Von Gerhard Fuchs
Erich Ludendorff wurde am 9. April 1865 in Kruschewnia bei Posen geboren, als drittes von sechs Kindern des Gutsbesitzers August Wilhelm Ludendorff und dessen Ehefrau Klara Jeanette Henriette von Tempelhoff.
Zunächst in Westpreußen, ab 1871 in Pommern, wo die Eltern nach dem Verkauf ihres Ritterguts in Kruschewnia mehrere gepachtete Güter bewirtschafteten, wuchs Ludendorff in ländlicher Umgebung, in einem kulturbewußten, harmonischen Elternhaus auf.
Seine unbeschwerte Kindheit endete früh, als er bereits mit 12 Jahren in eine Kadettenanstalt in Plön in Schleswig-Holstein eintrat. Dort zog er sich in der Anfangszeit außerhalb des Dienstes weitgehend in sich zurück, gelangte jedoch aufgrund besonderer Tüchtigkeit und ernster Dienstauffassung schon bald in verantwortliche Stellungen.
Im Jahre 1882, also erst 17-jährig, wurde Erich Ludendorff bereits Leutnant und kam nach Wesel, wo ihm die Ausbildung von - meist älteren - Rekruten übertragen wurde. Hier hatte er seine erste soldatische und menschliche Bewährungsprobe zu bestehen, indem er zeigen konnte, ob ihn eine Machtstellung zu Machtmißbrauch verleitete oder ob Beherrschung und Gerechtigkeitssinn dies verhinderte. In seinem Buch »Mein militärischer Werdegang« beschrieb Ludendorff später seine damalige Einstellung folgendermaßen:
»Ich werde wohl vor allem durch persönliches Freundlichsein und ruhiges Auftreten den Rekruten das Einleben erleichtert haben. Die Unteroffiziere wußten von (mir) dem Kompaniechef, daß sie sich jeder Mißhandlung zu enthalten hätten, die damals immer noch vorkam«.
Inzwischen zum Oberleutnant befördert, besuchte Erich Ludendorff ab Oktober 1890 die Kriegsakademie als Vorschule für den Generalstabsdienst. Neben militärtechnischem Wissen erlernte er hier die russische Sprache und hatte im Anschluß an die bestandene Dolmetscherprüfung Gelegenheit, auf einer Reise über Petersburg, Moskau und die Krim seine Sprachkenntnisse zu vervollkommnen.
Die große Sehnsucht aller tüchtigen Offiziere erfüllte sich für Ludendorff im Jahre 1894, als er sich zum Dienstantritt im Großen Generalstab meldete. Nach einjähriger Dienstleistung als Generalstabshauptmann in Berlin arbeitete er in verschiedenen Stellungen außerhalb der Hauptstadt, so beim Generalstab des IV. Armeekorps in Magdeburg, in zwischenzeitlichem Frontdienst als Kompaniechef in Thorn an der Weichsel, als Generalstabsoffizier bei einer Division in Glogau/Schlesien und beim Generalkommando des V. Armeekorps in Posen.
Im März 1904 wurde Major Ludendorff Sektionschef in der Aufmarschabteilung des Großen Generalstabs in Berlin, wo er unter anderem für die taktische Ausbildung einiger Hauptleute des Generalstabs und einer größeren Anzahl kommandierter Offiziere verantwortlich war.
Durch seine in der bisherigen Laufbahn geleistete hervorragende Arbeit hatte sich Erich Ludendorff das Vertrauen des damaligen Chefs des Generalstabes, des Generals von Moltke, erworben. Deshalb wurde im März 1908 dem kurz zuvor zum Oberstleutnant ernannten Ludendorff die Leitung der wichtigsten Abteilung des deutschen Generalstabs übertragen, die verantwortlich war für die Bearbeitung des Aufmarsches und die Entwicklung des deutschen Heerwesens.
Im August des Jahres 1909 vermählte sich Erich Ludendorff mit Margarethe Pernet, der geschiedenen Gattin eines Obersten des Heeres, die vier Kinder mit in die Ehe brachte.
Wie wichtig für Volk und Heer Ludendorffs Tätigkeit im Generalstab gewesen ist, geht aus folgendem Satz seiner späteren Lebenserinnerungen hervor:
»Es lag auf mir neben der Bearbeitung des Aufmarsches nun die Sorge für das Heer, ja für die Sicherheit des Volkes.« Aufgrund dieser Sorge und wegen seiner gründlichen Kenntnis der damaligen militärischen Situation in Europa verfaßte Erich Ludendorff zahlreiche Denkschriften, in denen er Heeresreformen und lückenlose Erfassung aller wehrfähigen Männer forderte. Beim Kriegsministerium stieß Ludendorff mit seinen Forderungen jedoch auf Ablehnung. Als unbequemer Mahner wurde er im Januar 1913 von seinem Posten im Generalstab abberufen und als Regimentskommandeur nach Düsseldorf versetzt.
Für die Kampfbereitschaft des deutschen Heeres im kurz darauf beginnenden Weltkrieg wirkte sich diese Entscheidung äußerst verhängnisvoll aus. In seinem neuen Wirkungsbereich konnte Ludendorff jedoch seine Auffassung soldatischer Tugenden voll zur Geltung bringen. Nach dem Urteil ehemaliger Kameraden und Untergebener vereinigten sich in seiner Persönlichkeit strenge Gerechtigkeit und unermüdliche Pflichttreue mit einem Herzen voll weichem menschlichem Empfinden für das Wohl der ihm anvertrauten Truppe und voll echter Kameradschaftlichkeit.
Im April 1914 verließ Ludendorff Düsseldorf als junger Generalmajor, um den Posten eines Brigade-Kommandeurs in Straßburg im Elsaß zu übernehmen. Hier erlebte er den Kriegsausbruch am 1. August 1914, der ihn sehr erschütterte und einen heiligen Zorn in ihm aufflammen ließ gegen jene Männer, die in den Stellen höchster Verantwortung die deutsche Wehrmacht hatten verkümmern lassen und ihm im Streben, Versäumtes nachzuholen und zu verbessern, in seinem verantwortungsreichen Amt nichts als Schwierigkeiten und Hindernisse entgegengestellt hatten.
Seinen Kriegsdienst begann Erich Ludendorff nicht, wie es seinen überragenden Fähigkeiten und Leistungen entsprochen hätte, im Großen Hauptquartier als Chef der Operationsabteilung, sondern als Oberquartiermeister der 2. Armee vom rechten Flügel des Gesamtaufmarsches im Westen.
Nach den Plänen des Großen Generalstabs, an denen Ludendorff mitgearbeitet hatte, sollte gleich zu Beginn des Krieges versucht werden, eine der größten Festungen der damaligen Zeit, die große Lagerfestung Lüttich, zu erobern. Bei dieser Unternehmung stellte Ludendorff seinen Mut und seine Unerschrockenheit unter Beweis. Als Oberquartiermeister hatte er die Verbindung zwischen den einzelnen Heeresabteilungen zu halten und das später eintreffende Armee-Oberkommando über die Situation vor Lüttich zu unterrichten. - In der Nacht vom 5./6. August 1914 wurde der Vormarsch der Kolonne, bei der sich Ludendorff befand, durch schweres feindliches Feuer aufgehalten. Daraufhin setzte sich Ludendorff an die Spitze der Abteilung und erreichte die Eroberung einer der Festung vorgelagerten belgischen Stellung, indem er durch sein Vorbild und mit der Ermahnung, ihn doch nicht allein gehen zu lassen, die Soldaten zur Höchstleistung anfeuerte. - Am Morgen des 7. August wurde dann der Befehl zum Einmarsch in die Stadt gegeben. Ludendorff begab sich in einem erbeuteten belgischen Kraftwagen und nur von seinem Adjutanten begleitet zur Zitadelle in dem Glauben, diese sei bereits von deutschen Soldaten besetzt. Tatsächlich befand sich dort jedoch noch die Besatzung von mehreren hundert schwer bewaffneter belgischer Soldaten. Nach dem Öffnen des Tores, an das Ludendorff mit dem Degenknauf geschlagen hatte, forderte er in unerschütterlicher Ruhe die Belgier auf, die Waffen niederzulegen. Dieser Befehl wurde ohne jeglichen Verteidigungsversuch befolgt. Für diese einzigartige Leistung verlieh der Kaiser Erich Ludendorff den höchsten preußischen Tapferkeitsorden des »Pour le mérite«.
Im Osten hatte die 8. deutsche Armee im Kampf gegen die russische Übermacht schwere Niederlagen erlitten, und es bestand die Gefahr, daß ganz Ostpreußen von den Feinden überrannt werden würde. In dieser kritischen Situation erinnerte sich der Chef des Generalstabes, Generaloberst von Moltke, des fähigsten seiner Offiziere und übertrug nach Abstimmung mit dem Kaiser die Führung der Militäroperationen im Osten an Erich Ludendorff. Da dieser im Dienstalter viel jünger war als alle an der Ostfront beteiligten kommandierenden Generale, wurde ihm der rangältere General Paul von Hindenburg, beigegeben. Bei dessen Berufung zum Oberbefehlshaber der 8. Armee erhielt er jedoch von der Regierung die Weisung, allen Planungen, Befehlen und Kampfanweisungen Ludendorffs keinen Widerstand entgegenzusetzen.
Durch eine außergewöhnliche Feldherrnleistung gelang es Ludendorff, Ende August 1914 in der großen Umfassungsschlacht von Tannenberg die zahlenmäßig weit überlegene feindliche Armee vernichtend zu schlagen und damit Ostpreußen vor der Besetzung durch russische Truppen zu bewahren.
Im Westen dagegen konnte kein entscheidender Durchbruch erreicht werden. Die sogenannte »Ermattungsstrategie« des - als Nachfolger Moltkes an die Spitze des Generalstabs gelangten - Generals v. Falkenhayn hatte lediglich - vor allem bei Verdun - unersetzliche Blutopfer gekostet.
Erst am 29. August 1916, also zwei Jahre zu spät, berief die kaiserliche Regierung endlich Generalfeldmarschall v. Hindenburg als »Chef des Generalstabes des Feldheeres« und den inzwischen zum General der Infanterie beförderten Erich Ludendorff als völlig selbständigen und verantwortlichen »Ersten Generalquartiermeister« in die oberste Heeresleitung.
Nach der von Ludendorff eingeführten neuen Strategie wurde der mit hohen Verlusten verbundene Stellungskrieg durch eine flexiblere Kampfesweise ersetzt. Nicht in einer starren Linie, sondern in einem tiefgegliederten Raum sollte künftig gefochten werden. Neben dem Streben nach besseren militärischen Erfolgen, war es Ludendorff vor allem um Rücksicht auf seine Soldaten zu tun, wie er es später in seinem Buch »Meine Kriegserinnerungen« mit folgendem Satz ausdrückte:
»Mußte ich auf der einen Seite Menscheneinsatz fordern, so hatte ich auf der anderen Seite die menschlich schönere Pflicht, Menschenleben zu erhalten.«
Infolge des Kriegseintritts der USA konnte jedoch auch Ludendorff gegen die Übermacht der Feinde einen deutschen Sieg im Westen nicht erreichen. Es folgten Waffenstillstandsverhandlungen, in denen die Gegner die militärische Kapitulation verlangten. Ludendorff sprach sich für die Zurückweisung dieser Forderung aus und wandte sich auch gegen die hauptsächlich von der damaligen Sozialdemokratie im Volk verbreitete Mutlosigkeit. Der Kaiser glaubte hingegen, sich mit Hilfe der Sozialdemokraten ein neues Reich aufbauen zu können und entließ General Ludendorff am 26. Oktober 1918. Beim Abschied von seinen Mitarbeitern im großen Hauptquartier prophezeite Ludendorff: »In 14 Tagen haben wir keinen Kaiser mehr«, womit er bekanntlich recht behielt.
Nachdem Ludendorff die Kriegsführung aus der Hand genommen worden war, hatte er zwar nicht mehr die ungeheure Last der Verantwortung für die Landesverteidigung zu tragen, es erfüllte ihn jedoch eine noch größere Sorge um das zukünftige Schicksal seines Volkes. Diese Sorge veranlaßte ihn, sich bald nach dem Ende des Krieges mit der Erforschung der Hintergrundkräfte zu beschäftigen, die - wie er jetzt erkannte - wesentlich zu Deutschlands Niederlage beigetragen hatten.
Diese im Verborgenen wirkenden Mächte waren keine »Hirngespinste«, wie interessierte Kreise behaupteten, die sich Ludendorff ausgedacht habe, um mit der sogenannten »Dolchstoßlegende« seinen Mißerfolg an der Front zu erklären. Ein deutliches Anzeichen dafür, daß tatsächlich bestimmte Kräfte die Verteidigungsanstrengungen des deutschen Volkes behinderten, war z. B. das Bekenntnis, das am 20.10.1918, also noch während des Krieges, in der Zeitung »Vorwärts« abgedruckt wurde: »Deutschland soll - das ist unser fester Wille als Sozialdemokraten - seine Flagge für immer streichen, ohne sie das letzte Mal siegreich heimgeholt zu haben.«
Seit seiner Entlassung bewohnte Ludendorff eine Pension in Berlin, wo er an seinem Werk »Meine Kriegserinnerungen« arbeitete. Mit dem Ausbruch der Revolution am 9. November 1918 begannen die roten Meuterer einen ungeheuren Hetzfeldzug gegen seine Person. Da die Regierung, an der auch gewaltbereite Revolutionäre beteiligt waren, nicht willens und in der Lage war, den deutschen Feldherrn vor den angedrohten Anschlägen zu schützen, begab sich Ludendorff, hauptsächlich aus Rücksicht auf die Menschen in seiner Umgebung, vorübergehend ins benachbarte Ausland, und zwar zunächst nach Dänemark und anschließend nach Schweden.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat im Februar 1919 verlegte er seinen Wohnsitz nach München. Dort nahm er Verbindungen auf zu sogenannten »völkischen« Gruppen, die wie er das von den Siegermächten geschundene und gedemütigte deutsche Volk moralisch wieder aufrichten wollten.
Am 9. November 1923 beteiligte er sich zusammen mit Adolf Hitler an dem Marsch zur Feldherrnhalle in München, nachdem ein geplanter Putsch gegen die Reichsregierung durch Verrat der ursprünglich teilnahmebereiten bayerischen Staatsregierung vereitelt worden war. Der unbewaffnete Marsch, der nach dem Willen Ludendorffs lediglich eine Demonstration völkischen Selbstbehauptungswillens darstellen sollte, endete mit vielen Blutopfern im Gewehrfeuer der bayerischen Polizei. Der aufrecht durch den Kugelhagel weitermarschierende General Ludendorff blieb wie durch ein Wunder unverletzt.
In dem anschließenden Hochverratsprozeß enthüllte Ludendorff die Machenschaften geheimer Hintergrundkräfte, insbesondere der von Rom gesteuerten. Während er freigesprochen werden mußte, wurde Adolf Hitler zu einer mehrjährigen Festungshaft verurteilt. Die Haftzeit wurde allerdings wesentlich abgekürzt, vermutlich weil die enthüllten Mächte erkannten, daß es für ihre Ziele eine Gefahr bedeutet hätte, wenn die nationale Bewegung weiterhin von Ludendorff anstatt von Hitler geführt worden wäre. Da für Erich Ludendorff auch im politischen Kampf absolute Wahrheit und absolute Moral oberste Richtschnur waren, wohingegen Adolf Hitler und seine NSDAP durch ein Paktieren mit der Rom-Kirche und auch unter Anwendung unlauterer Mittel an die Macht gelangen wollten, trennten sich beider Wege nach Hitlers Haftentlassung.
Bei seinem politisch-weltanschaulichen Wirken lernte Erich Ludendorff die Nervenärztin und Philosophin Dr. Mathilde v. Kemnitz kennen, die von anderen Ausgangspunkten her, jedoch in gleichem Sinne nach moralischer Erneuerung im Volke strebte.
Ludendorffs Ehe war schon seit einiger Zeit zerrüttet. Anfang des Jahres 1926 ließ er sich scheiden und heiratete am 14. September des gleichen Jahres Dr. Mathilde v. Kemnitz. Kurz danach verlegte das Ehepaar Ludendorff seinen Wohnsitz von München nach Tutzing am Starnberger See.
Von der Wahrheit der als »Gotterkenntnis« bezeichneten Religionsphilosophie seiner Frau hatte Erich Ludendorff sich schnell überzeugt und trat mit seinem weltgeschichtlichen Namen für sie ein. Ihm war sofort klar, daß nur diese philosophischen Erkenntnisse die Grundlage bilden konnten für die von ihm erstrebte »Volksschöpfung«. Ihm war klar, daß eine wirkliche Gesundung der Völker nur stattfinden kann, wenn diese die Einheit von Rasseerbgut, Glauben, Recht und Wirtschaft erreichen.
Um die Völker über die ihnen drohenden Gefahren gründlich aufzuklären, erforschte das Ehepaar Ludendorff nunmehr gemeinsam die Ursprünge sowie die Macht- und Einflußstrukturen der Geheimorden und anderer Organisationen mit verborgenen Zielen, wie beispielsweise der jüdischen Orthodoxie. Die gewonnenen Erkenntnisse über diese - von Ludendorff so bezeichneten - »überstaatlichen Mächte« wurden in Abhandlungen der Wochenzeitung »Ludendorffs Volkswarte« und in den nachstehend genannten Werken veröffentlicht:
(Daß Erich und Mathilde Ludendorff wegen dieser Veröffentlichungen u. a. als Antisemiten bezeichnet wurden - und heute noch werden -, beruht entweder auf völliger Unkenntnis oder böswilliger Verleumdung. Das Ehepaar Ludendorff hat niemals gegen das jüdische Volk gehetzt oder gar dessen Daseinsberechtigung bestritten, sondern lediglich die jüdische Religion einer kritischen Prüfung unterzogen und die Auswirkungen aufgezeigt, die sich aus dem darin enthaltenen Auserwähltheitsglauben für die Beziehungen des jüdischen Volkes zu anderen Völkern ergeben.)
»Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse« (1927)
»Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren« (1928)
»Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende« (1929)
Aufgrund des beispiellosen Aufklärungskampfes, den Erich und Mathilde Ludendorff, im Gegensatz zu Propaganda-Aktionen der Nationalsozialisten, in absolut sittlicher und ethisch einwandfreier Weise führten, wurden sie von Vertretern der alten Glaubensmächte in teilweise widerlichster Art persönlich geschmäht und verunglimpft, woran sich maßgebliche Kreise der NSDAP ebenfalls beteiligten.
Bereits 1925 hatte Ludendorff den Tannenbergbund ins Leben gerufen, der in ganz Deutschland seine Aufklärungsarbeit durch Vortragsveranstaltungen usw. unterstützte, und mit dem er in den folgenden Jahren einen geistig-politischen Kampf gegen die Erfüllungspolitiker, aber in zunehmendem Maße auch gegen die heraufziehende Gefahr einer nationalsozialistischen Zwangsherrschaft führte.
Im Jahre 1930 gründete Erich Ludendorff außerdem den Verein »Deutschvolk e.V.« als Rechtsschutz für die Volksgeschwister, die sich zur »Gotterkenntnis« bekannten. Dieser Vorläufer des heutigen Vereins »Bund für Gotterkenntnis (L) e.V.« konstituierte sich als religiöse Weltanschauungsgemeinschaft ohne politische Zielsetzung im Sinne der Reichsverfassung vom 11.8.1919.
Zu dieser Zeit arbeiteten die »überstaatlichen Mächte« an einem Plan zur Entfesselung eines neuen europäischen Krieges. Die italienischen Faschisten und die deutschen Nationalsozialisten begrüßten diesen Kriegsplan, der sich hauptsächlich gegen das kommunistische Rußland richtete. Erich Ludendorff wies dagegen auf die ungeheuren Gefahren eines solchen Krieges für Deutschland und die anderen betroffenen Völker hin. In seiner 1930 erschienenen Schrift »Weltkrieg droht auf deutschem Boden«, die im In- und Ausland weit verbreitet wurde, enthüllte er die geheimen Machenschaften, wodurch es ihm gelang, den geplanten Krieg zu »zerreden«.
Die Schärfe der Auseinandersetzungen mit der NSDAP geht aus zahlreichen Artikeln in Ludendorffs Wochenzeitung in den Jahren vor 1933 hervor. In der Ausgabe vom 3.7.1932 erschien z. B. ein Beitrag mit dem Titel »Mitten in der Revolution 1932/33«. Darin warnte Ludendorff zum wiederholten Male eindringlich vor Hitler, »der nicht im Stande sein wird, die von ihm und dem Chef seines Stabes in die SA und SS gelegte Blutrünstigkeit zu bannen. Nach zehn bis zwölf Jahren wird das deutsche Volk erkennen, daß die Revolution von 1932/33 ein Volksbetrug war, wie die Revolution von 1918/19, nur noch ein viel größerer.«
Ludendorffs Warnungen vor einer Übernahme der Staatsgewalt durch die NSDAP verhallten ungehört. Nachdem Hitler am 31. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war, soll Ludendorff am 1.2.33 folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten v. Hindenburg gesendet haben:
»Sie haben durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler einem der größten Demagogen aller Zeiten unser heiliges deutsches Vaterland ausgeliefert. Ich prophezeihe Ihnen feierlich, daß dieser unselige Mann unser Reich in den Abgrund stoßen, unsere Nation in unfaßliches Elend bringen wird, und kommende Geschlechter werden Sie verfluchen in Ihrem Grab, daß Sie das getan haben.«
Am 23.3.1933 wurden der NSDAP durch das sog. »Ermächtigungsgesetz«, das alle Parteien mit Ausnahme der SPD und KPD billigten, diktatorische Vollmachten erteilt. Kurz darauf erfolgten staatliche Verbote des Tannenbergbundes und des Vereins »Deutschvolk«, sowie der Wochenzeitung »Ludendorffs Volkswarte«. Damit war die Weiterführung des politischen Aufklärungskampfes erheblich beeinträchtigt, so daß Erich Ludendorff sich vermehrt wissenschaftlich-weltanschaulichen Arbeiten widmete, die er in seiner Halbmonatszeitschrift »Am heiligen Quell deutscher Kraft« veröffentlichte. Außerdem schrieb er an seinen Lebenserinnerungen, die jedoch erst nach dem Ende de zweiten Weltkriegs herausgegeben werden konnten.
Im Jahre 1935 gab General Ludendorff noch ein Werk mit dem Titel »Der totale Krieg« heraus. Daraus ging klar hervor, daß er nur einen echten Verteidigungskrieg als sittlich gerechtfertigt ansah. Jeder Angriffskrieg zur Ausweitung der Macht eines Staates oder auch zur Ausbreitung einer Glaubenslehre wurde als ein Menschheitsverbrechen gebrandmarkt. Nur böswilliges Mißverstehen konnte das Werk als Hymne auf den Krieg umdeuten. Erich Ludendorff wählte den Titel aus der Erkenntnis heraus, daß beim Lebenskampf eines Volkes zur Abwehr feindlichen Vernichtungswillens nicht nur die kämpfende Truppe, sondern jeder Angehörige des Volkes auf seinem Platze alle Kräfte für den Sieg anspannen muß.
Wenige Monate vor seinem Tode traf Ludendorff noch einmal mit Hitler zusammen. Die Begegnung erfolgte am 30.3.1937 an einem neutralen Ort in München auf Wunsch der Wehrmachtsführung, die sich davon eine mäßigende Wirkung auf Hitlers Kriegsabsichten versprach. Ludendorff stellte alle Bedenken zurück und nutzte die Gelegenheit, Hitler nochmals eindringlich davor zu warnen, einen Krieg zu beginnen. Dessen Versicherung, er sei weit davon entfernt, an einen Krieg zu denken, schenkte Ludendorff keinen Glauben, so daß er nach seiner Rückkehr nach Tutzing resigniert feststellen mußte: »Es ist alles vergebens, dieser Mann wird Deutschland ins Unglück stürzen.«
Am 20.12.1937 starb Erich Ludendorff in tiefer Sorge um das Schicksal seines Volkes. Seine Witwe setzte durch, daß bei dem von Hitler aus propagandistischen Gründen erzwungenen Staatsbegräbnis nicht die Hakenkreuzflagge, sondern die kaiserliche Kriegsflagge den Sarg bedeckte. Die Beisetzung erfolgte auf dem Tutzinger Friedhof in einer mit Felsen bestückten Grabanlage, auf der ein Gedenkstein mit Ludendorffs Büste errichtet wurde.