die Rechnung nach Mondmonaten aus - gemeinsam alljährlich zwei Feste, ein Frühlingsfest, die ,Umrah‘, und ein Herbstfest, wahrscheinlich ein Erntefest, den ,Hadj‘. Man versammelte sich dort um ein altes legendenumwobenes Gebäude, einen hohlen Steinwürfel, die Kaaba 2), dessen Inneres mehrere Steinfetische, al-Lat, al-Uzza und Manat 3) barg und in dessen Mauern andere Steinfetische eingemauert waren. Man führte vorgeschriebene Umwandlungen (Tawat) um die Kaaba und heilige Läufe zwischen mehreren Kultstätten (Safa und Marwah) aus, man verehrte Gott an dem Berge Ararat, man warf Steine nach vorgeschriebenem Ritus an bestimmter heiliger Stätte in Muna. Wie alle diese Riten ursprünglich geübt wurden und welches einmal ihre Bedeutung war, ist heute nicht mehr festzustellen, denn mit der Kaaba, dem Zentralheiligtum, nahm der Prophet sie alle in die Riten der von ihm neu gegründeten, geoffenbarten Religion auf, änderte sie aber bis zur Unkenntlichkeit ihres ursprünglichen Inhalts ab. Er gab dem Zentralheiligtum, der Kaaba, die vielleicht schon in früherer Zeit angebahnte Deutung im Sinne jüdischer Mythologie, nämlich als eines Baues, den Ibrahim (Abraham), der Vater Ismaels, des Stammheros der Araber, errichtet habe an einer Stelle, wo schon Adam und Noah ein Heiligtum erbaut hätten und wo der Erzengel Gabriel zur Rettung des verdurstenden Ismael auf Hagars Flehen den Brunnen Zemzem hatte emporsprudeln lassen« (2, S. 7-8).

      Noch heute ist für jeden gläubigen Muslim eine Wallfahrt nach Mekka das ersehnte und erstrebenswerte Lebensziel. Dieser Pilgerfahrt geht die Weihe (ihram) voraus, das heißt, der Pilger muß allen weltlichen Genüssen, auch des geschlechtlichen Umgangs, entsagen. Alle Kulthandlungen müssen in äußerster Ruhe und in Frieden, ohne Streit und Hader vollzogen werden. Zwei ungenähte, lose weiße Tücher tragen die Männer, die Frauen dürfen ihre normale Kleidung tragen, allerdings von einfacher Ausführung. »Die islamische Gemeinde findet ihre Einheit in ihrer Universalität, in dem Bewußtsein eines geographischen Mittelpunktes: in der Wallfahrt zur Ka’ba in Mekka. Die Pilgerfahrt führt die Moslems zu der Stätte, an der die Propheten Abraham und Ismael lebten und Gott dienten, von der Mohammed ausging, um den Islam zu verkünden. Sie vermittelt das große und einschneidende Erlebnis der Bruderschaft des Islam, einer Bruderschaft, die keine Rassen- und Sprachschranken kennt, keine Nationalitätenunterschiede; die den Gegensatz von Arm und Reich vor Gottes Angesicht aufhebt. Höhepunkt der Pilgerfahrt ist das islamische Opferfest. Es wird gefeiert zum Gedenken an Abrahams Bereitschaft, um seiner Liebe zu Gott willen seinen erstgeborenen Sohn zu opfern. Daran erinnert jedes Jahr in Mina die Schlachtung der Opfertiere« (3, S. 18).

Der Fastenmonat Ramadan und das Zuckerfest

      Der neunte Monat im Jahr heißt Ramadan. Es ist der große Fastenmonat. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf während des ganzen Monats nicht gegessen, nicht getrunken (?), nicht geraucht werden und auch kein Geschlechtsverkehr stattfinden. Der Ramadan ist der wichtigste Monat im Leben der Muslime. Er ist die Zeit besonderer religiöser Aufgeschlossenheit und menschlicher Verbundenheit. Es ist Pflicht am Fasten teilzunehmen, um damit die Zugehörigkeit zur islamischen Gemeinde zu bekunden. Die Jugendlichen nehmen ab ihrem 12 Lebensjahr daran teil, es ist für sie der Beginn eines neuen Lebensabschnittes (3, S. 16).

      Der festliche Charakter dieses Fastens wird durch Besuche nach Sonnenuntergang im Kreise der Familie, der Nachbarn oder in einer Moschee mit regem Leben erfüllt. Man sitzt in gehobener und lebhafter Stimmung zusammen und es wird gegessen und getrunken bis spät in die Nacht hinein. In der Moschee rezitiert ein »Hafiz«, ein Vorsänger, den Koran. Diese Vorsänger verstehen es oft, ihre Gemeinde begeisternd mitzureißen. Im 10. Monat ist dann das Fest des Fastenbrechens »id al-fitr«. Auf türkisch nennt man es auch das Zuckerfest, »Seker Bayram«. Auch dieses Fest hat einen starken gemeinschaftsbezogenen Charakter. Man beschenkt sich und erhält Geschenke jeder Art, tauscht Glückwünsche aus bei Besuchen oder unterwegs, wen immer man trifft. Diese Feste haben einen sozialen zwischenmenschlichen Versöhnungscharakter. Nicht nur das Fest als solches, sondern auch die familiäre Bindung ist bedeutungsvoll. Viele kehren während dieser Zeit von Deutschland in ihre angestammte Heimat zurück. Diese zwischenmenschlichen Riten sind auch eine Erklärung mit für die selbst gewählte Zentralisierung der Muslime in fremden Ländern (s. o.).

Mohammed um 560 - 632 n. d. Zw.

      Die Kaaba, das Zentralheiligtum, verschaffte den in Mekka lebenden Sippen Macht und Ansehen. Die vornehmste Sippe war die der Kuraisch. Als ein Kuraischit wurde Mohammed um 560 n. d. Zw., als Sohn des Abdallah und dessen Frau Aminah einige Monate nach dem Tode des Vaters geboren. Begütert und einflußreich war seine Familie jedoch nicht. Mekka war aber nicht nur durch die Kultstätte und der damit verbundenen Feste der zentrale Mittelpunkt, Mekka war auch das Handelszentrum Arabiens. Bis weit nach Syrien in die Länder der Byzantiner und damit der Christen und Juden trieben sie ihr Handelswesen. An diesen Unternehmungen war auch der Großvater Mohammeds (Abd-al-Muttalib) beteiligt und so erzog er seinen Enkel ebenfalls zum Handelsreisenden. Als der Großvater gestorben war, nahm ihn die Witwe eines mekkanischen Handelsherrn in ihre Dienste. Diese 15 Jahre ältere Frau heiratete Mohammed später. Er bewahrte ihr auch nach ihrem Tode und nach den Eheschließungen mit jüngeren Gattinnen stets ein dankbares und ehrenvolles Ansehen, hatte sie doch aus dem einst armen Waisen einen nun wohlhabenden Handelsherrn gemacht.

      Im Laufe seiner weiteren Entwicklung reifte in ihm das Sendungsbewußtsein heran, als Prophet eine monotheistisch4) ausgerichtete Offenbarungsreligion verkünden zu müssen. In Mekka jedoch befürchtete man, daß die bisher vielseitig und allseitig genutzten Kultstätten nun durch die einseitig ausgerichtete neue Religion, die finanziellen und auch politischen Machtpositionen schmälern würden. Und so bekämpfte man Mohammed. Dieser floh daraufhin nach Jathrib, dem späteren Medina. Dort wurde Mohammeds Führerschaft auch in weltlichen Dingen anerkannt.

      Hier zeigt sich uns erstmalig im Islam das Symptom der Untrennbarkeit aller religiösen und weltlichen Macht (1, S. 11)!

Mohammeds Flucht am 16. Juli 622 n. d. Zw. gilt als neue Zeitrechnung - Mohammeds Tod 632 n. d. Zw.

      Zur Flucht nach Medina hatte Mohammed auch die Hoffnung bewogen, die großen jüdischen Sippen würden ihn als Erneuerer und neuen Propheten aus dem Stamm des gemeinsamen Urvaters »Ihbrahim« anerkennen. Darum auch wählte er anfangs in Medina noch die Gebetsrichtung der täglichen Gebetszeremonie (das Verneigen und Niederwerfen) in Richtung des heiligen Felsens zu Jerusalem. Aber »die Starrheit des jüdischen Dogmengebäudes, der die Starrheit des christlichen Sektengebäudes jener Zeit nicht nachstand, ...« blieb unwandelbar. Inzwischen »... aber bedurfte der zur Macht gelangte Mann des Ausgleichs nicht mehr. Als die Aussichtslosigkeit, das Judentum zu gewinnen, klar war, trieb er die jüdischen Sippen aus der Stadt und wies mit deutlichster Betonung der Berufung des arabischen Volkes zum Heil die Kaaba in Mekka als Gebetsrichtung, als ,Kiblah‘5) an. Alle Muslime verneigen sich täglich im Gebet, indem sie eine Stellung wählen, in der das Angesicht nach Mekka gerichtet ist« (1, S. 11/12). Der Zeitpunkt der Flucht/Auswanderung - (»Hedschra« oder »Hidjrah«) - gilt als neue Zeitrechnung für den Islam, eine Einteilung, die mit 12 Mondmonaten des Jahres rechnet. Die Monate zu 29,5 Tagen, immer beginnend mit dem Neumond, verschieben sich daher stetig gegenüber unseren nach Sonnenjahren gerechneten Monaten zurück um 11 Tage. Deshalb sind die Feste und heiligen Monate der Muslime innerhalb eines Jahres mit unseren Jahreszahlen auch nicht identisch. Zwei Jahre wechselvoller Machtkämpfe bedurfte es, bis endlich (im 8. Jahr der Hidjrah) die Stellung Mohammeds so gefestigt war, daß er den heidnischen Stämmen die Teilnahme an dem heiligen Stammesfest verbieten konnte. Dann im 10. Jahr der Hidjrah war er auch politisch der Herrscher! Dies verdankte er seiner maßvollen Behandlung bei der Einnahme von Mekka gegenüber den Besiegten, indem er keine Märtyrer schuf und dem Stamme der Kuraisch die Vormachtstellung beließ. Mohammed selbst aber blieb in Medina und schon ein Jahr später - im 11. Jahr der Hidjrah, mit 62 Jahren - es war das Jahr 632 n. d. Zw. endete sein Leben (1, S. 12).

      »Weder der Staat noch das Religionsgebäude waren fertig durchorganisiert, der Kampf um die Macht war ja eben erst abgeschlossen. Die Gemeinde stand in ziemlicher Ratlosigkeit der Aufgabe gegenüber. Der Mund war geschlossen, durch den Gott ratend, befehlend und warnend gesprochen hatte. Zum ersten Male fand sich eine Form für die Lösung der nächsten Aufgabe, den neuen Führer, einen Kalifen (»Stellvertreter", "Nachfolger«) zu wählen: da ,Idjama‘, der übereinstimmende Beschluß der maßgebenden Persönlichkeiten der Gemeinde, eine Form, die später allergrößte Bedeutung gewinnen sollte« (1, S. 12).

Wechselvolle Machtkämpfe um das Kalifat - die vier rechtgeleiteten Kalifen

      Hier kommen wir nun auf eine Zeit zu sprechen, für die Bedeutung des Wortes Islam = Unterwerfung unter Allah voll zur Geltung kommt. Als 1. Kalif wurde Abu-Bekr (632-634), der Schwiegersohn Mohammeds, gewählt. Sein Nachfolger war der jugendliche Führer aus den Kuraisch: Omar (634-644).

      »Mit ihm bricht das nunmehr religiöse und staatlich geeinte Arabertum auf zu seinem Machtkampf um den vorderen Orient, bald um die ganze Mittelmeerwelt, der zu einem unaufhaltsamen Siegeszug wurde. In nur zehn Jahren, bis zu seiner Ermordung durch einen Perser, erobert der gewaltige Araber Jerusalem, Aegypten, Tripolis, Cypern. Der Siegeslauf der arabischen Heere hält auch nachher noch an, obwohl Othmann (644-654), dritte Kalif, ein Schwiegersohn Mohammeds, ein schwacher Fürst ist. Als auch er zehn Jahre später ermordet wird, ist das ganze Zwischenstromland, ganz Syrien und Palästina, Persien, ganz Nordafrika in den Händen der Araber« (1, S. 12/12).

      Durch die Größe des Reiches war es den Kalifen nicht mehr möglich allein alles zu beherrschen, sie benötigten Feldherren. Und einer dieser syrischen Feldherrn war Muawaja, aus dem Hause der Omajaden. Dieser widersetzte sich der Berufung des 4. Kalifen Ali (656-661), dem zweiten Schwiegersohne Mohammeds, und ließ sich selbst zum Kalifen ernennen (1. Kalif aus dem Hause der Omajaden). Dies konnte und wollte sich Ali nicht bieten lassen. So kommt es zur Schlacht im Sommer 657 in der Ebene von Siffin, am Westufer des Euphrat. Diese Schlacht sollte für das weitere Schicksal der islamischen Welt entscheidend sein.

      »Als sich der Kampf zugunsten Alis neigte, ließ er seine Soldaten Koranblätter auf ihre Lanzen spießen: Man solle doch den Bruderkampf beenden und die Entscheidung einem Schiedsgericht anvertrauen. Der Vertreter Alis im Schiedsgericht, ein Mann mit frommen Herzen und schlichtem Gemüt, ließ sich zum Vorschlag überreden, sowohl Ali als auch Moawija als für das Kalifenamt unwürdig zu erklären, da sie am vergossenen Blut der Gläubigen schuld seien.

      Kaum war das Urteil verkündet, huldigten die syrischen Truppen Moawija als ihren neuen Kalifen. Damit war das erste Schisma6) des Islams besiegelt: hier Alis Anhänger - die Schiiten - da die Gefolgschaft von Moawija, die Vorgänger der späteren Sunniten« (4).

      Ali sammelte neue Kräfte, um bei der mesopotamischen Stadt Kufu eine neue Schlacht zu führen. Aber dazu kam es nicht mehr, weil er im Morgengrauen des 19. Ramadan, des Jahres 661 nach unserer Zeitrechnung, in der Moschee von Kufu mit einem vergifteten Schwert von einem Charidjiten, einem Angehörigen einer islamischen Sekte, einem sogenannten »Ausgezogenen«, getötet wurde. Charidjiten sind jene fundamentalistischen Eiferer, die anfangs auf Alis Seite gestanden, sich aber nach der Schlacht von Siffin von ihm trennten.

      Nach der Ermordung Alis wurden seine beiden Söhne nacheinander die Führer der Schiiten. Hassan (gest. 669), der ältere, verzichtet auf seine Ansprüche und wurde dafür von den Omajaden mit viel Geld belohnt. Von ihm geht die Sage, er harre in einer Felskluft, gerüstet mit Pferd, Schwert und Lanze, um eines Tages die islamischen Völker vom Joch der Ungläubigen zu befreien.

      Hussein (gest. 630) dagegen erkannte die Herrschaft der Omajaden nicht an. Im Jahre 680 kam es zwischen Hussein und dem Heer des 2. Kalifen aus dem Hause der Omajaden, Yazid, in der Ebene von Kerbela im heutigen Irak, zu einem höchst ungleichen Kampf. Hussein verfügte nur über 72 Waffenträger, das Omajadenheer über einige tausend Männer.

      »Am Aschura7), dem 10. Tag des islamischen Monats Moharram, wurden Hossein (oder auch Hussein) und seine Kämpfer einer nach dem anderen niedergemacht. Der Leichnam Hosseins wies 33 Lanzenstiche und 22 Schwerthiebe auf. Den Soldaten wurde befohlen über den geschundenen Leib des Gefallenen zu reiten«.

Spaltung in Sunniten und Schiiten

      »Das Drama von Kerbela wurde zum Höhepunkt der schiitischen Geschichte, zum Bezugspunkt der schiitischen Identität. ,Rache für Hossein‘ wurde nun zum Schlachtruf gegen die Omajaden« (4, S. 27). Alljährlich wird sein Märtyrertod im Mukarramfest in fanatischen Zeremonien, bei denen Selbstverwundungen ein Verdienst sind, gefeiert.

      »Doch nicht die Nachkommen Alis setzten in der Mitte des 8. Jh. der Omajadenherrschaft ein Ende, sondern die Abbasiden, die Nachkommen von Al-Abbas, einem Onkel des Propheten. Ihr Sieg vereitelte endgültig die politische Hoffnung der Schia. Ins politische Abseits gedrängt, zerfiel sie bald in eine Vielzahl von Richtungen, Gruppen und Sekten, von denen einige durch ihre Militanz sowie durch ihre als Häresie angeprangerte Esoterik der islamischen Obrigkeit und Orthodoxie sehr zu schaffen machten.

      Einer gemäßigten Richtung gelang es, sich durch politische und theologische Umsichtigkeit am Leben zu erhalten und später als Staatsreligion im Iran an die Macht zu kommen: dem heutigen Schiismus, nach der Zahl ihrer Imame, auch die ,Zwölfer Schia‘ genannt« (4, S. 27).

      Kurz soll hier noch ein wesentlicher Gedanke des schiitischen Glaubens gestreift werden:

    Den drei allgemeingültigen islamischen Prinzipien:

  1. dem Glauben an die Einheit Allahs,
  2. das Prophetentum Mohammeds und
  3. das Jüngste Gericht,


  4. fügten die Schiiten noch zwei weitere hinzu:

  5. die Gerechtigkeit Allahs und
  6. das Imamat.

      Die Sunniten weisen mit Hinblick auf die Allmacht Allahs die Gerechtigkeit als eine notwendige göttliche Eigenschaft zurück.

      Die Schiiten verkünden diese Gerechtigkeit als ein Wesensattribut Allahs. Wäre Allah nicht gerecht, so wäre das Jüngste Gericht mit seiner Lohn- und Strafausführung ohne Sinn und Zweck. Das Imamat - der fünfte Grundpfeiler des schiitischen Glaubens - ist praktisch die Konzequenz aus dem Gerechtigkeitsprinzip: Die Gerechtigkeit Allahs läßt nicht zu, daß seine Geschöpfe in Irrtum und Verderben sich selbst überlassen bleiben, darum sandte er den Propheten. Der letzte war Mohammed. Dann folgten die Imame, die alle aus dem Hause Mohammed stammen. Das »göttliche Licht« erben sie von ihm und sind mithin »unfehlbar«.

      »Die Vorstellung von einem zwar verborgenen, aber allzeit gegenwärtigen Imam, als dem eigentlichen ,Herrn der Zeit‘, warf eine Frage von großer Tragweite auf: die Frage nach der Legitimität von Herrschaft und Macht während der Abwesenheit des Imam. Gehört alle Autorität dem verborgenen Imam, so muß jegliche politische Herrschaft bis zu seiner Rückkehr als Usurpation betrachtet werden. Wer soll aber in dieser Zeit die Gemeinde führen? Die Ulama, die schiitischen Theologen, beanspruchten für sich, Stellvertreter des verborgenen Imam zu sein; Sie seien, dank ihres Wissens, einzig und allein imstande, im Sinne des abwesenden Imam zu handeln« (4, S. 27).


Eine tabellarische Darstellung der Herrschaftskämpfe

570
Mohammed in Mekka geboren
610
Erste Offenbarungen Mohammeds
622
Flucht nach Medina = Beginn einer neuen Zeitrechnung
632
Tod Mohammeds


Die vier rechtgeleiteten Kalife

632-634
1. Kalif: Abu-Bekr (Schwiegersohn M.)
634-644
2. Kalif: Omar (jugendl. Führer aus der Sippe der Kuarisch)
644-654
3. Kalif: Othmann (Schwiegersohn M.)
656-661
4. Kalif: Ali (Schwiegersohn M., seine Frau ist Fatima)


Die Kämpfe um das Kalifat

657
kämpfen der 4. Kalif Ali und der Gegenkalif Muawija (1. Kalif der Omajaden) bei Siffin am Westufer des Euphrat miteinander.
Durch List verliert Ali sein Kalifat. Das erste Schisma des Islams ist die Folge: (Schiiten/Sunniten).
Ali rüstet zu einem neuen Kampf, wird aber
661
in der Moschee von Kufu ermordet.
5. Kalif: Hassan - Alis ältester Sohn verzichtet auf das Kalifat.
6. Kalif: Hussein (Hossein) kämpft
630
gegen den 2. Omajaden-Kalifen: Yazid und fällt im ungleichen Kampfe als Märtyrer; Imam der Schiiten.


Die Omajaden übernehmen

661
die Herrschaft, ihr Sitz ist Damaskus, müssen aber schon
750
an die Abbasiden (749-1258) ihre Macht abgeben. Die Abbasiden leiten sich in direkter Linie von Mohammed ab. Al-Abba war ein Onkel Mohammeds. Die Hauptstadt ist jetzt Bagdad, - während der Abbasiden-Herrschaft blühen Wohlstand, Kultur und Geist.


      Aber allmählich zerfiel die islamische Welt in mehrere kleine Reiche. Darunter befanden sich: Omajaden und Almorawiden in Spanien und Nordafrika, Fatamiden in Ägypten, Ghasnawiden in Nordindien.

945
eroberten die Bujiden das Zentrum im islamischen Reich, sie wurden von den Abbasiden über ein Jahrhundert geduldet.
Die Seldschuken (Türken aus Mittelasien) verdrängten die Bujiden. Diese Seldschuken drangen bis Anatolien vor.
1071
bezwingen die Mongolen bei Manzikert das byzantinische Heer, so daß Byzanz den Westen um Hilfe bittet.
Hieraus entwickeln sich im 11. und 12. Jh. die unheilvollen und volksverzehrenden Kreuzzüge.


Die Mongolen

      sind Nomadenvölker, die aus den Tiefen Asiens hervortreten. Sie nehmen den islamischen Glauben an und werden die glühendsten Vertreter. Im 12. und 13. Jh. gerät die Welt durch ihre Einfälle in heftige Unruhe.

1206
errichten sie das Sultanat Delhi, es bleibt bis zum Auftreten
1256
von Babur der führende Staat Indiens.
1258
wenden sie sich gegen das Abbasiden-Reich und zerstören Bagdad.
1260
bei Ain Dschalut besiegen die Mameluken die Mongolen und stoppen somit deren Vormarsch. Inzwischen wandten sich die Mongolen auch gegen das christliche Europa.
1237-38
überrannten sie die nordrussischen Fürstentümer.
1240
eroberten sie Kiew, zogen nach Ungarn und Polen und zerrieben
1241
bei Liegnitz ein deutsch-polnisches Heer. Der Mongolen Anführer war Temudschin - der als Dschingis Khan - in die Geschichte einging.


Das Osmanische Reich - die Türken

ab 1300
beherrschten die Expansionsbestrebungen des Islam durch die Türken 4 Jh. das Geschehen. Die diesen Bestrebungen vorangegangenen waren gegenüber den jetzigen nur von lokaler Bedeutung.
1301
gründet ihr Führer das Osmanische Reich
ab 1354
war der christliche Westen ganz auf Verteidigung eingestellt. Die Türken eroberten Europa bis zur Adria und südlich der Donau.
1389
Schlacht auf dem Amselfeld im Kosovo,
1396
nach der Abwehr der Gegenwehr bei Nicopolis beherrschen sie auch den Balkan.
1402
zerschlägt Timur (1336-1405) (auch als Tamerlan bekannt, der letzte große mongolische Eroberer - obwohl eigentlich Turkmane aus Transoxanien) die türkische Armee bei Ankara und verschafft somit Byzanz eine Atempause.
Unter
1421-51
Murat II. und
1451-89
Mehemed II. fällt dann
1453
Konstantinopel. Damit ist das Schicksal Byzanz’ besiegelt.
Regiert Suleiman der Prächtige das Osmanische Reich, es ist eine Weltmacht ähnlich der Ming-Dynastie in China und dem Reich Karls V. in Westeuropa.


Zwei weitere Reiche entstanden

Das 2. Reich:
1526
gegründet von Babur: das Mogulreich. Aber erst sein Enkel Akbar (1556-1605) festigte es.
Das 3. Reich:
Persien. Es ist seit der Eroberung durch Timur (s. 1402) in innerem Zerwürfnis begriffen.
Um 1500
erobert Ismail Safawi (Führer einer fanatischen Schiiten-Sekte) Täbris krönte sich als Ismail I. (1500-1524) zum Schah und vereinigte das Land in kurzer Zeit. Da sawidische Persien erblühte unter
1587-1629
Abbas I.


      Die drei islamischen Reiche beherrschen einen breiten Gebietsgürtel: von den Grenzen Österreichs und Marokkos bis zur Grenze Chinas, zum Fuße des Himalaja und dem Golf von Bengalen.

      Zwist und Machtkämpfe zwischen der sunnitischen Türkei und dem schiitischen Persien spalten den Islam ähnlich wie das Christentum in Protestantismus und Katholizismus. Ismail I. hatte den Schiismus zur Staatsreligion in Persien erklärt, das empfand der sunnitisch-türkische Sultan als eine Herausforderung.

Die Antwort der Osmanen

1514
wurde Ismails Armee bei Caldiran geschlagen
1516-17
erobern die Osmanen Syrien und Ägypten von den Mameluken. Diese Erfolge ermuntern Suleiman den osmanischen Vormarsch nach Europa fortzusetzen.
1517
erobert der Türke Selim I. das Zwischenstromland, Persien und Ägypten und überführte den Scheinkalifen nach Istanbul. Nach dem Tode des letzten Abbasiden usurpierte er das Kalifat.


     Dieses hätte ja nur einem Manne aus dem Kuraisch zugestanden, in dessen Adern das Blut des Propheten floß. »400 Jahre hat das usurpierte Kalifat der türkischen Sultane bestanden, bis ein Türke selbst, Mustapha Kemal, Atatürk, es

1922
aufhob« (1, S. 15).
1526
Schlacht bei Mohács, jetzt wird Ungarn überrannt und
1529
Wien belagert.
Lange Kriege zwischen den Osmanen und Persien (1534-35; 1554-55; 1577-90;
1603-19) trugen mit zum Niedergang bei, der
1560
spürbar einsetzte.


Zusammenfassung

      Für den Niedergang des Islams waren viele Gründe ausschlaggebend. Einmal die sich verändernde Welt. Die Macht verlagerte sich auf die Meere. England, Frankreich und Holland wurden vorherrschend. Zum anderen war es das statische Element des Islams, handelt es sich doch um eine rückwärts gerichtete Religion. Selbst die politischen Gründe, zum Beispiel die der Türkei, aus der islamischen Bindung und allen religiösen Sitten und Bräuchen sich zu lösen, um einen modernen Staat aufzubauen und Anschluß an den Westen zu finden, waren dafür mit verantwortlich, aber wenig erfolgreich.

      Diesen genannten Veränderungen hatte der Islam nichts entgegenzusetzen, weil seine Glaubensstruktur wie gesagt, statisch und rückwärts gerichtet, also nicht zukunftsorientiert ist und dies bis auf den heutigen Tag. Das wird im zweiten Teil dieses Beitrages ersichtlich. Jetzt übernahmen also andere Mächte die Vorherrschaft.

      »Im 19./20. Jahrhundert kommt noch ein kämpferisches Eintreten im zentralistischen Bereich sowie der gegen den Kolonialismus der Westmächte (vor allem Frankreich und England) gerichtete Kampf um Unabhängigkeit im Namen des Islam dazu.

      Die Ausbreitungsgeschichte wäre unvollständig, würde nicht auch die

      Hinwendung vieler Händler in Indonesien und in Afrika südlich der Sahara zum Islam erwähnt, die maßgeblich zur Ausbreitung des Islam in diesen Weltgegenden beigetragen und den Kontakt zu den Metropolen des Handels in der islamischen Welt hergestellt hat. Auf diese Weise hat die friedliche Ausbreitung einen wichtigen Schub nach vorne erhalten. Ähnlich friedlich und ohne missionsstrategischen Hintergedanken verlief die Ansiedlung von Muslimen in Westeuropa und in Amerika, wofür politische Gründe ebenso ausschlaggebend waren wie die Suche nach Arbeitsplätzen.

      Erst seit Ende der 1970er Jahre wird das Vorhandensein von Muslimen in diesen Weltgegenden von islamischen Organisationen der Heimatländer im Sinne missionsstrategischer Konzepte genutzt und mit entsprechenden politischen Forderungen nach Gleichberechtigung gegenüber den christlichen Großkirchen versehen.

Der Islam als Gegenmode zum modernen Staat westlichen Zuschnitts rückt nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Auflösung der Sowjetuninon (31.12.1991) immer öfter in die Schlagzeilen des politischen Tagesgeschehens, so daß Theoretiker wie Huntington (5) in den USA bereits von einem möglichen Zusammenstoß der Kulturen als der wahren Gefährdung mit Blick auf die Zukunft der Menschheit reden« (5; 6).

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Die Organisations- und Glaubensstruktur und der Umgang mit der Moderne

      Wie wir sahen, war der Islam in keinen fremden Staat hineingetragen, wie z. B. das Christentum, sondern hatte einen Staat gegründet. Sein heiliges Buch, der Koran, gab die Gesetze dazu. Hier formte also die Religion die Umwelt und erfaßte die Menschen ganzheitlich. Und dies nicht nur in ihrer Innerlichkeit wie beim Christentum. So pflegen die Christen beispielsweise ihren Glauben nur in bestimmten Bereichen: im guten Benehmen gegenüber anderen, in moralischer Wohlanständigkeit, vielleicht noch in sozialer Tätigkeit und im sonntäglichen Kirchgang.

      »Der Muslim dagegen redet nicht von Innerlichkeit; ein Gebet im stillen Kämmerlein kann nie das rituelle Gebet ersetzen und ist ihm darum auch zumeist gleichgültig. Ihn interessieren Kult und Gesetz, politische Theorie und religiöses Reglement des täglichen Lebens, und all dies ist für ihn Islam, bis hin zu Etikette und Hygiene. Für alles ist ihm Vorbild und Vorschrift gegeben; wenn der Koran nicht ausreicht, so ist da doch noch die sogenannte Sunna: Aussprüche und Handlungen des Propheten selber, der, zumindest im Glauben der frommen Überlieferung, an alle Probleme des Lebens gedacht und sie in ewig verbindlicher Norm geregelt hat. Im Urislam sind die Leitbilder für alle Zeiten gesetzt worden; noch heute blickt der Muslim mit Hochgefühl auf die Zeit der Frühe zurück. Historische Darstellungen von Mohammeds Leben oder der Zeit der ersten vier, der sogenannten ,rechtgeleiteten‘ Kalifen, sind immer zugleich ein politisches oder moralisches Programm für die Gegenwart« (7, S. 69/70).

      Den Widerspruch zur Gegenwart, zwischen göttlichem Gebot und menschlicher Wirklichkeit, erlebt man hier wie dort. Während der Christ jedoch die unchristliche Realität auf die Welt schiebt, muß der Muslim sich eingestehen, daß Gottes Gebote mißachtet werden. Eine innere Emigration kennt der Islam nicht, wenn man sich zurückzieht, dann in das goldene Zeitalter der Urgemeinde, in der sich alles nach dem Willen Allahs abspielte. So erscheint Fortschritt nur als Dekadenz 8), das Ideal ist nicht nach innen gewendet, sondern rückschauend. »Diese Religion strebt nicht nach fernen Idealen, sondern sucht nach dem sinnvollen und geregelten Leben. Ihr geht es um die Gegenwart; sie hat es nicht gelernt, in die Zukunft hineinzugreifen. Und wenn die Gegenwart sich verdüstert, bleibt ihr nur Resignation, der Blick zurück in die große Vergangenheit« (7, S. 79).

Der Koran

      Im Christentum verehrt man eine Person (Jesus), im Islam ein Buch (den Koran). Dieses Buch ist Allahs Wort, nicht etwa die Worte Mohammeds. Mohammed ist nur das Sprachrohr für eine Offenbarung, die ekstatisch aus ihm heraustrat. Er ist kein Wundertäter, nicht die Wahrheit (wie Christus), er verkündet die Wahrheit. Hinter dieser Mission löscht sich Mohammed sozusagen aus. Deshalb ist es auch eine Beleidigung für den Moslem, wenn man ihn als »Mohammedaner« bezeichnet.

      Das einzige Wunder ist der Koran, in ihm spricht Allah in Arabisch zu den Arabern. Die Sprache war das einzige Bindeglied zwischen den Beduinenstämmen. Zwar sprachen sie verschiedene Dialekte, aber die Dichter hatten eine gemeinsame Sprachform, eine Hochsprache, entwickelt. Diese machte sich Mohammed zu eigen. »Seine Botschaft ist eine arabische Botschaft; ihren Inhalt empfindet er lange Zeit nicht als neu, aber ihre Sprache« (7, S. 80). Die christlichen Missionare und Mönche besaßen auch ein heiliges Buch, das war aber in Syrisch geschrieben, erhaben, fremd und unverständlich, schon von daher war der Koran überlegen.

      »Der Koran hat in manchem eine ähnliche Stellung wie die Lutherbibel: Er ist der erste Prosatext im Arabischen, als Sprachdokument schafft er neue Solidarität. Aber er ist nicht nur Übersetzung, er ist Gottes Wort selber: Gott spricht arabisch; es kann keinen vollkommeneren Stil geben als den des Korans. In viel höherem Maße als die Lutherbibel wirkt der Koran darum sprachschaffend: An ihm richtet sich bis heute die Sprachnorm aus; Grammatik und Rhetorik, im islamischen Raum bis zur letzten Finesse verfeinert, entwickeln aus ihm ihre Gesetze. ... das Arabische ist wohl die Sprache, deren Stilideal am wenigsten sich über die Jahrhunderte hinweg gewandelt hat. Das führt zu einem Formalismus9) zu dem wir, die wir den verborgenen Sakralcharakter nicht spüren, nur schwer einen Zugang finden; Dichtung ähnelt der Goldschmiedearbeit, zerbrechlich und kostbar, aber manchmal ebenso steril und leer. Dem heutigen Muslim hat dies das Problem hinterlassen, wie er eine Hochsprache, die kaum jemand spricht, und die zahlreichen Dialekte, die er spricht, aber im Grunde verachtet, zusammenbringen soll; ...« (7, S. 80).

      Auch die Widersprüchlichkeiten in der arabischen Einheit sind in der Sprache begründet. Die Theologie ist ebenso durch die mündliche Auslegung mancher Koran Gebote belastet, die eigentlich dringend der Gegenwart angepaßt werden müßten (z. B. das Ramadanfasten in westlichen Ländern), was aber nicht geschehen kann, weil Allah sie doch selber so ausgesprochen hat. Dies würde an die Substanz des Islam rühren.

Allah - »Ar-Rahmãn«, der Barmherzige

      Der Koran ist der einzige Mittler zwischen Allah und dem Menschen. Würde man ihm seine Unmittelbarkeit nehmen, indem man zum Beispiel seine Ausdrucksweise aus dem Milieu des Propheten Mohammeds erklärte, ihn also irdisch verfügbar machte, ließe sich die Kluft zwischen Allah und den Menschen wahrscheinlich nicht überbrücken. »Denn diese Kluft ist ohnehin groß genug. Der Islam nimmt es mit der Transzendenz10) Gottes sehr ernst. Gott kommt nicht auf die Erde herab; er hat auch keine Personen. Gott ist absolut« (7, S. 81).

      Es gibt nur einen Gott: Allah. Vielgötterei ist die einzige Todsünde, die der Koran kennt. Dies erinnert an die 10 Gebote und den Kampf gegen die Vielgötterei im Juden- und Christentum.

      »Dieser kompromißlose Monotheismus4) ist Kern und Stolz des Islams« (7, S. 81)!

      Der Muslim kann zu Allah keinen Kontakt aufnehmen, es gibt keine Sakramente, keine Kultbilder, keine Kirchenmusik. Dennoch kann Allah kraft seiner Allmacht dem Menschen Barmherzigkeit und Gnade erweisen. »Ar-Rahmãn«, der Barmherzige, ist der Gottesname, mit dem jede Sure11) beginnt. Niemals würde der Muslim Allah mit »Vater« ansprechen, das Wort »Vater« ist trinitarisch12) belastet. Allahs Transzendenz aber schließt ein sich persönlich behütet fühlen nicht aus.

      Vom Menschen fordert Allah Rechenschaft für sein Tun beim Jüngsten Gericht. Nach diesem irdischen Leben wird jedes Stäubchen an Gutem und Bösem dann zum Vorschein kommen und in die Waagschale geworfen; aber auch Gnade vor Recht wird ergehen, denn Allah ist barmherzig (vgl. Sure 99). Diese Rede von der »Barmherzigkeit«, die ja Allah mit konkreten Eigenschaften beschreibt und ihn »faßbar« macht und eine Vorstellungsrichtung andeutet, darf aber nicht so verstanden werden, daß Allahs Transzendenz in Frage gestellt werde, denn »Die Welt Gottes, sein wahres Sein, bleibt dem Menschen unzugänglich.« (6, S. 75)

Die Gefahr und die Stärke des Islams

      »Die Gefahr des Islam ist zweifellos seine quisquilienhafte13) Hingabe an das äußere Detail, seine Neigung zu Ordnung und Gesetz; denn in ihm steht das Recht im Mittelpunkt. Die Gefahr des Christentums ist ebenso zweifellos die intellektuelle oder emotionale Verinnerlichung, das individualistische Nichtstun; denn in ihm steht die Theologie im Mittelpunkt.

      Die Stärke des Islams aber ist seine Sorge um den Menschen in der Welt, den er nimmt, wie er ist, ohne jede Abwertung und ohne jede Sublimation14), und dessen wölfische Irrationalitäten er zu mäßigen versucht, wo immer sie auftreten. Der Muslim steht allein vor Gott, ohne jeden Mittler; aber nicht als Individuum, sondern als Glied seiner Gemeinde, und diese Gemeinde ist es, die ihn - sit venia verbo15) - ,erlöst‘. Mag er noch so sehr sündigen, er wird nur zeitliche Höllenstrafen erleiden und am Ende ins Paradies eingehen. Er ist gerechtfertigt aus dem Bekenntnis, durch seine bloße Zugehörigkeit zur Kommunität16) der Muslime. Schon sein Zeugnis mit ihr und für sie ist Ergebung in den Willen Gottes, Islam« (7, S. 83/84).

      Und damit kehre wir zur nun hoffentlich verständlich gewordenen Anfangsaussage zurück, weshalb die Muslime in unserem Lande eine große Gemeinschaft suchen und pflegen und eine sogenannte »Gettobildung« nicht als solche empfinden und sie einer Integration mit Andersgesinnten vorziehen. Ferner sagt Clifford Geertz mit Blick auf Marokko und Indonesien: »Glaube und Lehre sowie der Gottesdienst in arabischer Sprache sind allen Muslimen gemeinsam, das religiöse Brauchtum dagegen trägt eindeutig regionalkulturelle Züge und berechtigt dazu, den türkischen Islam vom indischen oder indonesischen Islam zu unterscheiden« (6, S. 67) Dies sei auch der Grund dafür, weshalb die Muslime türkischer Herkunft in der sogenannten »islamischen Diaspora«17) in Westeuropa eher eine türkisch-islamische Vereinigung vorziehen, als die Gemeinschaft mit Muslimen aus anderen Kulturräumen, wie etwa Araber oder Inder. Dies gilt natürlich auch im umgekehrten Sinne.

Die Stellung der Frau im Islam

      Alle Bereiche des Lebens werden im Koran angesprochen, alle Facetten des Einzelnen wie der Gemeinschaft. Fragen zum Straf- und Prozeßrecht ebenso wie zum Erbrecht. So auch das Erbrecht der Frau. »Natürlich« (!) erbt sie nur die Hälfte dessen, was ein Mann bekäme (vgl. Koran 4, 12). Zwar sichert der Koran der Frau ein Aussagerecht vor Gericht zu, so daß sie als Zeugin auftreten kann, aber ihr Wort ist nur halb so viel wert wie das des Mannes (vgl. Koran 2, 282). Hieraus ist unschwer zu erkennen, daß die gesellschaftliche Stellung der Frau in keiner Weise auf Gleichheit von Mann und Frau zielt.

      So darf der Mann zum Beispiel bis zu vier Frauen gleichzeitig als Ehefrauen haben (vgl. Koran 4, 3), sie sogar schlagen, wenn sie sich auflehnen und ungehorsam sind (vgl. Koran 4, 34). Mit ähnlichen Praktiken hatte die Frauenbewegung im christlichen Abendland auch zu kämpfen.

      Harem und Schleier sind typisch islamische Erscheinungsformen. Emanzipation und größere Freiheiten für die Frau werden islamischerseits mit Prostitution und sexueller Freizügigkeit gleichgesetzt.

      Was nun die Interpretation der einschlägigen Koranverse anbelangt, gibt es inzwischen auch geteilte Ansichten. Die einen betonen die Gleichstellung der Geschlechter aus der Erschaffung von Mann und Frau »aus einem einzigen Wesen« (Koran 4,1), die anderen verweisen auf eine zwar grundsätzliche Gleichheit, aber mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen und noch andere wollen an der traditionellen Gesetzesform als gottgewollt festhalten (6, S. 79, 80, 81). »Wie votiert wird, hängt weitgehend von der Vorstellung ab, wie Herrschaft überhaupt unter Menschen gestaltet werden kann und soll.« (6, S 81)

Übliche politische Herrschaftsausübung

      Die Zentralgewalt lag und liegt bei den arabischen Völkern bei einem Einzelherrscher. Dieser konnte sich zwar beraten lassen, mußte es aber nicht. Eine Beteiligung aller an der Macht im Lande, eine Demokratie, wird als revolutionäre Idee empfunden, die von Europa in die islamische Welt hineingetragen wurde und oftmals massive Gegenreaktionen ausgelöst hat.

      Zwei Seiten stehen sich gegenüber. Auf der einen: Religion, Glaube und Gehorsam, auf der anderen: persönliche Meinung, Erneuerung, Modernisierung und Schöpfung. »Der Konflikt beruht auf der Tatsache, daß der zweite Pol über Jahrhunderte hinweg mit dem Zeichen des Negativen, des Subversiven18) versehen war« (8).

      Dieser traditionelle Grund veranlaßt islamische Kreise zu der Gleichung: Glaube = Gehorsam; Freiheit = Atheismus.

      Im Islam haben die Gläubigen wohl Pflichten gegenüber der Gemeinschaft (Umma), aber keine individuellen Rechte im Sinne von rechtlichen Ansprüchen. Und so fordert der aus Syrien stammende Göttinger Politikwissenschaftler Bassam Tibi:

      »Damit Menschenrechte als individuelle Rechte im Islam etabliert werden können, ist es notwendig, die Betonung auf die Pflichten aufzugeben und ein Konzept von individuellen Rechten einzuführen« (6, S. 82). Denn diese universellen Rechtsnormen und ethischen Werte hätten nichts mit politischer Macht und hegemonialer Herrschaft zu tun.

Umgang mit der Moderne

      Diese Auseinandersetzung entstand im 19. Jahrhundert durch das technologische Defizit gegenüber der westlichen, nichtislamischen Welt. Atatürk gründete nach dem 1. Weltkrieg aus dem Restgebilde des Osmanischen Reiches eine neue türkische Republik. Aber trotz allen Nachahmens, in Anlehnung an europäische Gesetze und Verhaltensweisen - bis hin zur europäischen Kleidung - blieb der technologisch-wirtschaftliche Erfolg aus. »Man stellte fest, daß man durch die Imitation Europas noch lange nicht europäisch geworden war, aber gleichzeitig seine islamische Identität verloren hatte. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zeichnet sich daher - gepaart mit größeren wirtschaftlichen Krisen - eine tiefe Identitätskrise in der Welt des Islam ab und verlangt immer stärker nach islamischen Lösungen. Nach wie vor wollen alle den technisch-wirtschaftlichen Fortschritt und schauen wie gebannt auf die Entwicklung einer ,islamischen Atombombe‘ als Symbol für Macht und Stärke, den gesellschaftlichen Umwandlungsprozeß im Sinne der westeuropäischen bzw. nordamerikanischen Gesellschaft hingegen lehnt man ab.

      Diese Ablehnung findet ihren Niederschlag in einer zunehmenden Distanz zum europäisch-philosophischen Denken und zur europäischen Kultur« (6, S. 83/84).

      Das koranische Abbildungsverbot des menschlichen Körpers und Antlitzes trägt zur Ablehnung der westlichen bildenden Kunst bei. »Als Extremfall dieser Distanzierungstendenz kann der Streit um die ,Satanischen Verse‘ von Salman Rushdie angesehen werden, der 1989 seinen Höhepunkt fand, als Ayatolla Khomeini in einem Fatwã Rushdie wegen Beleidigung des Propheten Muhammed zum Tode verurteilte und die Muslime aufrief, dieses Todesurteil zu vollstrecken. Viele Muslime, die eine solche öffentliche Verurteilung ablehnen, glauben dennoch - und das ist bezeichnend - , daß Rushdie eine derartige romanhafte Behandlung zentraler Gestalten aus der Religion (neben Muhammed erscheinen auch die Prophetenfrauen recht zwielichtig) nicht hätte vornehmen sollen. Sie melden damit Bedenken an einer großzügig ausgelegten ,Freiheit der Kunst‘ an, die in Europa als ein Dogma der Moderne gilt« (6, S. 84).

      Zu dieser Auseinandersetzung mit der Moderne gehört auch der Dialog mit den anderen Religionen, was aber kein ursprüngliches Bedürfnis der Muslime ist. Wenn sie nun trotzdem daran teilnehmen, so aus der Hoffnung heraus, dies sei eine Möglichkeit anderen ihren Glauben richtig darstellen zu können. Denn für den Muslim besitzt sein Glaube eine derartige Klarheit, daß er sich nicht vorstellen kann, andere Menschen werden keine Muslime, es sei denn aus Böswilligkeit oder Kenntnislosigkeit. Die Religionsführer haben zur Kenntnis genommen, daß es viele Religionen gibt und auch in Zukunft geben wird. Und so wird man nicht umhin können, einen modus vivendi19) für das Zusammenleben finden zu müssen.

Mögliche zukünftige islamische Entwicklungen

      Fast jedes islamische Land hat Gruppen, die einen Weg oder ein Lösungskonzept vorschlagen, über alles wird trefflich gestritten was »islamisch« ist. Aber den islamischen Weg gibt es nicht, viele Wege werden diskutiert. Diese Vielfalt ist auch geschichtlich bedingt, gab es doch neben dem Koran noch andere Rechtsquellen. Diese waren nötig, um neuauftretende Fragen beantworten zu können. Khomeini und seine Gefolgsleute hielten die Scharia20) für den richtigen Weg, andere wollten nur den Koran gelten lassen usw. Ungeachtet dieser unterschiedlichen Positionen müssen sich aber alle der Moderne und ihren Problemen stellen und eine Antwort darauf finden. Die Muslime stehen damit an einem wichtigen Scheideweg. Eine Spaltung in unterschiedliche Gruppen zeichnet sich ab. Die Zugehörigkeit zu ihnen dürfte langfristig wichtiger sein als die Zugehörigkeit zu den traditionellen, wie Schiiten und Sunniten.

      »Die Entwicklung innerhalb der islamischen Welt ist auch für die Nichtmuslime von großer Bedeutung, weil die islamische Welt ein wichtiger politischer wie wirtschaftlicher Faktor für die gesamte Welt, in jedem Falle aber für Europa und Amerika ist. Hinzu kommt, daß in zunehmendem Maße Muslime auch außerhalb der islamischen Welt wohnen werden und damit ihr Schicksal die anderen, die mit ihnen zusammenleben, unmittelbar betrifft. Alle islamischen Gruppen innerhalb wie außerhalb der islamischen Welt wollen oder müssen mit nicht-islamischen Gruppen politisch wie wirtschaftlich zusammenarbeiten, um ihre Ziele durchzusetzen.

      Auf diese Weise sind auch die Nichtmuslime in die Entwicklungen und Entscheidungsprozesse der Muslime einbezogen und müssen ihrerseits wählen, wen sie unterstützen wollen, um ein friedliches Zusammenleben sicherzustellen. Die weitaus größte Mehrheit der Muslime ersehnt eine friedliche Welt, in der alle gut leben können, doch über den Weg dahin gehen die Meinungen auseinander. Sie werden in den nächsten Jahrzehnten sicher die Diskussion unter Muslimen wie Nichtmuslimen maßgeblich bestimmen« (6, S. 87), so Peter Antes in seinem Buch: Die Religionen der Gegenwart, hrg. 1996.

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Fußnoten


  1. Abessinien = ältere Bez. f. d. Kaiserreich Äthiopien
  2. Kaaba = Zentralheiligtum des Islam
  3. al-Lat, al-Uzza, Manat = altarabische Gottheiten
  4. Monotheismus = Verehrung eines Gottes (unter Leugnung der Existenz weiterer Götter)
  5. Kiblah = Gebetsrichtung auf Mekka
  6. Schisma = Spaltung
  7. Aschura/Aschiura/Ashura = 10. Tag des isl. Monats Moharram; übernommen aus dem jüd. Versöhnungsfest
  8. Dekadenz = kultureller, sittlicher Verfall, Niedergang; Lasterhaftigkeit
  9. Formalismus = Überbetonung der Form oder Äußerlichkeit
  10. Transzendenz = die Jenseitigkeit
  11. Sure = Kapitel im Koran
  12. Trinität = Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit = die Trinität betreffend, auf ihr beruhend
  13. quisquilienhaft = Belanglosigkeiten, Nichtigkeiten betreffend
  14. Sublimation = ins Erhabene steigern
  15. sit venia verbo = man verzeihe das Wort/den Ausdruck
  16. Kommunität = Gemeinschaft
  17. Diaspora = Zerstreuung, Vereinzelung; Gebiet, in dem eine religiöse od. nationale Minderheit lebt
  18. subversiven = umstürzlerischen
  19. modus vivendi = eine Art des Zusammenlebens
  20. Scharia = »der Pfad, dem man folgen muß«, Sittengesetz des Islams


Schrifttum

  1. Scholl-Latour, Peter: Im Fadenkreuz der Mächte. Gespenster auf dem Balkan. C. Bertelsmann Verlag GmbH, München 1994.
  2. Rodenwaldt, Ernst: Der Islam. Eine Einführung in die Glaubenswelt islamischer Völker. Tornisterschrift des Oberkommandos der Wehrmacht Abt. Inland, Heft 52, 1941.
  3. Lesehefte Ethik, Werte u. Normen, Philosophie: Reihe Weltreligionen. Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart 1998.
  4. Taberi, Abmad: Artikel aus: Die Zeit vom 28.8.1987.
  5. vgl. dazu: Samuel P. Huntington: Im Kampf der Kulturen, in: DIE ZEIT, Nr. 33, 13.8.1993, S. 3,. vgl. dazu allgemein: Baâam Tibe: Krieg der Zivilisation. Politik zwischen Aufklärung und Fundamentalismus, Hamburg 1995.
  6. Antes, Peter: Die Religionen der Gegenwart. Geschichte und Glauben, Verlag . H. Beck, München 1996. Stand 1981; zitiert aus: Hamdy Mohmoud Azzam: Der Islam. Plädoyer eines Moslems, Horst Poller Verlag, Stuttgart 1981, S. 86 ff.
  7. Ess van, Josef: Islam, in: Die fünf großen Weltreligionen. Hrg. Emma Brunner-Traut, Herderbücherei 1974.
  8. Mernissi, Fatema: Die Angst vor der Moderne. Frauen und Männer zwischen Islam und Demokratie, Hamburg-Zürich 1992.