"Die Fackel der Wahrheit..."


Gotterkenntnis im Werk Erich Limpachs

Ein Vortrag zum 100. Geburtstag des Dichters (1899-1965)

Von Uta Göllner

Am 27. Juni 1999 jährte sich der Geburtstag Erich Limpachs zum 100. Male. Wenn anläßlich dieses Ereignisses dem Wirken und Schaffen des Dichters gedacht wird, so geschieht dies nicht nur weil Limpach einst zu den verbundensten Mitstreitern des Hauses Ludendorff gehörte. Unser Gedenken gilt auch dem künstlerisch Schaffenden, der kaum treffender geehrt werden kann, als mit den folgenden Worten Franz Karg von Bebenburgs: "Wie einst Volker von Alzey den Zug der Nibelungen begleitete, so stand Erich Limpach durch sein dichterisches Schaffen und Wirken dem Höhenflug der Menschenseele, dem deutschen Volk, dem Feldherrn Erich Ludendorff und seinen Gefährten in einem Geisteskampf zur Seite, der auch der seine war."1)

Wenn solches von einem Dichter und seinem Werk gesagt werden kann, dann sprechen wir zurecht von einem Kulturwerk, ein Werk, das mit der Seele Zwiesprache zu halten vermag. Daß dies dem Dichter Limpach vortrefflich gelingt, kann das Urteil vieler Zeitgenossen bestätigen, und wer sich dem Werke in einer besinnlichen Stunde widmet, mag sich selbst davon überzeugen. - Nun legte Erich Limpach aber auch großen Wert darauf, immer wieder zu bekunden, wieviel er der Gotterkenntnis Ludendorff verdanke und wie sehr er ihr verbunden war. Und deshalb dürfen wir heute, im Sinne des Dichters, diese Gelegenheit nutzen, das Wesen kulturellen Schaffens aus Sicht der Gotterkenntnis zu beleuchten, und dabei die Dichtkunst und als solche das Werk Limpachs - ihm zu Ehren - als Beispiel heranziehen.

Als abschließenden Teil ihres Dreiwerkes "Der Seele Wirken und Gestalten" verfaßte M. Ludendorff ihre Philosophie der Kulturen, "Das Gottlied der Völker"2), welche dem Wesen und Gesetz der Kultur gewidmet ist. Eingangs erklärt dort die Philosophin, daß dieses Werk demjenigen Leser, der die Tatsächlichkeit des Gesagten nicht miterleben kann, wohl nur wie ein schöner Traum erscheinen wird, weil ohne ein Mit- und Nacherleben, allein der Vernunft, dieses Gebiet der Gotterkenntnis niemals Wirklichkeit sein kann. -

Das ist nicht etwa eine Schutzbehauptung, sondern liegt in der Natur der Sache - denn da es sich bei der Philosophie der Kulturen ja selbst um ein Kulturwerk handelt, befinden wir uns mit diesen Erwägungen schon mitten innerhalb der Gesetze, welche das Wesen der Kultur ausmachen. Der Begriff "Gotterkenntnis" besagt ja, daß wir es mit einem Erkennen zu tun haben, welches die Vernunft allein nicht bewerkstelligen kann. Denn das "Göttliche" - im Sinne M. Ludendorffs das Wesen der Erscheinung - ist nur dem Erleben der Seele zugänglich, die es nichtsdestoweniger als Tatsächlichkeit erkennen kann. Solche Erkenntnis ist das Bewußtwerden göttlichen Gehaltes an Schönem, Wahrem und Gutem, ein im Einklang mit solcher Genialität stehendes Fühlen von Liebe und Haß, ein Innesein des Gottesstolzes, der als "ein helleuchtender, göttlicher Strahl die Würde des Menschen verkündet".3) Wenn göttlich Vollkommenes in diesem Sinne der Menschenseele begegnet, erschließt es sich ihr nur, wenn es ihr wohlbekannt ist. In Worten, Taten oder Werken wird dann eine gottwache Menschenseele göttlichen Gehalt wahrnehmen, wiedererkennen und ihre einzigartige, wesensverwandte Antwort geben. Deshalb - so M. Ludendorff - bleibt alle Tatsächlichkeit aus dem Bereich des Gotterlebens, "auch wenn sie öffentlich auf die Märkte der Menschen gestellt wird, in sich selbst gehütet. Sie läßt sich nur von dem miterleben, der gottwach genug ist, um des Erlebens auch wert zu sein. Von allen anderen läßt sie sich entweder ablehnen oder nur mit dem Worte nachreden. Sie ist gehüllt in ein Gewand, das aus der Tiefe des Gotterlebens des Schaffenden gewoben ist und nur dem durchsichtig wird, der gottwach blieb. Sie bedarf also wahrlich keiner geschlossenen Schließfächer und Druckverbote, um denen unerreichbar zu bleiben, die nicht zu ihr gehören!"4)

Aber natürlich kann der Leser, der das "Gottlied der Völker" zur Hand nimmt, ohne die vorausgehenden Werke der Gotterkenntnis zu kennen, nicht erwarten, ohne weiteres folgen zu können. Zu viele Begriffe bedürfen der Erklärungen, denen die früheren Bücher ausführlich gewidmet sind. Es wäre also schon allein für die Vernunft nicht einfach, dem Gesagten zu folgen. Und schließlich erfordert gerade dieses Werk das Miterleben in so besonderer Weise, weil die Ausführungen zu Wesen und Gesetz der Kultur vom Standort des göttlichen Willens aus verfaßt sind.

Das heißt, wir müßten vor allem das Buch "Schöpfungsgeschichte" kennen, um den göttlichen Willen selbst, als Ursprung, Ziel und Sinn der Schöpfung, erkannt zu haben. Wir hätten dort staunend miterlebt, nach welch vollkommenen Gesetzen Welt und Menschen geworden sind. Wir hätten bewundernd nachvollzogen, auf welch geniale Weise der tiefe Sinn dieser Schöpfung - nämlich der Wille Gottes zur Bewußtheit, der im "Triumph des Unsterblichkeitwillens" nachgewiesen wurde - in Erscheinung getreten ist. So vollkommen gestaltete der göttliche Wille diese Schöpfung, daß selbst die eingeborene Unvollkommenheit des Menschen in ihr Sinn hat, weil nur sie dem Menschen die fessellose Freiheit gewährt, den göttlichen Sinn seines Seins zu erfüllen. Sinnvoll und großartig sind Vergänglichkeit und Unvollkommenheit als Retter von Freiheit und Gottesbewußtsein in diese Schöpfung gelegt. Die Fähigkeit, des göttlichen Willens bewußt zu sein, zeichnet den Menschen in diesem Weltall unter allen Lebewesen als einzigartig aus. Und umso einzigartiger jedes Volk und jeden einzelnen Menschen, dem der göttliche Wille zur Mannigfaltigkeit seine ihm allein zueigene Art und Weise dieser Fähigkeit des Gotterlebens geschenkt hat. Die Vernunft allein kann niemals weder begreifen noch vermitteln, welche Erhabenheit durch die vollkommene Schöpfung in einem einzigen Menschenleben liegt! Wer diese Erhabenheit nicht jemals gefühlt hat und wen das Gewahrwerden der Möglichkeiten und der Verantwortung angesichts solcher Erkenntnis kalt läßt - der wird auch dem "Gottlied der Völker" nichts abgewinnen können.

Er braucht es auch nicht. Denn die Philosophie der Kulturen gehört zu den Teilen der Gotterkenntnis, "die keine Verpflichtung in sich bergen, wenigstens in den ,praktischen‘ Ergebnissen der Erkenntnisse auch allen jenen zugänglich gemacht zu werden, die an den Erkenntnissen selbst keinen Anteil nehmen."5) Denn Erhabenheit des Gotterlebens, deren gleichnishafter Ausdruck jedes Kulturwerk ist, ist erhaben über jeden Zweck - und sei es der edelste, den Menschen zur Höhe zu führen. - "Damit aber kommt der Schaffende wieder in die ihm so ersehnte Lebensluft, die Sebastian Bach in die schönen Worte kleidete, daß er seinem Gott musiziere. Er darf es sich leisten, nicht nur während des Schaffens, nein, auch nach Vollendung des Werkes nicht zu sorgen, ob es wohl... in seinen Ergebnissen raschere Verbreitung findet als in seinen Erkenntnissen. Wir werden in diesem Werke erfahren, inwiefern das keine Gefühllosigkeit gegenüber dem Schicksal des Volkes und der Völker der Erde in sich birgt, denn heilige Gesetze der Kultur sichern der Erkenntnis an sich schon die Zugänglichkeit für alle gottwachen Seelen der Zukunft. Sie aber sind es, die ein Anrecht auf den Reichtum des Erlebens ihrer Vorfahren haben und die Frucht solchen Miterlebens kommenden Jahrhunderten weiterreichen."6)

Vom Höhenflug der Menschenseele

Diese Fähigkeit des Miterlebens schenkt nur die "Flugkraft, aus dem verwirrenden Bilde der Wirklichkeit in der Erscheinungswelt zu jenen Höhen des göttlichen Willens zu gelangen, ja, auch die Kraft, auf diesem Standort dauernd zu verweilen, von welchem aus allein die köstliche Wirklichkeit der Kultur erschaubar ist..." Und - so M. Ludendorff weiter - "Die Kenner meiner Werke wissen, daß hiermit keineswegs irgendein mystischer Seelenzustand gemeint ist, sondern einfach die an Hand der vorangegangenen Werke gewonnene klare Einsicht in die tiefen Zusammenhänge und Gesetze des Lebens und überdies das Gotterleben des einzelnen selbst, das von solcher Einsicht nicht abhängig ist und zu allen Jahrtausenden gelebt werden konnte."7)

Es ist diese Fähigkeit der Menschenseele, ihre Flugkraft zur Höhe, zu deren Begleiter Erich Limpach mit vielen seiner Gedichte geworden ist. Vom Adel der Seele zu künden, dem einzelnen Menschen diese ihm innewohnenden Gottkräfte zu benennen, bewußtzumachen und zu wecken - das ist wohl selten einem Dichter so vortrefflich gelungen. Begabung und Können am Wort im Verein mit Wahlkraft am Gehalt verdichtet zu einer Schlichtheit, die vom klaren Gotterkennen des Dichters zeugt. Gotterkenntnis und Schöpferkraft am Wort machen den Dichter zum unermüdlichen Rufer in einer Welt, in der ewige Werte abhanden zu kommen drohen:

"Ich rufe!
Auch wenn mich keiner hört. Ich rufe.
Vielleicht kommt doch einmal die Stufe,
von der ein Windhauch meinen Laut
in eine wache Seele taut.
Vielleicht, vielleicht - ich weiß es nicht.
Und doch bleibt mir das Rufen Pflicht."
8)

"Ob Dauer sich um mein Bemühen rankt,
ob je ein Wort mir für mein Streben dankt,
das ist es nicht, wofür ich ringend wirke.
Doch wenn ein Strahl in innerste Bezirke
verwandter Seelen als ein Leuchten fällt,
dann war ich nicht vergebens auf der Welt."
9)

"Das höchste Gut, das unsrem Sein gegeben,
ist frei zu denken - fessellos - zu leben.
Wo Menschen kämpfend dieses Gut bewahren
und heldisch ohne nach dem Sinn zu fragen
den stolzen Einsatz ihres Lebens wagen,
dort weht das Ewge um die kleinen Scharen,
die immer neu dem Edlen Vorbild werden
und Hüter sind des Göttlichen auf Erden."
10)

Hüter des Göttlichen zu sein - das ist die Aufgabe, die dem Menschen in dieser Schöpfung zuteil geworden ist. Denn Gotterhaltung ermöglicht die Erfüllung des Schöpfgungszieles in einzelnen Menschen, ermöglicht Wandel einzelner Seelen zur Selbstschöpfung der Vollkommenheit. Gotterhaltung schenkt Seltenen die Kraft zum Sieg über alle traurigen Willensrichtungen, welche Einengung der Wahrnehmung, Einkerkerung, womöglich Einsargung der Seele nach sich ziehen. Hüter des Göttlichen zu sein - das ist der Beitrag, den jeder Mensch, auch der noch unvollkommene, jederzeit freiwillig leisten kann. Er kann Helfer sein im Siegen über die Unvollkommenheit. Hüter und Helfer oder sogar selbst Vollender der "Schöpfungsgeschichte des gottbewußten Einzelwesens", auf daß die Weltschöpfung ihre Krönung immer wieder neu erfahre.11)

Dieses Amt erfüllt der Mensch nicht nur durch sein eigenes, innerseelisches Erleben allein, sondern mehr noch durch einen ganz besonderen Wesenszug der göttlichen Wünsche, die das Ich seiner Seele erlebt. Denn all dies Erleben ist durchdrungen von dem Willen, dem Erleben auch Ausdruck zu verleihen. Allen Menschen gemeinsam ist der Wunsch, den Fähigkeiten ihres Bewußtseins, den Gottkräften ihrer Seele, durch Worte, Taten und Werke Erscheinung zu geben und so auf die Umwelt ausstrahlen zu lassen. M. Ludendorff beschreibt dies so: "Göttlich gerichtete Liebe und göttlich gerichteter Haß wollen in Wort und Tat sich gegen andere Menschen richten. Der göttliche Wille zum Guten, der das Handeln erleuchtet, drängt zu Wort und Tat, die im Einklang mit ihm stehen. Der Wille zur Wahrheit, wie er sich im Denken und Urteilen erfüllt, wie er sich im Forschen bestätigt, will sein Ergebnis: Erkenntnis, anderen in Worten durch die Tat vermitteln; denn er will nicht nur selbst zur Erkenntnis gelangen, nein, er will auch Sieg der Erkenntnis über alle Wirrnis, die in der Umwelt Wahrheit bedrängt und verdrängen kann."12)

Von dem Wunsch, der Erkenntnis zum Sieg zu verhelfen, ist das Werk Erich Limpachs tief durchdrungen. Nicht von ungefähr finden wir darin häufig ein Wortgleichnis, das diesem Wunsch Ausdruck verleiht: "Die Fackel der Wahrheit". Sie mit der Macht des Wortes in die Herzen der Menschen senken und hoffen, daß der Funke Erkenntnis zündet; jene Fackel zu tragen und weiterzureichen, deren Leuchtkraft den Widerstand der stumpfen Welt besiegen möge - ein inniger Wunsch, der aus allen Gedichten und Aphorismen Limpachs spricht. Limpach gehörte mit zu den ersten Deutschen, die im Freiheitskampf des Hauses Ludendorff in vorderster Linie standen. In der Gotterkenntnis Mathilde Ludendorffs fand der Dichter jene klaren, philosophischen Erkenntnisse, die er fortan an als gewonnene Überzeugung vertrat und die weiterzutragen ihm Selbstverpflichtung war. "Die Fackel der Wahrheit" - Daß Limpach bei diesem Bild an die Gotterkenntnis (Ludendorff) dachte, steht außer Zweifel. Denn in der Tat zeugt sein dichterisches Schaffen von einem tiefen Nacherleben der Werke der Gotterkenntnis, für den kundigen Leser faßbar in Mahnrufen und zu Herzen dringenden Tönen, die gedacht und geeignet sind, den deutschen Freiheitskampf wirkungsvoll zu unterstützen und besinnlich zu vertiefen. Und nur der seltene Künstler vermag große Gedanken in derartiger Schönheit zu verdichten und - um mit den Worten Walter Löhdes zu sprechen - formschöne und wohlklingende "Verdichtungen" seelischen Erlebens und Erkennens zu schaffen.13) "Die durch Dunkelheiten führen, müssen selber Fackel sein..."14) - wie sehr gereicht der Dichter den eigenen Worten zur Ehre, indem er unermüdlich das Licht dem Dunkel entgegenhält, ein unbeirrbarer Fackelträger und Hüter des Göttlichen.

"Und mag die Welt aus tausend Wunden bluten,
die ihr der Wahn vertierter
15) Menschen schlägt -
ich glaube weiter an den Sieg des Guten,
das unser Sehnen zu den Sternen trägt.(...)
Die Wahrheit suchen und das Schöne sehen,
die Freiheit achten, die den Menschen ehrt -
wenn wir den Sinn des Daseins so verstehen,
erst dann sind wir bewußten Lebens wert."
16)

"Heilige Glut.
Und reicht dir die Erde das Feuer nicht,
dann hole dir mutvoll vom Sternenlicht
die Glut, um die Fackel zu zünden.
Kein Weg ist der Seele, die sucht, zu weit,
sie weiß sich erhaben ob Raum und Zeit
der Gottheit voll Stolz zu verbünden."
17)

Das Kulturwerk - ein heiliges Sondergut der Kultur

Durch diesen Wesenszug der göttlichen Wünsche, Erscheinung werden zu wollen, entsteht Kultur. Kultur nennt M. Ludendorff alles, was eines Menschen göttliches Wollen und Fühlen in Worten und Taten Ausdruck verleiht, was durch die Schöpferkräfte der Seele - Wahlkraft, Richtkraft und Gestaltungskraft - gleichnishaft in Erscheinung tritt und damit wahrnehmbar für Mit- und Umwelt wurde. Liebevolles Gestalten von Heim und Garten, Hingabe an Minneerleben, an Elternamt, an Freundschaft, Mitleiden, Mitfreuen, Musik, Tanz und Gesang, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeitssinn. All dies ist lebendige Kultur, Ausdruck des Gottesbewußtseins der Menschenseele in Wort und Tat.

Ein besonders heiliges Sondergut aller Kultur ist allerdings das Werk. Denn... "eindringlicher noch als Worte und Taten singt das Kulturwerk das Gottlied über die Erde hin und zeugt von Kraft, Klarheit, Tiefe, Reichtum und Mannigfaltigkeit göttlichen Lebens der Menschen."18) Dies ist so, weil nur der selten Begnadete fähig und kühn genug ist, all dem unnennbaren Reichtum seines Erlebens, seinem Umfang, der Tiefe und Vielgestaltigkeit in Schöpferkraft Erscheinung zu leihen. Nur der Kulturschöpfer verfügt nämlich über soviel Begabung und Können, seinem Erleben im Gleichnis würdigen Ausdruck zu geben. - Über die bildende Kunst, z.B. schreibt M. Ludendorff daher folgendes: "Meine philosophische Erkenntnis sagt, daß ein Kunstwerk diesen Namen nur verdient, wenn es Kultur bietet, d.h. wenn es göttliches Leben seinem Inhalt nach zur Erscheinung bringt und zwar mit solchem Können der Erscheinungswelt übermittelt, daß der göttliche Wille zum Schönen erfüllt wird. Das Letztere aber wird nur durch das Können des Schaffenden gesichert. Göttliches Erleben ohne solches Können kann nicht Erscheinung werden, das Fehlen des Könnens des Schaffenden verschandelt dann sein eigenes Erleben. Ein Können aber ohne göttliches Erleben der Erscheinungswelt übermittelt, ist erst recht kein Kunstwerk, wenn es auch manchmal gerade den Fachleuten eine gewisse Achtung und Beachtung entlockt und Laien verwirrt."19) - Die Kulturwerke eines Volkes, das sind also die Werke seiner Forscher, seiner Maler und Baukünstler, seiner Musiker und Dichter, die mit seltener Begabung und Können befähigt und durch gewaltiges Erleben ihrer Seele gewillt sind, gottwache Gleichnisse zu schaffen, deren Vollkommenheit die "Kraft der Unsterblichkeit" in anderen gottwachen Seelen erweckt. -

Auf besondere Weise kann also auch der Dichter göttliches Leben im Wortgleichnis wiedergeben. Seine Wahlkraft wählt nämlich nur das Notwendige und Gottwesentliche aus der Erscheinung, und dabei ist ihm nur das wesentlich, was der Erkenntnis der Wahrheit dient. Er wählt das Wesentliche aus den Begriffen und eint es durch sein Können zu einer Idee. Und diese Idee wiederum vermittelt anderen Menschen die Brücke zurück zu jenem unnennbaren Wesentlichen, das der Dichter eingangs ausgewählt und im Gleichnis der Idee verhüllt hat.20)

Über das Amt des Dichters und seinen Dienst am Wort hat Erich Limpach vielfach geschrieben, und nicht selten kommt darin auch zum Ausdruck, daß das Dichten nicht immer so leicht fällt, wie das vollendete, flüssige Ergebnis den Leser glauben lassen könnte. Liebevoll- humoristisch berichtet Limpach daher vom "Poetenkummer":

"Es gibt Momente dann und wann,
Wo man sich selbst nicht leiden kann.
Zum Beispiel, wenn man wenig heiter
Am Schreibtisch sitzt und weiß nicht weiter.
Dieweil ein reimgewöhntes Wort
Gesellschaft sucht - und die ist fort.
So kaut man denn als Kunstverwalter
An dem entzweckten Federhalter
Und sieht - sich selbst bedauernd - ein:
Es ist nicht leicht, ein Dichter sein."
21)

Das Leid des Schöpfers an seinem Werke ist oft aber weitaus größer, als es diese Zeilen so schmunzelnd als "Poetenkummer" nur andeuten wollen. Die Philosophie der Kulturen zeigt: "Das Wenige dieses Jenseitigen, das der Schaffende als besonders geeignet zum Werke sich aus solchem Reichtum seines Gotterlebens erwählt, mag wohl den anderen häufig unverkümmert erscheinen, niemals aber stützt der Schöpfer des Werkes selbst solch einen Wahn. Er kennt die Verluste! Je gottnäher er selbst, je stärker seine Begabung, je größer auch sein erlerntes Können, seinem Erleben im Gleichnis würdigen Ausdruck zu geben, um so klarer sieht er die Kluft, die zwischen Erleben und Gleichnis im Werke noch klafft. Wie mancher wahrhaft Begabte hat nicht in solchem tiefen Schmerz ob dieses Erkennens sein Werk selbst zertrümmert. Oder aber er war doch nahe daran, es ganz zu zerstören, weil es nur einen matten Abglanz seines Erlebens ihm bot, weil es der Mit- und Nachwelt nur ein so karges Zeugnis dessen gab, was an gewaltigem Leben dem Schaffenden selber geschenkt war."22) Aus diesem Grunde ist die Verantwortung dem Schaffenden Bürde und Kraftquelle zugleich. Sie läßt ihn nicht ruhen, bis ihm das Werk in seiner Gestaltung endlich genügt.23) Und sie schenkt ihm die Kraft zur Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst, das karge Zeugnis seines gewaltigen Erlebens trotzdem der Mitwelt zu offenbaren, weil es das Schöpferamt von ihm fordert. - Der folgende Vers Erich Limpachs trifft den Zwiespalt des Dichters schon eher:

"Mittler des Wortes - welch heiliges Amt,
Hüter der Sprache - welch fordernde Pflicht.
Ewig berufen und ewig verdammt,
immer im Sturme das Angesicht,
selten ein Strahl von göttlichem Glanz.
Dennoch getrieben und treibend zugleich,
dennoch ein Teil in leuchtendem Kranz,
dennoch ein Herrscher in heimlichem Reich."
24)

Wenn wir uns dieses innere Ringen des Kulturschaffenden bewußtmachen, um wieviel mehr wissen wir dann zu schätzen, sein Werk in Händen halten zu dürfen.

Hüter und Schöpfer der Sprache - das ist der Dichter wie kein anderer. Denn: "Von dem Gotterleben wurden in fernster Vorzeit Worte geschaffen, die Kulturworte genannt, die die Muttersprache des Volkes enthält. Jedes dieser Worte vermag (...) das Gemüt der Menschen gleichen Blutes tief zu bewegen. So schlingt denn die Muttersprache durch diese Worte das innige Band der Seelen in einem Volk. (S. "Die Volksseele und ihre Machtgestalter"). Über Jahrtausende hin kann uns ein Wort, von dem Vorfahren geschaffen, heute Gemütsbewegung wecken, da es verwoben ist mit dem ererbten Erleben des Göttlichen. Aus dem Schatze der Sprache schöpfen die Dichter und Forscher, um ihrem Erleben in Worten gleichnishaft Ausdruck zu leihen. Alle haben für des Schaffenden Seele Gehalt an göttlichem Leben, alle sind innig mit seinem Erbgut verwoben, so sind sie denn seinem Schaffen willkommener Ausdruck. Und alles, was er so in seiner Muttersprache der Erscheinung im Werke anvertraut, ist dann den Gottwachen des Volkes ,wie aus der Seele gesprochen‘ und weckt ihr eigenes Mitterleben des Werkes."25)

Im klaren Erkennen dieser Macht des Kulturwortes, im Bewußtsein der Verantwortung, "Wortpräger" zu sein, wie dies die Edda von den Dichtern sagt, schreibt Limpach:

"Nur das Beseelte kann die Seele wecken.
Wo Worte stammeln und die Bilder lügen,
dort bleibt das Echo in der Tiefe aus,
und kalte Leere macht das Sein zum Nichts."
26)

"Es ist das Wort, das aus der Seele stammt,
das immer neu die Lauschenden entflammt
zu kühnen Handelns wandelndem Gestalten.
(...)"27)

Immerhin aber leidet der Dichter weit weniger schwer als der Forscher, der sich ja auch dem Wunsch nach Wahrheit widmet, an der Kluft zwischen Erleben und Ausdruck im Werk. Der Dichter unterliegt nämlich nicht so sehr der Pflicht zur Vollständigkeit. "Entzieht sich ihm das Unnennbare allzusehr, so läßt er Lücken im Ausdruck. Reicher fluten die Worte, die Bilder um das Unnennbare, leise es streifend, leise es kosend, niemals es wirklich erreichend, niemals verpflichtet, die volle Wahrheit zu geben."28)

Eine Besonderheit der Dichtkunst ist allerdings die Lyrik. Sie möchte dem Seelengehalt einer Stimmung gleichnishaft Ausdruck verleihen. Dazu erklärt M. Ludendorff: "Dies hat zur Folge, daß unser Wille zum Schönen auf keinem Gebiete der Dichtkunst so empfindsam ist für geringstes Versagen künstlerischen Könnens. Schon ein einziges Wort kann ihn so tief verletzen, daß uns das Gedicht aus der Reihe der Kunstwerke ausgeschaltet erscheint. Der Inhalt des Gedichtes wendet sich ja eben an die Empfindsamkeit der Seele. Es gelingt ihm auch oft, das Mitempfinden zu wecken. Wie groß aber muß dann auch unsere Verletzlichkeit sein. Wortwendungen, die wir einer Ballade vielleicht noch verzeihen, die wir in einem Drama über seinem wertvollen Gehalte und seinem künstlerischen Aufbau wieder vergessen können, stören uns hier wie eine bleibende Verzeichnung. Um so mehr aber werden wir es begrüßen, wenn auf dem Gebiete der lyrischen Dichtkunst das Können des Dichters uns in der Harmonie schwelgen läßt, wie gute Musik dies tut."29)

Die lyrische Dichtung Erich Limpachs ist tatsächlich, mehr noch als seine vielen Mahnrufe zum Wahren, dem Willen zum Schönen gewidmet sind. Hier versenkt sich der Dichter als feinsinniger Beobachter der Natur alsbald in die vielen kleinen Dinge, die dem flüchtigen Blick entgehen: Licht und Schatten, ein Windhauch, fallende Blüten, Wellenspiele, ein reifes Feld, Waldeinsamkeit, eine sternklare Sommernacht und Stille, gebanntes Schweigen. Im Gang durch das Jahr sind einzigartige Momentaufnahmen verewigt, goldene Stunden, leise Töne, die dazu einladen, die zeitlosen Gleichnisse göttlicher Vollkommenheit der Natur zu umsinnen, anstatt wie so oft rast- und achtlos vorüberzueilen.

"Zarter Ruf.
Zum Glücklichsein genügt ein Hauch,
den dir ein blütenschwerer Strauch
verschwenderisch entgegenweht,
genügt ein zarter Vogellaut,
der schwingend auf dich niedertaut
und heimlich klingend mit dir geht,
genügt ein Blütenkelch am Weg,
der dich auf einem goldnen Steg
in deines Wesens Mitte führt,
genügt das Fühlen einer Hand,
die liebend in die deine fand
und dich im Innersten berührt."
30)

Auf besonders einzigartige Weise aber ist es Limpach gelungen, der Feierlichkeit deutscher Weihnacht, dem Lichterglanz und feierlichen Schweigen ihrer erhabenen Stunden artgemäßen Ausdruck zu geben. Und hiermit nähern wir uns einem Wesen und Gesetz der Kultur, welches den Dichter in ganz besonderem Maße auszeichnet: Es ist sein Wächteramt an der Volksseele.

Die Volksseele - ihre Bedeutung für die Kultur

Eingangs ihrer Philosophie der Kulturen ruft M. Ludendorff ihr unmittelbar vorausgehendes Werk, "Die Volksseele und ihre Machtgestalter", in Erinnerung. Von größter Bedeutung für das Verständnis vom Wesen und Gesetz der Kultur ist nämlich die Erkenntnis, daß die Volkserhaltung unentbehrliche Grundlage jeder Kultur ist. Im Unterbewußtsein jedes Menschen eines Volkes schenkt die Volksseele dem Gotterleben jene einzigartige Art und Weise der Gemütsbewegung, die Anteil an seinem Erleben im Bewußtsein hat.31) Und weil die Kultur ja ihrem Wesen nach gleichnishafter Ausdruck des bewußten Gotterlebens der Menschen eines Volkes ist, kann nur durch Schutz und Erhaltung der Völker, durch Ehrfurcht vor ihrem Leben in Freiheit und Selbstbestimmung die Mannigfaltigkeit und Schönheit der Kulturen Bestand haben. Die unsterbliche Volksseele ist über alle Jahrtausende ihres Seins hin heiliger Hort der Kultur.32)

Der Volksseele verdankt die Kultur jenes Echo, welches sie in wachen Seelen findet. Ihr verdankt auch die Muttersprache die beseelende Macht des Wortes. "Jedes Wort, das der Dichter wählt oder prägt, ist ja innig verwoben in seinem Gehalt mit dem Erbgut, es bewegt das Gemüt, es erfüllt zugleich den Willen zum Schönen und hält ein ganzes Volk dann in Gottnähe trotz aller Unvollkommenheit der einzelnen Seelen, die Gefahr seines Lebens ist."33) Die Volkseele ist es auch, die dem Dichter selbst die Wahlkraft verleiht, aus seiner Muttersprache das Wort - das geflügelte Werkzeug des Dichters - so zu wählen, daß es ihm mit Macht das Tor der Menschenseelen öffnet. Es ist daher geradezu undenkbar, daß ein Dichter, der mit dieser Kraft befähigt ist, nicht in inniger Verbundenheit zu Volk und Heimat stünde, und daß diese Liebe zum Volk nicht auch in seinem Schaffen Ausdruck fände. Je klarer ihm diese Liebe bewußt ist, desto tiefer ist dann auch seine Anteilnahme am Schicksal des Volkes.

Für Erich Limpach war es wohl das erschütternde Kriegserlebnis als junger Frontsoldat im Ersten Weltkrieg, was damals ihm - wie so vielen anderen - die Liebe zu Heimat und Volk mit aller Macht ins Bewußtsein rief. Doch während so vielen das Gotterleben im Kriege in der Nachkriegsnot schnell verblaßte, hielt der junge Kriegsheimkehrer Limpach die Eindrücke in seiner Seele wach und lebendig, und vertiefte und gestaltete "die Front im Spiegel der Seele" zu seinen ersten Versen - gewidmet "den gefallenen Helden des grauen Heeres zum Gedächtnis, den lebenden zur Erinnerung" - damit die Not und das Bestehen des Frontsoldaten niemals vergessen werden. Später berichtet das Bändchen "Volk im Sturm"34) "aus einem Menschenleben", welches den tobenden Sturm, der über Volk und Vaterland hinwegfegte, so lebendig miterlebte, daß Volks- und Einzelschicksal untrennbar einswurden. Der Freund und Mitstreiter Limpachs, Kurt Meyer-Boehm, nannte dieses Werk ein "Vermächtnis der Geistesfreiheit" eines "deutschen Dichters und Freiheitskämpfers", der "im Sturm der Zeit weder in seinem Werke noch in seinem Denken und Trachten jemals auch nur um Haaresbreite von den sittlichen Forderungen der Volkserhaltung und dem moralischen Streben der Gotterhaltung im Volke abgewichen ist."35) - Es war der innige Wunsch Erich Limpachs, das Wächteramt des Dichters für sein Volk zu erfüllen. Und so widmet er sein Werk den ewigen Werten des Volkes: Der Dichter besingt Freiheit und Recht, Heimat und Wehrhaftigkeit, Mut, Tapferkeit und Edelsinn und das unermüdliche Streben nach Erkenntnis.

Der Dichter - Helfer zur Selbstschöpfung der Vollkommenheit

Das Wesen der Dichtung ist es schließlich, daß sie die engen Grenzen des Erlebens einer einzelnen Menschenseele sprengt. Sie kann Raum und Zeit überwinden und von fernen Zeiten und fernen Orten berichten. Auch die Kausalität setzt dem Dichter keine Grenzen, wenn er vermag, das Kämpfen von Menschen mit Schicksalsschlägen dem lebendigem Nacherleben zugänglich zu machen. Ob er von jubelndem Glück oder tiefem Leid, vom Ringen oder Unterliegen des Guten berichtet - immer ist es sein Wille, den Gottgehalt in Menschenseelen zu verklären und zu enthüllen. Es ist, als hätte Erich Limpach in dem folgenden Vers das ganze Bestreben des Dichters auf den Punkt gebracht, der sich und seine Mitwelt mit seinen Werken fortwährend vor letzte Fragen stellen will:

"Die Fragen sind ernst und die Fragen sind groß -
sie fordern und fordern und lassen nicht los,
die Fragen nach gültigen Dingen.
Von wo du gekommen, wohin du gehst,
was wirkend verbleibt, wenn du wieder verwehst -
die Fragen, sie walten und schwingen.
Die Antwort zu finden im Laufe der Frist,
die flüchtig als Lehen dein Eigentum ist,
bezeugt deines Lebens Gelingen."
36)

"Immer ist der Mensch die Mitte"37)- eine Einsicht, die auf philosophischer Erkenntnis gründet: Das Ich ist Brennpunkt der Schöpfung, Träger des Gottesstolzes und zeitlebens durch freien Willen befähigt, Schöpfer göttlicher Vollkommenheit an sich selbst zu sein. Darum lenkt Limpach so häufig den Blick nach innen, wo die Seele sich im Ringen mit sich selbst und der widergöttlichen Umwelt befindet. Lebenserfahrung und Kenntnis der Seelengesetze begründen dabei die Zuversicht des Dichters, daß der Mensch immer Wege finden kann, die Moral des Lebens zu verwirklichen. Der Mensch kann die unbestechliche Prüfung bestehen, er kann die unerbittliche Forderung solcher Moral erfüllen - mit Leichtigkeit - wenn er erst erkannt hat, daß hier der einzig lohnenswerte Gewinn und Sinn seines Lebens verborgen liegt. Im "Vermächtnis der Zeit"38), welches jedes Menschenleben in einzigartiger Weise ansammelt, schlägt jeder Mensch sich selbst die Stufen seines Lebens. Ob sie zu Reife und Höhe führen, wird nicht gehindert durch tausend Qualen oder grenzenloses Alleinsein, wird nicht gefördert durch Freuden unendlichen Glücks. Was immer die Lebensfrist den Menschen wahrnehmen und erfahren läßt, die Antwort der Seele entscheidet über den Wandel. Immer wieder gemahnt der Dichter, die kurze Frist des Lebens zu nutzen, und dazu gehört auch die Erkenntnis, daß die Schule von Schmerz und Leid durchschritten werden muß.

In diesem Bestreben, immer die Fragen nach gültigen Dingen aufzuwerfen, immer der Wahrheit zu dienen und der Mit- und Nachwelt vom Gottgehalt, vom Adel der Menschenseele zu künden, ist der Dichter derjenige unter den Kulturschöpfern, der den Menschen als vergängliches Kulturwerk feiern möchte. Der Dichter - ein Helfer zur Selbstschöpfung der Vollkommenheit.

"Bedenk es gut und höre zu:
Nie wieder wird ein Mensch, wie du,
auf dieser Erde leben.
Es liegt an dir und deiner Tat
die tief in dich gesenkte Saat
zur Reife zu erheben."
39)

Der einzelne Mensch, obwohl er vergänglich ist, er allein, birgt in sich die denkbar großartigste Möglichkeit, die überhaupt in der Schöpfung angelegt ist. Wie andere Kulturwerkschaffende, spontan und erhaben über jeden Zweck, aber auch seines Tuns niemals bewußt, kann - könnte (!) - jeder Mensch als ein Schöpfer an sich selbst ein vergängliches Kunstwerk schaffen, daß alle unsterblichen Kulturwerke an Vollkommenheit noch überragt:

"Dafür ist aber auch sein Werk nicht nur ein in Erscheinung getretener Ausdruck eines bewußten Erlebens des Göttlichen, wie die unsterblichen Werke der Kultur, sondern es ist Erscheinung gewordene lebendige Gottesbewußtheit. - Dieses seltene und erhabenste aller Kulturwerke, das gesetzmäßig nur für einige Jahrzehnte in Erscheinung tritt, um dann aber als einzigartiges, einmaliges, nie wieder in dem Weltensein auftauchendes Kunstwerk zu schwinden, ist der gottgeeinte Mensch. Durch eigene, freiwillige, keinem Zwecke versklavte, unbewußte Schöpfertat schuf er sich aus der notwendigen angeborenen Unvollkommenheit des Menschen, aus der nur zeitweiligen Gottgeeintheit um zum dauernden Einklang mit dem Göttlichen. So wurde er zum einmaligen und einzigartigen Gottliede, das eine flüchtige Weile im Weltall erklingt. Das Echo aber, das die Felsen dem für immer verklingenden Liede noch eine kurze Weile gewähren, ist das Weiterleben des Toten im Erinnern der Überlebenden, die dem Gottliede lauschen, die den Toten kannten und liebten."40)


Wir ehren Erich Limpach für sein großartiges Werk.